Montag, 8. Februar 2010

"Revier im vierten Stock" von Norbert Klugmann

Als ich letzten Jahr in der Adventszeit meine Freundin in Baden-Würrtemberg besuchte, kam eines Abends ihr Nachbar vorbei. Wir tauschten uns über "Simon's Cat" aus und bei dieser Gelegenheit berichtete er von einem Buch, in welchem eine Hauskatze ihre Erlebnisse schildert. Der Titel enthalte auf jeden Fall die Worte "Revier" und "Stock". Wieder zu Hause konnte ich mich dank Amazon den Titel alsbald ermitteln. Auch dieses Buch kam auf den Stapel potentieller Bücher für den read-a-thon 2/2010 und wurde von  mir tatsächlich auch vor 24.00 Uhr gelesen.

Worum geht es?
Wie vorstehend schon angedeutet - und auch aus dem Titelnachsatz erkennbar - geht um es die "Bekenntnisse einer Hauskatze". Die 1  1/2 jährige Katze Nele wohnt im vierten Stock eines Mehrfamilienhauses. Der Roman, den sie aus der ihr eigenen originellen Sicht (Ich-Erzähler) geschrieben hat, beginnt damit, daß ihre "Aufrechten", nämlich Ute und Franz Joseph, keuchend den Einkauf in den vierten Stock schleppen, in der am Abend offenbar eine Versammlung stattfindet. Die Wohnung muß sich Nele außerdem mit dem kleinen Aufrechten Benny teilen und der Wasserschildkröte Veronika. In ihren "Bekenntnissen" berichtet Nele von sich und den Aufrechten in ihrem Revier ... Nicht nur die ersten Worte sind hier zu finden: "Revier"

5,0 * Nachlese
Der Roman wurde von Norbert Klugmann - sicherlich nur eine von Neles Schein-Identitäten - geschrieben und als broschierte Ausgabe im BoD-Verlag wiederveröffentlicht (2008).Es ist erfreulich, daß Nele die menschliche Sprache so hervorragend kennt und nutzt. Der Roman ist außerdem ein mahnendes Denkmal dafür, daß wir Menschen uns mehr mit der kätzischen Sprache befassen sollten.

Nele ist eine sehr scharfsinnige Beobachterin der menschlichen Gewohnheiten, die nicht immer mit Neles Bedürfnissen harmonieren. So muß der geneigte menschliche Leser erfahren, daß es bei Katzen nahrungstechnisch nur drei Zustände gibt: Sie ist entweder satt oder hat Heißhunger. Wird letzterer nicht befriedigt, befindet sich die Katze eigentlich sofort im Zustand des nahenden Hungertodes.

Auch die nur allzu menschliche Überlegung, Katzen würden mit Fliegen, Marienkäfer oder Spinnen erbarmungslos spielen, erfährt eine Richtigstellung. Hier darf ich die geschätzte Erzählerin einmal zitieren (es geht um Marienkäfer):

"Zuerst spielen die Biester Verstecken, dann lassen sich zwei gleichzeitig sehen. Einer sitzt ganz oben, fast an der Decke. Der andereist mir näher. Er wird sofort zu meinem Lieblingskäfer. Ich lasse ihn krabbeln. Dann schnelle ich los und erwische ihn mit der rechten Pfote. Der Käfer fällt auf das Fensterbrett. Ich lege gleich die Pfote drauf, damit er weiß, woher der Wind weht. Weil ich unten voller Hornhaut bin, spüre ich nicht viel. Das ist günstig bei harten Kacheln in der Küche. Es ist nicht so toll, wenn ich gerne das Zappeln des Käfers spüren würde. Ich muß die Pfote herunternehmen, um zu gucken. Zack macht er einen Satz - aber ich auch. Der Käfer ist gut in Form ..." 
(Quelle: "Revier im vierten Stock" Norbert Klugmann)

Nele läßt uns an ihrem Werdegang von der kleinen freien Bauerhofkatze zur gut genährten und trotzdem eleganten Hauskatze teilhaben und schildert ohne falsche Scheu ihre Herkunft, ihre jugendlichen Irrungen (in Bezug auf den Menschen) und ihre (Neles) Erziehungsbemühungen. Sie philosophiert dabei nicht nur über ihr eigenes Dasein, sondern auch über dasjenige der Aufrechten in ihrem Revier (Paarung, Ehe, Sohn, Tierversorgung), der Taube vor dem Fenster etc. Dem Leser wird auch kätzische Logik nicht erspart. Beispielhaft sei hier Neles Antwort auf die Frage zitiert, weshalb Katzen besser als Hunde (insbesondere Boxer) sind:  

"Wie kann man sich als Mensch sehenden Auges solch einen optischen Frontalangriff ins Leben holen? Ich belle nicht und behalte beim Pinkeln alle Beine unten."
(Quelle: "Revier im vierten Stock" Norbert Klugmann)

Als menschliche Rezensentin werden mir zweifellos einige subtilere Details entgangen sein, die den kätzischen Lesern vermutlich zustimmende Maunzer entlocken. Doch auch nach dem menschlichem Verständnis DIESER Rezensentin ist das Werk informativ, unterhaltsam und bringt hoffentlich die Reviernachbarn Mensch und Katze noch näher zueinander.

Kommentare:

  1. Das Buch hört sich richtig interessant an - ich werde es auch mal bestellen... (als hätte ich nicht schon genügend ungelesene Bücher zu Hause...)
    Danke für den Tipp!

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  2. Ich helfe doch gerne bei Aufbau fremder SuB :D
    Ich fand den Roman wirklich unterhaltsam, hoffentlich gefällt er Dir auch. Liebe Grüße!

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  3. Super, bin gespannt.. steht ja wirklich schon auf meinem Wunschzettel :)

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