Sonntag, 21. März 2010

Urlaub in Leipzig 2010 - Tag 4

Heute kam ich bei Nieselregen am Neuen Messegelände an und traf auf dem Weg von der Straßenbahn zum Eingang auch gleich Seychella. Erst einmal an dieser Stelle, wie Sey versprochen:

Viele Grüße von Seychella in die Blogosphäre!

Wir beide sind auch gleich am "Blauen Sofa" stehengeblieben, da dort um 10.00 Uhr Nina Blazon ihr Buch "Schattenauge" vorstellen würde. Auch Claudia Toman fand sich am Blauen Sofa ein :). Die Gesprächsführung durch die Moderatiorin, deren Name ich nicht kenne, fand nicht nur ich unglücklich. Sey und auch Claudia schüttelten jeweils unabhängig voneinander den Kopf. So erklärte die Moderatorin zum einen, daß Nina Blazon DIE Fantasyautorin ist, der Bereich ja sonst mehr von den englisch-sprachigen abgedeckt werden (!) und, daß starken Frauenfiguren in Fantasyromanen ja eher selten wären (!) Ähm, ich lese nun wirklich nicht sooo viel Fantasy und in mir regt sich bereits Widerspruch ... Davon mal abgesehen, hat mir Nina Blazon ihr aktuelles Buch "Schattenauge" schmackhaft gemacht. Die Autorin wirkt total sympathisch. Wie sie erklärte, habe sie den Roman in der Gegenwart angesiedelt mit Fantasy-Elementen. So habe jeder Mensch einen "Schatten", der auch in Zeiten des Umbruchs (z.B. Pubertät) hervorkomme. Manche Menschen würden ihn dann jedoch wieder gehen lassen, andere nehmen ihn an und leben ihn aus, was bedeutet, daß sie verstärkte kätzische Fähigkeiten haben. Dabei verwandeln sich die Menschen nicht etwa in Katzen, sondern werden von ihrem katzenspezifizischen Schatten überlagert. Das Konzept erinnerte mich entfernt an Pullmanns "Goldenen Kompaß", aber halt nur entfernt. In den Roman möchte ich gern mal hineinlesen .

Zu diesem Zeitpunkt - ca. 10.30 Uhr - sah es am Westeingang übrigens so aus:


Ich habe mich jedenfalls in die Halle 5 begeben, weil ich dort eigentlich der Lesung zu "Achanta - Der Gefährte" von Jacuqeline Gödel beiwohnen wollte. Diese Lesung war aber bereits in vollem Gang und mir fehlte der Anfang, also ging ich in die Halle 3, um - wie ich dachte - Isabel Abedi lesen zu hören. Sie hat allerdings "nur" eine Signierstunde abgehalten, so daß ich dann in die Halle 2 übergewechselt bin zu Jeanine Krock und "Blutkristall".

Da mich das, was ich hörte, doch nicht so interessierte, bin ich zum Mosaik-Stand in Halle 2 gegangen. Mit den Abrafaxe, deren Abenteuer im Mosaikheft beschrieben werden, bin ich groß geworden.
Allerdings war es für mich schwierig, aus dem Comicbereich von Halle 2 wieder wegzukommen ... Durch die unglaublichen Menschenmassen in diesem Bereich wurde ich an diversen Manga-Comicständen und Verkaufsständen vorbeigeschoben, stoppte kurz beim Japanischen Teegarten
und später auch an einem weiteren Comicstand. Dort habe ich das neue Werk von Enki Bilal "AnimalZ" gesehen. Die Zeichnungen wirkten auf mich wie auf grauen Karton mit Pastellkreide in Grau-, Braun- Schwarz und Weißtönen gezeichnet mit gelegentlichen punktuierten Rot. Eine seiner weiblichen Personen erinnert mich allerdings stark an die blaue Frau aus dem Nikopol-Zyklus (deren Namen mir dummerweise entfallen ist).

Die Massen haben mich dann erneut an der Fantasy-Leseinsel vorbeigeführt, wo gerade Markus Heitz aus seinem Kinderfantasy-Roman "Drachenkaiser" las. Ich kenne bislang nur "Kinder des Judas" von ihm und hatte heute etwas Mühe, mein Bild des Autors mit dem toll für Kinder Vorlesenden in Einklang zu bringen . Danach bin ich zu dem Stand der Zeit aufgebrochen, um mir Frau Jana Hensel's Gespräch mit Herrn Schirmer zu verfolgen. Aber zunächst mußte ich erst einmal Poe zusammen mit dem Messemännchen fotografieren. 
Bei dem Stand der Zeit ging es ging um das aktuelle Buch von Jana Hensel "Achtung Zone". Ich hatte etwas Mühe, Frau Hensel zu folgen, irgendwie schien sie mir Probleme zu haben, ihre Argumente in Worte zu fassen. Wenn ich sie richtig verstanden habe, wollte sie beginnend ab 1989 die Nachwendezeit bis 2009 bilanzieren. Sie sei es leid gewesen, immer die gleichen Fragen zum Stichtag 1989 zu hönren, weil sie an sich bemerkt habe, immer mehr standardisierte Antworten zu geben. Sie erwähnte auch den Umstand, daß sie ein und dieselbe Geschichte einem Ostdeutschen anders erzählen würde als einem Westdeutschen, weil die Erfahrungshorizonte verschieden seien. Wie gesagt, ich empfand das Gespräch wirr und bin leicht frustriert dort fortgegangen. Ich bin nicht in der Lage, zu sagen, worum es Jana Hensel nun in ihrem Buch geht, ich konnte keinen Eindruck aufgrund dieses Gespräches gewinnen

