Freitag, 4. Juni 2010

"Menschheit und Mutter Erde - Die Geschichte der Großen Zivilisationen" von Arnold Toynbee

Auch dieses Sach-Buch war eine Katalogbestellung., Wie schon an anderer Stelle erwähnt, sind diese Bücher immer für eine Überraschung gut :)

Das Buch befindet sich schon etwas länger in meinem TuB, möglicherweise 2 Jahre, ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Ich habe es im Rahmen von Mellis Sub-Wettbewerb I/2010, gelesen. Bekanntlich hatte ich mir ja die Kategorie "Ein Wort" (5 Bücher, die jeweils ein und dasselbe Wort im Titel haben) ausgesucht und das Wort war "GESCHICHTE". Womit wir bei "Menschheit und Mutter Erde - Die Geschichte der Großen Zivilisationen" wären

Nachlese
In der Beschreibung hieß es, daß dieses Buch ein erzählendes Geschichtswerk ist und den Aufstieg und Niedergang der großen Zivilisationen darlegt.

Nun ist es so,daß ich schon früher in der Schule mit "Geschichte" nicht wirklich etwas anfangen konnte. Woran es auch immer gelegen haben mag, ich konnte mich für Historie nicht begeistern, fand die Abhandlung von Eroberungen, Revolutionen und Kriegen langweilig und durfte daher bei Prüfungen immer vorab eine umfangreiche Fleißleistung erbringen und Auswendiglernen ;) Historische Romane, mehr oder minder gut recherchiert (was ich nicht beurteilen konnte und kann), hatten mein geschichtliches Interesse aber etwas angefacht. Als ich die Beschreibung zu diesem Werk las, Meine naive Vorstellung ging dahin, daß ich einen groben populärwissenschaftlichen Abriß über die Entwicklung der Menschheit, der Zivilisationen erhalte. Auf die Idee, vor Bestellung den Autor oder das Buch zu googeln, bin ich gar nicht gekommen ;)

Das nächste Eingeständnis:

Von den 503 Seiten habe ich effektiv vielleicht 100 Seiten gelesen, wie gesagt vielleicht. Aber ich habe das ganze Buch durchgeblättert, dabei immer wieder Absätze oder Sätze, manchmal sogar ein ganzes Kapitel gelesen. Letzteres geschah aber selten, die Gründe sind nachstehend aufgeführt. Ich kann dieses Buch daher nicht "bewerten". Zwar habe ich einige wenige Informationen aufgenommen, dennoch habe ich "Menscheit und Mutter Erde" nicht gelesen und den Inhalt auch nicht erarbeitet, zu beidem reichte mein Interesse nicht aus. Die fachliche Seite kann ich erst recht nicht beurteilen, hier verweise ich recht hilflos auf die Rezensionen bei Amazon. Und nun zu den Gründen:


Ich hoffe, daß auf den nachfolgenden Fotos die Texte erkennbar sein. Auf dem ersten Foto ist das Inhaltsverzeichnis abgelichtet, um Euch einen Eindruck zu verschaffen, wie der Autor dieses Buch strukturiert hat. Auf dem zweiten Foto sind Textauszüge aus drei Kapiteln abgebildet, um zu zeigen, wie Arnold Toynbee die Informationen übermittelt:




Für mich als geschichtlichen Laien ergibt sich folgendes Problem:

Als "Lesebuch", in dem ich ab und an zur Geschichte der Zivilisationen weiterlese, ist das Buch für mich nicht geeignet, weil die Informationsdichte einfach zu hoch ist. Wenn ich über das römische Reich lese - mit den diversen Einfällen von Barbaren und der Regierung verschiedener Kaiser -, dann möglicherweise zwei Tage pausiere, nachfolgend ein Kapitel über Ostasien und dann ein solches über Mittelamerika lese (die gleichen Jahrhunderte betreffend) und nach weiteren zwei Tagen erneut mit Rom konfrontiert werde, stehe ich mit großen Augen und zuckenden Schultern da. Warum? Weil ich mich nicht mehr wirklich an die Dinge erinnere, die ein paar Kapitel früher geschildert wurden. Mir hilft es dann auch nicht, wenn der Autor am Anfang des nächsten "römischen Kapitels" in zwei Sätzen auf des frühere Kapitel Bezug nimmt. Denn Arnold Toynbee hat sein Buch so aufgebaut, daß er jahrhunderteweise vorträgt und dann in einzelnen Kapiteln die Regionen bearbeitet. Nach dem zweiten "römischen Kapitel" folgt dann z.B. wieder eins über China oder die Ausbreitung des Islam, technischen Errungenschaften und diverse Teilungen unterschiedlicher Reiche, bevor ich wieder in "Rom" ankomme.

