Sonntag, 20. März 2011

Leipziger Buchmesse 2011 - Tag 3

Poe hatte Recht.

Das ist die schlichte Wahrheit und ich kann sie nicht verleugnen.

Durch das gestrige Training ist mein Muskelkater erheblich zurückgegangen und ich kam heute deutlich besser diverse Treppen hoch und runter :) Dies aber nur am Rande *g*

Die Sonne kam endlich in Leipzig an, wenngleich es windig und frisch blieb. Aber wie das so ist: Man ist ja nie ganz zufrieden. Die Sonne hat die Messehallen natürlich auch aufgeheizt, was sich besonders in kleineren Veranstaltungs"Buchten" bemerkbar machte. Zum Beispiel in derjenigen der TAZ. Die Luft zirkuliert in diesen kleinen Separees einfach nicht vernünftig.

Selbst wenn man wie ich im (eigentlich) zeitlosen Urlaub vor sich hin lebt, wusste man heute allerdings auch, was Sache ist: Wochenende. Die Besucherzahl unterschied sich doch spürbar von derjenigen des Freitags und erst recht des Donnerstags :) Ich fühle leichte Besorgnis, wenn ich an meinen morgigen Aufenthalt in den Messehallen denke...

Es wurde jedenfalls heute sehr schnell deutlich: Wenn man an einer Veranstaltung initeressiert war, musste man sich früh genug auf den Weg machen. Die Hallen sind jeweils über zwei Röhren mit der zentralen Glashalle verbunden und die Organisatoren begannen heute auch, die Menschen etwas zu dirigieren, indem sie eine der zwei Röhren als alleinigen Ausgang deklarierten. Machte, ehrlich gesagt, durchaus Sinn - aber in der Halle von einer Röhre zur nächsten zu kommen, war auch schon eine kleinere Herausforderung. Eine etwas größere Challenge stellte da schon die Halle 2 dar, wo u.a. die Kinderbuchverlage (incl. Buchhandlung), die Fantasy-Leseinsel, der Comic- und Manga-Bereich und die Cosplayer ihre "Heimat" haben. Ich kann Euch sagen, dass wurde schon anstrengend dort *g* Aber: Poe und ich haben auch viele Menschen in wunderbaren Kostümen gesehen ...

Da Poe mich schon um halb sieben aus dem Bett geholt hatte - Ihr glaubt gar nicht, wie nervig es sein kann, wenn ein uglyDragon vor Tatendrang ständig um Eure Nase herumflattert! -, sind wir schon sehr früh und sehr entspannt (also in der Straßenbahn sitzend) auf dem Messegelände angekommen. Es fiel mir daher auch gar nicht schwer, einen Sitzplatz beim Blauen Sofa zu ergattern, wo ich mir ein Gespräch  zu dem Buch "Der Maler und das Mädchen" von Margriet de Moor anhören wollte. Und es wurde mal wieder bewiesen, dass die Welt Deutschland ein Dorf ist: Neben mir saßen zwei Frauen einer Reisegruppe, die zwar nicht im Nachbarort wohnten, aber doch in einem Unkreis von so 30 min. meines Wohnortes ;) Wir sind ins Gespräch gekommen und die vielleicht 67jährige Dame neben mir zog ein Notizbuch aus ihrer Tasche, leicht abgegriffen. Hier notiere sie ihre gelesenen Bücher, teilweise mit "gut" oder einem extra Stern oder "blöd". Ein paar Seiten weiter fanden sich von ihr notierte Buchtitel, die sie wegen der Messeveranstaltungen oder aufgrund anderweitiger Empfehlungen interessant findet :)  Irgendwann begann dann aber die Veranstaltung und wir lauschten natürlich. Ich muss sagen, dass der vorgestellte historische Roman durchaus interessant klang. In dem Roman geht es um das Mädchen Elsje, welches vom Land nach Amsterdam kommt und dort nach 14 Tagen zur Mörderin wird.Im Gegensatz zu den zwei Damen auf dem Blauen Sofa höre _ich_ hier aber auch wieder auf. Die beiden Damen haben mir eigentlich schon zu viel erzählt *seufz*

Ich hatte ausreichend Zeit, mich in die Halle 2 zu begeben, wo ich etwas über Mangas hören wollte. Prompt kam ich zur Abwechslung auch mal zu früh am Schwarzen Sofa an. Eine junge Frau erklärte dort gerade - am lebenden Modell - , wie man einen Kimona anzieht. Für mich war die Vorführung allerdings nicht wirklich ergiebig: Zum einen habe ich mich bislang nicht weiter mit Kimons, Ogis und Obis auseinandergesetzt. Dann saß ich auch so günstig, dass ich regelmäßig nicht sehen konnte, was die Erklärende da tat ;) Eine "lebendige" Vorführung war es dennoch, da - wie so häufig bei Liveaktionen - nicht alles klappte und die Knoten schon mal falsch gebunden wurden. Immerhin habe ich erfahren, dass nach Hörensagen das stärke Herausschauen der (oder einer?) Bauchbinde bedeuten soll, dass die Kimonoträgerin auf der Suche nach einem Mann ist. Und nach Knotenerstellung könne man den Knoten durch das Band oben durchstecken - dann sei man "gut drauf" -, würde er nach unten durchgesteckt, signalisiere man "schlechte Stimmung". Okay, falls dem so ist, dann ist das eine interessante Methode, der Gesellschaft z.B. seine schlechte Laune zu signalisieren...

