Sonntag, 21. März 2010

Urlaub in Leipzig 2010 - Tag 5

Ah ... für die Neugierigen unter Euch: Heute war es - zumindest in der Zeit, in der ich da war - auf der Messe nicht so voll wie gestern. Ich hatte ja doch einen kleinen Angstschub, daß heute so etwas wie ein Familientag stattfinden würde und ebenso viele Menschen wie gestern - oder sogar mehr - kommen würden. Aber nein :)

Heute morgen hatte ich recht Mühe, meine Beine um 07.00 Uhr aus dem Bett zu schwingen, da ich erst gegen halb drei in der früh eingeschlafen war. Dusche und ein kräftiger Kaffee wirkten dann aber erneut ihren Zauber und so stand ich pünktlich im Nieselregen an der Straßenbahn und fuhr zum Neuen Messegelände. uch Seychella habe ich heute morgen wieder im Eingangsbereich getroffen und mich mit ihr zu der Tarean-Lesung verabredet.

Zunächst bin ich aber in die Halle 3 gegangen (diverse Sachbuch- und Hörbuchverlage) und schlenderte etwas herum, bevor um 10.30 Uhr der Astronom und Physiker Dieter Bernard Herrmann sein Sachbuch "Der Urknall im Labor" vorstellte. Die Zeit für die Autoren ist ja regelmäßig auf 30 Minuten begrenzt und so hatte sich Herr Herrmann dafür entschieden, etwas zur Materie zu erzählen, dann das Nachwort zu lesen und im Anschluß ggf. ein paar Fragen zu beantworten. Sein Sachbuch beschäftigt sich mit den Möglichkeiten, die der LHC, der bislang größte und leistungsfähigste Teilchenbeschleuniger in der Nähe von Genf birgt. D.B. Herrmann wies darauf hin, daß die Physik derzeit nicht in der Lage sei, die Ereignisse zum Zeitpunkt "Null" zu beschreiben. Aktuell gingen er und andere Physiker davon aus - gesichert sei es halt nicht -, daß in diesem Zeitpunkt Temperatur und Dichte unendlich, die Ausdehnung der Materie dagegen null gewesen sei. Insbesondere durch theoretische Physik könne man darstellen, was ab einem Zeitpunkt von "10 hoch minus 43" sekunden nach Null stattfindet. Über den LHC erhoffe man nun experimentelle Beweise, die vermutlich zu weiteren Fragen führen würden Auch würde man hoffen, durch den LHC die Existenz von Hicks-Bosonen (ich hoffe, man schreibt sie auch so ) sowie von dunkler Materie nachweisen können - beides sei derzeit nur theoretisch herleitbar.

Im weiteren Verlauf ging es noch darum, ob es eine "Weltformel" geben könnte. Man hatte früher gedacht, daß biologische Prozesse auf chemische Reaktionen zurückzuführen wären, chemische Reaktionen durch Physik (wechselwirkende Kräfte) erklärlich werden, man also durch eine solche Reduktion vielleicht zu einer Weltformel gelangen könnte, die die verschiedenen Prozesse beschreibt. Mit der Entwicklung der Quantenphysik wurde aber deutlich, daß man die mannigfaltigen Wechselwirkungen der lebenden Materie nicht durch unbelebte Teilchen beschreiben kann: Ob es nun soziale Wechselwirkungen zwischen einzelnen Menschen im großen sind oder die unvorhersagbaren Wechselwirkungen tausender Elektronen im "Fluß" von einer Stromquelle zu einem Empfänger: Diese Umstände können nicht formelhaft dargestellt werden. Wäre es anders, müßten wir in letzter Konsequenz davon ausgehen, daß alles im Universum berechenbar und damit vorherbestimmt ist (eine Vorstellung, die mir persönlich nicht behagt). Dieter B. Herrmann zitierte Aristoteles, der diese Erkenntnis bereits formuliert habe: "Das Ganze ist mehr, als die Summe seiner Teile". Ich war ja in Versuchung, sein Sachbuch mitzunehmen. "Gerettet" wurde ich dadurch, daß "Der Urknall im Labor" eigentlich noch gar nicht erschienen ist und nur ca. 10 Exemplare für die Messe extra gebunden wurden, die auch gleich weg waren

