Sonntag, 18. April 2010

"Star Trek Vanguard Bd. 1 - Der Vorbote" von David Mack

Bei diesem Buch handelt es sich um eine Leihgabe. Ich bin ja bekennender Star-Trek Fan und ab und an stecke ich auch mal die Nase in einen Roman, statt nur die Serien bzw. die Filme zu schauen :)

Worum geht es laut Inhaltsangabe auf dem Taschenbuch?
Nach der historischen ersten Reise an die äußere Grenze der Galaxis: Die U.S.S. Enterprise durchquert unter Captain Kirk die Taurus-Ausdehnung. Das Gebiet ist weitab der Föderationsgrenzen und ungewöhnlich nah an dem Raum der Tholianischen Gemeinschaft. Für eine fremde Weltraumregion hat sich die dort stationierte Sternenbasis 47 – auch bekannt als Vanguard – überraschend gut etabliert. Captain James T. Kirk befiehlt die Enterprise zur neuen Raumbasis, um Reparaturen an seinem beschädigten Schiff durchführen zu lassen. Kirk vermutet, dass Vanguard mehr ist, als sie zu sein scheint. Die Tholianer, Orioner und das Klingonische Imperium haben diesen Verdacht bereits lange und glauben, dass weniger freundliche Absichten hinter der plötzlichen Entscheidung der Föderation stehen, die Taurus-Ausdehnung zu erforschen und zu kolonisieren. Als ein Vorfall tief innerhalb der Ausdehnung die Raumstation bedroht, müssen Kirk, Spock und andere Spezialisten der Vanguard-Crew beistehen, den Grund für die Katastrophe herausfinden und den entstandenen Schaden eindämmen. Dabei erfahren sie den wahren Grund hinter dem Bau Vanguards ...

Nachlese
*seufz* Vorab: Wer ein Abenteuer der Entsprisecrew erwartet - so wie ich nach der Inhaltsangabe - wird enttäuscht. Und: Offenbar konnte ich die virtuelle Tinte heute nicht halten.

Der Prolog führt uns auf die "Constellation" unter dem Kommando von Matt Decker. Die dortige Crew hat eine interessante Bioprobe mit wahnsinnig viel DNS auf dem Planeten Ranavar IV gefunden, die Proben gehen an Starfleet, die Constellation fliegt weiter zur Raumbasis K7. Zwei Jahre später: Die Enterprise wurde durch die in der TV-Episode "Die Spitze des Eisbergs" geschilderten Ereignisse beschädigt und begibt sich deswegen zur neuen Raumbasis der Wachturmklasse "Vanguard". Zu diesem Zeitpunkt gibt es also bereits zwei Storylines. Es geht dann "Schlag auf Schlag" weiter mit dem Beginn von Erzählsträngen über

-den am Rande der Legalität agierenden Händler Quinn,
-den Xeno-Anthropologen Xiong,
-den Reporter Pennnington,
-das Starfleetpersonal auf Vanguard unter der Leitung von Commodore Diego Reyes, unterstützt von seinem Geheimdienstoffizier T'Prynn
-den Starfleetbotschafter Jetanjen und dessen Assistentin  Anna Sandesjo
-die Klingonen
-die Tholianer
- orionische Händler...

Nach und nach verknüpft der Autor diese einzelnen Stränge zu einem mehr oder weniger (Beginn einer Serie) kompletten Gesamtbild. Mein "Problem" war nur: Obwohl alle Stränge irgendwie mit Ranavar IV zu tun hatten, waren sie dermaßen lange von einander getrennt, daß ich mich fragte: Wieso? Weshalb? Warum?

Mit "Vanguard - Der Vorbote" wird eine neue Buchserie im Trek-Universum begonnen. Und im Gegensatz zum TV kann man nicht die Station einmal auf dem Bildschirm präsentieren und die Personen durch das Bild gehen lassen. David Mack erzählt in diesem serieneinleitenden Roman daher nicht nur die Geschichte an sich, sondern stellt auch die Örtlichkeit und wichtige - voraussichtlich dauerhafte - Charaktere vor. Und er hat die neuen Charaktere durchaus mit Leben gefüllt: Sie haben nicht nur einen Namen, sie haben Probleme, Beziehungen, lieben, lachen. Sie leben, es besteht ein Beziehungsgeflecht. Wer allerdings die Star-Trek-Classic-Serie nicht kennt - Ok, es ist unwahrscheinlich, daß derjenige einen Trek-Roman kauft, dennoch. - wird gerechtfertigt bemängeln, daß die Charakterdarstellung der Enterprisecrew im Verhältnis zu Reyes, Pennington, T'Prynnr,Sandesjo, Quinn etc. zurückbleibt. Der Autor setzt Kenntnisse der Enterprisecrew und deren Eigenarten voraus.

