Samstag, 23. Oktober 2010

"Harry Potter and the Order of the Phoenix - Bd. 5" by J.K. Rowling (in engl.)

Inzwischen habe ich mir die englischsprachigen Bücher selbst gekauft,nachdem ich zunächst von Sayuri die ersten drei Bände und aus der Bücherei den vierten Band ausgeliehen.

Muß ich wirklich etwas dazu schreiben, worum es in Band 5 geht? Ok...

Aber für diejenigen, die nur den Film kennen und das Buch  noch lesen wollen - geht natürlich auch prima, ohne den Film zu schauen ;) -: Es wird gespoilert in diesem Post!

Worum geht es also:
Voldemort ist zurück und mit Ausnahme des engsten Kreises von Harrys Freunden und Dumbledores Vertrauen will es niemand glauben. Und daß Harry im Muggle-London während der Ferien von Dementoren angegriffen wurde, ist bestimmt auch nicht wahr. Harry, der sich nur mit einem Patronus-Zauber wehren konnte, soll im Zaubereiministerium angehört werden. Vorher wird er Harry von Mad-Eye Moody und weiteren Zauberern abgeholt und in das Hauptquartier des wieder aktivierten Orden des Phönix gebracht. Deren Mitglieder, zu denen früher auch Harrys Eltern gehörten, bekämpften und bekämpfen wieder Voldemort und die Todesser. Lupin und auch Harrys Pate Sirius sowie Rons Eltern sind Mitglieder und er trifft dort endlich Ron und Hermione wieder. Dann geht es zur Anhörung, in der Harry das erste Mal auf die Untersekretärin Dolores Umbridge. Aufgrund Dumbledores Intervention wird die Anklage fallengelassen, aber Prof. Dumbledore verhält sich seltsam: Keinen Blick, kein Wort tauscht er mit Harry.

Aber viel erfahren die 15jährigen nicht im Hauptquartier und schon geht das neue Schuljahr los: Nicht nur, daß in diesem Jahr die ersten Examen anstehen, es gibt wieder einen neuen Lehrer im Fach Verteidigung gegen die Dunklen Künste: die eifrige, konservative und ministeriumtreue Dolores Umbridge, die Harry natürlich der Lüge bezeichnet und ihn Strafarbeiten verrichten läßt. Aktive Zauber lernen die Teenager in ihrem Unterricht auch nicht und so kommt Hermione auf die Idee, daß Harry sie - und andere Interessierte - unterrichten soll. Sie gründen eine Schülergemeinschaft und nennen sich Dumbledores Armee, was - wie sich im Verlauf des Buches zeigt - Konsequenzen haben wird. Daneben hat Harry seltsame Träume und Visionen, weshalb Dumbledore und auch Sirius und Lupin ihn anweisen, Occlumency-Unterricht bei Professor Snape zu nehmen, damit Voldemort nicht in Harrys Geist eindringen kann ... Und dann überschlagen sich die Ereignisse:

Prof. Umbridge führt ihre Hexenjagd gegen Lehrer und Prof. Dumbledore fort, bis letzterer gezwungen ist, die Schule zu verlassen. Sie überwacht die Eulen und auch alle anderen Kommunikationsmittel. Und dann sieht Harry einen Angriff auf Sirius...

Nachlese
Uff... Ganz ehrlich: Das war ein verflixt umfangreicher Roman! Und manchmal habe ich innerlich die Augen verdreht, denn Harry ist mir dieses Mal wirklich ganz schön auf die Nerven gegangen. Ich hatte häufig das Bedürfnis, ihn zu schütteln und ihm seinen Kopf gerade zu rücken - meine Pubertät ist offenbar zu lange her.  Auf der anderen Seite spricht es für die Autorin, daß ich als Leserin so intensiv auf ihren Protagonisten reagiere, nicht wahr ;) Gelungen fand ich persönlich Harrys Hin- und Hergerissenheit, ob er allein oder nicht allein sein möchte nach dem Geschehen im Zaubereiministerium. Aber dies bringt mich zu etwas anderem:

