Sonntag, 31. Oktober 2010

"Wie erobert man einen Herzog?" von Julia Quinn


Für meinen neuerlichen Ausflug in das Liebesromangenre haben Winterkatze - die die Romane um die Bridgerton-Schwestern neugierigmachend in ihrem Blog erwähnte - und Irina gesorgt, indem sie mir dieses Buch als Leihgabe überlassen hat - Danke!

Worum geht es?
Nichts wünscht sich die warmherzige Daphne Bridgerton sehnlicher, als zu heiraten und Kinder zu bekommen - und verliert ausgerechnet an Simon Basset, Duke of Hastings, ihr Herz! Verbittert über die lieblose Zurückweisung durch den Vater, hat der Herzog nämlich geschworen, niemals eine Familie zu gründen. Und dass er Daphne den Hof macht, ist nur ein Spiel: Ein Spiel, das sie verabredet haben, damit Simon für die Schar der heiratswilligen Debütantinnen vergeben scheint und das Daphne - wegen des herzoglichen Interesses an ihr - in den Mittelpunkt des gesellschaftlichen Interesses rücken soll. Wie aber soll Daphne sich an den Aufwartungen der nun tatsächlich zahlreich vorsprechenden Verehrer freuen, wenn ihr Sehnen doch einzig dem Herzog gilt? Wenn sie Tag und Nacht nur davon träumt, dass aus seiner Galanterie leidenschaftlicher Ernst werden möge...

Nachlese
Julia Quinn schafft es prima, den Leser in das England von 1813 zu bringen, wenngleich der Roman mit der Kindheit von Simon Basset beginnt. Bei dieser Gelegenheit muß ich gleich ein Geständnis machen, weil ich bei dem Nachnamen Basset sehr schnell an den Hundereasse denken mußte. Daß der äußerst reizende Senior zu dem Kindermädchen seines Sohnes Simon sagt: "Natürlich ist er klug, er ist ein Basset" und, daß es dem Senior offensichtlich mehr um die Blutlinie geht, als um das Kind an sich, haben dieses gedankliche Abschweifen nur noch gefördert. Das aber nur am Rande.

Simon Basset mühte sich jedenfalls jahrelang erfolglos, die Anerkennung seines Vaters zu gewinnen. Als der Vater ihn endlich zur Kenntnis nahm - Simon hatte einen Ruf als Heißsporn erworben -, entzog sich Simon dem Duke und schipperte in der Weltgeschichte herum. Erst nach dem Tod seines Vaters kehrt Simon 1813 in die Londoner Gesellschaft zurück. Er erbt den Titel, der seinem Vater so wichtig war, und nimmt sich vor, niemals und unter keinen Umständen zu heiraten und die Linie fortleben zu lassen. Sowieso ist ihm die Gesellschaft eher lästig und zu dem Empfang der Lady Dunbury geht er nur aus Pflichtgefühl gegenüber der Gastgeberin. 30 Minuten höchstens werde dieser Besuch dort dauern, erklärt Simon seinem Freund aus Studententagen Anthony Bridgerton, was diesen nur zum Lachen bringt.

Mir ging durch den Kopf, daß der fiktive Simone offenbar nicht die von Jane Austen zitierte altbekannte Wahrheit kannte, daß ein unverheirateter Mann mit Vermögen nichts dringender braucht als eine Frau. Anthony Bridgerton weiß dies und warnt Simon vor dem Ansturm der Mütter heiratsfähiger Töchter. Seine eigene schließt er nicht aus, wurde doch seine Schwester Daphne bereites im vergangenen Jahr in die Gesellschaft eingeführt. Daphne ist eine verständige und humorvolle junge Frau von knapp 20 Jahren, die älteste der Bridgerton-Töchter. Und prompt stolpern Simon und Daphne übereinander, als Daphne mal wieder versucht, ihren langweiligen Verehrer Nigel loszuwerden. Im weiteren Verlauf des Abends lernt Simon die schmerzliche Wahrheit über das Leben der Junggesellen in der Londoner Gesellschaft, während Daphne erneut merkt, daß man in ihr mehr die gute Freundin, denn das Ziel romantischer Eroberungen sieht. Bei einem gemeinsamen Tanz schließen Simon und Daphne dann einen Pakt: Simon macht ihr den Hof und entgeht so hoffentlich der "Jagd",während Daphnes romantisches Ansehen steigt. Soweit so gut. Aber wie das so ist: Das Herz spielt nicht immer in der Weise mit, wie der Verstand es will...

