Donnerstag, 30. September 2010

"Die verschmähten Schriften des Professor von Igelfeld" von Alexander McCall Smith


Dieses Buch habe ich im Rahmen einer privaten Leserunde im September 2010 gelesen.

Worum es geht es?
Auf dem Klappentext dieser Taschenbuchausgabe stand "Egal um welche Situation es sich handelt: Professor von Igelfeld tut sicher das Falsche und zieht das Chaos magisch an. So wird der Sprachwissenschaftler Opfer einer Verwechslung und muss in Übersee einen Vortrag über den deutschen Dackel halten. In Kolumbien gerät er in einen Guerilla-Überfall. Unnötig zu sagen, dass er in Liebesdingen auch kein glückliches Händchen hat …"

Nachlese
Der 1948 geborene McCall Smith ist ein britischer Schriftsteller und Jurist rhodesischer Herkunft, der an der Universität Edinburgh zum Professor der Rechtswissenschaften ernannt wurde. Außerdem hat er diverse fachliche Schriften veröffentlicht, aber auch Kinderbücher, eine Romanserie über die Privatdetektivin Mma Ramotswe aus Botswanat und halt mein Leserundenbuch.

Den Klappentext fand ich reizvoll. Was ich erwartete? Hm. Offensichtlich eine Geschichte über Prof. von Igelfeld über einen Zeitraum seines Lebens, die auch Betrachtungen über Prof. von Igelfelds Bemühungen in Sachen Liebe und/oder Ehe enthält.Ich erwartete Erzählungen über einen zerstreuten, lebensfremden Professor, der in einige Fettnäpfchen tritt.

In diesem Roman war all dies enthalten. Nur habe ich im Detail offenbar andere Vorstellungen hiervon als Alexander McCall Smith und etliche andere Leser.

Der Tagesspiegel führte aus: "Ein Roman, den die Welt nicht braucht und der nichts mitteilt. Allein, das Buch ist so brüllend komisch, McCall Smith ein so scharfer Beobachter und filigraner Erzähler, dass die Welt ohne diesen Roman ärmer wäre. Ein Roman gegen schlechte Laune, Trübsinn und hochmütigen Tiefsinn. Lachen ist nicht die schlechteste Empfindung, die ein Buch wecken kann." (gefunden auf der Amazon-Seite.).

Die FAZ schrieb: "... 'Die verschmähten Schriften des Professor von Igelfeld' [...] sind drollig, heiter und ausgesprochen vergnüglich. [...] Mit milder Ironie schaut der Autor, der schon lange mit Fachbüchern, Kinderbüchern und Krimis erfolgreich ist, auf den Universitätsalltag und verleiht im eine Patina humorvoller, herzerwärmender Redlichkeit. Weit entfernt scheint die Kälte des modernen Wissenschaftsbetriebs, am Ende winkt immer die Versöhnung. Professor von Igelfeld darf bleiben, wie er ist, und das ist das Schönste daran - kein glattpolierter Weltmann, sondern einer jener liebenswerten Käuze, ohne die die Welt eintöniger aussähe." (gefunden auf der Amazon-Seite)

Ich habe vielleicht ein anderes Buch gelesen?!

Nein, mir ist schon klar, daß Humor subjektiv ist und der Autor seinen Protagonisten und auch die übrigen Charaktere überzeichnet ;) Und ich habe auch bei diesem Roman an einigen Stellen geschmunzelt. Etwa, wenn Prof. von Igelfeld in Italien auf einen koptischen Patriachen trifft, der ihn darum bittet, die Gebeine des hl. Nikolaus von Myra kurzzeitig zu verwahren. Von Igelfeld überlegt, daß dieser Heilige das Vorbild für den dt. heiligen Nikolaus, dem Santa Claus, war und er also kurzfristig die Gebeine des Weihnachtsmannes verwahren sollte. Ich fand aber wenige Stellen auf diesen 447 Seiten, die mich so erheiterten. Überwiegend war ich nämlich irritiert.

