Freitag, 18. März 2011

Leipziger Buchmesse 2011 - Tag 1

Was für eine Nacht. Selbst Poe hat sich beschwert, dass ich mich hin- und hergedreht habe. Er wäre gar nicht zur Ruhe gekomme. Ich weiß auch nicht ... Ob es die fehlenden MuMs waren oder die Vorfreude, ich kann es nicht sagen. Diese Nacht war jedenfalls ähnlich unruhig wie die letzte.Konsequenterweise war auch das Wetter ähnlich schlecht wie gestern. Naja, gestern war es grau, heute hat es geregnet :) Aber was ist schon Regen, wenn man in den Messehallen wandelt?

Die Geräuschkulisse in der Eingangs- und Glashalle ist unglaublich. Es ist, als würde man in einem Bienenstock sitzen und dem Summen zuhören.Einzelne Gespräche sind nicht unbedingt wahrnehmbar. Und - zumindest zu Beginn - vermittelt mir das Geräusch Energie. Poe ist es wohl nicht anders gegangen :)

Wir sind erst einmal etwas durch die Hallen gestreift und haben uns umgeschaut. Das erste, was mir auffiel, war, dass dieses Mal nicht so interessante Installationen wie letztes Jahr (mit den Bleistifen zum Beispiel) dabei waren

Die Aufbauten, auch der größeren Verlage, erinnerten mich an letztens Jahr, das Angebot in ihnen war aber natürlich  neu :) Poe hat dennoch gleich eine Jukebox gefunden, allerdings war Musik nicht im Angebot *g*

Ich habe mich dann erst einmal durchgesetzt und habe mir ein Gespräch zu Hörspielen angehört. Es ging im Grunde darum, was ein Hörspiel ist (Gestaltung des Textes mit Stimme, Geräuschen und Musik), dass es in der Produktion offensichtlich teuer als die Einlesung eines Buches ist und dass Hörspiele eine treue Fangemeinde habe. Die Stunde war sehr kurzweilig und von den drei Gästen Oliver Rohrbeck (Produzent und auch Sprecher aus der Serie "Die drei ???"), Sven Stricker (Hörspiel-Regisseur, z.B. von "Die Wolke"oder der Wallander-Reihe) sowie Olaf von der Heydt (Rezensent) wurde u.a. die Professor-von-Dusen-Reihe empfohlen! Da musste ich doch gleich an Winterkatze denken :)

Abgelehnt - ja beinahe gewarnt - haben die drei Gäste vor sogenannten Filmhörspielen. Die Bezeichnung sei irreführend, da es - zumindest bislang - gar keine Hörspiele seien. Man könnte eher sagen, es ist die Tonspur des Films, hoffentlich mit einem zusätzlichen Erzähler: Wer schon einmal einen Film mit Hörtext für Sehbehinderte geschaut hat, dürfte vermutlich eine halbwegs richtige Vorstellung von Filmhörspielen haben ...

Als die Runde zum Ende kam, klingelte auch mein Telefon. Naja, es vibrierte. Meine Katzensitterin meldete sich kurz, alles ok.

Als ich zurück in die Messehalle kam, fiel mein Blick auf "Detektei Sonderberg & Co". Der Mitarbeiter am Standt erklärte mir, dass es sich bei dieser Reihe historische Krimis handele, die auch zeitgemäß seien. Sie spielen in Düsseldorf im 19. Jahrhundert und der Detektiv Dr. Soonderberg ermittle mit seiner Assistentin. Aus Marketinggründe hatte man die Reihe als "szenische Lesung" beworben - diese Strategie ist aber wohl nicht ganz aufgegangen, wie ich aus einem Gepräch zwischen dem Mitarbeiter und einem weiteren Interessenten heraushörte. Tatsächlich sind es auch Hörspiele. Man hatte versucht, über szenische Lesung die Hörbuchhörer zu interessieren ... Jedenfalls: Ich habe eine gekürzte CD des zweiten Falles "Sonderberg  Co ... und der Tote im Rhein" mitbekommen (der Fall soll aber aufgelöst werden). Zum Cast gehören u.a. Andreas Fröhlich (z.B. aus "Die drei ???" bekannt) und Regina Lemnitz (Synchronstimme von Whoopi Goldberg). Einen CD-Player weist mein Netbook nun nicht auf, daher werde ich warten müssen, bis ich wieder zu Hause bin... Mal schauen, wie mir dieses Hörspiel gefällt.