Es stellte sich jedenfalls heraus, dass ich - was den Manga anging - in einem Workshop gelandet war. Eine Autorin und "ihre" Illustratorin gaben einen groben Überblick, worauf man achten sollte, wenn man einen Manga produzieren möchte. Dass die Idee am Anfang steht, ist ja klar. Über Konzeptentwicklung zur Story und dem Charakterdesign über äußerst grobe Panelskizzen bis hin zur Abstimmung mit Texter und Redakteur sowie Rasterung und dem Druck wurden, wie ich denke, die wichtigsten Teilschritte an Beispielen präsentiert. Die beiden jungen Frauen bieten zu einzelnen Bereichen der Mangaproduktion (Storyline, Rasterung etc.) offenbar noch speziellere Workshops an.

Da mein Koffeinpegel gefährlich gegen Null sank, habe ich mich dann erst einmal auf den Weg zu einem der vielen Kaffeeanbieter gemacht. Dieses Mal war es auch wieder der erwünschte Milchkaffee *lach*. Passenderweise vibrierte dann auch  mein Handy: Meine Katzensitterin war am Apparat. Merlin und Marlowe ginge es gut, ihr Sohnemann streichle gerade Merlin auf meinem sonnigen Balkon die Füße! Ich war so neidisch *seufz* Marlowe würde sich in meinem Bett verstecken, was aber weder meine Katzensitterin noch mich überraschte. Mein kleiner Schreckkater ist immer scheu, wenn sie ihre Kids dabei hat (er reagiert ja auch nervös, wenn er überraschende Bewegungen von mir wahrnimmt). Sonst sei alles in Ordnung :)

An Dieter Moor, der gerade auf dem Außengelände eine Zigarette rauchte, vorbei ging es jetzt in die Halle 5. Eigentlich wollte ich mir dort "Was scheren mich die Schafe" am TAZ-Stand anhören. Dabei handelt es sich um ein Sachbuch der TAZ-Kolumnistin Anke Richter, die seit einigen Jahren mit ihrer Familie in Neuseeland, und zwar in Christchurch lebt. Und den Anfang des Gesprächs mit Michael Ringel von der TAZ habe ich auch mitbekommen: Sie sei bei dem letzte heftige Erdbeben gerade auf der Straße unterwegs gewesen. Der Familie ist nichts passiert, das Haus habe gelitten. Aber das alles sei nicht so schlimm wie die Auswirkungen des Erdbebens in Japan auf die Menschen. Anke Richter machte einen sehr sympathischen Eindruck, war gut gelaunt. Ihr Buch bezeichnete sie als satirisch... Und dann bin ich losgegangen, weil ich schon ahnte, dass ich Zeit für den Weg zurück in die Halle 2 brauchen würde ;) Aber das Buch von Anke Richter habe ich im Hinterkopf, ich muss mal sehen, ob ich es nicht im Stand des KiWi-Verlages finde ...

Nach einer kleineren Rundreise von Halle 5 über das Außengelände in die Halle 3 und von dort durch eine Röhre in die Glashalle (Halle 2 lag dahinter), dann wieder zurück in die Halle 3, weil man durch diese Röhre nicht herauskommt, immer an der Wand lang zur anderen Röhre, dort im Stop-and-Go-Betrieb durch die Glashalle und in die Halle 2...  Geht doch *g*

Heute hatte ich es ja etwas mit Manga und Comics, denn jetzt stand ein Interview mit dem französichen Zeichner Achdé an. Dieser Künstler setzt im Stil von Morris als Zeichner die Comicreihe "Lucky Luke" fort. Ganz offensichtlich gefällt Achdé auch dieser Job. Er sagte, er lebe seinen Kindheitstraum, denn er wollte immer Lucky Luke zeichnen. Ich gebe ja zu, dass ich Lucky Luke nie gelesen haben. Aber natürlich "kenne" ich die Figur des Lucky Luke, der auf einem Grashalm kaut. Wie sein Pferd heißt, weiß ich zwar nicht, aber es ging - zumindest früher - wohl immer um die Dalton-Brüder. Ich fand es ganz interessant, dass Achdé offenbar damit zufrieden ist, die Charaktere so zu zeichnen, wie es Morris vorgegeben hat. Eigenes von ihm ist, wie er sagt, zwar auch zu erkennen, aber nicht so offensichtlich und das sei auch genau so gewollt. So orientiere er sich mehr an modernen Western, die jetzt offenbar wieder populär werden ("Todeszug nach Yuma" zum Beispiel). Über einen Beamer wurden einige Seiten des neuen Bandes an die Wand geworfen und die eigene Figur im Detektivbüro kam mir bekannt vor. Sie sah Horatio Cane aus CSI Miami doch ziemlich ähnlich *lach*

Obwohl ich heute viel mehr Glück hatte und viel mehr sitzen konnte, bin ich nach der Lucky-Luke-Veranstaltung nur noch etwas frei durch die Gegend gestreift.


