Sonntag, 20. Juni 2010

Star Trek 1 - 10 DVD-Box Remastered - VI - "Das unentdeckte Land"

Erneut ist einem Star-Trek-Film eine Widmung vorangestellt: "For Gene Roddenberry" Im Jahr 1991, als der sechste Star-Trek-Film in die Kinos kam, verstarb Gene Roddenberry, der ein komplexes, weiter wachsendes Star-Trek-Univesum schuf. In den frühen 1960er Jahren hatte Roddenberry nach eigener Auskunft die ersten Ideen, die immer noch Menschen überall auf der Welt unterhalten und inspirieren ...

Heute nachmittag  gab es hier einen stetigen Wechsel zwischen Regen und Sonnenschein... also habe ich mich klammheimlich an meiner Star-Trek-Box zu schaffen gemacht und mir "Das unentdeckte Land" in den Player gelegt. Zur Erinnerung: Wie hier (klick) erwähnt, handelt es sich bei den Filmen dieser Box um die Kino-Versionen. Zum kompletten Inhalt und der Besetzung verweise ich einmal mehr auf die deutsche Wikipedia (klick).

Der Vorspann wird mit dunkel wirkender Musik untermalt, teilweise militärisch mit diversen Schlaginstrumenten, dramatisch mit Streichern ...Und dann explodiert der klingonische Mond Praxis, und Captain Sulu und seine Crew der USS Excelsior bekommen die Auswirkungen deutlich zu spüren. Dann wechselt die Szenerie in das Sternenflotten-Hauptquartier.

Übrigens: Ich schaue die Filme komplett im Original, schalte mir aber die deutschen Untertitel dazu. Der Film läuft noch keine 10 Minuten und schon wurde aus Captain Sulu spontan Captain "Zulu" und aus "hostility" (Feindseligkeiten, die sich die Klingonen nicht länger leisten können) in der Übersetzung "Gefangenschaft" (imprisonment oder captivity etc.)

Da habe ich im letzten Film noch davon geredet, daß die das Dreiergestirn der Classic-Serie familiäre Bande knüpft und schon geht es heiß her Spock ist offenbar auf Vulkan unterwegs, knüpft Kontakte zum klingonischen Kanzler Gorkon und bevormundet Kirk, indem er - Spock - nicht nur die Enterprise-Crew und Captain Kirk als freiwillige Eskorte für Gorkon meldet, sondern zudem auch noch für Kirk bürgt ... kein Wunder, daß Kirk sauer auf Spock ist ... Wie gut, daß die beiden sich später aussprechen

Ich frage mich, ob das Val'eris' und Spocks gemeinsames Trinken aus einem blauen gewundenen Glaskolben irgendein vulkanisches Ritual ist

Oh, so viele Crewmitglieder der Enterprise sind begeistert vom klingonischen Besuch (Chekov *g*). Na und Chang und Kirk, das fängt ja schon im Transporterraum frostig an ...

"The Undiscovered Country: The Future"

Shakespeare, besonders Hamlet, im klingonischen Original muß ja ein Knüller sein! Ich frage mich, ob es im klingonischen Original tatsächlich in diesem Zusammenhang um die Zukunft geht oder ob auch dort vom Tod gesprochen wird? Wurden Shakespeares Werke noch weiter durch die Klingonen umgedichtet . Obwohl aus "Der Kaufmann von Venedig" zitiert Chang wohl korrekt ...

Christopher Plummer liefert übrigens eine wundervolle Vorstellung! Der klingonische Gerichtssaal ist ein unglaublich cooles Set. Oh, und das MakeUp von Martia (Imam) ist grandios. Und fantastisch sind auch die Aufnahmen - wo auch immer sie gemacht wurden (offenbar in Alaska laut Kommentar) - im rosigen Morgenlicht auf "Rura Penthe". Sehr intensiv ist die Szene der vulkanischen Geistesverschmelzung zwischen Spock und Val'eris: Es ist im Grunde eine geistige Vergewaltigung.

So ganz plausibel ist mir übrigens Val'eris Beteiligung nicht: Die Vulkanier sind logisch und grundsätzlich pazifistisch; sie selbst erklärt nur, daß all diejenigen, die durch den Frieden "verlieren", an der Verschwörung beteiligt sind - Föderation, Romulaner, Klingonen, Vulkanier... Hm, welches logisches Argument konnte die Vulkanier, konnte Val'eris, überzeugen?