Nach dieser unergiebigen halben Stunde habe ich erst einmal Luft geschnappt und die Sonne genossen, die mittags herauskam. Außerdem habe ich mir ein antiquarisches Buch gekauft, und zwar Old Possums Katzenbuch von TS Eliot in englisch incl. deutscher Nachdichtung :) Da ich mir die Lesung von Kai Meyer zu "Arkadien erwacht" um 15.00 Uhr anhören wollte, machte ich mich recht früh auf den Weg in die Halle 2, was eine äußerst gute Idee war. Wirklich unglaublich, wieviele Menschen sich durch die Hallen und Röhren bewegt haben. Das anstrengende war dabei nicht nur die Menge, sondern auch, daß die Leute unterschiedlich schnell gehen, stehen bleiben (gern mittig) und außerdem die Luft immer schlechter wurde! Als ich endlich auf der Fantasy-Leseinsel ankam, war noch Judith Pere am Vorlesen aus ihrem Buch "Die Tänzerin des Pharaos". Leider las die junge Autorin trotz entsprechender Bemühungen nicht lebendig, so daß ich dem Vortrag auch nicht weiter folgte.

Kai Meyer erschien pünktlich um 15.00 Uhr und las entspannt und gut gelaunt eine Szene aus "Arkadien erwacht". In der anschließenden Fragezeit gab er zu, daß die weibliche Protagonistin Rosa ihm bislang die liebste seiner Romanfiguren ist und, daß zwei weitere Teile folgen werden. Auf Nachfrage erklärte er auch, daß von seinen Werken bislang nur "Das Gelübde" verfilmt worden sei. Die angedachte Trickfilmversion der "Wellenläufer"Geschichten scheiterte leider aufgrund der eingetretenen Wirtschaftskrise, die dazu führte, daß das amerikanische Filmunternehmen absagte.

Passend zum Gesprächsende war mein linker Fuß eingeschlafen und mir war angesichts der schlechten Luft übel in Verbindung mit leichtem Kopfdruck. Ich habe mich daher, wie von mir am Morgen auch bereits überlegt, nach dieser Lesung zum Ausgang begeben und hatte dabei gegen 15.15 Uhr folgenden Blick auf den Ein-/Ausgangsbereich.

Ohne dabei Fotos zu machen, bin ich in Leipzig etwas durch die Innenstadt gelaufen und habe mir im Hugendubel noch einen Kaffee gegönnt, bevor ich mich wieder Richtung Hauptbahnhof begab. Dort habe ich mich gegen fünf mit Seychella getroffen, um halb sechs haben wir dann zwei Stühle (erste Reihe) der Buchhandlung Ludwig in Beschlag genommen und pünktlich um 18.00 Uhr begann der Fantasy-Lese-Abend. Nacheinander lasen fünf Fantasy-Autoren, die ihre Werke im Heyne-Verlag veröffentlicht haben. Boris Koch las wunderbar engagiert aus seinem Roman "Drachenflüsterer 2", einem Kinder-Fantasy-Buch. Danach las Bernhard Hennen aus "Elfenkönigin", wobei ich die Passage allerdings schon aus der Lesung vom Freitag kannte. Mit wunderbarem östereichischen Dialekt las dann Viktoria Schlederer aus "Des Teufels Maskerade", danach folgte Christoph Hardebusch mit "Die Werwölfe" (er hat eine tolle Stimme). Am witzigsten und lebhaftesten trug allerdings Oliver Dierssen aus "Fledermausland" vor, der Saal klang vor Lachen wieder. Diesen Roman muß ich auch mal zu Gemüte führen .

(von links nach rechts: Christoph Hardebusch, Bernhard Hennen, Oliver Dierssen, Moderatorin Frau Weise - glaub ich -, Viktoria Schlederer und Boris Koch).

Nach den Lesungen gab es Gelegenheit für Fragen an die Autorenrunde. Unter anderem ging es um die Frage, was die Autoren mit Ideen anfangen, die ihnen im Verlauf des Schreibens kommen und ja nicht unbedingt das aktuelle Projekt betreffen (ggf. werden sie eingearbeitet, falls es nicht paßt: Notiz und archivieren oder Verarbeitung in einer Kurzgeschichte oder einem Skript für später). Eine andere Frage zielte in Richtung Recherche. Viktoria Schlederer erklärte hier erheiternd selbstkritisch, daß sie ein Recherche-Fan sei und ggf. auch etwas zu detailliert vorgeht, ohne daß dies Eingang in ihren Roman finden würde.Die Runde war gut wirklich gut gelaunt. Natürlich waren die Autoren danach noch bereit, ihre Romane zu signieren. Da sich meine Exemplare von "Elfenwinter" und "Des Teufels Maskerade" trocken und sicher daheim befinden, habe ich von dieser Möglichkeit allerdings keinen Gebrauch machen können. Nach der Lesung habe ich mich daher von Sey verabschiedet und bin zurück ins Hotel.

