Sonntag, 3. Oktober 2010

"Ich hatte vergessen, dass ich verwundbar bin" von Delphine de Vigane


Gelesen hatte ich das Buch bereits im September, aber wie das so ist ... :)

Worum geht es?
Hoffen wir nicht alle immer wieder einmal auf eine Begegnung, die unser Leben verändert und zum Guten wendet? Mathilde hält sich für eine starke Frau, tatkräftig und entschlossen. Sie ist alleinerziehende Mutter von drei wundervollen Jungen, und sie liebt ihre Arbeit. Wozu sollte sie sich eine Veränderung wünschen? Doch die Veränderung kommt. Mathildes Chef beginnt sie zu mobben, immer stärker leidet sie unter der Situation im Büro. Da prophezeit ihr eine Wahrsagerin eine ganz besondere Begegnung, und Mathilde hofft. Doch worauf? Auf das befreiende Gespräch mit ihrem Chef? Auf die Rückkehr ihrer alten Stärke? Oder auf die Begegnung mit einem ganz besonderen Mann? Der prophezeite Tag bricht an ...

Nachlese:
Um mit der Tür ins Haus zu fallen: In dem Klappentext wird der zweite Protagonist des Romans unterschlagen. Neben Mathilde richtet die Autorin den Blick auf den Arzt Thibault, der bei den Urgences médicales arbeitet. Sein Job ist anstrengend, er muß medizinische Hilfe leisten, aber auch psychologische. Thibault macht am Morgen des 20. Mai Schluß mit Lila. Die Beziehung dieser beiden ist nicht im Gleichgewicht: Lila bleibt emotional distanziert, während Thibault sich verliebt hat. Und bevor er daran kaputt geht, verläßt er Lila und fahrt am 20.5. zur Arbeit.

Mathilde dagegen ist alleinerziehende Mutter von drei Söhnen. Ihr wurde von Jacques Pelletier eine neue Chance geboten: Er hat sie eingestellt, aufgebaut, angeleitet, für den Job geformt. Sie hat ihn immer unterstüzt und machnmal seine Entscheidungen beeinflussen können. Aber eines Tages relativiert sie seine Entscheidung während einer Präsentation vor einem Kunden. Es ist kein offener Widerspruch, aber der cholerische Pelletier sieht das anders. Es folgen monatelang verschleierte Angriffe seitens Pelletier. Er isoliert sie vom Team, unterrichtet sie nicht von Besprechungen, untergräbt ihr Selbstwertgefühl. Aus irrwitziger Verzweiflung sucht sie eine Wahrsagerin auf, die ihr prophezeit, dass sie am 20. Mai einen Mann treffen, dass sich ihr Leben verändern werde. Mathilde macht sich auf den Weg zur Arbeit und hofft.

Natürlich möchte man wissen, was am 20.05. passiert. Werden sich Thibault und Mathilde treffen? Delphine de Vigan schildert in ihrem Roman, wie dieser Tag für die beiden Protagonisten abläuft. Der Leser schlüpft dabei abwechselnd in die Köpfe von Mathilde und Thibault, erfährt von ihrer Vergangenheit, ihrem Umfeld und ihrer aktuellen Situation, besonders emotional. Stilistisch interessant findet man teilweise identische Sätze der Autorin bei Thibault und bei Mathilde; nicht nur die Sätze, auch diese beiden Personen sind verschieden und doch in vielem gleich:  Sie werden beide von einem anderen Menschen auf Distanz gehalten und isoliert, sind erschöpft und auf der Suche nach einem Ausweg.

"Einfach" ist der Roman nicht. Abgesehen insbesondere von der Mobbing-Thematik, wird der Leser auch durch den Schreibstil der Autorin mit den sich wiederholenden Worten, dem Wechsel zwischen Jetzt und Damals gefordert. Auch der Preis ist für ein Hardcover recht hoch. Und dennoch: Lesenswert.

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