Samstag, 24. Juli 2010

"Ich bin dann mal weg - Meine Reise auf dem Jakobsweg" von Hape Kerkeling



Eigentlich wollte ich mir in Fulda gar kein Buch kaufen, aber meine zwei Zugbücher waren ja nicht ausreichend. Also landete dieses Büchlein in meinem Einkaufswagen.

Daß ich so lange gebraucht habe, um die restlichen 230 Seiten nach der Zugfahrt zu lesen, hat übrigens nichts mit dem Buch oder dem Schreibstil des Autors zu tun. Ich hatte schlicht weg nach der anstrengenden Büroarbeit nach dem Fulda-Urlaub keine Lust auf Lesen, sondern habe lieber Star Trek bzw. Buffy geschaut und am nächsten Wochenende waren dann Juniors da.

Worum es geht und Nachlese
Nun, der Untertitel spricht ja Bände :) In diesem Buch schildert der deutsche Komiker und Allround-Entertainer seine Erlebnisse, Erfahrungen, Einsichten und Bekanntschaften auf seiner Reise auf dem Jakobsweg. Er startete 2001 in Saint-Jean-Pied-de-Port und bewältigte mit an einer Hand abzuzählenden Ausnahmen den Weg bis nach Santiago de Compostela per Pedes. Über 600 km ist Hape Kerkeling zu Fuß auf dem Jakobsweg unterwegs, zunächst fast ausschließlich allein, ab León dann überwiegend mit den beiden Pilgerinnen Anne aus Großbritannien und Sheelagh aus Neuseeland. Seine Eindrücke notiert er während des Pilgerns in seinem Reisetagebuch. Obwohl Hape Kerkeling zu Beginn seiner Reise nicht plant, ein entsprechendes Buch zu schreiben, freundet er sich während des Weges mit diesen Gedanken an. Mit seinem im Jahre 2006 erstmals veröffentlichten Erlebnisbericht führt er 100 Wochen lang die Bestsellerlisten an.

Ist dies so, weil ein Prominenter dieses Buch geschrieben hat, ist es so lustig und witzig wie Kerkelings Bühnencharaktere oder ist das Buch "einfach" gut?

Sicherlich ist der Name Hape Kerkeling und die damit verbundene Vorstellung beim Kauf- und/oder Pilgerinteressenten verkaufsfördernd. Obwohl ich mir auch vorstellen kann, daß ein beträchtlicher Teil dieser Personen genau aus diesem Grund den Kauf auch ablehnt. Wenn ich "Hape Kerkeling" höre, lese oder sehe, denke ich an Königin Beatrix, Hannilein, Cappuccino-Werbung, Schlämmer und Humor. Dieses Bild mit dasjenigen eines "ernsthaften" Pilgers zusammenzubringen, ist ... ungewohnt. 

Bei der Lektüre seines Reisetagebuches wird aber schnell deutlich, daß Hape Kerkeling natürlich ein ebenso normalere Mensch mit Zweifeln, Wut, Freude und Glücksgefühlen ist wie jeder andere auch . Was der Kopf bereits weiß, daß jeder Prominente auch nur ein Mensch ist, wird hier zusätzlich erlesen. Selbstverständlich gibt es humorvolle Anekdoten und komische Momenten, die genauso vom Autor erwähnt werden wie seine Frustration, die körperliche Beanspruchung, das Bedürfnis nach Kommunikation oder Eisamkeit und natürlich philosophiert Hape Kerkeling auch in seinem Reisetagebuch. Dabei ist es die Kombination von Gesprächswiedergaben, Betrachtungen der Pilgerquartiere (die er fast vollständig vermeidet) und - auch wiederholenden - Wehklagen, die mir diesen Bericht nahebringen, lebendig und authentisch erscheinen lassen. Die vom Autor genutzte Sprache ist alltagstauglich: Es könnte sich um den Bericht eines Bekannten handeln, der von seinem Trip erzählt.