Alle Fotos aus diesem Urlaub incl. der restlichen heutigen findet ihr hier:

Urlaub in Leipzig zur Buchmessezeit 2010

Inzwischen ist es ja etwas später und ich sehe die Wiederholung von "Castle" auf K1.Die Folge heißt "Reich und Tot" und eines der Opfer heißt Susan Delgado. Klingelt es bei diesem Namen auch noch bei jemand anderem? Ich dachte spontan an Stephen King und Roland, den Revolvermann... Nur mal so am Rande ;)

Den Tag heute empfand ich als sehr anstrengend. Um so mehr erstaunt es mich, daß ich immer noch wach und relativ fit bin. Das Hotelbett ist in Ordnung, ich kann gut in ihm schlafen. Und um diese Uhrzeit ist es im Hotel ruhig. Ich glaube, ich bin vielleicht sogar die einzige, die im Haus noch wach ist und Geräusche verursacht bzw. durch den TV verursachen läßt. Nach 24.00 Uhr fährt auch die Straßenbahn kaum noch, so daß auch von draußen kaum störende Geräusche zu hören sind. Gut, ich bin in einer fremden Stadt und mir fehlen meine MuM's, aber nach den letzten ebenfalls relativ kurzen Nächten (ca. 5 Stunden) und dem ständigen "auf den Beinen sein", sollte ich spätestens um 23.00 Uhr wie ein Stein ins Bett fallen und schlafen, hm

Wie auch immer, ein wenig gruselt es mich vor dem morgigen Tag. Ich befürchte, es wird noch voller sein, als heute ... Nun, ich werde es sehen

Kommentare:

  1. Uff, ich bin schon erschöpft, wenn ich nur von den vielen Menschenmassen lese!

    Aber trotz des anstrengenden Geschiebe durch die Messehallen, habe ich das Gefühl, dass du deine Zeit in Leipzig wirklich gut nutzt. Ein paar der Lesungen hätten mich auch sehr interessiert - so langsam werde ich doch neidisch.

    Uuuund ich habe dich noch sehr spät online gesehen - ich hoffe, du bist heute fit genug, um den Tag zu überstehen. ;) Ich denke, die kurzen Nächte liegen daran, dass du erst einmal all die Eindrücke verarbeiten musst. Egal wie müde der Körper ist, irgendwie braucht der Kopf nach solchen Tagen noch etwas Zeit für sich ... ;)

    Ich hoffe, du hast heute viel Spaß - und schönen Gruß an Seychella! :)

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  2. Ich muss Winterkatze zustimmen: die Menschenmassen, die man im Post sieht und von denen Du schreibst, lassen auch mich in Panik erstarren.
    Und doch - für ein, zwei Lesungen wäre das wohl auch was für mich gewesen. Ich weiss nur nicht, ob ich damit auf Dauer so gut klarkommen würde ;)
    Aber Respekt: du erlebst wirklich viele tolle Sachen und nutzt Deine Zeit vorbildlich :) Bin gespannt, wie Dein letzter Messetag ist...

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  3. @winterkatze
    Ich war gestern in der Tat noch lange auf. Würde ich die Zeit anzeigen lassen, hättet ihr sehen können, daß der Post gegen halb zwei online ging ;). Den Gruß an Sey konnte ich leider nicht mehr ausrichten, ich habe Deinen Kommentar erst nach meiner Rückkehr von der Messe gelesen. Inzwischen dürfte sie bald wieder zu Hause sein

    @sayuri
    Gott sei Dank war es heute nicht so schlimm. Zwar waren auch an den anderen Tagen die Grafik- und Sachbuchforen immer etwas "leerer", aber die Hallen waren voll. Heute war das Schlendern in Halle 3 und 5 erholsam, Halle 2 - Fantasy- und Comicbereiche - war auch heute wieder voller, aber bei weitem nicht so wie gestern. Ich habe tatsächlich mal einen Hockersitzplatz auf der Fantasy-Insel bekommen :)

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  4. Oh, da steht ja ein Gruß für mich - vielen Dank, Winterkatze! :)

    Wegen mir musste Natira tatsächlich in die erste Reihe, glücklicherweise hat sie aber den direkten Augenkontakt zu den Autoren gut überstanden. ;)

    Die Gelegenheit zum Signieren habe ich natürlich mal wieder ausgenutzt, mit einem tollen Ergebnis. Allerdings muss ich mich wegen einer jetzt wohl öfter mal ein wenig verteidigen, das ging heute ja schon los... *rotwerd*

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  5. @Seychella: Gern geschehen! Den wollte ich schon die ganzen Tage, die Natira von euren Erlebnissen berichtet hatte, ausrichten lassen - und dann fiel es mir immer erst ein, wenn der aktuelle Kommentar schon längst abgeschickt war. *chaotisches Wesen*

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