Trotz des ernsteren Hintergrundes kommt auch dieses Mal der Humor nicht zu kurz. Etwa, wenn die Crew nach der Essen mit Kanzler Gorkon einen Kater wegen des romulanischen Ales hat. Oder wenn der armen Bones erst von Martia - verwandelt in Kirk - eine Kopfnuß erhält und danach - alle viere von sich gestreckt im Schnee liegend - vom den zwei kämpfenden Kirks überrollt wird. Erheiternd auch der Wortwechsel, wenn Kirk und Bones von Rura Penthe hochgebeamt werden...

Seltsamkeiten:
- "Let them die" aus Kirks Mund finde ich unglaubwürdig. Er ist sauer ja, er vertraut den Klingonen in keiner Weise. Sie haben seinen Sohn ermordet ... Aber ich glaube nicht, daß er ein Volk zum Sterben verurteilen würde ...
- Val'eris (Kim Catrall) soll tatsächlich die erste Vulkanierin sein, die auf der Sternenflottenakademie als Jahrgangsbeste abschloß? Ich hätte gedacht, daß das schon früher von mindestens einem Vulkanier geschafft wurde, aber wer weiß ...
- Ich mußte schon schmunzeln, als ich das Gesicht eines Maschinenraummitarbeiters (vom Zuschauer aus gesehen links neben Scotty) sah, der mit offenem Mund und staunenden Augen den pulsierenden Warpantrieb (noch im Spacedock) anschaute. Nein, so etwas hat er bestimmt noch NIE vorher gesehen
- Warum leuchtet wohl eine Lampe direkt auf das Kopfkissen des Bettes von Captain Kirk, und zwar schon bevor der Ruf über Intercom eingeht? Zu Bett gehen und Licht in den Augen haben ist ja schon übel, aber aufstehen? Ich würde meine Augen gar nicht aufbekommen! In diesem Zusammenhang: Schon im vierten Film und hier jetzt wieder habe ich mich gefragt, ob der arme Captain Kirk ein kleineres Quartier als früher während der 5-Jahres-Mission hat. als Val'eris ihm seine Reisetasche (!) ins Quartier stellt, scheint es so winzig...
- Das "Ortungspflaster" ist natürlich für den Plot wichtig, aber ... Wo hatte Spock es auf der Brücke her, trägt er so etwas immer mit sich herum oder gibt es eine Schublade (mit Rollo, siehe weiter unten *g*) auf der Brücke "für den Notfall"?
- Gorkons Tod... Zum einen ist Gorkon mehr oder weniger "im Kampf" gestorben, aber selbst Chang und seine Tochter schreiten nicht ein, als McCoy eine Behandlung versucht. Es ist auch echt übel, daß der eine Schuß der Attentäter (Menschen) so exakt war, daß keines der klingonischen "Doppelsysteme" anspringt (TNG, Worf). Und vermutlich war einer der getöteten Klingonen zwischen Transporterraum und Gorkon der klingonische Arzt ...
- Als die Küche ist definitiv ein Raum, der EXTREM wichtig ist: Nicht nur, daß man dort Phaser in der Wand nahe den Töpfen hat - und zwar ungesichert hinter einem Rollo! -, es gibt auch eine massive Wand mit blinkenden Lichtern, an der Val'eris umgehend den Alarm ausstellen kann... Vermutlich kann man dort noch mehr an- und ausstellen. Wow! Wenn diese Küche nicht gegen Angreifer gesichert ist, weiß ich auch nicht (Nahrungsreplikatoren sind ja sowieso überbewertet, nicht wahr)

Diese Sachens sind mir beim Schauen halt aufgefallen, ein bißchen "nitpicking" ist ja wohl erlaubt.  Einige Dinge werden später auch im Kommentar erwähnt, den ich aber erst danach geschaut habe, wirklich!

