Dienstag, 16. November 2010

"Die Katze, die rückwärts lesen konnte" von Lilian Jackson Braun



Diesen Roman - und den weiteren "Die Katze, die in den Ohrensessel biß" - habe ich von meiner Kollegin geschenkt bekommen. Und da Tanja ähnlich neugierig war wie ich, habe ich mir das Büchlein zügig aus dem TuB gezogen :)

Dieser Roman eröffnet übrigens die Serie "Die Katze, die ..." von Lilian Jackson Braun.

Worum soll es gehen (Verlagsangabe)?
Jim Qwillerans Karriere als Journalist ist auf dem Tiefpunkt. Da verschlägt es ihn in das Stadtchen Pickax, wo er für das örtliche Provinzblatt über die Kunstszene berichten soll. Dabei kann er die Venus von Milo nicht von der Freiheitsstatue unterscheiden! Doch bald wird das scheinbar beschauliche Thema brandheiß. Eine Galerie wird verwüstet, und offensichtlich hat jemand Mord als schöne Kunst missverstanden. Zum Glück trifft Jim den cleveren Siamkater Koko. Dieser kann nicht nur lesen, sondern hat auch eine unfehlbare Spürnase für Verbrechen.

Nachlese.
Im großen und ganzen stimmt die Taschenbuchangabe schon. Der Siamkater heißt jedoch Kao K'o-Kong, benannt nach einem chinesichen Künstler des 13. Jahrhunders, und wird nur von Jim Koko genannt wird :) Aber von Anfang an.

Jim Qwillerans mag ein Mann um die 50 sein, der einen ergrauenden Schnurrbar trägt und schon einige Jobs hinter sich hat. Sein Alter wird nicht ausdrücklich genannt, aber er staunt z.B. über elektrische Bleistiftanspitzer im Büro und erinnert sich an die Zeit, in der Zeitungsbüros nicht so aufgeräumt waren wie "heute". In diesem "Heute" gibt es jedenfalls schon Computer (Die Erstauflage des Originalbuches stammt aus 1966!), denn Jim vermutet zunächst, daß der für so viel Wirbel in der Stadt sorgende Kunstkritiker Mountclemens gar nicht existiert, sondern die Rezensionen in New York geschrieben und dann am Rechner übermittelt werden. Aber er liegt falsch: Jim lernt den Kritiker - und dessen Kater Kao K'o-Kong - nicht nur kennen, er bezieht auch die extrem günstige kleine Wohnung in dessem Haus und spielt dabei auch schon mal Katzensitter. Koko akzeptiert und erzieht Jim recht fix, freut sich auch über die aktive spielerische Abwechslung mit Jim, denn bei Mountclemens ruht Koko auf den Büchern und liest die Schlagzeilen der Zeitung auf ungewöhnliche Art und Weise: Er zeichnet mit seiner Nase die Buchstaben von rechts nach links nach - Koko liest rückwärts.

Mountclemens ist in der künstlerisch offenbar äußerst aktiven Stadt, wie gesagt, nicht gerade beliebt.Er verreißt regelmäßig die in seinen Augen selbsternannten Künstler, nur die Galerie Lambreth scheint eine gute Auswahl zu treffen. Die Hoffnung der lokalen verrissenen Künstler, Jim würde Mountclemens Ressort übernehmen, muß Qwilleran aber zurückweisen: Er soll keine Rezensionen schreiben, sondern über die Kunstszene berichten. Also macht er sich an die Arbeit, interviewt Künstler und den Galeristen Lambreth. Und kurz danach ist dieser tot und das ist nicht der einzige Todesfall...

In diesem Roman geht es zwar auch um Koko, der eine nicht unwesentliche Rolle spielt, aber man sollte sich nichts vormachen: Es ist eher eine Kriminalgeschichte, dessen Protagonist nicht der Detektiv ist, sondern ein Journalist. Und obwohl Jim natürlich neugierig ist, Beteiligte befragt und Spekulationen anstellt, entwickelt sich die Geschichte nicht zu einer reißerischen Enthüllungsstory. Der Ton ist vielmehr leicht, unterhaltsam und humorvoll, die Charaktere zwar eigenwillig, aber nicht extrem überzeichnet und abgehoben. Ich würde den Roman jedoch nicht als total witzig bezeichnen (dies sind für mich z.B. die ersten Amelia-Peabody-Bücher von Elizabeth Peters). Der Krimiplot hat einige Wendungen: Für mich als Wenigkrimileser war die Auflösung so nicht vorhersehbar. Ich hatte einen Beteiligtenverdacht, der sich auch bestätigte, aber anders, als von mir erwartet.

