Samstag, 6. März 2010

"Der erste Lehrer" von Tschingis Aitmatow

Im letzten Jahr habe ich während der Leserunde in Mellis Bücherforum mal wieder "Dshamilja" von Aitmatow gelesen. Ich liebe diese Geschichte und kann sie immer wieder lesen. Die Geschichte "Der erste Lehrer" habe ich mir aufgrund Eddas Empfehlung gekauft.

Worum geht es?
Der namenlose Erzähler ist Maler und kehrt anläßlich der Einweihung der neuen Schule in sein Heimatail Kurkureu zurück, ebenso wie die dort aufgewachsene viel ältere Altynai, die Philosophie studiert hat. Während der Erzähler nur den Hügel mit den zwei Pappeln kennt und als Junge dort seine Zeit verbrachte, dort wo "Düischens Schule" stand, ist Altynai an diesem Ort zur Schule gegangen. Altynai erzählt dem Maler ihre Geschichte und was sie mit Düischens Schule verbindet.


4,0 * Nachlese
Auch "Der erste Lehrer" kommt als schmales Büchlein von nur insgesamt 95 Seiten daher. Ich habe die gebundene Ausgabe aus dem Kunstmann Verlag gelesen, auf deren Seite angegeben ist, daß es sich hierbei um die "einzige vom Autor autorisierte Ausgabe" handelt. Auf der letzten Seite sind wichtige Begriffe erklärt wie z.B. "Agai" oder auch - was mich irritiert, weil ich mit diesen Begriffen großgeworden bin ;) - "Jungpionier". Den Roman selbst hat Aitmatow lt. deutscher Wikipedia 1966 veröffentlicht.

Aitmatow hatte einen wundervollen Stil. Wenn er eingangs der Geschichte den Erzähler in Erinnerungen an seine Kindheit im Ail schwelgen läßt, seine Empfindungen, wenn er die Pappeln sieht, das Licht auf den Wegen, seiner Verbundenheit mit dem Flecken Erde, klingt alles in mir nach. Vielleicht liegt es daran, daß für mich die See ist, was dem namenslosen Erzähler der Hügel mit den Pappeln. Den kleinen Jungen, der die Pappeln hochklettert, hatte ich vor Augen ... Altynai gehört einer ganz anderen Generation an, hat eine ganz andere Kindheit im Ail verbracht. Ihre persönliche Geschichte ist anrührend ohne rührselig zu sein.

Trotzdem geht mir der Roman "Der erste Lehrer" nicht so nah wie "Dshamilja" oder "Frühe Kraniche", obwohl mich letztere angesichts des Ende frustriert zurückließ. Im Gegenteil zu den den beiden vorgenannten Geschichten wird in "Der erste Lehrer" mehrfach auf die glorreiche Sowjetmacht und Lenin Bezug genommen, trauert "die ganze Welt" bei Lenins Tod. Ich kann nicht beurteilen, ob Aitmatow seine Überzeugungen einfließen ließ oder nicht. Düischens beschriebene Reaktionen kann ich aber angesichts seiner geschilderten Vorgeschichte nachvollziehen. Als Aitmatow jedoch Düischens Quartiergeber, der nur das Leben im Ail kennt, tiefste Trauer nach Lenins Tod bekunden läßt, gingen meine Augenbrauen hoch, das war für mich nicht mehr glaubhaft .. Dennoch: 4,0 *

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