Montag, 31. Mai 2010

"Die sieben Reisen Sindbads - Tausendundeine Nacht"


Diese Heft aus der Beck'schen Reihe ist mir diesen Monat in Bielefeld in die Hände gefallen, als ich ganz arglos zusammen mit Sayuri in einen Buchladen ging. Dort gibt es einfach zu viele interessante Mängelexemplare ... :)

Nachlese

Das Taschenbuch ist eine broschierte Ausgabe aus dem Jahr 2007 der Beck'schen Reihe "Die großen Geschichten der Menschheit". In dieser Reihe sind außerdem erschienen
"Gilgamesch", "
Die letzte Schlacht des König Artus" von Malory,
"Siegfrieds Tod - Nibelungenlied",
"Amor und Psyche" von Apuleius,
"Don Quijotes Kampf gegen die Windmühlen" von Cervantes,
"Inferno/Die göttliche Komödie" von Dante und
"Die Heimkehr des Odysseus" von Homer

"Die sieben Reisen des Sindbad" wurden von Max Henning aus dem Arabisch übersetzt. Auf der Innenseite vorn und hinten des Buchumschlages ist (jeweils seitenverkehrt) das Proträt einer indischen Fürstin abgebildet. Neben der Erzählung, wie Scheherazade in die unglückliche Lage kam, dem Fürsten Geschichten zu erzählen, um ihr Leben zu retten, sind die Geschichten Sindbads enthalten. Diese werden von Scheherazade beginnend in der 536. Nacht und endend in der 566. Nacht erzählt. Die einzelnen Nacht-Unterbrechungen sind für den Leser im laufenden Text gekennzeichnet.

Sindbads erste Reise läßt ihn auf einer vermeintlichen Insel stranden, die sich als riesiger Fisch entpuppt.
Auf seiner zweite Reise begegnet er unter anderem dem Riesenvogel Ruch und entdeckt Diamantenfelder. Während seiner dritten Reise wird das Schiff, mit dem er reist, von einer Horde Affen gekapert. Sindbad und die weiteren Kaufmänner, Passagiere und Crewmitglieder werden auf eine Insel ausgesetzt, auf der menschenfressende Riesen leben und muß weitere Abenteuer bestehen. Sindbad hat sehr viel Pech und erleidet auch auf seiner vierten Reise Schiffbruch, dabei stranden er und seine Begleiter auf einer von menschenfressenden Ghulen bewohnten Insel. Zwar entkommt er von dort und heiratet sogar, wird aber alsbald Witwer und wird lebendig begraben ... Seine Schilderungen der vierten Reise sorgten bei mir für Übelkeit, und ich meine nicht die Ghul-Geschichte.  Als Sindbad sich zu seiner fünften Reise mit weiteren Kaufmannsleuten einschifft, sind letztere so dumm, ein Ei des Vogels Ruch zu zerschlagen. Das Schiff wird daraufhin vom Vogel Ruch versenkt, Sindbad kann sich zwar retten, gerät aber in die Gefangenschaft eines bösen Geistes. Der Schiffbruch nach Beginn seiner sechsten Reise bringt Sindbad zur Abwechslung mal an eine Küste ohne Monster, wo er Kostbarkeiten findet und ein in ein fremdes Königreich gelangt. Während der siebten Reise kommen er und seine Gefährten in fremde Gewässer,in dem Riesenfische leben. Sindbad kann sich nach dem unvermeidlichen ;) Schiffbruch auf eine Insel retten. Das Schicksal meint es auch zunächst gut mit ihm, aber seine Neugierde bringt ihn erneut in abenteuerliche Schwierigkeiten, die es zu meistern gilt.

Neben erläuternden Fußnoten, bei denen es sich wirklich nur um kleine Noten handelt, gibt es in dem Taschenbuch noch ein erläuterndes Nachwort von Ulrich Marzolph, der Professor für Islamwissenschaft an der Universität Göttingen ist. Dieses Nachwort geht kursorisch auf die Entstehung dieser Geschichten ein (zeitlich, Inspirationsquellen für die Sindbad-Geschichten z.B. Odyssee, frühere Seemannsgarngeschichten etc.), die erste europäische Übersetzung durch Galland, den Namen Sindbad und Bedeutung der Sindbad-Geschichten.



An den Rhythmus der Sprache und die Erzählweise der Geschichten mußte ich mich erst einmal gewöhnen. Die Sätze sind häufig sehr lang und stellen eine Aneinanderreihung von Aufzählungen dar. Hinzu kommt, daß die Sprache sehr lyrisch ist. Scheherazade, Sindbad der Lastenträger, Sindbad der Seefahrer und die weiteren "guten" Charaktere sind gläubige Muslime. Ihre Erzählungen beinhalten Dankesformeln und Lobeshymnen, in denen Gott gepriesen wird.Nach der ersten Reise-Erzählung hatte ich mich aber eingelesen. Ehrlich gesagt, ich bin mir jedoch nicht sicher, ob ich alle 1001 Geschichten in dieser Form lesen könnte, so sehr die Übersetzung auch dem Original nahekommen mag. Die Frage stellt sich aber auch nur rhetorisch ;)
Die Beschreibungen der wundersamen Tierwelt auf den verschiedenen Inseln und Gegenden, die Sindbad bereist, lassen mich irgendwie auch an Gullivers Reisen und Münchhausen denken. Wer weiß, vielleicht wurden Swift und Bürger ja inspiriert...

... Ein interessanter Ausflug in die orientalische Sagenwelt. Dies gilt besonders, wenn man - wie ich - bei Sindbad hauptsächlich an die Verfilmungen aus den Jahren 1958, 1974 und 1977 denkt, für die Ray Harryhausen die damals fantastischen Spezialeffekte geliefert hat. In diesen Filmen hat Sindbad ein eigenes Schiff und wirkt auch nicht gerade wie ein Kaufmann wirkt :)

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