Ich habe mich dann in Halle2 begeben, wo sich die u.a. die Fantasy-Leseinsel befindet und auch der Cosplayer-, Comic- und Graphic-Novel-Bereich. Ich habe mir die Plüschkatzen angeschaut :) und dem Simpsonzeichner Serban Cristescu etwas zugehört, der nicht etwa für die TV-Show arbeitet, sondern an den Comics. Der junge Zeichner aus Rumänien ist dort u.a. für das Layout zuständig.

Simon Beckett auf dem Blauen Sofa konnte ich mir nicht entgehen lassen: Als ich ankam, war eine Menschenmenge da und hörte gerade Herrn Kurt Biedenkopf zu, der u.a. über die unterschiedliche Auffassung von sozialer Gerechtigkeit referierte. Danach kam Simon Beckett und auch sein Gespräch von ca. einer halben Stunde war gut besucht. Es ging um "Verwesung", ganz klar, seinen aktuellen Titel. David Hunter ist wieder im Einsatz als forensischer Anthropologe. Beckett erzählte auch von seiner Zeit als Journalist auf der Body-Farm des FBI und wie dieser Job für einen Artikel ihn zum Kreieren der David-Hunter-Figur inspirierte. Das muss dort auf der Body-Farm ziemlich hefig gewesen sein: Offenbar wurden - und werden? - dort Polizisten für die Tatortermittlung geschult. Außerdem wurden dort wissenschaftlich die Verwesungsstufen untersucht, indem man die Leichen verschiedengradig vergrub etc...

Das Thema war so anregend, dass ich danach nicht gegessen habe, obwohl mein Magen sich mehr und mehr bemerkbar machte. Ich bin erst einmal weiter durch die Hallen gezogen und habe dabei u.a. DDR-Sportreporter Heinz-Florian Oertel gesehen (der sich kaum verändert hat im Vergleich zu meiner Erinnerung). An Wolfgang Lippert kam ich auch vorbei, der gerade sein Buch signierte. Und Sonja Krauss wollte ich eigentlich zuhören ("Wenn Dir das Leben Zitronen gibt, frag nach Tequila") - aber no way! Da waren dermaßen viele Menschen, dass ich mit der Leinwand hätte vorlieb nehmen müssen. Da inzwischen Zeit vergangen war, habe ich mir etwas zu Essen geholt und meinen Koffeinbedarf gestillt :)

Danach bin ich relativ ziellos geschlendert, denn sowohl der TAZ-Stand (ich wollte mir "Mein afrikanisches Tagebuch" von Frau Slomka anhören) war total überfüllt, als auch die Veranstaltung mit Ranga Yogeshwar "Ach so". Zu halb vier war ich dann planmäßig wieder in Halle2 angekommen. Mich hatte ein Titel neugierig gemacht, der erst nächsten Monat erscheint. Eigentlich habe ich es ja nicht so mit der Fantasy - und der Begriff "Steampunk" ist für mich auch immer noch neu. Ich glaube, bei Evi, Irina und Winterkatze ist er mir schon untergekommen ;) Jedenfalls heißt das Buch "Die Götter von Whitechapel" und es wurde eine Leseprobe vorgetragen. Nicht vom Autor, der war nicht da, aber der Vorlesende hatte zwei gute Szenen gewählt. Sie machten mich neugierig. Mal sehen, ob das Buch nicht vielleicht doch mal in meinem Lesesessel landet.

Während ich dieser Lesung lauschte, inspizierte Poe ein wenig die Halle 2.


