Sonntag, 17. April 2011

I'm in english-Challenge: "Room" by Emma Donoghue


Letzten Samstagabend habe ich mir diesen Roman als Aprilbuch für die  I'm english-Challenge ausgesucht.

Worum es geht?
Es ist sein Geburtstag und Jack findet es aufregend fünf zu werden. Er lebt mit seiner Mutter im "Zimmer". Das "Zimmer" hat eine abgeschlossene Tür, ein Oberlicht und misst vier mal vier Meter. Er liebt es fernzusehen, denn da sieht er seine "Freunde", die Cartoonfiguren. Aber er weiß, dass die Dinge hinter der Mattscheibe nicht echt sind - echt sind nur Ma, er und die Dinge im Zimmer. Bis der Tag kommt, an dem Ma zugibt, dass es eine Welt da draußen gibt...

Nachlese
Den Roman habe ich am letzten Wochenende gelesen  und noch immer klingt Jacks Stimme in meinem Ohr. Ich sehe ihn im dunklen Schrank, die Decke über den Kopf und die knackenden Geräusche zählend. Abends geht er im Schrank zu Bett und wacht morgens in dem Bett seiner Ma auf. Der Raum, in dem der Schrank und das Bett stehen, ist seine und Mas Welt. In ihr leben und spielen die beiden, sie treiben Sport. Sie schauen fern: Es gibt cartoons planet, fitness planet; aber nichts im TV ist real. Manchmal nehmen sie ein Sonnenbad, wenn "God's yellow face" durch das Oberlicht scheint. Nachts - immer nur nachts - kommt ein Mann, denn Jack und Ma "Old Nick" nennen...

Emma Donoghue lässt ihren fünfjährigen Protagonisten Jack in Ich-Form erzählen. Eine anrührende Perspektive, gerade weil der Schwerpunkt nicht auf Ma, sondern auf Jacks Wahrnehmung und Verständnis seiner "Welt" liegt. Er ist allvertrauend in Ma, neugierig, unbekümmert, unbewusst egoistisch, verständnislos, unschuldig, mitfühlend und wissbegierig. Um es mit einem Wort zu sagen: kindlich. Das Furchtbare seiner Lage und derjenigen seiner Mutter nimmt er zunächst nicht wahr - der Leser allerdings schon: aus den Beschreibungen der nächtlichen Besuche von Old Nick oder aus den Reaktionen von Jacks Mutter.

Emma Donoghue zog mich in Jacks Welt hinein: Ich habe mir vorgestellt wie es ist, in diesem Raum zu sein, nichts anderes zu kennen, einfach zu glauben, dass die Welt so ist wie sie von Ma erklärt wird. Nur um dann feststellen zu müssen, dass dieses Weltbild falsch ist. Kann Jack das lernen, kann er sich anpassen? Wird er auf Dauer in der Lage sein, die Routine und die Sicherheit von "Room" hinter sich zu lassen?

Wer die damalige Berichterstattung verfolgt hat, wird bei der Lektüre dieses Romans erkennen, dass eine bittere Inspirationsquelle das Inzestdrama der Familie Fritzl gewesen sein dürfte. Emma Donoghues Ansatz, diese Vorkommnisse aus Sicht eines 5jährigen zu beleuchten, ist ungewöhnlich, aber für mich in der Konsequenz ebenso berührend und erschreckend wie ein detaillierterer Erlebnisbericht eines Erwachsenen.

Weitere Informationen gibt es auf der Webseite der Autorin (klick), aber auch auf der Romanseite (klick). Auf letzterer findet man den von der Autorin selbst designte virtuellen "Room" (klick), in welchem man Jack (in englisch) erzählen hört und in dem man verschiedene weitere Informationen, z.B. eine z.B. eine englischsprachige Leseprobe abrufen kann (direkt zur Leseprobe? klick!) .

Gekauft habe ich mir den Roman übrigens aufgrund einer Rezension der Vielleichtsagerin.Und nicht bereut.

Kommentare:

  1. Ich habe mir das Buch auch aufgrund der Rezension von der vielleichtsagerin gekauft und werde es ganz sicher auch noch dieses Jahr im Rahmen der Challenge lesen. Vielleicht sogar schon nächsten Monat.

    Liebe Grüße,
    Nina

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  2. Wow, klingt sehr spanned.
    Vielen Dank für die Vorstellung.
    Ich werde es mir bestimmt bei Gelegenheit mal holen.

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  3. @Nina und Lisa
    Mich hat das Buch umgehend gefangengenommen. Es ist "leichtgängig", ohne dabei "leicht" zu sein. Verflixt, mir fehlen etwas die Worte, um es zu beschreiben ;)

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