Freitag, 22. April 2011

Lesemarathon zum Welttag des Buches 23.04.2011


Relativ spontan habe ich mich entschlossen, lose am Lesemarathon von Lovelybooksblog zum Welttag des Buches am 23. April 2011 mitzumachen. Er beginnt offiziell "nachher" um 00.00 Uhr und endet um 24.00 Uhr.

Ich habe fest vor, den Welttag des Buches lesend zu beginnen und habe vorsorglich schon mal einen großen Pott Krümelkaffee getrunken :)  

Auf dieser Seite werde ich immer mal wieder über meine Lektüre am heutigen Tage berichten, aber es wird kein 24-Stunden-Dauer-Ereignis wie beim read-a-thon, sondern ein entspanntes "Begehen" des Welttages des Buches.

Bis später :)
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00.05 Uhr
Und los geht es :) Statt "Das lesende Gehirn", ein forderndes Sachbuch, ab 00.00 Uhr weiter zu lesen, beginne ich einen Roman. Ich  blättere gerade in "635 Tage im Eis", aber hier liegt auch "Enzo - Die Kunste in Mensch zu sein" und "Die Fremde aus dem Eis". Mal sehen, worin ich mich festlese :)
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01.46 Uhr
Ich bin bei "635 Tage im Eis" geblieben. Dort wird von Alfred Lansing die wahre Geschichte der 1914 beginnenden Shackleton-Expediton erzählt, die eine West-Ost-Durchquerung der Antarktis beabsichtigte.  Aber mir fallen jetzt die Augen zu ... Ich begebe mich zu Bett und lese später weiter :)
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07.27 Uhr
Aufgestanden bin ich bereits um 7.00 Uhr, nachdem ich ohne Wecker - jaha, auch die MuMs waren still und lieb :) - wachgeworden bin. Es ist schön draußen und tatsächlich "warm" genug, um vernünftig angezogen draußen auf dem (schattigen) Balkon zu fühstücken. Und nebenbei geht es mit der Shackleton-Expedition weiter.
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09.12 Uhr
Ich habe jetzt gut zwei Stunden auf dem Balkon mit meinem Buch verbracht und nach dem Frühstück noch einen weiteren Pott Kaffee getrunken. Die hiesigen warmen Temperaturen zu spüren, den Balkontisch und mein Netbook von gelbem Pollen zu befreien, das Grün zu sehen, die Vogel zu hören und inzwischen auch die Geräusche der übrigen Zivilisation (Rasenmäher, Autos etc.) stellt einen starken Kontrast zu meiner Lektüre dar:

Die Mitglieder der Expedition sind inzwischen 5 Monate "auf dem Packeis", zwar herrscht antarktischer Sommer, aber die Temperaturen liegen natürlich regelmäßig deutlich unter 0°C. Sie sind abhängig vom Wind und der Drift des Packeises, sie hoffen, wieder zum Antartica-Land zurückzukommen oder die Paulet-Insel zu erreichen. Ihr Schiff ist inzwischen gesunken, aber sie haben noch "aufgerüstete" Boote. Aber was nutzen sie, wenn das Packeis nicht genug aufbricht, um sie zu wassern. Ich musste schlucken, als nahrungsmittelbedingt die Tötung etlicher Schlittenhunde (nicht aller) befohlen wurde. Es fällt mir auch schwer, die Passagen über die Jagd (Robben, Pinguine) zu lesen. Aber wie es an einer Stelle im Buch heißt: "Anfangs waren einige der Männer ... ein wenig zimperlich, was diese ... Jagdmethode anging. Doch das hielt nicht lange vor. Wenn es es darum ging, auf jede mögliche Art Nahrung zu sichern, war der Wille zum überleben bald stärker als jedes Bedenken." (S. 100 der TB-Ausgabe "635 Tage im Eis" von Alfred Lansing des Goldmann-TB-Verlages, 6. Aufl. 2000).
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12.50 Uhr
Während die Mitglieder der Shackleton-Expedition ihre zeitweilige Heimstätte - eine Eisscholle - verlassen mussten, da sie unter ihnen auseinanderbrach, und mit unberechenbarem Packeis, Eisbergen, dem offenen Meer und Eisstürmen kämpfen musste, kam die Mittagssonne auf dem Balkon. Während sie mich wärmte, ruderten diese Männer abwechslend alle 10 Minuten, damit jeder mal in Bewegung kam und warmwerden konnte. Es war also kein Zwang, sondern dringende Notwendigkeit, diesen kurzen zeitlichen Rhythmus zu wählen und aufrechtzuerhalten. Sie hatten nur noch die Kleidung, die sie am Leibe trugen. Als ein Mann ins eiskalte Wasser fiel, gab es nichts zum Wechseln: Er wurde von seinen Kameraden die ganze Zeit in Bewegung gehalten, damit er in den nassen Klamotten nicht erfror! Mir wurde mal wieder kalt, als ich das las...