Harry wirft sich - aus meiner Sicht nicht zu Unrecht - vor, daß er an den Geschehnissen im Ministerium mit Schuld ist. Nicht nur, daß er seine Aversion gegen Prof. Snape nicht überwinden kann - interessanterweise erinnern auch Ron und Hermione sich offenbar nicht daran, daß Snape Mitglied des Ordens ist, als es darum geht, den Orden über Harrys "Vision" von Sirius zu unterrichten, sie müssen erst in Umbridges Büro einbrechen! - , er hat tatsächlich Sirius' Geschenk nicht ausgepackt! Ganz am Ende kommt der Zwei-Weg-Spiegel noch einmal zur Sprache, mit welchem Harry also die ganze Zeit Sirius hätte erreichen können. Findet das noch jemand seltsam, plotmäßig meine ich? Ist es wirklich realistisch (soweit es in diesen Büchen möglich ist), daß Harry die ganze Zeit nicht einmal das Geschenk auswickelt? Packt er seine Truhe nie aus? An der Ecke habe ich über die Autorin doch den Kopf geschüttelt und, wie angedeutet, fand ich es auch nicht stimmig, daß Hermione nicht an Prof.Snape denkt. Ich gestehe übrigens, daß ich das Ende von Dumbledores Erklärungsszene - in welcher eine Träne in seinen silbrigen Bart rinnt - übertrieben fand. Dumbledore rinnt eine Träne über die Wangen, nachdem er ihm eine Erklärung dazu geliefert hat, warum er ihn nicht um Vertrauensschüler gemacht hat? Sorry, das finde ich unglaubwürdig...

Eine Szene hat mich überlegen lassen, was wohl die Teenager in Hogwarts im Sommer und besonders in den offenbar immer äußerst kalten Wintern unter ihren Roben tragen. Als Harry in Sapes Erinnerung herumschnüffelt, denn etwas anderes war es nicht, muß er nicht nur erfahren, wie arrogant sein Vater und auch Sirius früher waren, sondern Snape wird "auf den Kopf gedreht", die Robe rutscht hoch und man kann die ausgewaschene Unterwäsche sehen. Mal ehrlich: Abgesehen davon, daß es eine weitere Demütigung ist, die die Autorin ihren jugendlichen Snape durchleben läßt, trägt man keine Hosen unter den Roben? Etwa auch keine Pullover oder anderweitigen Schuluniformen? Weder Jungs, noch Mädels? ...

Mir ging noch etwas anderes durch den Kopf beim Lesen: Dumbledore schickt diverse "Bewohner" der Porträts in seinem Büro zu anderen Porträts, um Botschaften zu übermitteln (Angriff auf Rons Vater). Was ist mit den durch Zauber fixierten Porträts z.B. im Hauptquartier, wenn mal wieder der Vorhang herunterfällt (Kreacher könnte ja auch auf die Idee kommen, die Vorhänge abzunehmen). Oder die ganzen Porträts in der Schule ... Könnte "man" diese nicht immer als Boten nutzen ... Offenbar können sie ja sogar in andere Bilder schlüpfen, wie es von der fetten Lady gezeigt wurde, als Sirius in Hogwarts einbrach.

Wie man sieht, nimmt mich Rowlings Welt und die von ihr eingebrachten Regeln schön gefangen :)

Noch ein paar Worte zu den übrigen Charakteren:
Prof. Umbridge ist so eine unangenehme Person! So gemein und verbohrt ... und sehr greifbar. Auch wenn sie ein Ekel ist, die Autorin hat einen guten Job geleistet :) Ich habe mich gefreut, mehr über Neville zu lesen und Luna mag ich irgendwie, obwohl sie so völlig abgedreht ist *g*. Snape erhält bereits in diesem Roman einen Hintergrund und Sirius ... Sirius nehme ich übel, daß er so auf "die gute alte Zeit" mit James Potter fixiert ist und Harry emotional hängen läßt. Er legt ein ziemlich widersprüchliches Verhalten an den Tag: Einerseits zieht er sich zurück, weil Harry nicht will, daß Sirius das Haus verläßt, und ist auch überheblich im Kampf mit seiner Cousine (was ihn möglicherweise das Leben kostet), andererseits ist deutlich, daß er Harry liebt und um seine Sicherheit besorgt ist...Die Boggart-Szene mit Molly fand ich übrigen total berührend.

