Samstag, 27. März 2010

"Keiko" von Jamie Ford

Um dieses Buch bin ich bereits längere Zeit herumgeschlichen. Das heißt, eigentlich bin ich um die gebundene Ausgabe herumgeschlichen, zuletzt in Bielefeld :) Als ich mich endlich zum Kauf entschlossen hatte und es im T* hier vor Ort kaufen wollte, war es nicht da. Und dann bin ich auf der Messe, laufe am Stand des bloomsbury-Verlages vorbei und was sehe ich dort? Auf einem Stapel mit Leseexemplaren liegt die Taschenbuchausgabe von "Keiko"! Also habe ich mich sehr brav vorgestellt und um ein Leseexemplar gebeten ... und bekommen :)

Worum geht es:
Der knapp 53jährige Henry sieht zufällig, wie die neue Eigentümerin des Seattle Panama Hotels der Presse Objekte präsentiert, die dort im Rahmen der Renovierungsarbeiten im Keller gefunden wurden. Das Hotel selbst war seit gut 40 Jahren geschlossen. Es lag im früheren japanischen Bezirk Nihonmachi  und, wie Henry weiß, hatten viele Japaner kurz vor der Zwangsinternierung dort im Keller private Kostbarkeiten wie Fotoalben, Kleidung etc. in Sicherheit gebracht. Bei den Sachen, die der Presse präsentiert werden, befindet sich ein Bambusschirm. Henry ist überzeugt, daß dieser Schirm Keiko gehörte, dem gleichaltrigen japanischen Mädchen aus seiner Schule. Henry fühlt sich zu Keiko hingezogen, aber auch Nihonmachi wird geräumt ...

Nachlese
Ich habe, wie gesagt, die 384seitige Taschenbuchausgabe des deutschen Berlinverlages gelesen, die dasselbe Cover trägt, wie die gebundene Ausgabe. Aus dem Amerikanischen übersetzt hat Werner Löcher-Lawrence und ich finde - das Original kenne ich ja nicht -, daß der Text sehr stimmig ist. Der Autor Jamie Ford ist chinesischer Abstammung und wuchs in der Nähe von Seattles Chinatown auf.  Ins einem Nachwort erklärt der Autor, daß der Roman auf historischen Ereignissen beruht, auch das Panama Hotel existiert.

In zwei Zeitebenen 1942 und 1986 wird der Leser in Henrys Erlebnisse einbezogen. 1942 lernt der damals 12jährige Henry Keiko kennen. Beide besuchen eine sogenannten "weiße" Schule. Henry und Keiko sind dort Außenseiter und werden von den Schülern nicht akzeptiert, vielmehr angegriffen. Aber auch in ihre jeweilige Gemeinde passen sie nicht mehr, weil sie auf die "weiße" Schule gehen. 1986 sieht Henry den Bambusschirm und erinnert sich an seine Kindheit und seine schwierige Beziehung zu seinem Vater. Heute hat er selbst einen erwachsenen Sohn, der Kontakt ist nicht einfach.

Henry und Keiko sind mir ans Herz gewachsen. Ich sehe die beiden vor mir, wie sie Sheldon lauschen. Ich bin dabei, wenn sie in der Schule ihr "Stipendium" erwirtschaften. Einfühlsam erschafft J. Ford ein Bild von Seattle nach dem Angriff von Peal Harbour aus Sicht der jungen Protagonisten. Die Liebesgeschichte wird ohne Klischees erzählt und ist aus diesem Grunde so glaubhaft. Ohne belehrend zu wirken vermittelt er nicht nur die vorherrschenden Vorurteile und die Angst der "weißen" Amerikaner vor der japanischstämmigen Bevölkerung, sondern bringt auch den Konflikt China/Japan zur Sprache. In seinem Nachwort zu diesem Roman führt Jamie Ford aus, daß er keine morlische Anklage erheben wollte. Aus meiner Sicht ist ihm dies gelungen. Sicherlich wird dem einen oder anderem Leser einen Figur besonders nahe gehen, manche Charaktere folgen dem gut-böse-Schema stärker. Aber die Hauptfiguren entwickelt Ford nachvollziehbar und differenziert. Wie vom Autor vorgesehen, bleibt die Wertung der Ereignisse beim Leser.


5,0 *

Kommentare:

  1. Oh, das klingt nach einem sehr guten und interessanten Buch, welches gut in mein Beuteschema passen könnte ... Nene, das ist aber gar nicht nett, wieder was für meine Leselist zu rezensieren! ;)

    Hm, die Bibliothek hat nur die Hörbuchversion und da bin ich misstrauisch und befürchte, dass es eine gekürzte Fassung ist ...

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  2. Weißt Du, dann hebe ich Dir das Buch auf, ich könnte es Dir z.B. im Spätsommer leihen ... Bis dahin ist Deine Leseliste bestimmt gleich groß? *lach*

    Lg Natira

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  3. Ohja, leihen hört sich gut an! Ich höre nämlich nur dann gekürzte Hörbücher, wenn ich das Original schon kenne - und versuche mich dann nicht allzu sehr über die Kürzungen aufzuregen. ;)

    Aber meine Leseliste wächst wirklich in einem erschreckenden Maße, wenn diese ganzen Buchblogger nur nicht so begeistert von den gelesenen Romanen wären ... >seufz<

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  4. "Aber meine Leseliste wächst wirklich in einem erschreckenden Maße, wenn diese ganzen Buchblogger nur nicht so begeistert von den gelesenen Romanen wären"

    Ein wahres Wort gelassen (siehst Du, keine Neurose/n) ausgesprochen :D!

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  5. Das macht die jahrelange Übung ... ;)

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