Donnerstag, 2. Dezember 2010

"The Curious Incident of the Dog in the Night-Time" by Mark Haddon (in engl.)


Dieses Buch habe ich im Rahmen einer privaten Leserunde gelesen. Und zwar - trara- erneut auf englisch ;).

Worum geht es?
Am liebsten wäre Christopher in einer Weltraumkapsel allein auf endloser Fahrt. Die Menschen, ihre Launen und Stimmungswechsel sind dem autistischen Jungen ein ewiges, kaum lösbares Rätsel. Seine Welt stellt sich als streng logisches Fakten- und Zahlenwerk dar. Er schätzt es nicht, angefasst zu werden, nimmt Speisen nur an, wenn sie einander auf dem Teller nicht berühren und nennt die Welt der Primzahlen sein Zuhause. Und Sherlock Holmes natürlich, der in seiner glasklaren Logik für den Jungen ein natürliches Vorbild darstellt. Folgerichtig schlüpft Christopher, als er Wellington, den Hund der Nachbarin Mrs. Shears, mit einer Mistgabel erstochen auffindet, in die Rolle des viktorianischen Superhirns.

Nachlese
Der 15jährige Christopher findet kurz nach Mitternacht den Hund Wellington der Nachbarin tot auf. Da die Nachbarin denkt, er habe damit etwas zu tun, ruft sie die Polizei und als der Beamte Christopher im Verlauf dieser nächtlichen Aktion vom Boden wegzerren will, wird er von Christopher geschlagen. Kein Wunder, daß Christopher deswegen mit zur Polizei und dort von seinem Vater wieder abgeholt werden muß. Christopher beschließt, herauszufinden, wer Wellington mit einer Mistgabel getötet hat und beginnt, seinem Vater und den Nachbarn Fragen zu stellen ... und darüber ein Buch zu schreiben. Allerdings ist sein Vater sehr bald genervt und bittet ihn, sich aus den Angelegenheiten fremder Leute herauszuhalten. Und obwohl Christopher sich sonst immer bemüht, seinem Vater zu gehorchen, läßt er diese Sache nicht auf sich beruhen...

Mark Haddon hat das Werk so gestaltet, daß man als Leser Christophers Buch liest. Der Roman ist in Ich-Form geschrieben. Die Sprache ist klar, strukturiert und beinahe einfach zu lesen. Beinahe deshalb, weil manchmal die Worte und Sätze fast atemlos in ihrer Aufzählung sind. Sehr bald merkt man als Leser, daß Christopher besonders ist: Er mag nicht angefaßt werden, mag keine Menschenmengen, nimmt Zwangshandlungen vor, ist gut in Mathematik und interessiert sich für die Wissenschaft, weil er die inneliegende Logik versteht. Die Menschen versteht er nicht so gut und mag auch keine Witze, weil er die Pointen nicht begreift. Christopher ist Autist.

Als Leser ist man Christopher ganz nah, wenn er seine "Ermittlungen" aufnimmt, über die Schule erzählt und von seine Mutter, die vor zwei Jahren gestorben ist.Oder wenn er seine Erkenntnisse über die Nachbarin und deren Ehemann aufschreibt und darüber berichtet, welche Pläne er hat.

Durch diesen direkten Einbezug wurde Christopher für mich unglaublich lebendig und ich sah ihn förmlich vor mir, wie er z.B. die Nachbarin befragt oder er seiner Ratte Toby hinterherläuft. Und nicht nur das: Ehrlich gesagt, machte mich das Buch etwas Angst. Zwar kann ich nicht beurteilen, inwieweit Mark Haddons Darstellung eines autistischen Jugendlichen der Wirklichkeit entspricht. Ich fand es beispielshaft erstaunlich, daß Christopher bei all seinen geschilderten Einschränkungen in der Lage ist, aus Swindon heraus allein bis zu einer bestimmten Adresse in eine Großstadt zu kommen. Dennoch: Für mich wurde Christopher durch Haddons Beschreibung real.

Und genauso real war auch meine Beunruhigung. Christopher ist nicht in der Lage, die menschliche Psyche zu verstehen. Er hat keine Einsicht in die Komplexität der Gefühls- und Sozialwelt und kann weder ermessen, wie seine Handlungen z.B. auf seinen Vater wirken und welche Reaktionen sie hervorrufen, noch kann er dessen Aktivitäten, die halt nicht vollständig der Logik entspringen, richtig einordnen. Christopher ist durchaus in der Lage, Emotionen zu empfinden und sicherlich kann er sie rudimentär auch bei anderen "werten", aber ausreichend ist er dazu nicht in der Lage. Er hat z.B. ein Messer bei sich und überlegt bei einer Gelegenheit, daß dessen Benutzung Selbstverteidigung wäre, wenn er von einem ihn zunächst nur hänselnder Jugendlichen geschlagen würde. Aus einem Gefühlsimpuls folgen seine Taten einer quasi wissenschaftlichen Ableitung/Logik. So habe ich es zumindest empfunden, ich kann es nicht besser in Worte fassen.

Das Buch empfand ich insgesamt als gut in englisch lesbar und von dem Protagonisten und der Handlung her durchaus faszinierend. Inwieweit der Autismus und das damit verbundene Verhalten von Mark Haddon korrekt beschrieben wurde, muß ich allerdings in der Beurteilung jemanden überlassen, der Erfahrung mit autistischen Menschen hat...

Kommentare:

  1. Ich habe das Buch vor einigen Jahren auch in Englisch gelesen. (Habe ich mir damals aus meinem Schottlandurlaub mitgebracht.) ;-)

    Mir hat es sehr gut gefallen. :-)

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  2. Ah, Du besuchst also nicht nur Indien :)
    Lg Natira

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