Samstag, 13. November 2010

"Harry Potter and the Half-Blood-Prince" Bd 6 by J.K. Rowling (in englisch)

Wenn man "in the zone" ist, dann geht es mit dem Lesen der Potter-Bücher im Original rasant voran. Hilfreich ist natürlich auch, daß man Ruhe und Zeit dafür hat... und die hatte ich die letzten Tage, da ich um halb vier bzw. halb fünf Uhr in der früh wach wurde (Arbeitsbeginn 08.00 Uhr) ;)

Worum geht es?
Voldemorts Rückkehr kann auch vom Zaubereiministerium nicht  mehr geleugnet werden, ebenso wie die Tatsache, daß seine Gefolgsleute, die Todesser, immer offener aktiv sind. Sowohl Muggles, als auch Zauberer verschwinden oder werden getötet. Harry, wieder bei seiner Tante und seinem Onkel, trauert derweil um Sirius und beschäftigt sich mit dem Inhalt der Prophezeiung, als er von Dumbledore abgeholt wird. Die beiden machen einen Abstecher zum Zauberer Horace Slughorn, um ihn aus dem Lehrer-Ruhestand zurückzuholen, was auch gelingt: Slughorn wird - nicht nur zu Harrys Überraschung - der neue Lehrer für Zaubertränke, während Snape endlich Lehrer für "Verteidigung gegen die dunklen Künste" wird. Dies hat mehrere Auswirkungen, so z.B.
- Harry kann nun doch - um Auror zu werden - mit dem Fach Zaubertränke weitermachen, seine Noten aus dem letzten Jahr reichen für Sloghorn
- Er kommt in den Besitz eines Zaubertränke-Lehrbuches mit handschriftlichen Anmerkungen zu Zaubertränken und Notizen von Zaubersprüchen, welches früher im Besitz des ominösen "Halbblut-Prinzen" war.
- Harry kann den Trank "Flüssiges Glück" gewinnen.

Während das Schuljahr voranschreitet, wird für Harry immer klarer, daß Draco Malfoy von Voldemort  mit einem Auftrag betraut wurde und daß Snape Malfoy zur Seite steht. Außerdem werden ihm von Dumbledore Voldemorts Vergangenheit und auch dessen Motive erläutert. Dumbledore und Harry lernen mehr darüber, was es mit Horkruxen auf sich hat, wie Voldemort eine Art Unsterblichkeit erreichen will und wie man dies verhindert. Aufgrund schrecklicher Geschehnisse in Hogwarts beschließt Harry am Schuljahrsende, diese Aufgabe selbst anzupacken, auch wenn er dabei nur auf sich, Hermine und Ron gestellt sein wird.

Nachlese:
Band 6 fand ich im Gegensatz zu Band 5 gar nicht zäh. Selbst die Quidditch-Sequenzen, die mich grundsätzlich eher nicht interessieren (ausgenommen die Dementoren-Szene in Band 3), waren für mich flüssig lesbar, ebenso das Hin und Her bei Ron und Hermione. Faszinierend fand ich nicht nur die Einsichten in Voldemorts Vergangenheit, sondern auch den beginnenden Blick hinter die Kulissen der Todesser. Mir gefiel auch der Ausbau von Draco Malfoys Charakter, gerade auch im Zusammenhang mit der normalerweise für Schmunzeln sorgenden Maulende Myrte. Zum einen erhält man einen anderen Blick auf Myrte, zum anderen zeigt es Dracos Isolation. Sehr berührt haben mich die kleinen Details in der Beisetzungsszene, daß z.B. Harry trotz des traurigen Anlasses den Impuls hat, zu lächeln, als Garp bei seinem "fürsorglichen" Klopfen Hagrid mitsamt dessen Stuhl etwas in den Boden stampft oder Harrys Erinnerung an Dumbledores Besprechung mit den Mermenschen.