Von dieser sehr wissenschaftlichen Präsentation schlenderte ich an einer musikalischen Darbietung - Klavier und Streicher, gespielt wurden Kompositionen aus Lateinamerika - vorbei in die Halle 2 zu "Tarean" und den Kristalldrachen. Bernd Perplies las aus Teil 2 seiner Trilogie eine Szene in einem Wirtshaus. Und wie präsent der Wirt in der Lesung wurde, klasse!

Ich bin auch gleich mit Seychella auf der Fantasy-Leseinsel geblieben, da sich an die Lesung von Herrn Perplies diejenige von Gesa Schwartz anschloß. Für sie war es eine Premiere: die erste Lesung! Und sie hatte ein tolle Szene aus ihrem Roman "Grim" gewählt. In dieser Szene erfuhr man etwas über Grim und lernte den ominösen "Kartenmann" kennen, sie war ziemlich gruselig und wurde gut gelesen. Das Ergbnis ist, daß ein weiteres Buch auf meiner to-read-Liste erscheint

Eigentlich wollte ich danach einer Lesung von Brigitte Riebe zu "Die Prophetin vom Rhein" in Halle 5 beiwohnen, allerdings fiel sie wegen Krankheit der Autorin aus. Ich bin daraufhin erneut in die Halle 3 abgewandert und habe mich dort etwas umgeschaut. Besonders ist mir die Buchpräsentation des Mitteldeutschen Verlages dabei ins Auge gefallen:


Schließlich bin ich bei der Präsentation des neuen Kataloges von Ulrich Forchner gelandet. Letzterer ist Zeichner, Illustrator, Karikaturist und hat unter anderem früher Zeichnungen im "Das Magazin" veröffentlicht und im In- und Ausland ausgestellt. Inzwischen ging es auf halb zwei und ich begab mich zum letzten Mal in die Halle 2 auf die Fantasy-Leseinsel. Dort habe ich mich von Seychella verabschiedet, die sich ein Buch von Ju Honisch, deren Lesung gerade endete, signieren lassen wollte und keine Lust hatte, mir bei der Lesung von Lena Klassen aus "Magyria", einem Vampirroman Gesellschaft zu leisten. 
Das Setting in Magyra unterscheidet sich allerdings erneut ein wenig von den klassischen Vampirromanen. Magyria ist die Heimat der Schatten,die in die menschliche Welt wechseln, hier Blut trinken und dadurch ihre Kräfte stärken, um in Magyria die Stadt des Lichts zu unterwerfen. Der Roman spielt auch in diesen zwei Welten und beschreibt zum einen den Kampf in Magyria und zum anderen, wie die Protagonistin Hanna in Budapest versucht, die Vampire zu bekämpfen. Auch Lena Klassen hatte zwei interessante appetitanregende Szenen gewählt *seufz*, noch etwas für die Liste

Nach dieser Lesung habe ich mich aus den Hallen der Buchmesse verabschiedet, meine Füße machten sich doch nachdrücklich bemerkbar


Alle Fotos aus diesem Urlaub incl. der restlichen heutigen findet ihr hier:

Urlaub in Leipzig zur Buchmessezeit 2010

Inzwischen habe ich meine Sachen zusammengesucht und insbesondere meine Neuanschaffungen vorsichtig im Trolley verstaut. Ein frisch gebrühter Kaffee leistet mir bei diesem Post Gesellschaft.