Ich bin den Jakobsweg nicht, auch nicht teilweise gelaufen und denke auch nicht, daß ich das jemals tun werde. Ein wenig wandern könnte ich mir vorstellen ;). Ich kann daher nicht wirklich erahnen, welche körperlichen Strapazen der Jakobsweg Hape Kerkeling und all den anderen Pilgern abgefordert hat und weiterhin abfordert. Aber wie es ist, in Ruhe und Stille die Gedanken fließen zu lassen, manchmal gar nichts zu denken, sondern nur zu sein, kann ich nachvollziehen. Für diese Art von Nachdenken und Meditation braucht es manchmal nur stundenlanger stiller Spaziergänge an der Ostsee... Was ich sagen will: Als Reisender brachte Hape Kerkeling mit seinen Eindrücken durchaus etwas zum An- und Nachklingen in mir.

Wer jetzt angesichts des Titels aber eine hochspirituelle oder hochphilosophische Abhandlung oder eine Anleitung/Vorbereitung zum Pilgern erwartet, der wird das Buch wohl enttäuscht zur Seite legen. Wenngleich der Autor nach eigenem Bekunden auf der Suche war, eine Auszeit von seinem Alltag brauchte, und er auf dem Weg philosophierte und auch neue Impulse aufnahm, ist dieses Buch aus meiner Sicht doch hauptsächlich Bericht der tatsächlichen, weniger der spirituellen Reise auf dem Jakobsweg (was mich allerdings nicht störte).

"Komisch, zu Hause sieht man jeden Tag äußerlich anders aus und ist innerlich nahezu konstant. 
Hier ist man äußerlich immer gleich, aber innerlich sieht es hier stündlich anders aus." 
(Quelle: "Ich bin dann mal weg" von Hape Kerkeling)

Nachbemerkung:
Zur offiziellen Homepage des Autors geht es hier (klick). Und in meinem Post vom 03.01.2010 (klick) findet Ihr zwei witzige Clips dieses Allround-Talents.

Kommentare:

  1. Gelesen habe ich das Buch noch nicht, aber gehört. Ich fand es sehr interessant und unterhaltsam. Und das obwohl ich kein "Kerkerling-Fan" bin.

    AntwortenLöschen
  2. Liebe Natira,

    ich selbst bin ja ein großer Fan von Hape und habe das Hörbuch schon zweimal gehört - eines der besten überhaupt, finde ich.

    Darf ich dich adoptieren? Mein Mann ist nämlich Star Trek Fan und ich liebe, liebe, liebe Buffy (Season 1 - 8 allerdings erst 4 Mal geschaut *lach*)

    Liebe Wochenendgrüße
    Kirstin

    AntwortenLöschen
  3. Das sollte ich auch endlich mal lesen! Mein Schatz hat es sich damals gekauft und nachdem er fertig war damit, ist es auf meinen SuB gewandert...
    Auch der Jakobsweg an sich würde mich reizen, ich wandere ja sehr gerne. Die größte Herausforderung wäre für mich aber wohl, mein Gepäck derart zu beschränken, dass ich es noch tragen kann. Das heißt, ich könnte wohl kaum Bücher mitnehmen :-(

    AntwortenLöschen
  4. @pashieno und Kirstin
    Meine Freundin Sayuri hat mir auch schon gesagt, daß das Hörbüch ganz klasse ist :) Hape Kerkeling liest bestimmt ganz hervorragend *g*

    @Kirstin
    Daß Du Buffy-Fan bist, hätte ich bei den Spike-Bildern gar nicht gedacht *lach* Himmel, was hat James Marsters z.B. wunderbare Wangenknochen! Mir gefällt er ja mit den gebleichten Haaren besser als mit mit seiner Naturfarbe :)
    Hm... Ich glaube ich komme auch so auf 4 x inzwischen *g*

    Star Trek ist eine bereits länger dauernde Leidenschaft von mir und ... naja zuletzt gab es ja doch einige Einträge in meinem Blog in diese Richtung *kichert* Demnächst ist noch Film Nr. 11 dran :D

    Viele Grüße
    Natira

    AntwortenLöschen
  5. @evi
    Lies das Buch mal an, wer weiß, vielleicht bleibst Du hängen :)

    Weißt Du, es gibt inzwischen auch diese grandiose Erfindung namens MP3-Player, sie hat eine ungemein fedrige Wirkung auf Wandergepäck ;)

    Wie gesagt, den Jakobsweg würde ich mir nicht zutrauen, ich tendiere dann doch mehr zu der bequemeren und zeitlich überschaubareren Küstenwanderung ...