Und dann überlegte er laut, ob ich mir nicht einen Fausto anschaffen wollte!


Und wie wäre es mit einem Buch über "uglyDragons im Alltag"?


Ich habe die Frage unbeantwortet gelassen ;) Außerdem wollte ich doch einen vernünftigen Platz im "Berliner Zimmer" bekommen, wenn Joachim Król live liest. Das das hat auch geklappt. Er las aus einem isländischen Buch "Taxi 79 ab Station", welches in Island wohl zu den Klassikern gehört und dort einen hohen Stellenwert hat. Der Schauspieler las eine Fahrszene aus dem Buch, sehr präzise Beschreibungen im Text, sehr viele Informationen, filmisch. Ich hätte ihm noch länger zuhören können - und das lag nicht nur daran, dass mir inzwischen meine Füße weh taten und ich einfach nur noch müde war :) Herr Król liest toll - vermutlich könnte er einem Telefonbuch noch Schönheit abgewinnen :)

Nach der Lesung bin ich dann aber fußlahm Richtung Ausgang gedackelt und in die Straßenbahn gestiegen :) Im Bahnhof habe ich mir "etwas Warmes" mitgenommen, chinesische Nudeln mit Gemüse. Ok, im Hotel war es nur noch lauwarm - aber der Natriumglutamatgehalt dürfte geringer gewesen sein als bei meinem Alternativessen *lach*

Eigentlich hatte ich ja vor, entweder zur langen Lesenacht in die Moritzbastei zu gehen oder vielleicht zur Krimilesung in das Leipziger Landgericht - oder ins Kino Prager Frühling, wo nach der Vorstellung einer Biographie von Jean Harlow ein Film mit ihr lief. Aber es ging nicht - ich war total k.o. nach der irgendwie unruhigen Nacht und dem Gehen und Stehen und Sitzen auf der Buchmesse :)  Und schließlich wollte ja auch noch dieser Blogeintrag geschrieben werden...

Morgen - auf ein Neues :)

Mehr Fotos sind hier:
Leipzig 2011

Habe ich schon erwähnt, dass mir das Wlan-Netz im Hotel mir dieses Jahr die Nerven raubt?

Kommentare:

  1. Uff, das klingt nach einem erfüllten Messetag! :) Lustigerweise habe ich schon beim Lesen das Gefühl, dass meine Füße solidarisch ebenfalls schmerzen. *g*

    Trotzdem scheinst du einen tollen Tag mit spannenden Lesungen, faszinierenden Einblicken und schönen Momenten gehabt zu haben. :)

    Bei deinen Fotos haben es mir sponten die Lesetische und Lesesessel angetan. Ich mag so ungewöhnliche Möbel - zumindest, wenn sie aussehen, als wären sie auch gut nutzbar. ;)

    Für die nächsten Tage drücke ich die Daumen, dass dir das Wlan-Netz keine Streiche spielt! Hab viel Spaß in Leipzig!

    P.S.: Ich mag keine Stofftiere, aber diese grüne Katze ... Hach ... *kicher* Und sie passt so gut zu Poe! :D

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  2. Ey, warum haben wir uns nicht getroffen!???? Ich habe ganz laut gefragt, wer noch da ist und Kaffe mag *schmoll*

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  3. Oha, mir tun die Füße beim Lesen auch ein wenig weh - aber nichts desto trotz beneide ich Dich.. wie schön wäre es gewesen, dieses Mal mit Dir gemeinsam zu fahren.
    Du machst das sehr vernünftig, dass Du Poe immer lieb ablichtest, für Dich gute Sachen zu Essen kaufst und uns schön mit Posts versorgst.
    Hoffentlich ist das W-Lan in Zukunft artiger ;)
    Ich schick Dir liebe Grüsse und wünsche Dir weiter sehr viel Spass auf der Messe!