Auf der anderen Seite fand ich es schon seltsam, daß Harry  den ihm als "Halbblüter" bekannten Tom Riddle nicht als früherer Eigentümer des Zaubertrankbuches in Betracht gezogen hat. Ist diese Vermutung so fernliegend? Oder habe ich das irgendwie überlesen? Und ich gestehe, daß mir die Metapher mit dem "Tier" in Harrys Brust als Ausdrucks- und Beschreibungsform von Harrys Empfindungen für Ginny nicht gefiel. Ich hatte den Eindruck, daß J.K. Rowling Harrys Empfindungen 10-12 Jahre alten Kids erläutern wollte, was zum restlichen Inhalt und Ton des Buches aus meiner Sicht nicht paßt. Zumal diese Notwendigkeit offenbar auch nicht in den früheren Bänden 4 und 5 in Bezug auf Cho bestand und gleichfalls nicht, soweit andere Charaktere (Ron, Hermione, Tonks, Fleur) betroffen sind. Teilweise ließ mich das Trotzverhalten (Hermione Zaubervögelangriff, Rons Verhalten gegenüber Hermione, aber auch Lavender, Harrys Uneinsichtigkeit zum Zaubertrankbuch) auch darüber nachdenken, ob das Dreiergestirn wirklich schon über 16 ist...

Was mich am meisten irritiert, hm... eigentlich sogar gestört hat, war folgendes: Harry und Dumbledore betrachten sich Dumbledores Erinnerung an seinen Besuch bei Tom Riddle im Waisenhaus. Der jüngere Dumbledore spricht mit der Leiterin des Waisenhauses Mrs. Cole, legt einen Zauber über sie, damit sie keine weiteren Fragen zu Hogwarts etc. stellt. Und dann folgt dies:

"Then her eyes fell upon a bottle of gin an two glasses that had certainly not been present a few seconds before. 'Er - may I offer you a glass of gin?' she said in an extrarefined voice. 'Thank you very much', sad Dumbledore, beaming. It soon became clear that Mrs. Cole was no novice when it came to gin-drinking. Pouring both of them a generous measure, she drained her own glass in one. Smacking her lips frankly, she smiled at Dumbledore for the first time, an he didn't hesitate to press his advantage. 'I was wondering whether you could tell me anything of Tom Riddle's history?..."
(Zitat aus Harry Potter an the Half-Blood-Prince von J.K. Rowling- Kapitel: The secret Riddle)

Verstehe ich es etwa falsch, daß Dumbledore dafür verantwortlich ist, daß die Ginflasche plötzlich erscheint? Und weshalb sollte er das wohl tun, wenn er nicht wüßte, daß Mrs. Cole gern Gin trinkt - wie die folgenden Sätze zeigen, ist sie ja kein "Neuling" - , also ein Alkoholproblem hat? Und er zögert auch nicht, seinen Vorteil daraus zu ziehen.

Spoiler möglich!

Das "gefällt" mir nicht. Auch wenn man in Band 7 mehr über Albus Dumbledores bewegte Vergangenheit erfährt und man diese Szene als kleinen Hinweis sehen will, kann ich ihr immer noch nichts abgewinnen. Dumbledore ist bereits Lehrer in Hogwarts und die in Band 7 offenbarten weiteren Details lagen, wenn ich mir richtig erinnere - was ich ja bald lesen werde ;) -, vor dieser Zeit. J. K. Rowling gestaltet Albus Dumbledore jedenfalls in dieser Szene als sehr manipulativ, der auch nicht davor zurückschreckt, Muggles in Versuchung zu führen und auszunutzen (Alkoholismus, Abhängigkeiten), was mich an einen anderen Charakter erinnert. Und diese Vorgehensweise wird auch nicht weiter kommentiert, weder von Dumbledore, noch von Harry. Das finde ich unglücklich.

Dennoch:
Insgesamt fand ich dieses "Brückenbuch" zwischen Teil 5 und 7, daß den Leser mit sehr vielen Informationen und Erläuterungen versorgt und erst zum Ende hin Action entwickelt, erstaunlich fesselnd und flüssig zu lesen.