Und so nett es auch ist, in diesem Roman Erklärungen zu finden, wie Scotty zu einem "grünen" alkoholischen Getränk kommt, daß es einen amtlichen Uniformwechsel gab, wie Dr. M'Bengas Vorgeschichte ausschaut etc., sind dies alles Szenen, die die Handlung des Romans noch weiter verzögern. Ich hätte viel lieber einen "strafferen" Roman mit stärkerem Spannungsbogen gelesen, als in mehreren Kapiteln immer wieder Dr. M'Benga zu begegnen, der mit der Romanhandlung nichts zu tun hat. Gleiches gilt für die Scotty-Episode. Ich finde es grundsätzlich zwar ganz reizend, zu erfahren, wie er an diesen Schnaps kommt. Aber die seitenlange Episode hat mit der Romanhandlung nur an einer einzigen Stelle zu tun: Scotty bekommt die Anlaufadresse im Austausch gegen Ersatzteile, die von einem anderen Schiff benötigt werden. Lieb von Scotty - Vitamin B auf der Raumstation?! Und der Uniformwechsel...Ich muß das jetzt auch loswerden: Die neu eingeführten Miniröcke werden vom Autor mehrfach erwähnt incl. entsprechend hinterhechelschauender Männer. Natürlich ist einer davon Captain Kirk! Dieses Verhaltensmuster muß auch im Roman angesprochen und an mehreren Stellen fortgeführt werden. Kirks Charakterisierung beginnend in Kapitel 1 bis zum Romanende empfand ich übrigens durch diese Frauenthematik etwas zu sprunghaft. Was mich ehrlich gesagt auch irritiert hat, war der Reporter. Ich fragte mich 3/4 des Romans, weshalb ich als Leser immer wieder zu ihm zurückgeführt werde. Die entsprechende "Auflösung", also der Grund seiner Präsenz in diesem Roman, war für michenttäuschend. Wenn ein Charakter über den gesamten Roman hinweg so wie Pennington aufgebaut wird, erwarte ich als Leser mehr von ihm. Ja, er ermittelt und schreibt eine Story, aber was bewirkt diese Story im Verhältnis zum Romanthema? Schade, aus meiner Sicht verschenktes Potential.
 
Eine Starfleetstation im tiefen Raum, die Enterprise als bekanntes Trek-Element - jedoch kein Haupthandlungsträger -, Personalvorstellung, dubiose Händler, Geheimnis um die Station und den Planeten Ranavar IV, Aliens und die Förderation zwischen zwei Parteien im kriegsgefährdeten Gebiet. Kommt das noch jemandem bekannt vor? Natürlich kann man Vanguard nicht mit DS9 gleichsetzen, aber ich erkenne schon deutliche Parallelen. Daher finde ich bislang auch nicht, daß dieser Roman das Star-Trek-Universum um etwas gänzlich neues erweitert. Möglicherweise wird sich dies aber in weiteren Bänden dieser Reihe herauskristallisieren.

Ich habe den Eindruck, daß der Autor es zu vielen "Herren" recht machen wollte: Ein neuer Schauplatz, ein Geheimnis, durchaus liebevolle Ehrbezeugung an die Trek-Serie durch Aufgreifen bekannter Fakten, Charaktere und Auffüllen von Lücken, das Stillen des Bedürfnisses nach neuen Abenteuern der Enterprisecrew... David Mack bringt all das in seinen Roman ein, leider auf Kosten des Ranavar-IV-Spannungsbogens. Dieser steigt nur langesam an, erreicht einen Höhepunkt ... und ehe ich mich versah, war alles vorbei und ich überlegte, ob ich irgendwo etwas verpaßt hatte, bevor das Leben auf Vanguard und der Enterprise weiterging. Als Fan, das gebe ich zu, habe ich mich über die vielen Anspielungen gefreut. Und ich finde es ganz wundervoll, daß sich die Station Vanguard in der Nähe des tholianischen Raums befindet, spannend!  Ich hätte mir halt nur mehr Ausgewogenheit zwischen den einzelnen Komponenten der Story und insgesamt einen stärkeren Spannungsbogen gewünscht.

Wie gesagt, handelt es sich hier um einen serieneinleitenden Roman. Für mich bleibt abzuwarten, wie sich die Romanreihe um Vanguard weiter entwickelt. In gewisser Weise werden Erinnerungen an die Pilotfilme der Trek-Serien wach, bei denen ich manchmal das Gefühl hatte: "Ja... schau mal weiter, die Serie  muß sich erst finden ..." Diese Chance will ich auch dieser Romanserie einräumen.

Was mir z.B. noch aufgefallen ist - geringfügige Spoilergefahr -: 
- Schön, daß die 47er Tradition auch in diesem Roman fortgeführt wird.
- Ich habe etwas Probleme mit der Vorstellung, daß zu der Zeit, in der der Roman spielt, bereits ein Andorianer und ein Tellarit Mitglied der Sternenflotte sind.
- Ehrlich gesagt irritiert mich auch die Vorstellung, daß auf Vanguard und insbesondere auch auf Kronos jeweils ein tholianischer Botschafter ist.
- Quinn, ein der an den Grenzen der Legalität - und darüber hinaus - agierenden "Unternehmer" ist mehrfach geschieden, eine seiner Exfrauen heißt Molly, eine Denise - meine Gehirnzellen lieferten dazu O'Brian und Crosby
- Quinns Schiff heißt Rocinante, sein Vorname ist Cervantes :) Er wird verprügelt, hat Witz, durchaus Ehrgefühl und ist ab Romanende auf seinem Schiff nicht mehr allein ...
- Pennington wird um 0338 wach "... eine Zeit, von der sein Vater immer behauptet hatte, dass sie "nicht so real wie andere Tageszeiten" war, sondern ... wie ein Niemandsland für die Seele..." (S.306). Ich mußte umgehend an den Charakter Iwanowa auf Babylon5 denken, die in Staffel 4, 1. Folge, sinngemäß erklärt, daß ihr Vater immer sagte, zwischen 3.00 Uhr 4.00 Uhr ist die Stunde des Wolfes, in der man nicht schlafen kann und über sich selbst und das Leben nachdenkt.

Ich habe keine Ahnung, ob diese Anklänge vom Autor gewollt sind oder nicht.Er selbst spricht in seinem Nachwort davon, daß er sich in seinem Roman bei der Namensgebung (Personen und Orte) von der Neufassung von Battlestar Galactica inspirieren ließ. Diese Serie habe ich offenbar zu lange nicht mehr geschaut, denn letzteres ist mir nicht aufgefallen ;)

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