Donnerstag, 15. Juli 2010

Der Buick von Stephen King

Als ich dieses Taschenbuch um 5,00 EUR reduziert liegen sah, und zwar ohne Mängelaufdruck o.ä., mußte ich einfach zugreifen. Und es hatte so einen schönen passenden Umfang für ein Zugbuch, also begann ich den Roman auf meiner Anreise nach Fulda am 09.07.2010 und beendete ihn am 10.07.2010 abends.

Aber worum geht es?
An einer Tankstelle im westlichen Pennsylvania taucht eines Morgens wie aus dem Nichts ein alter Buick auf. Sein Fahre, ein geheimnisvoller Mann in schwarzem Mantel, verschwindet spurlos und die Männer der State Police beschlagnahmen den geheimnisvollen Wagen, bei dem Lackkratzer sichtbar von selbst verschwinden und in dessen Reifenprofil nichts steckenbleibt. Doch das ist erst der Beginn dessen, was die Trooper der State Police noch erwartet, als sie den Buick in einem Schuppen auf dem Police-Gelände unterstellen...

Nachlese
Der Aufhänger des Romans ist ein unglückseliger tödlicher Unfall, der sich in der Nähe einer Tankstelle im westlichen Pennsylvania ereignet. Während einer Polizeikontrolle wird der Polizist Curt Wilcox von dem stadtbekannten Trinker Bradley Roach überfahren. Der Sohn Ned Wilcox findet bei den Kollegen seines Vaters Trost, eine andere familiäre Verbundenheit als sie seine Mutter und seine zwei Schwestern bieten können und einen Sommerjob. Und er sieht, wie ohne äußeres Zutun die Plane von einem Schmuckstück von Buick in einem abgeschlossenen Schuppen rutscht. Und da der "Junge" nun zur "Familie" gehört und zum eigenen Schutz wissen muß, was mit dem Buick auf sich hat, erzählen ihm die Trooper die Geschichte des Buicks. Wie er auftauchte, während Bradley Roach auf der Tankstelle Dienst schob, in deren Nähe sein Vater in der Zukunft sterben wird. Wie Roach die Polizei ruft, weil der Buick an der Tankstelle steht und er befürchtet, der Fahrer sei in den Fluß gestürzt, Curt Wilcox sowie Ennis Rafferty erscheinen und den Buick abschleppen lassen. Er erfährt, daß Ennis Rafferty spurlos verschwindet und alle Troopers glauben, der Buick habe ihn "geschluckt" und, daß sein Vater ein schon fast pathologisches Interesse an dem Ding hatte, daß wie ein Buick ausschaut und seltsame Dinge aus seinem leeren Kofferraum erscheinen läßt ...

Stephen King splittet die Story in damals - 1979 (Auftauchen des Buicks)-  und heute - 2001 (das Erzählen der Geschichte) auf. Dabei finden sowohl Wechsel in der Person des Erzählers statt - verschiedene Trooper kommen zu Wort - als auch Perspektivwechsel. So werden die aktuellen Ereignisse aus Ich-Perspektive erzählt, die früher stattgefundenen aus Drittperspektive. Der Roman ist in überschaubare Kapitel eingeteilt, die meinen Lesenfluß erleichterten.

Natürlich dreht sich die Story um den Buick, was er tut, was er nicht ist, welche Faszination dadurch von ihm ausgeht.  Es passieren Dinge, die mich schlucken ließen (und nicht unbedingt mit dem Buick zu tun hatten). Unterschwellig taucht erneut die Idee des Multiversums auf, die dem Dunklen-Turm-Zyklus zugrundeliegt und auch in anderen Romanen Kings erkennbar ist. Der Buick ist so fremdartig, daß irgendwann auch einige der Trooper überlegen, wie wohl die Dinge, die erscheinen, die Menschen wahrnehmen.

Aber es geht auch um Familie, nicht nur auf verwandtschaftlicher Ebene, sondern auch in einem Team, unter Kollegen, unter Freunden. Die Geschichte fließt und der Leser fühlt sich mit Ned verbunden, der die Geschichte des Buicks und seines Vaters hören will, wie es "endete". Er erwartet - wie der Leser -, daß das eine mit dem anderen zusammenhängt und erwartet im Grunde eine aufregende spannende Story. Und wie Ned wird der Leser immer wieder daran erinnert,  der Buick nur Teil des State-Police-Verantwortung ist neben dem Verkehrsdienst, den Hilfeleistungen, den Verhaftungen, daß die Menschen zählen, daß das Leben zählt und daß dieses nicht solche Geschichten liefert, wie sie Ned hören will. Wie das Leben fließt die Story mal langsamer mal schneller:  "Ganz ruhig, Ned, du bekommst schon, was du willst. Jedenfalls alles, was es da gibt. Aber du musst aufhören, auf die Pointe zu lauern..."

Das Ergebnis ist ein Roman, den ich zügig und interessiert gelesen habe. Ich wollte wie Ned wissen, wie die Geschichte endet und es gelang mir recht schnell, in den Rhytmus einzutauchen. Der Personenumfang ist dieses Mal überschaubar und obwohl King auch hier etwas ausholt, fließen bereits in dem ersten "Heute-Kapitel" genügend Hinweise ein, die mir das Weiterlesen schmackhaft machten. Das Buch ist kein Thriller, er ist nicht aufregend und jagt den Leser durch die Kapitel. Man wird auch nicht durch Horror wie bei "Friedhof der Kuscheltiere" geängstigt und gegruselt. Der Reiz entzwickelt sich vielmehr durch die lebendigen Charaktere, die in einer normalen Welt, kombiniert mit phantastischen und Horror-Elementen, leben.

Sprachlich empfinde ich auch "Der Buick" wieder gelungen, was sicherlich auch für eine gute Übersetzung durch Jochen Schwarzer spricht ;) Und obwohl ich den Roman durchaus genossen habe, ist es kein Buch, daß ich wegen des Storyplots noch einmal lesen muß. Mag sein, daß ich dieser Geschichte damit unrecht tue, aber im Gegensatz zu den Bücher um den Dunklen Turm glaube ich nicht, daß man in "Der Buick" bei einem reread Neues entdeckt. Mir geht es mit "Der Buick" wie mit Krimis: Ich muß sie wegen der Story nicht noch einmal lesen, kann sie aber - wenn mir der Sprach- und Erzählstil gefällt - später noch einmal genießen oder auch nicht.

Im Moment kann ich nur sagen, daß der Roman zwar reizvoll war und ich die 3,95 EUR auch nicht bereue. Aber eine Bibliotheksausgabe hätte es halt auch getan ;)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Einerseits will ich Spam, andererseits Captcha-Codes für Euch vermeiden. Das Experiment mit nur registrierten Nutzern ist leider nicht vollständig geglückt, da ein paar von Euch trotz Open-ID. nicht kommentieren konnten. Also wieder frei für alle und Moderation bei Posts älter als 20 Tag/e. Ggf. muss ich wieder auf vollständige Moderation umstellen, falls der Spam bei aktuellen Posts überhand nimmt.
Wir lesen uns. :)