Und gerade habe ich mir die Verfilmung auf DVD angeschaut, von der ich im letzten Jahr im Kino sehr enttäuscht war. Mal sehen:

Was ich beim ersten Mal Filmschauen offenbar übersehen habe, war, daß der Film mit Olivanders Entführung durch die Todesser beginnt, die mehr oder weniger in einem Nebensatz im Buch erwähnt wird. Im Hinblick auf Teil 7 auch gut gewählt. Allerdings: Man kann bei dem schnellen Schnitt nicht erkennen, daß es sich um den Zauberstabladen handelt und die entführte Person trägt einen Sack über den Kopf. Und auch später wird nicht deutlich, daß es sich um denselben Laden wie zu Beginn des Films handelt, da die Gasse inzwischen insgesamt sehr verlassen ausschaut .

Findet eigentlich noch jemand, daß Harry sich in ein Mädchen verliebt, daß seiner Mutter mehr und mehr ähnelt? Irgendwie finde ich auch, daß Snapes Haare besser geschnitten (oder frisiert) sind. Ich finde, man sieht vielmehr von Alan Rickmans Gesicht ;) Und ich weiß auch immer noch nicht, warum das Weasley-Haus in Brand gesetzt wurde... Schade übrigens, daß für den 16jährigen Tom Riddle nicht derselbe Schauspieler eingesetzt wurde, wie in "Die Kammer des Schreckens". Und es ist etwas seltsam, daß Harry Hermione und Ron das Hokrux-Medaillon ohne Erklärung gibt und die beiden absolut Bescheid zu wissen scheinen... Da wurde vielleicht eine Szene zu viel herausgeschnitten.

Beim zweiten Schauen hatte ich übrigens nicht mehr das Gefühl, daß es zu schnell ging von der Schule bis zur Horkrux-Höhle, vielmehr empfand ich den Film recht unterhaltsam. Mir gefiel auch weiterhin Tom Feltons Darstellung ;) Und dieses Mal habe ich sogar ein (kleines) Ohr für den Soundtrack gehabt: Sehr dramatisch ...und irgendwie gregorianisch, wenn Draco in den Raum der Wünsche geht, um die Todesser hineinzulassen. Ich bin also mit dem Film etwas versöhnt, bleibe aber dabei, daß ohne die Filme spätestens seit Nr. 4 ohne Buch immer schwieriger nachvollziehbar sind.

Kommentare:

