Dienstag, 9. Februar 2010

gehört und gelesen: "Stolz und Vorurteil"

Während des read-a-thons forderten Merlin und Marlowe nachhaltig  meine Aufmerksamkeit ein, worauf ich  natürlich vorbereitet war. Konnte ich während der Buchlektüre noch wenigstens einen Kater nebenher streicheln,gestaltete es sich schon schwieriger, ein Buch lesend beide Kater zu bespaßen und mit ihnen durch die Wohnung zu toben.Vorsorglich hatte ich mir also nicht nur "Von Katzen und anderen Menschen" beiseite gelegt, sondern auch "Stolz und Vorurteil", die vollständige Lesung von Eva Matthes, Argon-Hörbuchverlag. Mit der ersten CD, welche die Kapitel 1 - 9 des Romans umfaßt, habe ich den Roman "Stolz und Vorurteil" gestartet und ihn ab Kapital 10 in Buchform fortgeführt.

Worum geht es:
Familie Bennet hat keinen Sohn, aber fünf Töchter. Aufgrund einer bestimmten testamentarischen Verfügung wird das Anwesen nach dem Tode des Hausherren mangels eigenen Sohnes an einen Verwandten, den Pfarrer Mr. Collins, gehen. Die Hausherrin Mrs. Bennet versucht daher, ihre sämtlichen Töchter gut zu verheiraten. Als das Nachbaranwesen Netherfield von einem unverheirateten und  gut situierten Mr. Bingley angemietet wird und außerdem dessen Freund Mr. Darcy (ebenfalls unverheiratet und mit einem größeren Einkommen als Mr. Bingley), erscheint, wittert Mrs. Bennet gute Chancen. Der liebeswürdige offene Mr. Bingley ist von der ältesten Tochter Jane angetan. Mr. Darcy jedoch tritt unnahbar und stolz auf dem ersten stattfindenden Ball auf und schneidet insbesondere Elizabeth, die zweitälteste Tochter der Bennets. Elizabeth ist intelligent, witzig und bildet sich auf ihre Menschenkenntnis einiges ein. Die Nichtachtung durch Mr. Darcy berührt sie zwar, aber nicht lange. Insbesondere, da ein im Ort befindliches Regiment und der Offizier Mr. Wickham für Abwechslung sorgen. Jane mußte derweil aufgrund eines recht cleveren Tricks von Mrs. Bennett krankheitsbedingt ein paar Tage auf  Netherfield verbringen. Elizabeth läßt es sich nicht nehmen, sie zu besuchen und ihr Gesellschaft zu leisten, was nicht gerade auf Zustimmung der unverheirateten Schwester Bingleys trifft. Während dieses Aufenthaltens lernt Darcy Elizabeth näher kennen und schätzen, was Darcy selbst nicht sehr behagt.

Jane und Elisabeth sind die beiden Familienmitglieder der Bennets, die weder allzu verschroben, noch hysterisch sind und sich auch in gehobener Gesellschaft bewegen und benehmen können. Letzteres läßt sich insbesondere nicht von Mrs. Bennet und den jüngeren Schwestern Kitty und Lydia sagen, und so leidet das Ansehen von Jane und Elizabeth unter dem Benehmen der übrigen Familienmitglieder. Das gespreizte Auftreten des Bennetschen Erben Mr. Collins, der eine Frau sucht, verbessert die Sache gleichfalls nicht. Nach einem aus Elizsabeths Sicht desaströsen Ball auf Netherfield verläßt Bingley ohne weitere Erklärung den Ort. Jane besucht, um sich abzulenken, ihre Verwandten in London und wird jetzt dort auch von Bingley's Schwester geschnitten. 

Wie geht die Liebesgeschichte zwischen Jane und Bingley aus? Wird Mr. Collins eine Frau finden, und falls ja, wer wird die Glückliche sein? Was ist mit Darcy's Interesse für Elizabeth,  deren Abneigung ihm und ihre Sympathie Mr. Wickham gegenüber?

Der erste - recht bekannte :) - Satz dieses Romans:

"Es ist eine allgemein anerkannte Wahrheit, daß ein Junggeselle im Besitz eines schönen Vermögens nichts dringender braucht als eine Frau."

5,0 * Nachlese

Zu diesem Roman von Jane Austen ist schon so viel gesagt und geschrieben worden. Was kann ich da noch anführen?  Nun, etwas zu der  mir vorliegenden Buch- und Hörbuchausgabe zum Beispiel :)

Die Heyne-Taschenbuchausgabe besitze ich schon seit mehr als 10 Jahren, es sind vermutlich 15. Das Taschenbuch sieht schon ziemlich vergilbt und angelesen aus, was nicht ausbleibt, wenn man es regelmäßig in die Hand nimmt und liest :) Die Übersetzung aus dem Englischen stammt von Ursula und Christian Grawe. Zur Abwechslung habe ich den Roman tatsächlich mal im Original bei mir stehen, muß aber gestehen, daß ich ihn bislang nicht vollständig im Original gelesen habe. Ich nehme mir die Wordsworth-TB-Ausgabe immer mal wieder zu Hand und lese in einzelnen Kapiteln. Soweit ich das mit meinen Neuenglisch-Kenntnissen beurteilen kann, empfinde ich die Übertragung von Ursula und Christian Grawe ins Deutsche als sehr gelungen. Diese Taschenbuchausgabe von Heyne wartet zudem mit Anmerkungen von Christian Grawe auf, die sich auf die Übersetzung bzw. Übertragung beziehen, aber auch bestimmte Verhaltensweise und Phrasen der Austen-Zeit erläutert, z.B. was es bedeutet, wenn jemand länger als eine Viertelstunde zu Besuch ist, was die Anrede Miß Eliza hintergründig aussagt etc. Ich empfand diese Anmerkungen als äußerst interessant und hilfreich und hätte gerne noch weitere Informationen an dieser Stelle gefunden, aber für ein Taschenbuch liegt wohl der richtige Rahmen vor. 

Mit der oben abgebildete Hörbuchausgabe des Argon-Verlages habe ich sofort nach Erscheinenen 2005 geliebäugelt. Aber der Preis! Als ich an meinem darauffolgenden Geburtstag jedoch Gutscheine für meinen örtlichen Buchhändler bekam, fackelte ich nicht lange und bestellte dort dieses Hörbuch. Ich habe den Kauf dieser Hörbuchausgabe bis heute nicht bereut. Das Hörbuch wird auf 10 CD geliefert, auf der 11. CD findet man die mp3-Version. Versehen mit einem Booklett findet man alles wunderbar geschützt in einer Buchkassette. Und dann die Lesung durch Eva Matthes, vielen vermutlich als Tatort-Kommissarin bekannt. Grandios. Wirklich. Wenn E. Matthes die Hausherrin Mrs. Bennet liest und dabei ihre Stimme überschlägt, hat man den Charakter fast vor sich stehen. Auch die weiteren Charaktere werden von Frau Matthes schön gestaltet, wenngleich Mrs. Bennet wirklich den größten Wiedererkennenswert hat.

Jane Austens Roman "Stolz und Vorurteil" wird für mich immer der "spritzigste" bleiben. Irgendwie ist dieser Roman für mich mit dem Begriff screwball-Komödie verbunden. "Stolz und Vorurteil" hierauf zu reduzieren, ist aber definitiv ein Fehler: Wie in ihren anderen Romanen beobachtet Austen auch hier scharfsinnig das Leben - insbesondere der Frauen - im niederen Landadel und kommentiert mit spitzer Feder. