Samstag, 9. April 2011

"Neugier ist der Katze Tod: Roman aus der irischen Provinz" von Ian Sansom


Als ich mit C. vor zwei Wochen in einem Buchladen war, habe ich nicht nur Alex Capus "Léon und Louise" gekauft, sondern auch dieses Taschenbuch. Das Cover sprang ins Auge und nach einem kurzen Blick auf den Klappentext

Ein gebrochenes Herz und sein deprimierendes Leben als unterbezahlter Bücherbusbibliothekar im hintersten Winkel von Nordirland machen Israel Armstrong schwer zu schaffen. Als jedoch die Tochter eines Lokalpolitikers verschwindet, die kurz zuvor bei ihm ein Buch entliehen hat, sieht er sich gezwungen, seine persönlichen Probleme hintanzustellen. Er versucht herauszufinden, wo die vermisste Schülerin abgeblieben ist. Doch nichts ist, wie es scheint, und das Leben hält noch einige Überraschungen für Israel parat (Zitat Klappentext Piper Taschenbuch, dt. Erstausgabe Febr. 2011)

nahm ich es mit. Ich hätte besser etwas hineinlesen sollen...

Ok, es gibt Bücher, in die man nicht sofort "hineinkommt", zum Beispiel, weil man mit dem Erzählstil nicht ganz klar kommt. Nach 50 Seiten war ich allerdings immer noch nicht "angekommen". Zudem begann der Text und die Art des Erzählens mich zu nerven.

Der Protagonist Israel lässt sich, nachdem sich Gloria von ihm getrennt hat, vollständig hängen und verbringt seine Zeit in einem immer weiter herunterkommenden umgebauten Hühnerstall. Zur Arbeit geht er natürlich auch nicht. Ted, der ebenfalls in der Fahrbibliothek arbeitet, und George, die Vermieterin, zerren ihn mehr oder weniger wieder ans Licht und bringen ihn dazu, wieder zu arbeiten. Kurze Zeit betritt Lyndsay die Fahrbibliothek, ein Goth-Mädchen, und möchte eines der "nicht ausgestellten Bücher" ausleihen. Diese Bücher stehen nicht frei im Bus herum, da sie jugendliche Leser auf dumme Gedanken bringen könnten, wie das Bücherkommitee und offenbar noch andere "Größen" meinen. Unter anderem gehören dort hinein "Uhrwerk Orange", "Lady Chatterleys Liebhaber" oder "1984". Lyndsay entscheidet sich übrigens für "Amerikanisches Idyll" von Philip Roth (nein, diesen Roman kenne ich nicht).Kurze Zeit darauf ist Lindsay verschwunden, Israel wird verdächtigt, etwas damit zu tun zu haben. Er wird aber erst detektivisch tätig, als ihn eine Reporterin nach seiner polizeilichen Vernehmung vor eine nicht existente Wahl stellt: Entweder er recherchiert für und mit ihr, oder sie veröffentlicht, dass er vernommen wurde, was in dem Kaff quasi bedeutet, dass er mit dem Verschwinden etwas zu tun habe.

Ich kann mich nur wiederholen: Die Art und Weise, wie Ian Sansom erzählt - ich gehe davon aus, dass die Übersetzung durch Werner Löcher-Lawrence adäquat ist -, hat mich genervt bis gelangweilt. Nur weil ich wissen wollte, was nun mit Lindsay ist, habe ich weitergelesen. Dagegen interessierte mich der Protagonist den Hauptteil des Romans herzlich wenig. Israel mag Literatur, fühlt sich auch als Bibliothekar, meint aber, er passe nicht nach Tundrum. Als Bibliothekar, als Mensch, beides? Mir wurde es nicht klar und mir ist es auch nach Ende des Buches egal. Mal jammert er über das immer gleiche Leben und dass er von dort weg wolle, dass das Leben dort dem Film "Und täglich grüßt das Murmeltier" gleiche, ruft täglich mehrfach seine Ex an - ohne dass diese mit ihm spricht -. Er hasst das Vorlesen in der Schule (Teil seines Jobs), will den Teenagern nichts verleihen, mokiert sich über Unwissen, regt sich aber darüber auf, dass eine Ausleihzensur stattfindet. Auf der anderen Seite hat er ganz offensichtlich eine beinahe familiäre und intellektuell anregende Beziehung zu Pearce Pypers, einem älteren Herrn, und eine Beziehung mit Potential zu George und Ted.

Außerdem will ich einfach nicht glauben, dass die Leute, ob nun in der irischen Provinz oder anderswo, so konsequent neben der Spur und ignorant sind: Sie behalten z.B. nicht, dass Israel Vegetarier ist (wird sowohl vom Arbeitskollegen vergessen, als auch von der Besitzerin eines Cafes, das Israel regelmäßig besucht). Ted als Mitarbeiter der Fahrbücherein kennt z.B. das Wort Vegetarismus nicht, er sagt Vegetenarismus. Die Gespräche zwischen ihm und Israel sind regelmäßig sinnfrei (in meinen Augen), erst zum Romanende hin offenbart Ted eine Intelligenz, die der Autor den gesamten Roman hindurch versteckt hat. Ich gehe davon aus, dass der Autor die Figuren überzeichnet hat, aber ich kann diese Vermutung nirgends "festmachen". Mir fehlen die Vergleichsmöglichkeiten.