Rasant ist das Wort, das mir bei der Lektüre dieses Liebensromans häufiger durch den Kopf ging. Ich fand zum einen die zeitliche Entwicklung der Geschichte (Kennenlernen, Gefühlsentwicklung, weiteres Vorangehen der Story) ziemlich schnell, aber auch das Tempo der Dialoge und Handlungen war hoch. Simon und Daphne liefern sich flotte Dialoge, gleiches gilt für Daphne und ihre Mutter/Brüder sowie zwischen Simon und Anthony.

Dabei gefiel mir besonders der erste Teil des Romans, in welchem die Hauptcharaktere eingeführt werden und sich kennenlernen. Hier machen Tempo und Wortwitz die Geschichte sehr kurzweilig. Später im Roman ist das Tempo noch immer recht hoch, allerdings geht es dort mehr um Intimität und vertrauensvollen Umgang; dennoch fesselte mich dieser zweite Teil weniger. Versteht mich nicht falsch: Die Story war auch weiterhin gut geschrieben. Ich wollte wissen, wie die Geschichte ausgeht und habe den Roman in einem Rutsch durchgelesen. Mir gefiel einfach der Schwung im ersten Teil besser :)

Der heutige Ausflug in das Liebesromangenre war sehr unterhaltsam. Für mich waren die Liebesszenen ok und nicht so nervend wie in Kismet Knigth oder so ausufernd wie ich Schattenwandler Jacob, was sicherlich auch an der Zeit, in der die Geschichte spielt, liegt ;). Ich kann mir durchaus vorstellen, weitere Romane von Julia Quinn zu lesen, wenn sich die Gelegenheit ergibt...

Kommentare:

  1. Ach, das ist nett, dass dir der Roman gefallen hat. :)

    Ich bin mir sicher, dass Irina und ich schon für weitere Bridgerton-Gelegenheiten sorgen könnten. ;) Tempo und Sprachwitz treffen die Vorzüge der Romane wirklich! :)

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  2. Ich persönlich habe ja auch eine Schwäche für bestimmte Nebenfiguren - und je mehr Romane man aus der Reihe liest, desto mehr kann man die kleinen Momente mit ihnen genießen. :D

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  3. Mir war Lady Dunbury sehr sympathisch :)

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  4. Du hast eben einen guten Geschmack! :D

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  5. Ooooh, wie ich mich freue, dass dir das Buch gefallen hat. Ich infiziere doch immer gerne alle möglichen Leute mit dem HL-Virus, und Julia Quinn birgt hohes Ansteckungspotenzial. Mal schaune, obs vielleicht sogar bei Maren von Bibliomanie klappt, der ich das Buch ebenfalls aufgequatsch habe! :D

    Ich finde, Julia Quinn trifft einfach genau den richtigen Ton in ihren Büchern: Sie sind spritzig und witzig, ohne jemals Richtung Slapstick abzugleiten. Und Quinns Figuren sind einfach liebeswert und nie abgedreht.

    Für Nachschub kann ich jederzeit gerne sorgen, du musst nur "piep" sagen! :)

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  6. Und führe mich nicht in Versuchung ... *g*

    Erst einmal werde ich Dir Deine Leihgaben zurückschicken. Obwohl so die nächsten zwei Teile der Dresden Reihe und ein weitere Quinn... *überlegt*

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  7. Doch, doch, natürlich versuch ich, dich zu verführen … schließlich muss ich den Liebesroman-Virus verbreiten! *lach*

    Was Dresden angeht, kann ich dir aber leider nur bedingt helfen, weil ich Teil 3 gar nicht habe. Der ist ja vergriffen und ich bin nicht bereit, 30 Euro dafür zu zahlen … :(

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  8. Ja... stimmt, das war ja schon bei Anja Thema. Unglaublich, daß ein (TB-)Band diesen Marktwert erreicht!
    *linst auf das Buch im Original*

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  9. Ja, ans Original oder aber das E-Book hab ich auch schon gedacht. Alternativ könnte man ja vielleicht doch mal in der Bibliothek schauen …

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  10. Zumindest die Bibliothek hier in meiner Umgebung kann ich aus der Aufzählung herausnehmen :(

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