Dienstag, 2. März 2010

"Am Tag danach" von Francine Prose


Ich habe ja noch eine Nachlese nachzureichen. Gelesen habe ich das Buch bereits im Februar, Asche auf mein Haupt ;)

Worum geht es:
Tom und seine Freunde können es kaum fassen: An der benachbarten High School in Pleasant Valley gab es einen Amoklauf. Als Toms Schule nach einem Tag wieder geöffnet wird,  wird den Schülern der Katastrophen- und Krisenberater Dr. Willner vorgestellt. Obwohl es in der Schule ruhig ist, beginnt man dort, die Schüler auf Schritt und Tritt zu überwachen. Nach und nach kommen unter dem Mantel der Besorgnis immer weitere Vorschriften hinzu bis eine vollumfängliche Kontrolle der Schüler erreicht wird; wer aufmuckt, wird bestraft, wie Toms Freund Silas. "Sie lügen euch an" sagte Silas. "Und ihr merkt es nicht. Vor allem kapiert ihr nicht, dass das nicht nur bei uns passiert, sondern auch an vielen anderen Schulen. Die Leute verschwinden einfach und man hört nie wieder was von ihnen.

Nachlese
Ich habe die broschierte Ausgabe des Ravenburger Buchverlags gelesen, 288 Seiten Umfang. Das Buch kann gut aufgeschlagen werden, ohne daß gleich die Broschur leidet. Die Autorin liefert mit diesem Buch ihren ersten Jugendroman. Die Übersetzung erfolgte durch Ilse Rothfuss und erscheint adäquat. Brüche im Stil oder Syntax sind mir nicht aufgefallen (den Originaltext kenne ich ja nicht).

Die Autorin hat einen interessanten Ansatz gewählt und erzählt die Geschichte konsequent aus Sicht des jungen Teenagers Tom. Natürlich fühlt man sich dadurch sehr schnell mit Tom verbunden, taucht in seine Empfindungs- und Gedankenwelt ein. Allerdings sorgt dieser Ansatz auch für Probleme: Grundsätzlich muß es sich natürlich nicht nachteilig auswirken, sich auf die subjektive Wahrnehmung und Darstellung zu beschränken. Dann sollte der Autor aber auch alle Möglichkeiten nutzen, um Hintergründe und Motivation der anderen Charaktere dem Leser nachvollziehbar darzulegen. Hieran ist aus meiner Sicht Francine Prose gescheitert. Es wäre ihr möglich gewesen, durch Toms Aktionen - Internetrecherche, Gespräche mit Dritten - weitere Informationen darüber zu liefern, weshalb der Staat offenbar der Ansicht ist, diese Kontrollmechanismen in der Schule einzurichten. Auch bleibt offen, warum die Eltern die Entwicklung hinnehmen. Ich fragte mich also nach dem "warum" und "wie" und bekam leider keine Antwort.

Die Geschichte an sich ist wirklich interessant, leider aktuell und die Reaktionen des Staates durchaus vorstellbar, nur leider ist der Plot nicht konsequent umgesetzt: 2,5 *

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