Ich bin etwas müde, wenn ich ehrlich bin. Damit meine ich nicht, daß ich jetzt schlafen könnte, sondern daß mich die Messetage insgesamt gefordert und beansprucht haben. Von Leipzig habe ich dieses Jahr wenig gesehen, in Museen war ich gar nicht, aber ich habe dafür dieses Mal viel mehr von der Buchmesse gesehen, aufgesogen, erlebt. Die letzten Tage waren intensiv, überwiegend befriedigend und verführerisch. Nicht umsonst habe ich zwei Bücher direkt nach den Lesungen gekauft, ein Leseexemplar mitnehmen können und drei weitere Bücher erworben. Und dann ist auch noch die to-read-Liste angewachsen, interessanterweise hauptsächlich durch Fantasy-Lektüre

Morgen früh um halb zehn fährt mein Zug hier vom Leipziger Hauptbahnhof ab, das Hotel habe ich bereits bezahlt, so daß ich morgen nach dem Duschen und dem Frühstück auch direkt abreisen kann. Ich freue mich bereits auf Merlin und Marlowe (gut, daß ich Bestechungs-Thunfisch gekauft habe) und darauf, endlich wieder mit ihnen zu kuscheln ...

Kommentare:

  1. Sag mal, was ist das eigentlich für ein grünes Plüschtier? Habe ich ja noch nie gesehen und ich finds irgendwie knuffig. :)

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  2. Liebe Natira,
    ich finde, Du hast alles Recht der Welt, müde und erschöpft zu sein, nachdem Du soviel erlebt hast in den letzten Tagen. Aber ich habe das Gefühl, dass Du unheimlich viel mitgenommen hast - und somit sicher die Strapazen und die MuM-Sehnsucht vergessen, und nur die schönen Momente der Buchmesse 2010 in Erinnerung behalten wirst. Ich hoffe, Deine Jungs lassen sich vom Thunfisch schnell erweichen und dass Du, kaum zu Hause angekommen, schon vollgeschnurrt wirst.
    Liebste Grüsse und gute Heimfahrt für Poe und Dich (gut, dass er Dich begleitet hat - Ihr zwei hattet scheinbar eine super Zeit zusammen, nicht wahr?!)

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  3. Du hattest eine tolle Zeit und das finde ich super! Ich wünsche Dir auf jeden Fall eine gute Heimreise!

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  4. Oh, und du hast so tolle Fotos! Ich habe meine gerade angeschaut und könnte heulen. Die meisten sind zu dunkel oder unscharf... *schluchz*

    Und zu meiner Verteidigung bzgl. der ausgelassenen Vampir-Lesung: Ich hatte doch schon eine (Blutkristall), außerdem gab es bei Salzträume ja auch einen Vampir - und die vorgelesene Stelle drehte sich um ihn und seine Begleitung. So! Außerdem war mir schon schlecht vor Hunger, immerhin saß ich ja seit morgens auf der Fantasy-Leseinsel fest...

    Wie sieht es jetzt eigentlich mit Tarean und dir aus? ;) Und verspürst du wenigstens ein klitzekleines Bedauern darüber, dir beim Fantasy-Abend kein Buch signiert haben zu lassen?

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  5. @Tine:
    Das ist Poe, mein neuer Untermieter. Es ist ein uglyDragon und verwandt mit Waggy, meiner uglyDoll. Poe ist ein neugieriger uglyDoll, wie man an den Leipzig 2010 Post sehen kann, aber auch frech (vgl. Projekt52-Coffee!)

    @Sayuri
    Meine MuM's waren sehr gnädig zu mir und habe mich lieb und schnurrig empfangen! Und ja, die Messe war insgesamt befriedigend :)

    @Soleil
    Danke! Reizenderweise konnte ich die Tage abends kaum noch laufen, heute konnte ich kurz vor daheim nicht mehr sitzen :D

    @Seychella
    Das mit den Fotos ist ja ärgerlich. Ich schicke Dir aber noch die besprochenen per Mail.
    Im übrigen ist Tarean nicht so recht mein Beuteschema. Ich habe aber einen Jungen im Kopf, dem ich Tarean und auch den Drachenflüsterer empfehlen werde ;) Ehrlich, hätte ich meine Bücher von B. Hennen u. V. Schlederer mitgehabt, hätte ich sie auch signieren lassen, aber diese Brocken wollt ich halt nicht mitschleppen, ich werde es überleben :D

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