Der Roman gewann für mich erst an Fahrt, als Israel beginnt, wegen des Verschwindens von Lyndsay herumzufragen. Dass dies nicht aus Eigeninitiative oder eigenem Interesse erfolgt, hatte ich schon erwähnt, oder? Jedenfalls muss man sich leider erst durch fast 3/4 des Romans lesen, bevor dieser Handlungsstrang beginnt. Das vorher stattfindende Geplapper im Buch sollte wohl der Charakterisierung der Figuren dienen, ich fand es im Großteil überflüssig. Die gewählte Dialogform sollte wohl Schnelligkeit gepaart mit Witz vermitteln, ich fand es unübersichtlich und nicht lustig. Es gab in diesem Roman vielleicht 4 Szenen, die mir "Erholung" schenkten: In zwei Szenen finden Gespräche zwischen dem jüdischgläubigen Israel und dem Pfarrer der evangelischen Kirche statt. Eine Szene hat mit Lyndsay, der verschwundenen Schülerin zu tun und dann gibt es noch eine Szene am Ende des Romans mit George.

Die vom Daily Mail angepriesene Komik  habe ich nicht gefunden, und das meine ich wortwörtlich. Weder die Dialoge, noch die Figuren wirkten auf mich erheiternd. Natürlich ist das subjektiv.  Ironie oder Satire war für mich ebenfalls nicht erkennbar, wofür ich mir ein paar Gründe vorstellen kann:
- Der Autor kann Ironie oder Satire nicht vermitteln. 
- Es ist keine Ironie oder Satire enthalten.
- Nur Iren oder Briten können sie finden und erkennen.
- Nur Iren, Briten und Liebhaber die sowohl in Irland, als auch in London gewesen sind und die Eigenarten sowie dasVerhältnis von Iren und Londoner kennen - und am Besten auch noch die Eigenarten vegetarischer jüdischer junger Männer - können sie finden und erkennen.

Ach so: Falls Ihr Euch auch fragen solltet, warum das Buch diesen deutschen Titel trägt  - ich habe keine Antwort. Der englische Originaltitel "The Bad Book Affair" passt schon besser (nach meiner Meinung sogar in doppelter Hinsicht *grimmig grinst*). 

Falls es nicht deutlich geworden ist: Für mich war der Kauf dieses Romans Geldverschwendung *leise grummelt* Kommt hoffentlich so schnell nicht wieder vor ...

Kommentare:

  1. "Falls es nicht deutlich geworden ist: Für mich war der Kauf dieses Romans Geldverschwendung *leise grummelt* Kommt hoffentlich so schnell nicht wieder vor ... "

    Doch ja, das ist deutlich geworden. :D

    Bei Amazon hatte ich gesehen, dass das Buch wohl deutlich abfällt, im Vergleich zu den vorhergehenden Teilen um diesen Charakter. Aber ich glaube nicht, dass ich das ausprobieren will. ;)

    Was allerdings diesen Satz von dir angeht: "Sie behalten z.B. nicht, dass Israel Vegetarier ist (wird sowohl vom Arbeitskollegen vergessen, als auch von der Besitzerin eines Cafes, das Israel regelmäßig besucht)."

    Du wärst erstaunt, wieviele Menschen sich das auch nach vielen Jahren nicht merken können. Und wenn sie sich merken, dass man Vegetarier ist, dann bieten sie einem trotzdem noch Fisch an, weil der ja bestimmt gegessen wird ... *seufz*

    AntwortenLöschen
  2. @Winterkatze
    Du hast natürlich einen eigenen Erfahrungsschatz als Vegetarierin. Und ok, in dem Buch will Ted Israel vermutlich immer wieder zum Fleischessen bekehren, weil es in Teds Augen "nicht normal" ist. Von mir auf andere geschlossen hätte ich allerdings eher vermutet, dass man diese Nahrungseinstellung einmal diskutiert (wenn man sie nicht einfach akzeptiert!), vielleicht vergisst man sie auch einmal als Arbeitskollege, aber dann sollte es auch "gut" sein. Naja, Ted zeichnet sich ja noch durch andere Eigenschaft aus ... *mit den Schulter zuckt*

    Ich hatte vorher von dieser Reihe und dem Autor noch nichts gehört und erst bei Einbindung des Amazon-Links gesehen, dass zu diesem Zeitpunkt der einzige Rezensent auch nicht glücklich mit diesem Buch ist. Was natürlich auch nicht viel bedeuten muss ;)

    AntwortenLöschen
  3. Du willst doch nicht andeuten, dass man Amazon-Rezensenten nicht vertrauen kann? *kicher*

    AntwortenLöschen
  4. Das würde ich nie, schließlich gibt es dort auch eine Handvoll von mir *kichert mit*

    AntwortenLöschen

Einerseits will ich Spam, andererseits Captcha-Codes für Euch vermeiden. Das Experiment mit nur registrierten Nutzern ist leider nicht vollständig geglückt, da ein paar von Euch trotz Open-ID. nicht kommentieren konnten. Also wieder frei für alle und Moderation bei Posts älter als 20 Tag/e. Ggf. muss ich wieder auf vollständige Moderation umstellen, falls der Spam bei aktuellen Posts überhand nimmt.
Wir lesen uns. :)