Als Nachschlagewerk finde ich es auch nicht geeignet, denn dieser Funktion steht sowohl die Struktur des Werkes entgegen als auch, daß hierfür die Informationen viel zu kursorisch abhandelt werden, zumal die Schwerpunkte von Toynbee etwas anders gesetzt wurden.

Der Autor geht von Anfang an darauf ein, wie der Mensch auf seine Umwelt einwirkt und was seine erfinderischen Gaben für die "Mutter Erde" bedeuten. So führt Toynbee nachvollziehbar an, daß die Erfindung der Metallverarbeitung zwei äußerst wichtige Entwicklungen in Gang setzte:

Zum einen hatte sie Auswirkung auf die soziale Struktur der Gemeinschaft, denn der Bergmann und der Schmied waren spezialisiert. Aufgrund ihres Handwerks hatten sie gar keine Zeit, sich an den grundlegenden Arbeiten der Gemeinschaft (Viehzucht, Ackerbau) zu beteiligen, Klassenunterschiede begannen sich zu entwickeln. Zum anderen begann der Mensch  mit der Erfindung der Metallverarbeitung zusätzlich zu der Verwertung wiederproduzierbarer Rohstoffe (Pflanzen, Tierzucht) die Verabeitung unersatzbarer Rohmaterialien. Erze wachsen nicht nach. Der Mensch begann, die Erde auszubeuten.

In diesem 1973 erschienenen Buch schrieb Arnold Toynbee:

"Der Mensch ist das erste Lebewesen in unserer Biosphäre, das die Macht erlangt hat, sie zu zerstören und dabei sich selbst zu vernichten." (S. 25) und


"Die Zukunft ist dunkel, ihre Möglichkeiten sind unendlich und deshalb kann sie nicht aus der Vergangenheit extrapoliert werden...vergangenes Geschehen muß sich nicht wiederholen...Es gibt keinen Präzedenzfall für die Macht, die der Mensch in den letzten zweihundert Jahren über die Biosphäre erlangt hat. Unter diesen verwirrenden Umständen kann nur eine Voraussage mit Gewißheit gemacht werden: Der Mensch, das Kind der Mutter Erde, würde das Verbrechen des Muttermordes nicht überleben." (S. 497)


37 Jahre nach diesen Worten, genauer gesagt am 20. April 2010, kam es im Golf von Mexiko auf der Ölbohrplattform Deepwater Horizon zu einer Explosion. Aus einem Bohrloch in 1500 m Wassertiefe tritt seitdem ungehindert Öl aus, inzwischen vermutlich mehr als 36.700 Tonnen Öl (rund 42,6 Millionen Liter)
(Übersichts-Information in der dt. Wikipedia, klick) ...

Kommentare:

  1. Ohje, bei den Textbeispielen bin ich voller Bewunderung für dein Durchhaltevermögen! Das ist wirklich schwer zu verdauen ... Mein Mann meinte übrigens, das sei doch ein recht normaler Text - allerdings in keinem schönen Stil geschrieben. *grusel*

    Was deinen letzten Absatz angeht, so gibt es unglaublich viele Menschen, die schon vor Jahrzehnten sowas vorhergesehen haben - nur leider sitzen diese Personen nicht in den Positionen, um etwas zu bewirken ...

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  2. Naja, bekennendermaßen hahe ich eher schräg gelesen. Abgesehen von dem Schreibstil kam ich mit der Informationsüberflutung nicht zurande. Mein Interesse erlahmte spürbar ab dem Zeitpunkt, als der Autor detailliert die diversen Völkerwanderungen und wechselnden Herrscher, Vereinigungen und Zersplitterungen in Sumer, Ägypten, Indien, China, Syrien etc. verfolgte ... Das war "to much" und diese Details bewirkten, daß ich das Interesse mehr und mehr verlor, dieses Buch Wort für Wort zu lesen.

    Was das andere Thema angeht:
    Erdöl steckt heute in so vielen Produkten, das war auch mir gar nicht bewußt, z.B. auch in Kunstfasern , Kosmetik oder Medikamenten (http://www.wdr.de/tv/quarks/sendungsbeitraege/2008/0527/005_erdoel.jsp
    und http://www.klett.de/sixcms/media.php/76/erdoel.182101.jpg) Wir sind auf vielerlei Gebieten abhängig geworden vom "schwarzen Gold".