Poe, der inzwischen auch etwas flüggelahm aussah - natürlich hat er das bestritten! - legte Wert auf dieses Foto. Zum einen wollte er damit Sayuri und seiner bei ihr lebenden ugly-Doll-Verwandtschaft Grüße ausrichten. Und als ich das Foto geschossen hatte, meinte er, ich könnte ja - wenn ich hier schon stehen würde - in den Kochbüchern blättern und ihm zu Hause etwas daraus kochen. Geht es noch?!Soll ih vielleicht auch noch Hemden für Poe nähe und bügeln und seine Sachen aufräumen?!? *hmpf*

Jedenfalls: Obwohl der Muskelkater nicht mehr heraummaunzte, steckte mir der gestrige Tag - und die gestrige Nacht - noch in den Knochen und daher machte ich mich wieder auf den Weg ins Hotel.


Es ist unglaublich, wie schnell die Tage vergehen. Morgen ist bereits der letzte Tag der Messe. Ob ich es wohl dieses Jahr schaffe, bis nach 15.00 Uhr - wenn der Buchverkauf nicht nur in der Messebuchhandlungu.ä. möglich sein soll - auf dem Messegelände zu sein? Bislang hat mich der sonntägliche Familien-Tag-Andrang entweder völlig abgeschreckt oder sehr früh aus den Messehallen flüchen lassen ... Ich werde berichten ;)

Mehr Fotos sind hier:
Leipzig 2011

Kommentare:

  1. Hey!

    Danke für Deine Berichte. Liest sich, als ob ich mit dabei wäre. Danke!

    Viel Spaß noch!!

    die bißchen neidische martie

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  2. Jolly Jumper - heißt Lucky Lukes Pferd. :D

    Ich muss ja zugeben, dass mich die Menschenmassen bei den Messen dann doch immer von den Wochenendbesuchen abschrecken. Trotzdem hätte ich gern all das von dir beschriebene mit eigenen Augen gesehen. ;)

    Mal gucken, wie lange du heute bei der Messe sein wirst. Ich hoffe auf jeden Fall, dass du auch diesen Tag genießen kannst! :)

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  3. hello!

    Looks like your stay in Leipzig will be very productive! I wish i could spend a weekend surrounded by books and writers! and a sunny day also!!
    have lots of fun! and takeots of pictures to show us!

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  4. Hey liebe Natira,
    das hört sich alles ganz super an :) Und schöne Bilder sind dabei!
    Ich fand letztens schon das mit den vielen Beinen ganz toll aber jetzt sind auch wieder Schmuckstückchen anwesend :)
    Oh, Poe ist so süss! Meine Uglys sind alle ausser Rand und Band und wollen sich nach Leipzig beamen. Ich hab es aber verboten - wir müssen ja DA schreiben :/ Und das trotz Sonnenschein und Wochenend *grmpf*
    Aber wir freuen uns sehr über den Gruß und wünschen Euch einen wunderbaren Abschlusstag!
    Liebe Grüsse von sayuri

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  5. @Martie
    Oh danke schön! Vielleicht fährst Du ja auch mal nach Leipzig!
    LG Natira

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  6. @Winterkatze
    Ich kann mir vorstellen, dass es Dir gestern auch gut gefallen hätte mit den Mangakas, Cosplayer, ACHDÉ (danke für die Pferdenameninfo *g*)... Aber voll war es, oh ja ;)

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  7. @Gris
    Oh ja, hier ist ganz schön viel los. Aber ehrlich gesagt: Es ist schon beinahe zu viel. Wenn ich bis 15.00 oder 16.00 Uhr auf der Messe bin, passt auch nichts mehr in meinen Kopf :) Die ganzen Veranstaltungen direkt in der Stadt verpasse ich daher...

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  8. @Sayuri
    Danke schön für das Lob :) Poe schaut mir gerade über die Schulter. Du möchtest den Uglys von ihm ausrichten, dass sie Dich schön weiter unterstützen sollen mit Entspannungskuschelaktionen und so. Sie oder ein paar von ihnen würden bestimmt noch mal Gelegenheit haben, sich Leipzig anzuschauen. *dreht sich zu Poe um* Und gaaaanz liebe Grüße an Dich u. M. sowie die Schweinchen. Von mir natürlich auch :D

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