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  4. @Winterkatze
    Die grüne Katze hätte ich auch zu gerne mitgenommen - aber der Preis hielt mich davon ab *lach*

    @JED
    Wie ich gerade bei Dir kommentiert habe - wir waren bei der Beckett-Veranstaltung offensichtlich recht nah beieinander. Und Kaffee kann ich eigentlich nicht widerstehen *schielt auf den Starbucks-Latte neben sich*

    @Sayuri
    Wir beide schaffen das auch gemeinsam zur Buchmesse, ich bin mir sicher!

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  5. @Winterkatze und Sayuri
    Ich hoffe, dass das Wlan nicht so herumzickt, sonst gehe ich einfach eine Etage tiefer und mache einen Blog-Sitzstreik im Flur :)
    Und meine Füße und Beine finden es ganz toll, dass Ihr solidarisch seid! Allerdings habe ich heute ... uff... Muskelkater :)

    Liebe Grüße

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  6. Klingt anstrengend, aber aufregend! Viel Spaß weiterhin – und viele neue Entdeckungen und Erkenntnisse inkl. Berichte für uns! ;)

    Filmhörspiele sind übrigens auch meiner Erfahrung nach oft doof, mit den Hörtexten für Sehbehinderte hat das aber auch mit Erzähler nicht viel zu tun. *g*

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  7. @ Natira

    Da siehst Du mal, wie Du meinen Bücherblog liest....Oder liest Du nur JED's Blog und NICHT die Schmökerstube? Dann hast Du wohl deswegen meinen Aufruf übersehen *schnief...Wir müssen echt nah beieinandergestanden haben....Unglaublich!

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  8. @Irina
    War auch etwas anstrengend *lach*
    Da ich noch kein Filmhörspiel gehört habe, kann ich es nicht wirklich beurteilen. Aber nachdem, was die Herren auf der Bühne so erzählten, wären Hörtextversion bei Filmen zumindest - um eine Vorstellung zu erhalten - "die richtige Richtung". Vermutlich muss man es selbst austesten - und "Das Boot" ist ja offenbar eine gelungene Version ;)

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  9. @Jed
    Ich habe tatsächlich die Schmökerstube nicht im Reader *räusper* , was ich gerade mal ändere ...

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  10. Natira! looks as though you are having the best travel of all!! i can't believe it! taht is such a cool planning, with all those books around you!

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  11. Ich kenn "Das Boot" zwar nicht, aber das wird die Tonspur des Films sicher gar nicht verwendet, oder?

    Also, wenn die sagen, dass sowas wie ein Hörfilm die passende Untermalung eines Filmhörspiels wäre, dann gute Nacht! Ich find das immer höchst entnervend, wenn ich versehentlich die Hörfilm-Tonspur bei nem Film anhabe! ;)

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  12. Ich weiß auch nicht, wie es bei "Das Boot" gemacht wurde, aber bei dem Hörspiel "Die Gentlemen bitten zur Kasse" wurde die Tonspur des deutschen Films genommen (und der wurde 1966 gedreht, was man der Erzählweise auch anmerkt) und mit einem oder zwei Erzähler ergängt, die dem Hörer dann sagten, was so passiert. Also, alles, was man nicht aus den Dialogen schließen kann.

    Das Ganze wird zwar beim großen Versandhandel in den Bewertungen bejubelt, klang für mich aber nicht anders als eine Hörgeschädigten-Variante. Nicht wirklich ansprechend, nein, nein ...

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  13. @Gris
    Ich bin inzwischen das dritte Jahr hier auf der Leipziger Buchmesse. Ist schon cool ;)

    @Irina
    Ich war noch mal im Netz unterwegs und habe diese Seite gefunden: http://www.hoerspiel-rezensionen.de/forum/index.php?page=Thread&threadID=8332. Danach sind die Tonspuren der Filmproduktion offenbar tatsächlich Basis des "Filmhörspiels", wie ich es auch dem Gespräch entnommen hatte.

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  14. @Winterkatze
    Was Du beschreibst, klingt überhaupt nicht reizvoll für mich ;)

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Wir lesen uns. :)