Ich muss jetzt in die Stadt, um noch etwas Wasser für mich zu kaufen - die Männer fischten (was noch das Harmloseste ist) Gletschereiswürfel aus dem Meer und lutschten sie direkt oder tranken "versalzenes" Wasser, gebildet aus Gletschereis, dessen obere Schicht aus Meerwasser bestand -.

Wenn ich Glück habe, ist noch ein Platz in meinem Lieblingscafe frei und ich werde dort meine Lektüre fortsetzen. In der Sonne.
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15.17 Uhr
Mein Lieblingscafe wirkte ausgestorben ... Eigentlich kein Wunder. Es sind Ferien, das Wetter ist traumhaft, Radfahrer sind unterwegs. Ich fand es allerdings nicht schlimmt, dass ich Ruhe hatte. So konnte ich mein Buch beenden, während ich bei einem Milchkaffee auf mein Mittagessen wartete.

Ich spoiler nicht, wenn ich verrate, dass die Mitglieder der Shackleton-Expedition die 635 Tagen im Eis überlebten. Dies kann man bereits dem Vorwort des Romans entnehmen. Ich findes es unglaublich, was diese Männer alles mit- und durchgemacht haben. Es macht mir erneut bewusst, welche Leistungen diese Forscher und Entdecker erbracht haben, vor und nach Shackleton und uanbhängig davon, ob die Entdeckungsfahrten in die Antarktis oder Arktis, in das Herz Afrikas oder der Tundra gingen oder gehen oder ob ein neuer Weg nach Indien gesucht wurde. Und natürlich beschränkt sich dies nicht auf den Expeditionsleiter, sondern auch die anderen Teilnehmer. Die Mitglieder der Shackleton-Expedition meldeten sich freiwillig und fuhren mit, obwohl ihnen die - angesichts der Gefahren nicht sehr hohe (250 Dollar/Jahr für Vollmatrosen, 750 Doller/Jahr für erfahrenen Wissenschaftler) - Heuer häufig erst nach Ende der Expedition ausgezahlt wurde! Ich hätte mir übrigens ein paar mehr Informationen (oder von mir aus auch Mutmaßunge) darüber gewünscht, woher die Faszination der Teilnehmer herrührte, dass sie diese Strapazen auf sich nahmen. Möglicherweise ergaben sich diese Informationen auch aus die dem Autor zugänglich gemachten Tagebüchern bzw. den Gesprächen, die er mit Expeditionsmitgliedern geführt hat; falls ja, wurden sie nicht im Buch verwandt oder sie waren für mich nicht wahrnehmbar).

Das Buch "635 Tage im Jahr" enthält eine Fülle an Informationen, deren Brisanz und Bedeutung ich als nautischer Laie und seetechnischer Angsthase kaum bewerten und ermessen kann. Diese konkreteren Information zum Schiff, dessen Verhalten im Packeis und bei Seegang, die Positionsbestimmungen etc. machten den Text für mich auch etwas sperrig. Auf der anderen Seite waren die Beschreibungen, z.B. wie die Mannschaft auf dem Schiff überwinterte und später auf dem Packeis bzw. der Halbinsel,  die Wetterverhältnisse und deren Auswirkungen auf die Menschen (ständiger Wasserkontakt, Frostbeulen, Salzwassergeschwüre, Geräusche wie knirschendes Packeis an der Schiffswand, rollendes Meer) plastisch und für mich sehr bildhaft. Interessanterweise fühlte sich die Lektüre an diesem schönen Ostersamstag auch nicht "falsch" an. Auch wenn der Bericht an einem dunklen Winterabend möglicherweise noch intensiver wirken würde, bildete vielleicht doch die Sonne, das Licht und die Wärme ein gutes Gegengewicht gegen die antarktischen Verhältnisse.

Ich bin noch etwas am Überlegen, zu welchem Buch ich jetzt greife, aber keine Sorge, ich werde berichten :)
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18.00 Uhr
Nach dem zwar gut ausgegangenem, aber doch ziemlich heftigen Bericht über die Antarktis-Expedition 1914/1916 fiel meine Wahl ist auf eine Leihgabe von Winterkatze: "Drei Engel für Armand" von Jim C. Hines.  Offensichtlich hat die Klatschpresse ziemlich übertrieben, als sie von Danielle (Aschenputtel), Talia (Dornröschen) und Schnee (Schneewittchen) berichtete. Jedenfalls brachte das Gerücht von einem verzauberten Kürbis die inzwischen mit Prinz Armand verheiratete Danielle doch zum Husten :) Dass sie jetzt mittels diverser Bücher lernen soll, wie sich eine Dame zu benehmen hat, ist dabei doch wirklich nicht so fernliegend, oder?
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18.43 Uhr
Mit einem Glas Sekt auf dem Balkon sitzend und lesend frage ich mich, ob ich in diesem Buch auch Talias Geschichte erfahren werde. Was ist wohl der Grund, weshalb sie nicht mehr nach Musik tanzt, sondern tödlich-elegant als (quasi) Leibwächterin?
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19.30 Uhr
Mir gefällt Danielles Art, "quer" zu denken - ob nun der "Kampf" gegen die blaue magische Flamme des Elfenbotschafters oder die Art, wie sie den Hecken-Wächter-Goblin überzeugt, auch Talia mithineinzulassen!
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23.55 Uhr
Der Welttag des Buches neigt sich dem Ende zu ... und ich habe "Drei Engel für Armand" gerade beendet. Ja, es war ein fesselndes und auf seine Weise unterhaltsames Buch. Und ja, es war märchenhaft .. und in diesem Sinne war es voll mit Liebe, Magie und dem Kampf des Guten gegen das Böse, und zwar äußerst energisch, heftig und blutig. Geschenkt wurde weder den "drei Engeln", noch den drei weiblichen Hauptgegenspielerinnen etwas; Magie hat ihren Preis. Und so weist dieses durchaus mit Humor gespickte Märchenabenteuer auch mit grausamer Logik verhaftete Realität auf, wobei ich besonders an Talias Vergangenheit denke. Zwar sind auch die "Original"Märchen von Grimm (oder z.B. auch von H.C. Andersen)  nicht ohne Düsternis. Doch Jim C. Hines verankert seine magischen Geschichten von Danielle, Talia und Schnee deutlich in der Welt der Erwachsenen. "Drei Engel für Armand" ist aus meiner Sicht weder ein Buch für Kinder, noch so "leicht lustig", wie es der Klappentext vermuten lässt. Aber faszinierend anders.
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Ich habe den Welttag des Buches lesend begonnen und beende ihn schreibend mit diesem Update. Den Fernseher habe ich heute mal Fernseher sein lassen und keine meiner Serien geschaut, sondern mich neben den sonst von mir zu erledigenden Dingen dem Lesen gewidmet - zwar nicht nur des gedruckten Wortes, sondern auch der digitalen Version hier am Rechner, aber auch diese hatten häufig wieder mit der Printversion zu tun :)

Zumal man ja nicht den Welttag des Buches "braucht", um Bücher und Literatur zu schätzen, nicht wahr?
Gestern - heute - morgen: Viel Freude weiterhin beim Lesen!