Der Hauptcharakter Prof. Moritz-Maria von Igelfeld zehrt seit Jahrzehnten von seinem Ruf aufgrund einer Veröffentlichung über unregelmäßige portugiesische Verben. Er mokiert sich über Kollegen, deren hochgestelzte Namen, ihre Herkunft, wie wenig sie veröffentlichen. Insbesondere überwacht er eifersüchtig seinen Kollegen Unterholzer, er mißgönnt ihm sogar den "besten Stuhl" in der Mensa. Die Episoden zu Unterholzers Dackel fand ich übrigens sämtlich, ob in Deutschland oder Italien, nicht witzig. Auf der anderen Seite biedert er sich bei seinem anderen Kollegen Prinzel an, den er ja schon aus seinen Heidelberger Tagen kennt. Erstaunlicherweise laden Prinzels ihn auf ihren Reisen nach Italien ein, obwohl von Igelfeld dafür die Schuld trägt, daß Prinzel in seinen Jugendtagen bei einem Duell die Nasenspitze abgesäbelt wurde (!). Von Igelfeld ist humorlos und agiert unverfroren, teilweise bewußt boshaft und in meinen Augen mit einer Selbstüberschätzung, die ins Narzistische geht. Dies alles soll vermutlich die Skurrilitäten und den Witz des Romans stützen. Aber mir entzieht sich, was an Prof. von Igelfelds Abenteuern "brüllend komisch" oder wo "eine Patina humorvoller, herzerwärmender Redlichkeit" zu finden sein soll.

Langer Rede, kurzer Sinn:
Der sich in diesem Roman offenbarende Sinn für Humor, Ironie und Satire von Alexander McCall Smith harmoniert nicht mit meinem ;) Aber vielleicht mit Eurem.

Kommentare:

  1. Nein, der Humor passt auch nicht zu mir - ich habe das Buch ja recht spät bekommen und deshalb stand ich vor der Wahl entweder konzentriert zu lesen oder mich der Leserunde nicht anzuschließen.

    Nach den ersten zwei Kapiteln wanderte es dann fast ungelesen zurück in die Bibliothek, weil ich es nicht lustig und die Charaktere durchgehend unsympathisch fand!

    Ist schon erstaunlich, wie sehr einen der Klappentext täuschen kann ...

    (Wortbestätigung ist übrigens gerade: dingens :D)

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  2. "Wortbestätigung ist übrigens gerade: dingens"
    DAS finde ich witzig *grinst*

    Ja das Thema Klappentext: Er war nicht wirklich falsch, aber... Irgendwie steht schon alles im Post ;)

    Das erinnert mich daran: Es ist eine neue Nummer zu ziehen!

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  3. Ich habe schon ein richtig schlechtes Gewissen, dass ich das Buch vorgeschlagen habe. Mein Humor war es übrigens auch nicht, obwohl ich bei ein paar Dingen schon schmunzeln konnte. Vor allem im 1. Buch.

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  4. Wie hätten es ja nicht erfahren, Pashieno, wenn wir es nicht gelesen hätten. Und der Klappentext las sich ja gut ... Also: Kein schlechtes Gewissen bitte! Wer weiß, was die anderen Bücher so bringen werden ;)

    *geht jetzt erst einmal "rüber" und lost die nächste Nummer aus*

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  5. @Pashieno: Wieso ein schlechtes Gewissen? Der Inhalt klang doch gut! Ich hatte auch richtig Lust auf das Buch - bis ich die ersten Seiten gelesen hatte. ;)

    Gerade Humor ist ja wirklich eine Sache für sich - und ich gehöre zu den Leuten, die nur wenige Bücher, die auf den Bestsellerlisten landen, weil sie so "lustig" sind, amüsant finden.

    Mal sehen, wie es uns mit dem nächsten Buch ergeht. *g*

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