Montag, 22. Februar 2010

"Maria, ihm schmeckt's nicht" von Jan Weiler

Bei diesem Buch handelt es sich um eine Leihgabe von Sayuri, dank Dir!

Worum geht es?
Der deutschstämmige Erzähler hat sich in die deutsch-/italienischstämmige Sara Marcipane verliebt. Das Buch beginnt damit, daß er endlich die Eltern seiner Angebetenen kennenlernt. Im weiteren Verlauf erfährt man einiges über seine Einführung in die italienische Großfamilie, dem Zusammenprall von zwei Mentalitäten und die italienische Lebensart (bei Hochzeiten, am Badestrand, Weihnachts-Tombola), insbesondere diejenige seines italienischen Schwiegevaters Antonio - Ando/Tony - Marcipane ...


5,0 * Nachlese
Von Jan Weiler habe ich bislang nur "In meinem kleinen Land" gelesen. Bereits dort hat mir sein Erzählstil gefallen. Ich glaube, ich habe in gewisser Weise das Pferd von hinten aufgezäumt, da der Autor in dem Buch "In meinem kleinen Land" - wie ich vermute - von seinen Erlebnissen auf der Leserreise zu "Maria, ihm schmeckts nicht" berichtet.

Aber zu "Maria ..."

Ich hatte natürlich gedacht, bei Maria würde es sich um die Schwiegermutter des Ich-Erzählers handeln. Aber nein! Die Schwiegermutter heißt Ursula und hat eine aus Sicht des Erzählers unglaubliche Geduld mit Antonio entwickelt. Ich bin mir nicht sicher, ob mit der besagten Maria nun Antonios Schwester oder eine seiner zahlreichen Nichten oder Großnichten etc. gemeint ist, aber hier stehe ich nicht allein: Auch der Protagonist hat so seine Probleme mit den en masse auftretenden Vornamen Maria und Antonio :)

Natürlich geht es in diesem Buch um den jungverheirateten Mann (mit eingeschränktem italienischen Vokabular) und sein Zusammentreffen mit seiner angeheirateten italienischen Familie incl. seiner Probleme. Aber viel mehr wird Antonio charakterisiert, oftmals auch in den Passagen, in denen es eigentlich um den Erzähler geht. Antonio Marcipanes Eigenarten, seine Lebenseinstellung werden manchmal ernst, manchmal mit einem Augenzwinkern und ironisch, aber immer liebe- und respektvoll porträtiert. Ungefähr ab der Mitte des Buches erzählt Antonio seine Lebensgeschichte, beginnend mit seinem Vater bis zu seiner Übersiedlung nach Deutschland und der Geburt der Tochter. Obwohl diese Vita zwangsläufig kursorisch dargestellt wird (das TB hat nur 272 Seiten), wirken die geschilderten Erlebnisse, z.B. auf den Straßen seines Heimatortes und als Gastarbeiter in Deutschland intensiv nach.

Ich empfand den Roman als humorvoll, lustig, ernst und traurig, manchmal alles zugleich.Meinen Geschmack hat Jan Weiler getroffen: 5,0 *

Was mir noch aufgefallen ist:

Obwohl einige der erzählten Geschichten autobiographisch inspiriert sind, legt der Autor in seinem Nachwort Wert auf die Feststellung: Es ist Fiktion. Denn nicht alle Geschichten sind wahr. Was nicht bedeutet, so mein Empfinden, daß die Ereignisse nicht hätten stattfinden können.

Ich kenne den Film "Maria, ihm schmeckt's nicht" mit Christian Ulmen nicht. Als ich vorhin bei Amazon war, habe ich mir die Filmseite einmal aufgerufen. Die Inhaltsangabe zum Film zeigt mir, daß im Film offenbar verschiedene im Buch geschilderte Ereignisse miteinander vermischt wurden. Ich habe keine Ahnung, wieviel von Antonios Leben es in die Verfilmung geschafft hat. Nun, dem Drehbuchautor ist kein Vorwurf zu machen, handelt es sich dabei doch lt. Eintrag in der deutschen Wikipedia um Jan Weiler selbst. Ich werde den Film bestimmt irgendwann mal schauen ...

Kommentare:

  1. Ich fand das Buch auch toll! Es hat mir sogar so gut gefallen, dass ich mir beide Vertonungen zugelegt habe: die Lesung von Jan Weiler selbst und ein Hörspiel. Den Film hab ich allerdings auch (noch) nicht gesehen.

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  2. Hallo Irina!
    Liest Herr Weiler gut? Es gibt ja durchaus Autoren, die zwar mitreißed schreiben, aber leider leider ihre Geschichten lesend nicht zum Leben zu erwecken können. Letzteres kann ich mir aber bei Herrn Weiler nicht wirklich vorstellen, gebe ich zu. Ich vermute eher, er liest so pointiert - ernsthaft bis ironisch - wie seine Geschichten geschrieben sind?
    Lg Natira

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  3. Ich bin in der Regel kein Freund von Autorenlesungen, aber Jan Weiler macht seine Sache super. Sein Vortrag ist lebendig, aber erfreulich unaufgeregt; mit stimmlicher Rollenverteilung à la Rufus Beck bei Harry Potter hält er sich zurück. Antonio allerdings liest er mit einem wundervollen italienischen Akzent.

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  4. Ah! Danke :)
    Ich muß doch mal im Auge behalten, ob Herr Weiler auf einer seiner Leserreisen nicht hier vorbeikommt ...

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  5. Das wäre sicher lohnenswert! Ich war selbst noch nie bei ner Live-Lesung von ihm, hab aber bislang nur das allerbeste darüber gehört!

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