Sonntag, 6. Juni 2010

"Das Wolkenvolk Bd. 1v3 - Seide und Schwert" von Kai Meyer

Dieses Buch in der gebundenen Loewe-Ausgabe habe ich vor gut einem Jahr, denke ich, als Mängelexemplar gekauft und endlich kam ich dazu, es zu lesen. Im Rahmen eines privaten wunderbaren Lesetages habe ich das Buch gestern begonnen und heute gaaaanz früh auch beendet :)


Worum geht es?
Das Wolkenvolk mit den goldenen Augen lebt in den "Hohen Lüften". Die Menschen werden von einem Herzog und den Zeitwindpriestern regiert, ein Schattenseher als Prophet vervollständigt das Dreigestirn. Da nur die Zeitwindpriester lesen und Bücher besitzen dürfen, ist das alte Wissen aus der Zeit, als das Wolkenvolk in die Hohen Lüfte aufstieg, fast verloren. Das Leben auf der Erde und das Wissen darum ist tabu. Aber als die Aetherpumpen, die für die Stabilität der Wolkeninsel sorgen, nicht mehr funktionieren, und die Wolkeninsel zum Erdboden hin absackt, können nur die auf der Erde, in China, beheimateten Drachen das Wolkenvolk retten. Sie atmen den Aether aus. Niccolo, ein wegen seiner Lesekundigkeit und seines Wissens aus der Wolkenvolkgemeinschaft Ausgestoßener, wird deswegen vom Herzog und den Priestern auf die Erde geschickt, um Drachen und Aether zu suchen. Niccolo landet recht unsanft auf der Erde und gerät sofort in Lebensgefahr. Kann er der mysteriösen Wisperwind trauen? Und was ist mit Nugua, dem knapp 15jährigen Mädchen, das nach eigener Aussage bei den goldäugigen Drachen aufgewachsen ist? Sie ist auch auf der Suche nach den Drachen, die über Nacht verschwanden und sie allein zurückließen. Werden sie die Drachen finden? Währenddessen verschlechtert sich die Lage der Wolkeninsel und Alessia, die wißbegierige und lesekundige (!) Tochter des Herzogs lernt beunruhigende Dinge über die Aetherpumpen und ... Aber mehr will ich hier nicht verraten :)


Nachlese
Kai Meyer ist ein äußerst produktiver deutscher Autor. Er und seine Werke sind der deutschen Leserschaft gut bekant :) Mein erster Roman von ihm war "Die Alchimistin", der mich unglaublich in seinen Bann gezogen hat mit der düsteren Atmosphäre im Schloß Institoris, gelegen auf einer Insel, dann später auch im Internat und Wien etc. Die Merle-Trilogie gefiel mir auch und ich fand auch "Rattenzauber","Loreley", "Das Buch von Eden", "Die Vatikanverschwörung", "Die Unsterbliche" ganz nett. Aber keines dieser Bücher zog mich so in den Bann wie es "Die Alchimistin" schaffte :) Mit anderen seiner Werke kam ich nicht so klar, die Faustus-Bücher sind nicht so meins und durch "Die Herrin der Lügen" habe ich es nicht geschafft. Aktuell erscheint bzw. ist in Arbeit die "Arkadien"-Trilogie, von der ich noch gar nichts gelesen habe. Hier geht es übrigens zu seiner Homepage (klick)

"Seide und Schwert" beginnt mit einem Prolog. Ich las über Nugua und Yaozi, den Drachenkönig, und war hingerissen. Der Beginn ist so märchenhaft geschrieben, daß ich die warmen goldenen Augen Yaozis vor mir sah, seinen geringelten Körper und die goldenen langen Fühler, die Nugua anstupsten. Sofort auf diesen ersten 17 Seiten habe ich Yaozi in mein Herz geschlossen und war voller Ungeduld, wann ich ihn wiedersehenlesen werde :) Auch die weiteren Romanfiguren Niccolo und Nugua, aber auch die mysteriöse Kriegerin Wisperwind, der seltsame Feiqing, Alessia und der Schattenseher Carpi und natürlich die Unsterblichen Xian und Mondkind mag ich - storybedingt -  mal mehr, mal weniger, sie haben ihre Sonnen-und Schattenseiten und ihre Geheimnisse. Manche werden im ersten Teil der Trilogie offenbart, manche nur angerissen und manche sind noch nicht einmal entdeckt.