Mit jedem weiteren Teil dieser Romanreihe wird es düsterer... Es ist wirklich eine Reihe, deren Teile von einem Kind jahresweise gelesen werden sollten, so daß es mit zunehmenden Alter weiter und weiter in Harrys und Voldemorts Welt eintauchen kann...

Nun, zum Ende hin kann nicht einmal das Zaubereiministerium noch leugnen, daß Voldemort wieder das ist ...

Ich habe mir gerade noch die Verfilmung dieses Bandes angeschaut:
... Das erste, was mir auffällt: Harry hat wieder eine vernünftige Frisur *g* Das Zaubereiministerium ist großartig geworden. Imelda Staunton ist eine grandiose Dolores Umbridge und Evanna Lynch als Luna Lovegood ist bezaubernd. Schade, daß es die St.Mungos-Szenen mit Nevilles Eltern es nicht in den Film geschafft haben. Im Film ist Sirius erheblich herzlicher als im Roman. Und dankenswerterweise spricht Hagrid im Film besser als Rowling im Buch für ihn schreibt :) Ob Boy, im Film zerstören sie fast alle - oder alle? - Prophezeiungen. Irritierend finde ich immer wieder Harrys letzte Worte zu Hermione, Ron, Neville, Luna und Ginny im Film, daß Dumbledore ihm gesagt habe, sie hätten etwas, was Voldemort nicht habe: "Etwas, für was es sich zu kämpfen lohnt". Dumbledore hat in diesem Film nichts derartiges zu Harry gesagt.

Oh, und es ist ein quiddich-freier Film, wie mir gerade noch aufgefallen ist!

Kommentare:

  1. Ich finde, die Szene zu Beginn des Films auf dem Spielplatz und mit den Dementoren eine der gelungensten Einleitungen überhaupt. Athmosphärisch sehr dicht und großartig gefilmt.

    Was mir sehr gut gefällt und mich sehr berührt, sind die gegensätzlichen Darstellungen vom Thema "Familie": Harrys liebende Eltern und die Zuneigung von Rons Eltern, besonders seiner Mutter, für Harry auf der einen Seite, dann die Dursleys und Sirius Blacks Eltern, bei denen dieser nur Abneigung und schlimmeres in seiner Kindheit vorfand. Die Art, wie die Familie dich prägen kann, im positiven wie im negativen, das wurde hier sehr berührend umgesetzt.

    Gary Oldman als Sirius finde ich eine mehr als gelungene Wahl, nur schade, dass er so wenig Auftritte hat und schnell wieder die Bildfläche verlässt. Eine der schönsten Szenen, wie ich finde, ist jene, wo er Harry seinen Stammbaum in seinem ehemaligen Jugendzimmer erklärt.

    Und dann natürlich Dumbledores Schlusssatz:
    "Es kommt nicht darauf an, worin ihr euch ähnelt, sondern worin ihr euch unterscheidet." Das ist ein Satz, den kann man zu vielen Gelegenheiten anwenden.

    Gefällt eigentlich nur mir der Soundtrack so gut? Der musste unbedingt in meine Filmtracks-Sammlung!

    AntwortenLöschen
  2. Ach, mir gefällt auch Lunas Schlusskommentar so gut: "Was wir verlieren, kommt am Ende immer zu uns zurück - wenn auch oft nicht so, wie wir es erwarten."

    Man könnte sich die gesamten "Lebensweisheiten" aus allen Harry Potter Filmen aufschreiben und ein Notizbüchlein anlegen unter dem Titel "Wichtiges für düstere Zeiten!"

