Sonntag, 27. März 2011

Challenge Deutschland und Nachbarn: "Léon und Louise" von Alex Capus


Neben "Das Wörterbuch des Viktor Vau" war dies das zweite Buch, dass ich mir eindeutig aufgrund einer Veranstaltung auf der Leipziger Buchmesse 2011 gekauft habe :) Bei der Vorstellung des neuen Romans von Alex Capus auf der Buchmesse wurde mein Interesse geweckt (klick). Nebenbei bemerkt: Es gibt einen dritten Titel, den ich aufgrund der Leipziger Buchmesse erwerben werde. Es handelt sich um "Die Götter von Whitechapel". Der Roman erscheint erst im April 2011,wurde von mir aber schon bestellt ;)

Worum geht es (Zitat von der Seite des Hanser-Verlages (klick):

Zwei junge Leute verlieben sich, aber der Krieg bringt sie auseinander: Das ist die Geschichte von Léon und Louise. Sie beginnt mit ihrer Begegnung im Ersten Weltkrieg in Frankreich an der Atlantikküste, doch dann trennt sie ein Fliegerangriff mit Gewalt. Sie halten einander für tot, Léon heiratet, Louise geht ihren eigenen Weg - bis sie sich 1928 zufällig in der Pariser Métro wiederbegegnen..

Nachlese
Obwohl im Titel Léon und Louise genannt werden und Louise auch selbst, in Form von Briefen, zu Wort kommt, wird vorrangig Léons Geschichte von seinem Enkel erzählt. Ich spoilere nicht, wenn ich verrate, dass der Roman mit Léons Beerdigung beginnt, zu der sich die gesamte Familien versammelt hat. Eine Frau taucht auf: Getuschel setzt ein, ist das Louise? Die Frau verabschiedet sich von Léon und legt ihm eine Fahrradklingel in den Sarg.

Der Enkelsohn ist beinahe allwissend: Er berichtet von Léons jugendlichen Ausflügen ans Meer, der Aufgabe der Schule und der Radfahrt über das Land zu seinem ersten Job. Einer Fahrt, auf der Léon das erste Mal auf Louise trifft. Mit Zeitsprüngen -die Geschehnisse werden jeweils in Kurzform geschildert -, geht es über die Jahrzehnte weiter: Léon heiratet Yvonne, sie bekommen mehrere Kinder - und Léon sieht Louise, die er für tot hält, 1928 in Paris wieder ...

Obwohl die Geschichte mit einer gewissen Distanz aus der Perspektive eines Dritten erzählt wird, wirkt der Text nie kühl. Ich führe dies auf die Dialoge (protokollartig) und den innewohnenden Humor zurück sowie darauf, dass der Erzähler an einigen Stellen seine eigenen Vorstellungen einflicht. Natürlich hatte es der Autor in der Hand, ob diese Vorstellungen als Fremdkörper herausstechen oder nicht: Sie tun es nicht und so hat die Schilderung von Léons Leben trotz der brieflichen Unterbrechungen und der Überlegungen des Erzählers für mich eine schöne Homogenität.

Und hinzu kam Alex Capus Sprache, die mich berührte:

"Nach dem Frühstück fuhr er mit dem Rad in die Stadt. In der Nacht war ein Gewitter übers Land gezogen und hatte die Maisfelder zerzaust, die letzten dürren Blätter des Vorjahrs von den Platanen gerissen und die Kanäle und Straßengräben mit Regenwasser gefüllt. Léon drehte eine Runde durch die sonntäglich stille Stadt mit ihren glänzenden Hausdächern, nassen Strassen und gurgelnden Kanalisationsschächten. Ein sanfter Sommerwind trug den Duft von blühenden Jasminsträuchern aus den Gärten in die Gassen, und die Sonne machte sich daran, alles wieder trockenzulegen, bevor die Bürger blinzelnd aus ihren Häusern traten und zur Messe gingen." (aus: "Léon und Louise", 5. Kapitel, von Alex Capus)


Aber so angetan ich von Alex Capus Fähigkeit war, Szenen vor meinem geistigen Auge entstehen zu lassen, so - ja - genervt war ich häufig von den Satzkonstruktionen. Man kann sie bereits in dem vorstehenden Zitat erkennen: Aufzählungen folgen Aufzählungen. Kommata, Semikolons und Verbindungswörter sind Freunde des Autors. ;) Zwar verliert man sich nicht so sehr in den Sätzen, dass man den Sinn oder das Bild nicht mehr erkennt. Aber weniger wäre _für mich_ trotzdem mehr gewesen. ;) Daneben kam mir persönlich die Katzenmetapher, obwohl an einer Hand im Roman abzählbar, zu häufig vor. Und auch die Aufzählung von Yvonnes Veränderungen in Léons Augen empfand ich bereits beim dritten Mal in ihrer _formalen_ Wiederholung als überflüssig. ;)

Um aber wieder auf den Inhalt zurückzukommen:
Mir gefiel, wie Alex Capus über Léon, Louise und Yvonne erzählt und die geschichtlichen Ereignisse einbringt. Er zeigt, was es heißt, im besetzten Paris zu wohnen und was Léon, der bei Polizei arbeitet, hierfür tun muss. Das Leben geht weiter für Besetzte und Besetzer. Mit Louise, die es nach Afrika verschlägt, präsentiert der Autor noch eine weitere Sicht auf die Entwicklung der Gewalt, das Vertauschen der Machtpositionen (Unterdrückung).

So wird aus der auf mehreren Ebenen spielenden Liebesgeschichte in "Léon und Louise" für mich eine familiäre Lebensgeschichte, die von Alex Capus mit Natürlichkeit, Humor und ohne Scham erzählt wird. Und das können auch die Bandwurmsätze und Wiederholungen nicht ändern :)

Kommentare:

  1. Hello Gris!
    This novel is very new. In Germany it was published on 07.02.2011 ;)
    LG Natira

    AntwortenLöschen
  2. Louise schreibt man mit OU ;)

    AntwortenLöschen
  3. Danke Anonym!
    Peinlicherweise hat sich der Fehler ja durch den ganzen Artikel gezogen, werde ich sofort ändern!
    Viele Grüße!

    AntwortenLöschen

Einerseits will ich Spam, andererseits Captcha-Codes für Euch vermeiden. Das Experiment mit nur registrierten Nutzern ist leider nicht vollständig geglückt, da ein paar von Euch trotz Open-ID. nicht kommentieren konnten. Also wieder frei für alle und Moderation bei Posts älter als 20 Tag/e. Ggf. muss ich wieder auf vollständige Moderation umstellen, falls der Spam bei aktuellen Posts überhand nimmt.
Wir lesen uns. :)