    Es ist kein Wunder, daß dieser Rohstoff wirtschaftlich gesehen so begehrt ist, Industrie und Politik die Ölförderung trotz Kenntnis der erheblichen Risiken weiter so intensiv betreiben. Selbst mit der DeepHorizon-Katastrophe vor Augen wird stetig die laufende "off-shore-Gewinnung" betrieben und sind weitere schwimmende Bohrplattformen in Planung... (Sarkasmus folgt:) Diese werden bestimmt viel sicherer sein, weil man ja lernfähig ist ... Das zeigt sich im Einsatz veralteter Tanker und, um die Thematik nahe u.a. an Deutschland heranzurücken, auch daran, daß es weiterhin keine Lotsenpflicht in der Kadetrinne der Ostsee gibt (http://de.wikipedia.org/wiki/Kadetrinne)...

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  3. Mir ist leider nur zu gut bewußt, wo überall Erdöl drin ist. So langsam wird es fast zu einer Lebenaufgabe, wenn man "ethisch und ökologisch" korrekt einkaufen will. Ich weiß nicht, wie oft ich im Laden an all den Verpackungsangaben verzweifle, weil ich keine kaufbare Alternative finde - und irgendwann landet dann doch ein Produkt im Einkaufswagen, das ich nur mit schlechtem Gewissen verwende.

    Dafür verfolge ich dann all die kleinen Fortschritte, die sich hier und da ergeben, mit einem Fünkchen Hoffnung ...

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  4. Wenn auch mit Verspätung, aber mein Blick schärft sich ..

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  5. Ich glaube ja, dass solche Bücher nur für Angeber sind *g* Oder eben für jemanden, der wirklich etwas darüber erfahren möchte. In einem Rutsch durchlesen geht nicht, zu viel Infos, wie Du auch schreibst.
    Bist Du froh, dass Du es als gelesen betrachten kannst? ;)

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  6. Yeah :) Dankenswerterweise ist es auf die eine oder andere Art erledigt und runter vom TuB *g*
    Lg Natira

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  7. Respekt, Du hast durchgehalten... Sagenhaft, ich hätte das wohl eher nicht geschafft ;)
    Ich würde es sicher auch mit einem Seufzer der Erleichterung in das hinterste Regalbrett (;) ) verbannen...

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  8. Mit dem Buch "Die Universalgeschichte der Zahlen" kam ich erheblich besser zurecht,das habe ich sogar vollständig gelesen:)
    Aber dieses Werk ... war offensichtlich nicht mein Thema :) *das Buch auf einen Extrastapel legt, ggf. hat mal eine Bibliothek Interesse ;) *

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  9. Immerhin kann man davon ausgehen, dass du mit deinem nächsten Buch - dem John Irving - mehr Spaß haben wirst. :)

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  10. Ich gehe auch fest davon aus, daß sich "Die wilde Geschichte vom Wassertrinken" zu dem Highlight diese Sub-Wettbewerbes entwickeln wird :)

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  11. Deshalb hast du es dir wohl bis zum Schluß aufgehoben. ;) Nimmst du dir dann für den Rest des Jahres ein weiteres Wort vor? *neugierig*

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  12. ;)
    Bei dieser Aktion handelt es sich ja um einen SuB-Wettbewerb, organisiert von MellisBücherforum, den ich auch - hoffentlich pünktlich :) - beenden werde.

    Aber in Mellis Bücherforum bin ich kaum noch aktiv und werde vermutlich an einem neuen von dort organisierten SuB-Wettbewerb wohl nicht mehr teilnehmen.

    Die Idee, sich für das zweite Halbjahr aber erneut ein Thema auszusuchen und bereits zu Beginn die Bücher festzulegen, finde ich aber gut. Ich kann mir durchaus vorstellen, mir eine eigene Challenge zu stellen :) Vielleicht nicht unbedingt "Ein Wort", aber z.B.Weltreise - 5 Bücher in 5 Ländern oder so...

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  13. Das hört sich aber nach einer netten Challenge an - könnte mir vorstellen, dass ich da Interesse hätte ;)

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  14. Dann laß Dir das doch einfach in Ruhe durch den Kopf gehen :) Wir können ja am 20. nochmal darüber chatten, ob und welche Challenge ab 01.07.2010 denkbar wäre, liebe Sayuri :)

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  15. Es ist ja egal, wie man sich seinen SuB-Abbau vornimmt, solange es Spaß macht. :)

    Eine Weltreise fänd ich auch sehr reizvoll - ich wünsche dir viel Spaß bei der Wahl deiner "Reiseländer". :)

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  16. Hm... Wißt Ihr, ich werde mal eine Seite einrichten :)

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