Kommentare:

  1. Ich muss gestehen, dass ich die meisten "Lovelybooks Lesemarathon"-Beiträge in meinem Feed-Reader gerade einfach weggeklickt habe. Aber dir folge ich heute gern bei deinen Leseerlebnissen! Genieße den Tag, die Sonne und deine Bücher! :)

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  2. Das ist lieb von Dir, Winterkatze :)
    (Ich habe gar nicht so viele LB-Marathonbeiträge im Reader *g* Und - ehrlich gesagt - z.B. Seitenfortschritts-Beiträge interessieren mich auch (?) nicht)

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  3. Du kannst das Fragezeichen ruhig streichen! ;) Es besteht eben ein deutlicher Unterschied zwischen einem "ich habe X Seiten gelesen"-Beitrag und einem, bei dem mir jemand erzählt, dass er Stellen in seinem Buch nicht so leicht verdaulich fand oder dass ein großer Kontrast zwischen dem entspannten Lesen auf dem sonnigen Balkon und den Entbehrungen der Antarktis-Expedition besteht. ;)

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  4. :) Mir war schon vor dem Veröffentlichen meines Post klar, dass ich _keinen_ Seitenzahlenfortschritt in meinen Artikel einbringen wollte. Ich erinnerte mich an die Beiträge zum Read-a-Thon, in denen ich ja auch die geschafften Seiten vermerkt hatte. Für mich sind sie _an dieser Stelle langweilig_ und ohne Bedeutung. Zum einen sind die gedruckten Buchausgaben und deren Inhalte einfach zu verschieden, zum anderen sehe ich die Aktion nicht als Seitenzählmarathon ...

    (An meinen Monats- und Jahresstatistiken halte ich aber trotzdem fest, weil sie mir einen schönen Überblick und einfach ein gutes Gefühl geben *g*)

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  5. Mir haben deine Updates viel Spaß gemacht - und ich freu mich, dass du deine Reise in die Antarktis so intensiv erleben konntest, während dich die "Drei Engel für Armand" in eine fantastische Welt entführten.

    Ich konnte bei dem Buch durchaus den Humor genießen - trotz der zum Teil sehr düsteren Atmosphäre - und muss mir irgendwann noch einmal die beiden Fortsetzungen davon besorgen!

    Vielleicht sollten wir viel häufiger einen Buchtag genießen, bei dem der Fernseher ganz aus bleibt und man sich einfach Zeit fürs Lesen nimmt ...

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  6. "Red" wird ja auch hier erwähnt, tse... Attentatsversuch auf Königin Bea. So was!!! ;)
    Und ja, der Humor war ein gutes Gegengewicht gegen die düsteren Elemente!

    Buchtage sind toll *denkt an Themenparty*

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  7. I'm back home! My tour ended today and my tourist are now flying back home! it is going to take me a while to update my blog and read and translate this entrance, but i really wanted to come and say hello :)

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  8. Welcom back Gris!
    And:
    Feliz Semana Santa!

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  9. Huhu Natira!

    Meine Hochachtung!!
    Ich lese zwar auch viel, aber seit einigen Dekaden keine 17h mehr durch!
    Die Shackleton-Expediton hab' ich mir notiert.

    Noch einen schönen Montag und viele Grüße!
    martie

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  10. Guten Morgen Martie!
    17 h sind es wohl nicht geworden angesichts einiger Lesepausen, z.B. Einkaufen, Wäsche machen oder "635 Tage..." etwas "sacken" lassen vor Beginn des neuen Buches. Aber der Tag war wirklich intensiv! Und ich habe mich gefreut, dass ich mir die Ruhe und Zeit nehmen konnte :)

    Ich wünsche Dir noch einen schönen Ostermontag!

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