Um mal eine Einordnung zu wagen: Der Protagonist und das Flair in diesem ersten Roman der Serie erinnerten mich entfernt an einen Rita Mae Brown Roman mit Mrs. Murphy, allerdings erhält Koko weder eine eigene Stimme, noch wird er großartig vermenschlicht. Koko spielt, fordert lautstark von Jim sein Futter, das Öffnen der Türen, räkelt oder putzt sich. Diese Szenen werden aus Jims Sicht beschrieben und seine Zuneigung zu Koko ganz zauberhaft in Worte gefaßt: 


"Als er (Koko, Anm. Natira) Qwilleran sah, raste er hinauf in den ersten Stock und sah zu ihm hinunter. Seine Haltung und die Stellung seiner Ohren drückten eine liebenswürdige Einladung aus, ihm zu folgen. Qwilleran wurde plötzlich von einer heftigen Zuneigung zu diesem freundlichen kleinen Wesen erfaßt, das wußte, wann seine Gesellschaft gebraucht wurde. Koko konnte unterhaltsamer sein als ein Varieté und - manchmal - auch beruhigender als ein Tranquilizer. Er gab so viel und verlangte so wenig." (Zitat aus diesem Buch, Kapitel 15).

- HACH :) -

Ich freue mich, "Die Katze, die in den Ohrensessel biß" demnächst zu lesen, aber weitere Teile der Serie würde ich trotzdem nur bei reduzierten Angeboten kaufen oder - bevorzugt - aus der Bücherei ausleihen.

Kommentare:

  1. Ich hab die Serie während meiner "Krimiphase" auch mal angefangen zu lesen, aber so richtig mitreißen konnte sie mich nicht. Ich fand die Bücher schon ganz nett, letztendlich waren sie mir aber zu wenig Krimi und konnten auch darüber hinaus nichts bieten, was mich bei der Stange gehalten hätte.

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  2. Vielleicht habe ich mich deshalb mehr für die Serie begeistern können als ihr, da ich nicht mit dem ersten Band angefangen hatte.

    Als ich die Serie für mich entdeckte, war Qwill schon weitergezogen und zu Koko hatte sich noch eine Katze gesellt. In den späteren Romanen sind die Nebenfiguren deutlich überzeichneter - und ich fann das sehr unterhaltsam. Auch nie mehr als nett, aber manchmal ist "nett" genau das richtige. ;)

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  3. @Irina
    Für einen Kriminalroman ist vermutlich wirklich zu wenig Krimi enthalten. Übrigens habe ich einen "richtigen" Kriminalroman auch nicht erwartet, trotz der Klappentextangabe ;)

    @Winterkatze
    Ah... so so ... Er bleibt dort also nicht und die Familie wächst ... tse, tse, Du spoilerst ja :D

    @Irina und Winterkatze
    Nett, ja, das war es. Und genau das habe ich am Wochenende gebraucht :)

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  4. Aber doch nur ganz milde ... ;)

    Und wenn du irgendwann noch mehr davon lesen willst, dann setz die Titel auf die NSZ-Liste. ;)

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  5. Ich werde darüber nachdenken... Wer ist bloß auf die Idee mit den ZS-Listen gekommen *lach*
    ?!

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  6. Na ja, nen blutigen Thriller hab ich auch nicht erwartet, aber wohl sowas ähnliches wie die Rita-Mae-Brown-Bücher.

    Ich hab hier übrigens auch noch ungefähr 15 Bände der Jackson-Braun-Serie stehen, falls Bedarf besteht … *g*

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  7. Huhu Natira!
    *g* Hier bin ich...
    die neugierige Tanja! Wieder zurück aus dem schönen Ammerland. Du bist aber ganz schön fix! Bei meinen Eltern bin ich kaum zum Lesen gekommen, aber dafür hab ich mich um meinen kleinen Neffen gekümmert. Fussball, Basketball, Tischtennis und der Kleine hat mir selbst beim Kickern noch eins vor gemacht. Herr je, alles sitzt noch am rechten Fleck und ein Glück hab ich mir die Greten nicht gebrochen. Einen anständigen Muskelkater habe ich - vom Popo bis in die Zehenspitzen. Ich sag ja immer: "Sport ist Mord"! *g*
    Zumindest hatte mein kleiner Neffe Spaß mich zu foltern. Deine Rezeption ist wunderschön geschrieben und auch das Zitat gefällt mir und ich hätte nicht gedacht, dass die Erstauflage des Buches aus dem Jahr 1966 stammt. Deine Zeilen klingen nach einem unterhaltsamen Schmöker. Wie auch immer, du hast mich neugierig gemacht.

    Viele liebe Grüße, Tanja

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  8. @Tanja
    Am vergangenen Wochenende habe ich es mir seeeehr gut gehen lassen und mich erholt. Im Gegensatz zu Dir war ich fast ausschließlich auf der Couch/im Bett zu finden, um meine Erkältung auszukurieren und genug Schlaf zu bekommen. Daher hatte ich auch viel Zeit: für dieses Buch, für den Rest der Big-Bang-Theory-DVD, für die Verfilmung von HP6 ... :)

    Es ist ein unterhaltsames Büchlein und war schnell zu lesen ;D

    Lg Natira

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