Das Jugendbuch ist vom Loewe-Verlag für Kinder ab 12 freigegeben. Ob dies in Ordnung geht, kann ich als nicht Erziehende schlecht beurteilen. In dem Buch gibt es indirekte sowie direkte Gewalt (es wird gekämpft, es gibt fliegende Schwerter und anderweitige todbringende Wurfgeschosse), aber auch Moral und Ethik. Die beiden letztgenannten Aspekte sind jedoch für 12jährige nicht so offensichtlich bzw. nicht ohne weiteres nachvollziehbar. Wer weiß, vielleicht erfassen die jüngeren Teenager dennoch instinktiv die Grundaussage... Das ist genau der Punkt, den ich nicht beurteilen kann :) 

Der Schreibstil jedenfalls ist rasant und flüssig, so daß sich der Roman fast von allein liest. Die Geschichte ist spannend geschreiben und spielt auf mehreren Ebenen. Allerdings kämpfe, grusele, fühle ich nicht mit den Figuren. Ok, außer bei Yaozi, da hat der Autor definitiv mit der Beschreibung der Szene und der Figur einen Nerv bei mir getroffen *g*. Mag sein, daß mir die chinesische Kultur zu fremd dafür ist. Der Autor nutzt sehr kreativ die chinesische Mythologie und hat sich offenbar auch von chinesischen Geistergeschichten inspirieren lassen. Dennoch wird man nicht von einer Masse chinesisch fremdartiger Namen erschlagen. Möglicherweise liegt es auch daran, daß ich ein paar Mal an Filme denken mußte und daher die Buchcharaktere für mich nicht eigenständig wurden. Beim Beschreiben der Raun mußte ich an  die "A chinese Ghoststory"-Filmtrilogie denken und diese Trilogie kam mir auch in den Sinn, als Mondkinds Kampf in ihrer Seidenrobe gegen Guo Lao geschildert wird. Zu dem Eigenleben der Seide habe ich eine Filmszene vor Augen, ich bin mir nur nicht ganz sicher, ob sie aus "A chinese Ghoststory" stammt :) Ein-, zweimal wurden die im Buch beschriebenen Szenen bei mir durch Bilder aus dem Film "Tiger und Dragon" überlagert :) Ich kann den Finger irgendwie nicht auf den Punkt legen, aber ich hoffe, daß ich nicht zu alt geworden bin, um "in eine Geschichte einzutauchen". Wird man das irgendwann, zu alt?

Das Ende von Band 1 der Trilogie ist jedenfalls sehr gelungen. Kai Meyer bringt etliche Charaktere zusammen, beantwortet einige Fragen, nur um dem Leser sofort neue zu liefern: Wie geht es mit der purpurnen Hand weiter? Was passiert auf den persönlichen Ebenen der Figuren? Warum hörten die Aetherpumpen wirklich auf, zu funktionieren (ich habe so einen Verdacht)? Und natürlich bleiben die Hauptfragen: Wird man erfahren, aus welchem Grund das Wolkenvolk auf die Wolkeninsel zog und was es mit den geheimen Händlern auf sich hat? Was hat es mit dem Zeitwind auf sich? Wie geht es mit dem Aether und den Drachen weiter?

Ich bin gespannt...

Kommentare:

  1. Deine Rezi hat mir so einige Details der Bücher wieder in Erinnerung gerufen, dankeschön! Und ich denke, dir werden die Fortsetzungen auch gefallen. :)

    Was das "zu alt, um in die Geschichte einzutauchen" angeht: Ganz bestimmt nicht! Allerdings wird man meiner Erfahrung nach mit jedem gelesenen Buch ein kleines bisschen kritischer - doch ein guter Autor schafft es trotzdem eine Geschichte zu schreiben, die einen mitreißen kann.

    Ich persönlich liebe es, wenn ich soweit in eine Handlung eintauche, dass ich am Ende des Buches emotional total erschöpft bin, wenn ich aus vollem Herzen geweint und gelacht und mit den Figuren mitgebangt habe - und das hat Kai Meyer (obwohl ich so nah am Wasser gebaut habe) bei mir noch nie hinbekommen. Sehr schade, denn viele seiner Ideen und Charaktere finde ich sehr faszinierend, nur fehlt für mich einfach ein entscheidender Funke ...

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  2. "Allerdings wird man meiner Erfahrung nach mit jedem gelesenen Buch ein kleines bisschen kritischer - doch ein guter Autor schafft es trotzdem eine Geschichte zu schreiben, die einen mitreißen kann."

    Möglicherweise ist es aber genau das, was es u.a. mir auf Dauer erschwert, mich "fallen zu lassen" und einfach nur zu lesen. Ich kann mir durchaus vorstellen, daß ich gerade bei Jugendbüchern während der Lektüre bereits zuviel "denke". Schließlich zielen die Bücher, auch wenn sie stimmig sein sollten, auf eine anderes Altersgruppe mit einem anderen Erfahrungsschatz.

    Andererseits: Auch heute noch habe ich einen Kloß im Hals, wenn ich "Die kleine Meerjungfrau" von Andersen lese ...

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  3. "Ich kann mir durchaus vorstellen, daß ich gerade bei Jugendbüchern während der Lektüre bereits zuviel "denke". Schließlich zielen die Bücher, auch wenn sie stimmig sein sollten, auf eine anderes Altersgruppe mit einem anderen Erfahrungsschatz."

    Worüber machst du dir beim Lesen denn Gedanken - nur über die Geschichte oder auch, ob sie deiner Meinung nach für die Zielgruppe geeignet ist?

    Denn gerade bei Kinder- und Jugendbüchern kann ich mich oft richtig "fallen lassen", da die Geschichten manchmal "einfacher" sind und mehr mit dem Gefühl erfasst werden können, als es bei Bücher für Erwachsene der Fall ist.

