Freitag, 25. März 2011

Challenge Deutschland und Nachbarn: "Das Wörterbuch des Viktor Vau" von Gerd Ruebenstrunk


Auf der Leipziger Buchmesse 2011 habe ich Gerd Ruebenstrunks Vorstellung seines neuen Buches für Erwachsene und auch seiner Lesung daraus gelauscht (klick). Und was soll ich Euch sagen ;) Ich habe mir das Buch gekauft.

Worum geht es:
Vor der Küste eines afrikanischen Kleinstaates geht eine Kapsel nieder. Nicht nur die Kapsel weist ungewöhnliche Eigenarten auf: In ihr befindet sich eine nicht lesbare Botschaft aus Symbolen. Etliche Linguisten und Kryptologen werden eingeflogen und selbstverständlich sind auch die Geheimdienste in Alarmbereitschaft. Einer der Fachleute ist Viktor Vau, ein beinahe autistischer Sprach- und Neurologie-Wissenschaftler, der nur noch privat forscht. Er hofft, eine Sprache zu entwickeln, die die Realität so genau wie möglich abbildet. Die Reise nach Afrika wird sein ganzes Lebens auf den Kopf stellen...

Nachlese
Während ich mit dem Buch vorankam, ging mir auf, dass der Autor das Publikum auf der Lesung in Leipzig schon beinahe zu gut in sein neues Buch eingeführt hat. Jedenfalls für meine Bedürfnisse. Ich bemerkte, wie ich den Text bereits anders las. Beinahe unwillkürlich verknüpfte ich die Informationen aus Leipzig mit den einzelnen Kapiteln. Aus diesem Grund, denke ich, habe ich einige Entwicklungen vorausgesehen und Plotwendungen vermutlich etwas zu früh erahnt.

Was auch bedeutet, dass diese Nachlese schwierig ist. In diesem Roman werden verschiedene Handlungsstränge erzählt, die der Autor nach und nach verknüpft, so dass bereits kleinere Informationen Spoiler in Bezug auf die Gesamthandllung nach sich ziehen können.  Was allerdings auch bedeutet, dass einige meiner Empfindungen nicht ausführlich begründen kann. ;)

Der Name Gerd Ruebenstrunk war mir durch die "Arthur-und-die-Verschwundenen-Bücher" Kinderbuchreihe bekannt; gelesen habe ich allerdings mit Ausnahme des vorliegenden Romans noch nichts von ihm. Ich kann daher seinen Kinderbuchstil nicht beurteilen oder Vergleiche anstellen. In "Das Wörterbuch des Viktor Vau" formuliert der Autor sehr sorgfältig: Es geht um Sprache, ihre Auswirkungen und hiermit verbundene komplexe Sachverhalte. Es werden wissenschaftliche Thesen und Begriffe angeführt und mit der Geschichte verflochten.

Trotzdem hatte _ich_ manchmal das Gefühl, dass der Autor ab und an aus den Augen verlor, dass sein Roman von Erwachsenen gelesen wird. Seine Erzählweise im Romen ist sehr zugänglich, aber an einigen Stellen klang es in meinen Ohren verstärkt nach Jugendbuch:

"...'Nun, es war eigentlich weniger meine Entscheidung als die meiner Familie', erwiderte sie. 'Mein Vater war ein hoher Ministerialbeamter, und er hatte für mich ebenfalls eine Karriere in der höheren Verwaltung vorgesehen. Er hatte die richtigen Verbindungen, und ich wuchs in einem Umfeld auf, das mir alles bot, was ich mir nur wünschen konnte... " 
(Seite 121 aus "Das Wörterbuch des Viktor Vau" von Gerd Ruebenstrunk).

Das ist natürlich eine rein subjektive Empfindung.


Schade ist auch, dass das Lektorat nicht genauer gearbeitet hat. Besonders zu erwähnen ist hier die wortwörtliche Wiederholung eines Absatz binnen fünf Seiten (S. 280 mittig und S. 285 2. Absatz). Ich kann mir nicht denken, dass dies vom Autor beabsichtigt war.

Eine andere Sache, die mich irritierte, war, dass trotz notwendiger Vertraulichkeit Informationen an unbekannte Dritte nahezu umgehend weitergegeben bzw. erzählt werden. Das fühlte sich einfach im Zusammenhang mit den Geheimdiensten und dem übrigen Setting - auf das ich spoilerbedingt nicht weiter
eingehen kann ;) -  schlicht falsch an.

Bedingt durch den Aufbau des Romans mit mehreren Handlungssträngen muss der Autor auch mehrere Charaktere neben Viktor Vau einführen. Es fällt mir auch schwer, mich zur Charakterfrage zu äußern, da die Entwicklung und die Vita einiger Figuren plotbedingt vom Autor so anzulegen war, wie es im Roman erfolgte. Viktor fand ich interessant, auch den Floristen und Winter. Über letzteren hätte ich auch gern noch  mehr erfahren.

"Das Wörterbuch des Viktor Vau" ist jedenfalls ein interessanter Roman. Die separaten Handlungsstränge tragen zum Gesamtbild bei, auch wenn der Zusammenhang nicht immer gleich offensichtlich ist. Jedenfalls nehme ich das für einen "unbedarften" Leser an. Und obwohl ich etwas "angespoilert" war, empfand ich den Roman spannend. Schließlich waren auch für mich noch einige Zusammenhänge zu kären und es gab auch für mich unvorhergesehene Wendungen. Mir "gefiel" die Handlungsentwicklung bis hin zum Romanende.

Und die Themen, mit denen sich Gerd Ruebenstrunk in "Das Wörterbuch des Viktor Vau" beschäftigt, sind faszinierend: Sprache, Neurologie sowie mögliche Entwicklungen und Auswirkungen der Vermischung bzw. Interaktion.

Kommentare:

  1. You always surprise me with authors i've never read! i love it!

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  2. @Gris
    thanx
    I'm finding this exciting too by reading other blogs! :)

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