  1. Liebe Natira,
    ich habe es am Wochenende auch endlich geschafft, mit Teil 6 durchzukommen. Es ist wirklich erstaunlich: obwohl ich ja immer diejenige war, die die Verfilmung des Half-Blood Prince gar nicht sooo schlecht fand, bin jetzt im direkten Vergleich viel enttäuschter. Neben den üblichen Unklarheiten (warum muss "The Burrow" brennen etc.) regt mich nach wie vor am meisten das Auslassen des Kampfes in Hogwarts zum Schluss auf. Und was ist das mit Fenrir? Niemand weiss so recht, dass er ein Werwolf ist (ausser vllt. derjenige, der das "Wanted"-Schild in der Nocturn-Gasse genau gelesen hat) und eigentlich ist das auch irrelevant, denn er tut ja auch nichts wirklich schlimmes ausser fies aussehen. Ein Detail ist mir aber jetzt erstmals aufgefallen, was ich dagegen richtig gut fand (wenn es auch nicht konsequent weiterverfolgt wurde): Draco verschwindet einmal auf der Marauders Map, die auf Harrys Nachttisch liegt. Das find ich gut gemacht, nur wäre es schön gewesen, dann auch die Probleme Harrys mit dem Room of Requirement zu zeigen - so lief der Hinweis ins Leere. Und wo sind eigentlich die Hauselfen? Und die Erinnerungen über Hufflepuffs Becher?
    Generell kann man den Film ohne das Buch gelesen zu haben kaum wirklich verstehen - ich glaube, als Leser füllt man die Lücken unbewusst auf.
    Das Ginny im Film (und im Buch auch) Ähnlichkeit mit Lily hat - naja, find ich nicht so schlimm, eigentlich. Weil eigentlich haben sie nur beide rote Haare und sind offenbar beide recht begabte Hexen. Ich glaube, er verliebt sich in sie, weil sie so tough ist. Das finde ich im Buch so toll, als sie die erste Potions-Stunde haben und er bei dem Love-Potion an sein Besenwachs und merkwürdigerweise an einen Duft aus dem Fuchsbau denken muss. Das ist so niedlich :) Im Film finde ich die Szene wo sie ihm den Schuh zubindet übrigens ganz schön bescheiden.
    Aber das nur zur Verfilmung.
    Zum Buch: Ich liebe es nach wie vor und mag es bisher am liebsten aus der Reihe. Ich muss mal sehen, ob Teil 7 mich positiv überrascht, kann es mir aber kaum vorstellen.
    Dumbledore gefällt mir übrigens auch von Band zu Band weniger. Dieses Manipulieren im Waisenhaus hatte ich vorher gar nicht wahrgenommen, aber ich finde ihn auch so sehr arrogant und von sich selbst zu stark überzeugt. Schon Teil 5 wäre wesentlich besser gewesen, wenn Dumbledore sich nicht so stoffelig verhalten hätte aber jetzt in Teil 6 finde ich seine selbstverliebte Art schier unerträglich.
    So, das erstmal von meiner Seite... Ich fahre gleich los in den Süden, Stephen Fry und die Deathly Hallows bei mir und bin gespannt, wie mir das gefällt :) Liebe Grüsse von Sayuri

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  2. Hallo Sayuri!
    Was den Film angeht, bin ich zwar "milder" als früher gestimmt, aber die Grundaussage bleibt auch bei mir: Ohne Buch ist der Film kaum mehr verständlich und bei einigen Szenen schüttelt man einfach nur den Kopf. Mal sehen, wohin Harry im nächsten Film "in Sicherheit" gebracht wird... Das mit Draco habe ich im Film übersehen und die Hauselfen sind ja mit Ausnahme von Dobby und Kreacher völlig ingnoriert worden. Wäre vermutlich zu schlimm gewesen, arbeitenden Elfen und eine trinkende Blinky zu zeigen...

    Schlimm finde ich das mit Ginny und Harrys Mutter auch nicht. Ich war nur irgendwie verblüfft, vermutlich weil ich finde, daß die älter werdende Schauspielerin (Ginny) Harrys Mutter immer ähnlich wird :) Ja der Love-Potion-Trank ... Hermione wirkte im Film auch überrascht, obwohl ich immer dachte, daß sie ihre Gefühle für Ron schon vorher richtig einordnen konnte.

    In Teil 5 habe ich Dumbledores Mauscheleien noch halbwegs akzeptiert. Teilweise ja, weil die Gefahr des unbewußten Verratens durch Harry ja durchaus bestand, teilweise nein, weil D. Harry durchaus hätte sagen können, warum er diese Vorsichtsmaßnahme trifft. Das hätte dem eigentlich Vertrauensverhältnis entsprochen, aber - und daß halte ich der Autorin zugute - Menschen sind ja leider nicht immer so. Gefallen tut es mir aber trotzdem nicht ;)
    Und Teil 6... Nun, Aberforth spricht es in Teil 7 ja deutlich an, worin D. gut war - und offenbar sein Leben lang blieb.

    Viel Spaß mit Deathly Hallows und stephen Fry. Wie schon gemailt, war ich positiv überrascht, wie flott mich der letzte Teil im Gegensatz zu früher mitgerissen hat...

    Lg Natira

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  3. ... was Hermiones Überraschung im Film angeht: Ich habe noch einmal darüber nachgedacht, vermutlich war sie überrascht, daß sie den Duft vor der Klasse beschreibt.

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