    AntwortenLöschen
  3. @Kirsten
    Ja, ich gebe Dir recht, die Einstiegsszene ist gelungen und gespenstisch: Erst die gehenden Kiddies, das leere sich drehende Karussel ... dann die Konfrontation Dudley und Harry und der sich zuziehende HImmel, der sich immer mehr dem Boden zu nähern scheint und dann der Lauf der beiden...

    Was Film-Soundtracks angeht, so muß ich gestehen, daß er mir meist nicht so auffällt. Wenn man mich darauf hinweist, achte ich mehr auf ihn, direkt beim Sehen oder dann halt beim nächsten Mal. Aber regelmäßig konzentriere ich mich immer mehr auf Bild/Sprache...

    Bemerkenswerte Sätze. Ja, die gibt es hier und in den anderen Filmen ...

    AntwortenLöschen
  4. Ach ja, Band 5 ist so eine Sache für sich ;) Ich weiss nicht, ich finde ihn wirklich unglaublich anstrengend und weiss nicht, ob das wirklich für die Autorin spricht, dass man das ganze Buch über von Harry total genervt ist.
    Und ja, ich finde auch, dass Harry ganz schön viele Sachen "verbockt", die dann andere wieder gerade rücken müssen. Mit Rowlings "Regeln" für ihre Welt habe ich nicht so grosse Probleme, die kann ich größtenteils akzeptieren. Vielleicht schreibt sie ja auch noch irgendwann eine Art HP-Lexikon und dann wird das mit den Bildern ja evtl. noch klarer. Momentan glaube ich, dass es Bilder unterschiedlichster Priorität gibt: die Schokofrosch-Karten sind eher niedrig und so Schulleiter-Porträts dann doch eher hoch priorisiert, so dass sie mit mehr Magie ausgestattet sind?
    Über die Buch/Film-Nichtübereinstimmung müssen wir wohl nicht diskutieren - es ist ein Jammer, dass so viel auf der Strecke bleibt, gerade bei so weisen Worten. Aber ich bin auch der Meinung, dass man ab Teil 4 gar nicht mehr drumherum kommt, die Bücher zu lesen, weil man die Filme sonst nicht mehr versteht. Daher: für mich sind die Filme eine Art Fast-Food-Harry-Potter, wenn ich das richtig HP-Feeling will, muss ich halt lesen bzw. Hörbuch hören ;)

    Oh, Luna ist auch mein Liebling, die von Kerstin angesprochene Schlusszene finde ich auch ganz wunderbar :D Ich habe mal gelesen, dass sie ein Fan von HP und JKR war und dass sie die Autorin gebeten hat, mitspielen zu dürfen. Ob das stimmt, weiss ich nicht, ich werde das mal wikifizieren ;)

    AntwortenLöschen
  5. Sorry, ich meinte natürlich Kirsten und nicht Kerstin ...

    AntwortenLöschen
  6. Irgendwie hat mich Rowling mit Harry ja offenbar auch in diesem Roman gepackt, sonst hätte ich Stellen - wie ich mich kenne ;) - gescannt :)

    Ich glaube, es war Siobhan, die mir beim Kinobesuch von Teil 5 erzählt hatte, daß sie nur die letzten Filme kenne (bei Nr. 6 war ich ja allein im Kino) und daß sie einige Zusammenhänge nicht nachvollziehen könne. Kein Wunder. Besonders bei dem Film Teil 6 war ich ja im Kino sehr enttäuscht, handlungsmäßig gesehen. Ich werde ihn auch erst das zweite Mal nach Beendigung des Romans Nr. 6 sehen ;) Fast-Food-Potter ist eine schöne Umschreibung :)

    AntwortenLöschen

Einerseits will ich Spam, andererseits Captcha-Codes für Euch vermeiden. Das Experiment mit nur registrierten Nutzern ist leider nicht vollständig geglückt, da ein paar von Euch trotz Open-ID. nicht kommentieren konnten. Also wieder frei für alle und Moderation bei Posts älter als 20 Tag/e. Ggf. muss ich wieder auf vollständige Moderation umstellen, falls der Spam bei aktuellen Posts überhand nimmt.
Wir lesen uns. :)