    Lg Natira

    AntwortenLöschen
  6. Da siehste wieder wie hoffnungslos altmodisch ich bin. Ich würd mir mit den Büchern den Rücken krumm schleppen, während mich die anderen locker-flockig mit dem MP3-Player überholen *lach*

    AntwortenLöschen
  7. ich fand es gut, wie Hape locker über seinen beschwerlichen Weg schrieb. Man konnte gut nachfühlen, welche Strapazen dieser bedeutet ... Mir hat das Buch gut gefallen, ich werde aber gewiss nie den Jakobsweg laufen. Vor allem nachdem ich das gelesen habe ;)

    AntwortenLöschen
  8. Liebe Natira,
    ja, meine Meinung zu dem (Hör)Buch kennst Du ja schon, und seitdem ich es gehört habe, habe ich schon andauernd Gedanken ans Wandern auf dem Jakobsweg oder alternativ die Ostküste der Vereinigten Staaten herunter (Bill Bryson: Picknick mit Bären). Allerdings fühle ich mich auch nicht gut genug trainiert für so was... Ich bräuchte auf jeden Fall einen feuerroten Rucksack *lach*. Und, ich bin ehrlich, mich schrecken die Herbergen ab ;).
    Aber das Hörbuch ist sicher so auch nochmal hörenswert: wie Hape Kerkeling sagt "die spanische Sonne bretterte vom Himmel" - ich fange schon beim Gedanken daran wieder an zu schmunzeln... Ich leih es Dir gerne aus :)

    AntwortenLöschen
  9. @Sayuri
    Ja, ein feuerroter Rucksack wäre wohl existenziell ;)

    Ich stelle mir vor, daß man beim Hörbuch einen ganz anderen Zugang zu dem Text bekommt, bestimmt wirkt er durch Hape Kerkelings Lesung viel witziger als in der geschriebenen Form. Hm... Ob mir das wohl in Bezug auf den Text und den Inhalt gefällt? ... Das kann ich ja herausfinden; Dein Angebot nehme ich gern an :)

    Lg Natira

    AntwortenLöschen
  10. Ich glaube, so wird es irgendwie lebendiger - es ist ja in diesem Fall wirklich so, dass der Autor selbst liest, das ist, find ich, noch ein Unterschied zum normalen Hörbuch. Denn der Autor weiss ja, wie er es meint und betont daher immer richtig...

    AntwortenLöschen
  11. @Sayuri: Bei "Picknick mit Bären" hätte ich einen Vorschlag für dich. :) Such dir in Vermont eine nette kleine Frühstückspension und wandere ein Stückchen durch die Green Mountains. Die Landschaft ist wunderschön, die Menschen sind sehr nett zu Touristen ;) und wenn ich mich recht an meine Reiseführer erinnere, dann gibt es da ein paar nette kleine Touren, die man unternehmen kann. :)

    AntwortenLöschen
  12. Nun möchte ich mich auch mal zu der "Ich habs gelesen" Runde gesellen. :-)

    Leider hatte ich auch für die letzten Seiten des Buches etwas länger gebraucht. Hatte das Buch vergessen mitzunehmen, als ich auf einen Besuch in die Heimat gefahren bin. Als Lückenbüser musste dann "der Junge im gestreiften Pyjama" herhalten. Danach war mir allerdings nicht mehr nach Kerkerlings Werk. Schlussendlich musste ich mir die letzten 100 Seiten quasi reinwürgen... (obwohl ich das buch sehr aufschlussreich fand)

    P.S.: Bin gerade dabei alle Staffeln von Buffy zu schauen. Jeden Abend müssen mindestens zwei Folgen herhalten. :-)

    AntwortenLöschen
  13. ...
    Mit zwei Folgen am Abend war es bei mir ja nie getan ;) Eine DVD wanderte mindestens pro Abend durch ... und so ist es aktuell auch mit Star Trek DS9 *lach*

    AntwortenLöschen

Einerseits will ich Spam, andererseits Captcha-Codes für Euch vermeiden. Das Experiment mit nur registrierten Nutzern ist leider nicht vollständig geglückt, da ein paar von Euch trotz Open-ID. nicht kommentieren konnten. Also wieder frei für alle und Moderation bei Posts älter als 20 Tag/e. Ggf. muss ich wieder auf vollständige Moderation umstellen, falls der Spam bei aktuellen Posts überhand nimmt.
Wir lesen uns. :)