Montag, 24. Mai 2010

"Alles für die Katz" von Tom Cox



Das Softcoverbuch, erschienen im Mai 2010, wurde mir vom List Taschenbuchverlag (Ullstein Bücherverlage) als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. An den Verlag an dieser Stelle noch einmal vielen Dank!

Worum geht es:
Ich zitiere vom Klappentext:
"Eigentlich liebt Tom Katzen, aber Terrorkater The Bear macht ihn echt fertig. Der kann sich nicht nur unsichtbar machen und ihm das Essen vom Teller klauen, er verliert auch regelmäßig alle Haare. Als Tom das Herz von Dee erobert, der klugen und hübschen Besitzerin von The Bear, muss er sich wohl oder übel mit der Killerkatze anfreunden. Aber ein hinterhältiger Stubentiger allein reicht nicht: Dee und Tom legen sich noch fünf weitere Katzen zu. Und zwischen verwüsteten Kleiderschränken und erbeutetem Federvieh muss Tom endlich klarstellen, wer hier das Sagen hat: die Miezen oder er."

Nachlese
Der Verlag hat das 296 Seiten umfassende Buch in einer liebevoll gestalteten Ausgabe auf dem Markt gebracht. Der Roman ist im Softcover gebunden. Auf der Vorderseite sind ganz bezaubernd Momente des Katzenlebens abgebildet, auch die angedeutete Mimik der Katzengesicher ist witzig und hat für Katzenfreunde sicherlich Wiedererkennungswert. Die Buchtitelfarbe auf dem Cover wird innen im Buchumschlag wieder aufgegriffen, Katzenspuren laufen darüber hinweg. Die auf dem Cover abgebildeten Katzen tauchen im Roman wieder auf und leiten jeweils ein neues Kapitel ein, Katzenpfoten kennzeichen Unterbrechungen innerhalb des Kapitels. Die Umschlaggestaltung und Illustration wurde vom Büro Süd vorgenommen.

Der Autor Tom Cox ist  Jahrgang 1975, verheiratet und lebt mit seiner Frau und den Katzen in Norfolk. Er hat diverse Artikel über Musik und Katzen geschrieben, die in der Sunday Times, dem Guardian, The Observer und der Elle erschienen sind. Neben dem vorliegenden Roman hat er weitere Bücher veröffentlicht, wie man auf seiner Homepage (klick) erfahren kann.

Die Übersetzung aus dem Englischen wurde von Werner Schmitz vorgenommen. In dem Roman sind offenbar die Beiträge des Autors aus seinem Blog(klick) gesammelt, zumindest bis 2007. Aus diesem Grund kann ich hier zum Vergleich folgende Textstelle im Original und in der Übersetzung aufführen:

Original
"It’s always a bit of a shock when, thirty seconds after setting foot into your new partner’s flat for the first time, you’re confronted with excrement, but any squeamish feelings I had about confronting my first Bear turd were drowned out by my fascination at quite how he’d squeezed it into D’s dressing gown pocket."
(Quelle: Tom Cox Blog)

Übersetzung
"Es ist immer ein kleiner Schock, wenn man die Wohnung seinerneuen Freundin betritt und dreißig Sekunden danach mit Exkrementen konfrontiert wird. Der leichte Ekel beim Anblick meines ersten Bear-Haufens wich jedoch sogleich der Faszination darüber, mit welchem Geschick er ihn in die Tasche von Dees frisch gewaschenem Morgerock gepresst hatte."
Quelle:  "Alles für die Katz" Tom Cox in der Übersetzung von Werner Schmitz"

Die hier zitierten Zeilen zeigen ein in meinen Augen bestehendes Manko des Romans auf. Ich bin in der Lage, komplizierteren Satzkonstruktionen zu folgen. Das bedeutet aber nicht, daß ich sie in meiner Lektüre mag. Bereits der Originalsatz ist verschachtelt genug. Werner Schmitz hat ihn zwar in zwei Sätze aufgesplittet. Denoch empfinde ich diese Textstelle auch in der Übersetzung weiterhin holprig. Leider stockte mein Lesefluß in diesem Sinne nicht nur an ein paar vereinzelten Stellen. Immer wieder gingen meine Augen zum Anfang eines Satzes zurück, weil er Bandwurmlänge hatte oder ungelenk formuliert war.

"Die eloquenten, meist zugedröhnten, meist gut ausgebildeten Menschen, die mir den Auftrag gaben, über amerikanische Altrocker und die alternden Popmusiker der Sechziger und Siebziger zu schreiben, konnten ja nicht ahnen, dass ich an einem Schreibtisch saß, vond em aus ich auf eine Kuhweide blickte, drei Meilen von der nächsten Bushaltestelle und elf Meilen vom nächsten Konzertsaal entfernt, und dass ich ein sehr schlechter Schüler gewesen war und nach nicht einmal drei Monaten mein Studium hingeschmissen hatte."
(Quelle: "Alles für die Katz" S. 39, Tom Cox in der Übersetzung von Werner Schmitz)