    Hm ... irgendwie wäre ich jetzt doch sehr neugierig, wie dir "Alles Liebe, Deine Anna" gefallen würde und ob du auf das Buch mehr mit dem Kopf oder mit dem Bauch reagieren würdest ...

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  4. Es ist eine Mischung aus Kopf und Bauch, denke ich :)

    Ich lese Jugendbücher jetzt nicht mit dem Hintergedanken: "Ist das was für 12 oder 16 jährige?" Diese Überlegung stelle ich regelmäßig erst danach an, wenn ich die Jugendfreigabe anschaue und die Nachlese schreibe. Manchmal bin ich überrascht, für welche Altersgruppen die Bücher freigegeben werden ;). Jedenfalls: Bei z.B. sehr dunklem Material, Gewalt oder sehr verwinkelter Story geht mir diese Frage bereits während der Lektüre durch den Kopf.

    Dagegen habe ich z.B. bei Seide und Schwert an mehrere Filme gedacht, die ein "unbedarfter" jugendlicher Leser vermutlich gar nicht kennt. Letzterer wird eher staunend den Federtanz bewundern oder inspiriert von den Raun jedes Gewächs am Waldrand anders beäugen...

    Bei "Anna ..." geht es um die Briefe an Gott, nicht wahr? Mich hatte es nie gereizt, diese Bücher in die Hand zu nehmen oder zu lesen *mit den Schultern zuckt*

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  5. Nein, "Alles Liebe, Deine Anna" erzählt die Geschichte eines kleinen Mädchens, das kurz vor dem zweiten Weltkrieg nach Kanada auswandert. Die politischen Aspekte klingen nur sehr unterschwellig in der Handlung mit. Vor allem geht es darum, dass Anna immer die Ungeschickte in der Familie ist, und erst bei ihrer Einschulung in Kanada kommt heraus, dass sie kaum sehen kann ...

    Für mich ist das eines der Kinderbücher, die ich nicht in der Öffentlichkeit lesen kann, weil mich die Geschichte so berührt - und ich habe mich gestern Abend gefragt, ob sie dir auch so nahe gehen würde oder ob du sie mehr mit dem Kopf aufnehmen würdest. ;)

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  6. Ah, ok ... Das ist ja doch eine andere Lektüre ;)

    Hm... keine Ahnung ...

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  7. Wollt ihr wissen, was Kai Meyer über seine Leser denkt?

    Hier sein geistiger Erguss: http://kai-meyer-journal.blogspot.com/2007/09/11-september-2007.html

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  8. Hallo Cara!

    Ich habe mir den Blogeintrag von Kai Meyer vom 11.09.2007 angesehen und auch Deinen Nachtrag zum "Das Buch von Eden".

    Allerdings stimme ich Dir nicht zu. Ich sehe den Journaleintrag WEDER als Erguß (was ich bedeutungsmäßig negativ mit Tirade gleichsetze, falls Du das auch gemeint hast), noch als Angriff auf Leser allgemein.

    Kai Meyer geht es offensichtlich um die Rezensionspraxis bei Amazon. Und insofern kann ich ihm kaum widersprechen, denn auch mir laufen dort genügend Rezensionen über den Weg, die ich irritiert zur Kenntnis nehme: Teilweise ist es eine Frage der Orthografie, teilweise des Inhaltes (manchmal denke ich, ich habe ein ganz anderes Buch gelesen) und teilweise der Begründung.

    Natürlich wird jeder Leser ein Buch auf seine eigene Weise sehen und für sich werten, aber dann sollte auch deutlich werden, warum er mit dem Buch unzufrieden ist. Wenn man das nicht in Worte fassen oder nicht beurteilen kann - und sich nicht die Mühe machen will, etwas Recherche insofern zu betreiben -, dann sollte man als Rezensent auch fair genug sein, darauf hinzuweisen (z.B. in meiner Nachlese oben in Bezug auf Altersangabe) oder halt keine Rezension abzugeben. Du wirst mir sicher zustimmen, daß es Dir als Leser auch nicht hilft, wenn Du ein Buch kaufen willst und es steht in der Rezension: Tolles Buch, unbedingt kaufen! oder "Laß die Finger davon, langweilig" Natürlich ist das jetzt hier etwas überspitzt wiedergegeben ;), aber Du weißt sicher, was sich meine.

    Was die redaktionelle Betreuung angeht: Ich habe auch schon ein, zwei Rezensionen bei Amazon eingestellt: Sie werden nach dem Schreiben im System gespeichert und erscheinen kurz darauf auf der Seite. Ich habe noch keine redaktionelle Bearbeitung oder Betreuung zwischen Einspeisen und Veröffentlichung bemerken können.

    Seinem Vorwurf am Hörbuchbeispiel kann ich auch nicht entgegentreten, teilweise findet man nämlich nicht den Hinweis "Diese Rezension bezieht sich auf eine andere Ausgabe" gut sichtbar.

    Wie schon gesagt, ich sehe seinen Eintrag nicht als Affront gegen mich als Leser...

    Viele Grüße und noch einen schönen Sonntag! Natira

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