Sonntag, 5. September 2010

"Kleine Vogelkunde Ostafrikas" von Nicholas Drayson


Über dieses Buch bin ich in der kleinen, leicht muffigen, Buchhandlung hier am Wohnort gestolpert. Der Klappentext und die schön gestaltete Broschur haben mich verführt :) Gelesen habe ich das Buch schon im August, nur die Nachlese fehlt noch ;)

Worum es geht:
Mr. Malik ist ein warmherziger, schüchterner Mann mit einem großen Geheimnis: Er ist bis über beide Ohren verliebt in Rose, die Leiterin der örtlichen Gruppe von Vogelbeobachtern. Während er noch überlegt, wie er die Dame seines Herzens als Begleiterin zum jährlichen Nairobi Hunt Ball gewinnen kann, trifft der charmante Draufgänger Harry Kahn in der Stadt ein. Auch er hat bald ein Auge auf Rose geworfen und möchte sie ebenfalls zum Ball einladen. Da schreiten die Gentlemen aus Mr. Maliks Club ein und schlagen den beiden Rivalen eine Wette vor

Nachlese
Sollte ich diesen Roman mit einem Wort beschreiben, würde ich "bezaubernd" wählen. Damit meine ich nicht nur die Geschichte an sich, sondern auch die Art, wie sie geschrieben ist. Der Erzähler wendet sich direkt an den Leser: Mal schildert er als nicht erkennbarer Außenstehender die Ereignisse, ein anderes Mal gibt er sich als Beobachter zu erkenen und lenkt den Blick des Lesers auf die Vergangenheit der Charaktere oder verbindende Ereignisse. Dieser Erzählstil des Zoologen Nicholas Drayson hat mir gefallen.

Obwohl der Roman in Kenia, hauptsächlich in Nairobi, spielt, sind seine Protagonisten keine gebürtigen Kenianer. Rose ist eine Britin, die sich auf einer Urlaubsreise in das Land Kenia und Joshua Mbikwa verliebte und dort blieb. Mr. Malik und auch sein Kontrahent sind Nachkommen der Inder, die am Bau der Eisenbahn um 1900 mitgearbeitet haben. Dem 61jährigen Mr. Malik wird von seinem Arzt dringend geraten, kürzer zu treten und so beginnt er, Hobby-Ornithologe zu werden. Rose Mbikwa veranstaltet jeden Dienstag Vogelwanderungen, an denen nun auch Mr. Malik regelmäßig teilnimmt. Mr. Malik bewundert Rose schon seit Jahren und als er sich endlich entschließt, sie zum jährlich stattfindenen Nairobi-Hunt-Ball einzuladen, taucht Harry Kahn auf. Harry Kahn, den Mr. Malik schon aus den Internatszeiten in England kennt und der ihm dort Streiche gespielt hat. Harry Kahn, der gutaussehende, selbstbewußte und charmante Mann, der sich prompt für Rose interessiert. Im Asadi Club geben beide bekannt, daß sie Rose einladen wollen ... und die übrigen Mitglieder schlagen einen Wettstreit vor: Binnen einer Woche sollen die beiden Rivalen Vögel beobachten und täglich über ihre Vogelart-Sichtungen berichten, wer die meisten Arten erkennt, darf Rose zum Ball einladen. Und während Mr. Malik am Nachmittag noch von sich selbst überrascht im Garten sitzt, macht sich Harry Kahn mit zwei Touristen bereits auf den Weg zu einem Vogel-Mekka. Beide Rivalen erleben während dieser Woche Überraschungen und der Leser erhält bei diesen Gelegenheiten kleine Einblicke in das Leben in und um Nairobi: Straßenräuber, Beziehungen und Korruption, Aids, Solidarität und Freundschaft. Und natürlich erfährt man etwas über die Vogelwelt Kenias.

Mr. Malik ist mir ans Herz gewachsen. Nach und nach werden verschiedene Lebensabschnitte Mr. Maliks beleuchtet, seine Herkunft, seine Familie, seine Tochter, sein heutiges Leben, welches nicht nur aus der Ornithologie besteht. Die Geschichte selbst plätschert am Anfang, wenn der Autor seine Charaktere einführt und positioniert, ruhig dahin. Sie gewinnt an Fahrt, wenn den beiden Rivalen ihren Wettstreit beginnen, schließlich möchte man als Leser ja wissen, wie dieser ausgeht. Dennoch: Der Roman hat ein sanftes Tempo, das ist nicht zu verleugnen :)

"Kleine Vogelkunde Ostafrikas" hat mich angenehm überrascht. Ich empfand den Roman als ruhig, mit mir zusagender lakonischer Sprache, unerwartet im Erzählstil und wohl gerade deshalb so zauberhaft.

Für die Ornithologen sei noch angemerkt, daß zwar jedes Kapitel von der Zeichnung (und dem zugehörigen Namen) eines ostafrikanischen Vogels eingeleitet wird und in dem Roman auch einige Arten genannt und beschrieben werden, es jedoch nur am Rande um die Vogelwelt geht ;)

Kommentare:

  1. Das hört sich nach einem sehr netten Roman an - du hast mich mit deiner Nachlese auf jeden Fall neugierig gemacht! :)

    AntwortenLöschen
  2. Ich fand ihn wirklich nett. Er war mal anders (aber nicht sooo anders und skurill wie "Die Sintflut" *g*).

    AntwortenLöschen
  3. "Die Sinflut" würde ich wohl auch nicht freiwillig anfassen - auch wenn mein Mann nach der Kurzzusammenfassung des Inhalts sehr neugierig war. ;)

    AntwortenLöschen
  4. Vielleicht sollte ich "Sintflut" dann einen WMZS-("Winterkatzes Mann zu schickenden")-Stapel anlegen *kichert*

    AntwortenLöschen
  5. *g*

    Besser nicht, der bekommt erst wieder was neues zu lesen, wenn er seinen "nicht P-"SuB abgebaut hat. ;)

    AntwortenLöschen

Einerseits will ich Spam, andererseits Captcha-Codes für Euch vermeiden. Das Experiment mit nur registrierten Nutzern ist leider nicht vollständig geglückt, da ein paar von Euch trotz Open-ID. nicht kommentieren konnten. Also wieder frei für alle und Moderation bei Posts älter als 20 Tag/e. Ggf. muss ich wieder auf vollständige Moderation umstellen, falls der Spam bei aktuellen Posts überhand nimmt.
Wir lesen uns. :)