Es ist natürlich schwierig, das eigene Leben und dasjenige seiner Frau zusammen mit den Eigenarten von sechs Katzen gleichwertig zu erzählen. Die Kapitel bedürfen daher einer thematischen Struktur, die der Autor auch fast durchgängig einhält. Ab und an springt Tom Cox in die Vergangenheit und berichtet entweder über eine frühere Katze oder das frühere Verhalten der aktuellen. Manchmal nimmt der Autor den Leser auch auf eine thematische Nebenstraße mit und man fragt sich, wie die Katzenstreu nun mit der Kastration zusammenhängt, aber auch hierauf erhält man irgendwann eine Antwort. Ansonsten geht es darum, wie die verschiedenen Katzen zum Autor und seiner Frau kamen, ihre Eigenarten, die Umzüge mit ihnen und die Inbesitznahme neuer Reviere. Immer wieder setzt der Autor dabei Geschehnisse oder das Benehmen der Katzen in nicht für jeden Leser nachvollziehbare Relationen zu Musikern, Golf oder ähnlichem, die offenbar witzig sein sollen. Einzelne Kapitel werden vom Autor mit kleinen Zeichnungen oder Listen unterbrochen bzw. beendet, die gleichfalls  der humorvollen Unterhaltung dienen sollen.

Humor ist wie so vieles subjektiv. Den Roman empfand ich zwar relativ unterhaltsam und er hatte für mich auch seine erheiternden Momente, z.B. die Anweisung, wie ein Katzensitter im Hause Cox die dortigen sechs Katzen füttern soll. Viel zu häufig wirkte die Witzigkeit aber auf mich bemüht und sprach mich nicht an. Die Listen "Auszüge aus dem Katzenwörterbuch" oder z.B. "Sechs Beispiele, wie ich vergeblich versucht habe, die Gefühle meiner Katzen zu verletzen" sorgen bestimmt auch für Lacher und Schmunzler. Meinen Humor traf der Autor jedoch regelmäßig nicht; das kann ihm aber auch nicht vorgeworfen werden. Die englischen Versionen dieser Listen gibt es übrigens auf dem Blog, hier (Katzenwörterbuch), hier (Beispiele) und hier (Füttern von 6 Katzen).

Fazit:
"Alles für die Katz" ist ein vom Verlag liebevoll in die Bücherwelt entlassener Roman, in welchem der Autor über sein bisheriges Leben mit bis zu 6 Katzen gleichzeitig erzählt. Die Einblicke, die Tom Cox dabei gewährt, sind in meinen Augen aber weder besonders humorvoll, noch überraschend. Die geschilderten Erfahrungen mit den verschiedenen Katzen (die alle ihren ganz speziellen Charakter haben, keine Frage) grenzen sich leider weder thematisch, noch erzählerisch ausreichend von anderen Büchern ab. Bedauerlicherweise minderte zudem die sprachliche Umsetzung meinen Lesefluß.

Dennoch, das Buch hat seine Momente. Zum Beispiel, wenn der Autor eine Katzenausstellung oder ein Tierheim besucht oder darüber nachdenkt, daß die Liebe zu Katzen manchmal auch negative Auswirkungen für das Tier haben kann, fühle ich mich mit dem Autor verbunden. Und man spürt unverkennbar die Zuneignung, die Tom Cox nicht nur seinen eigenen Katzen entgegenbringt. Diese Umstände reichen aber nicht aus, um mich von dem Roman "Alles für die Katz"zu überzeugen. Schade.

Kommentare:

  1. Ich stehe grundsätzlich solchen Büchern mit Tiergeschichten eher kritisch gegenüber und so hat mich dieser Titel von anfang an nicht gereizt. Wenn ich aber dann auch noch deinen Beispielsatz lese, dann möchte ich regelrecht davor weglaufen. ;)

    P.S.:Konntest du den Link zum Füttern einmal überprüfen? Darauf bin ich dann doch neugierig gewesen. *g*

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  2. @Winterkatze
    Ich fand Titel, Aufmachung und Inhaltsbeschreibung sehr reizvoll, aber meine Erwartungen wurden leider nicht erfüllt...

    Den Link habe ich gerade aktualisiert. Offenbar ging er mir gestern auf dem Weg zu blogspot irgenwie verloren :) Jetzt kannst Du die Fütterungsempfehlung lesen.

    Lg Natira

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  3. Danke!

    Hm ... meine Fütterungsempfehlungen fangen eher mit dem Satz an "Geh in die Küche und pass auf, dass keine Katze mit dir durch die Tür schlüpft ..." Das macht die Sache einfacher und kürzer. ;)

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  4. lach...
    Ich habe die Küchentür regelmäßig auf. Daher beginnt meine Fütterungsempfehlung eher: Achte darauf, daß die erste Schale bei Merlin steht und schiebe ggf. Marlowes Köpfchen dort weg und zu zu seiner Schale hin ...

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  5. Hihi, das ist bei mir dann der Part nach "füttere den schwarzen Katzer im Badezimmer" und der beginnt mit "stell dich mit dem Gesicht zum Wohnzimmer mit gespreizten Beinen auf die Wachstuchdecke, stell dann in genau dieser Reihenfolge die Näpfe ab: Rechts oben den Napf für den puscheligen Kater mit dem dunklen Gesicht, zwischen deine Beine den für die kleine Katze und dann links oben in die Ecke den Napf für den Puschelkater mit dem weißen Gesicht. Achte auf jeden Fall darauf, dass die kleine Katze nicht bei den Großen klaut, wenn sie fertig ist, und dass der große mit dem hellen Gesicht nicht die Fleischbrocken quer durch den Flur schießt. Guck auf jeden Fall, ob an der Kommode etwas klebt, wenn die Katzen mit Fressen fertig sind, lass dann den schwarzen Kater aus dem Bad - und dort findest du dann auch alles, um die Kommode zu putzen." ;)

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