Ich wurde ganz melancholisch bei den letzten Worten Captain Kirks und der Enterprise, die in den Sonnenuntergang fliegt *seufz* Als Abschiedsgruß zeichnen dann zu Beginn des Abspannes die Schauspieler handschriftlich ihren Namensgruß: George Takei, Nichelle Nichols, Walter Koenig, James Doohan, DeForest Kelly, Leonard Nimoy und William Shatner, untermalt von fanfarengestützter Star-Trek-Musik

Auch hier gibt es natürlich Bonusmaterial:


Larry Nemecek war Cutter bei Star Trek TNG und ist Star Trek Fan. Ira Steven Behr ist Autor und Produzent seit der dritten Staffel von Star Trek TNG, er hatte selbst nie mit den Schauspielern der Classic-Crew gearbeitet. Worüber reden die beiden Herren? Zum Beispiel, daß der Name Val'eris von Eris, der griechischen Göttin der Zwietracht abgeleitet ist. Es geht um das Casting, das Setting, die Veränderungen im Kostümdesign bei den Klingonen etc. Und witzigerweise schafften es (ohne, daß der Titel sichtbar sind) in der Übersetzungsszene Enterprise-Crew/Klingonenhorchposten das "unabridged klingon dictonary" by Mark Okrand auf die Leinwand sowie "History of the Klingon Empire" von Gene L.Coon. Die beiden Kommentatoren betonen auch  noch einmal, welch großen Anteil der schon 1973 verstorbene "andere Gene", nämlich Gene L. Coon, sowohl als Autor, als auch als Produzent für Star Trek hat. Er unter anderem die Klingonen in der Originalserie eingeführt. Es gibt offenbar wenig Star-Trek-bezogenes Material über ihn bzw. von ihm. Ich denke, daß dies auch damit zu tun hat, daß er so früh verstorben ist. Hätte Gene L. Coon die Neubelebung des Star-Trek-Universums noch miterlebt, wäre er sicherlich erneut in den Focus der Verantwortlichen und der Fans geraten. Der Kommentar war nett anzuhören ...

Eine Anmerkung zu dem 20minütigem Special "Klingonen and Shakespeare". Eine Theatergruppe wurde von Gorkons Hinweis in "Das unentdeckte Land", man könne Shakespeare nur wirklich auf klingonisch genießen, inspiriert. "Hamlet" wurde vollständig übersetzt ... Das war sicherlich eine Herausforderung für die Darsteller

Das Special beantwortet übrigens auch meine weiter oben gestellte Frage, ob Shakespeare von den Klingonen umgedichtes wurde: "To continue or not to continue, now I must ask this. Is it honorable to endure fate's aggressive torpedoes and phasers in one's mind?..." (Rückübertragung des klingonischen Hamletmonologes in Föderationsstandard)


Vermutlich muß man klingonisch können, um die Schönheit der shakespearschen Verse auf klingonisch richtig würdigen zu können. Und vermutlich könnte es nicht schaden, das Drama für die Klingonen zumindest etwas zu verkürzen, damit die Zuhörer nicht selbst das Drama zu einem Ende bringen

Und ehrlich gesagt ... der klingonische Hamlet würde in meiner Vorstellung zum Beispiel den Passus "Sterben - schlafen - schlafen! vielleicht auch träumen ..." verächtlich zwischen den Zähnen herausspucken. Es wäre deutlich, daß nur ein Feigling so "nachgeben" würde und es für Hamlet schon ohne Ehre ist, wenn man überhaupt darüber nachdenkt, nichts zu tun... Der Darsteller Mr. Geiken des klingonischen Hamlet im Bonusmaterial war mir hier zu ruhig und wedelte für mich zu viel mit seinen Armen (ohne Bathlet), an anderen Passagen war er mir vom Ton her zu ... quengelig. Der arme Schauspieler konnte er es MIR offenbar nicht recht machen Seine Einschätzung, wie die Grundstory von "Hamlet" in die klingonische Kultur transportiert werden würde, dürfte allerdings hinkommen: Hamlet erfährt von dem Verrat und stürzt umgehend los in den Kampf, für die Ehre

Ich bevorzuge jedenfalls weiterhin die traditionellen Erdenverse

Star Trek VI "Das unentdeckte Land" empfinde ich trotz der vorstehend erwähnten Umgereimtheiten als unterhaltsamen und schönen Film: Er zeigt einmal mehr, worin Star Trek - vom Autor bis zum Statisten - stark ist: das Aufgreifen aktueller Themen (1991 - die Mauer in Deutschland war gefallen, der sozialistische Staatenverbund brach zusammen), sie zu transportieren und Stellung zu nehmen. Dabei sind die Grundthemen weiterhin aktuell: Damals wie heute gibt es Vorurteile und Rassismus, muß man sich an neue Entwicklungen anpassen, sind Visionäre, Traditionalisten und die Menschen dazwischen anzutreffen, ist die Furcht vor Konsequenzen global notwendiger Veränderungen zu überwinden.

... ein würdiger Abschied der Classic-Crew!

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