Mittwoch, 16. März 2011

"Schlafen bei Licht" von Wolfgang A. Gogolin


Vor einiger Zeit hatte mir der Mohland Verlag ein Rezensionsexemplar des Buches "Schlafen bei Licht" zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

Worum geht es (Zitat des Klappentextes 1.Auflage 2011 Mohland Verlag)
Das Leben von Torsten Burmester verlief bisher nicht in perfekten, aber doch sehr geordneten Bahnen. Regelmäßig versieht er als Hamburger Beamter seinen Dienst, hat eine kleine Wohnung und eine auf ihre Karriere bedachte Freundin namens Silke. Unvorhergesehenes ist nicht vorgesehen. Als Torsten einen Unfall hat und im Krankenhaus liegt, beginnt sich sein Leben grundlegend zu ändern. Nachdem ihn Silke verlässt, ist er plötzlich Single und denkt neu über sich nach. Unterstützung in dieser Situation erhält er von seinem Freund Mark, der als vermeintlicher Frauenheld und tatsächlicher Autolackierer viele Dinge so ganz anders betrachtet als Torsten. Aber gerade das hilft ihm, nach dramatischen Zwischenfällen seinen eigenen Weg klarer zu sehen und sich vielleicht einer neuen Liebe zu öffnen..

Nachlese
Der Autor ist für mich kein Unbekannter mehr.Abgesehen von seiner Kurzgeschichtensammlung "Geist der Venus" habe ich auch seine Kurzgeschichten aus "Beamte und Menschen" gelesen. In beiden Büchern hat Wolfgang A. Gogolin also mehrere Kurzgeschichten präsentiert, ernsthafte und nachdenkliche, leichte, humorvolle und auch "böse".

Mit "Schlafen bei Licht" hat der Autor nun eine längere Erzählung über 137 Seiten vorgelegt. Torsten Burmester wird, während er im Krankenhaus liegt, von seiner Freundin verlassen. Sein prollhafter Freund Mark stellt sofort Mutmaßungen über die Verfügbarkeit der Krankenschwester Anja an und tatsächlich lernt Torsten Anja auch näher kennen. Aber auch die Beziehung mit Anja verläuft nicht ohne Probleme und Torsten muss sich fragen, was _er_ wirklich will.

Ich sehe das Werk als Novelle an, also zwischen Kurzgeschichte und Roman liegend. Und aus meiner persönlichen Sicht ist das auch das Hauptproblem von "Schlafen bei Licht".

In den Kurzgeschichten, die ich von Wolfgang A.Gogolin gelesen habe, entwickelte er in einem eng gesteckten Rahmen sowohl griffige Charaktere, als auch überwiegend nachvollziehbare Storylines. Das Gleichgewicht zwischen Länge der Geschichte und Charakterdarstellung bzw. Beschreibungen gefiel mir. In "Schlafen bei Licht" empfand ich hier ein Ungleichgewicht.

Nach der Lektüre - aber teilweise auch während - empfand _ich_ bestimmte Szenen als überflüssig bzw. für den Gesamtfluss als mit zuvielen Informationen bestückt. Aus meiner persönlichen Leserperspektive hätte mir z.B. die Information gereicht, dass Thorsten den altersschwachen Röhrenfernsehr einschaltet und dort der Vorspann zu "Ein Käfig voller Helden" läuft. Dass dies "mithilfe der Fernbedienung" geschieht, denke ich mir bei im Bett liegenden Patienten im Krankhaus. "Voreingestellt war der Sender Kabel eins." empfinde ich ebenfalls als überflüssig in der Gesamtschau. Es sind Kleinigkeiten, ich weiß, aber sie fielen mir auf - weil mir an anderer Stelle etwas fehlte:

Die geschilderten Beziehungsprobleme Torstens und die Ansichten seines verheirateten Freundes Mark dominieren die Novelle derart, dass der Grund für Torstens "Schlafen bei Licht" dabei untergeht. Ja, der Leser erhält einen ersten Hinweis bereits im Krankenhaus und ja, es wird immer wieder thematisiert, dass Torsten das Licht anlässt. Und ja, etwa in der Mitte der Novelle kommt auch der Grund zur Sprache und die Novelle endet hoffnungsvoll. Aber mir kam dieser titelgebende Strang der Erzählung einfach zu kurz. Auch die Zusammenführung dieses Erzählstranges mit der Beziehungsstoryline mindert für mich diese Sache nicht, da, wie gesagt, Torstens und Marks Frauenfragen dominieren. In diesem Zusammenhang: Die Szene zwischen Torsten und Sandra gefiel mir richtig gut.

Die Charaktere selbst - auch wenn sie mir nicht recht gefallen - sind zwar überzeichnet, aber halt nicht lebensfremd. Es gibt nun mal Menschen wie Torstens Vater mit der "gebrauchten Ware" oder den Höhlenmenschen Mark, leider. Das Problem ist hier nur deren Klischeehaftigkeit. Und Torsten - nun, mein Typ ist er nicht, mag er Brad Pitt irgendwo ähnlich sehen oder nicht ;) Und so recht glücklich bin ich mit Sachlichkeits- und Beamtenvergleichen in Bezug auf Torstens emotionales Leben auch nicht geworden. Zwar empfinde _ich_ diese Vorgehensweise als Überzeichnung und Satire - aber ich bin mir nicht sicher, ob es so gemeint ist, denn:  Der Grundton der Novelle schwankt und es ist nicht immer klar, was satirisch überzeichnet und was "ernst gemeint" ist.  Trotzdem findet man die alleseits verquere Beziehungs-Normalität in dieser Geschichte - von Hoffnung, Liebe, Eitelkeit, Frust, Trotz, Ärger,Eifersucht bis Dummheit.


Insgesamt hatte ich dennoch das Gefühl, dass die Novelle nicht Fisch und nicht Fleisch ist. In ihr sind Kurzgeschichtenelemente, die der Autor beherrscht, enthalten - aber für eine Novelle reichen sie nicht aus. Viele Charaktere bedienten Klischees (Mark, Torstens Vater,Gerd) und wirkten so auf mich nicht eigenständig. Torstens Freundschaft zu Mark ist für mich genauso wenig nachvollziehbar wie für seine Ex; es fehlt auch für den Protagonisten Tiefe. Der _ titelgebende_ Erzählstrang ging mir zu sehr in der gesamten Geschichte unter. Vielleicht hätte sich Wolfgang A.Gogolin einfach noch Zeit für ein paar mehr Seiten nehmen sollen ...

Kommentare:

  1. Ich fand das Buch auch einfach nur klischeebeladen und - sorry - doof.

    Was anderes fällt mir dazu nicht mehr ein.

    LG,
    JED

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  2. Ich hatte gesehen, dass Du das Buch auch besprochen hattest, Jed, - aber noch nicht geschaut, da ich es noch nicht gelesen hatte. Wie schon geschrieben, denke ich, dass der Autor bewusst überzeichnet - aber es "reicht" halt nicht ;)
    LG Natira

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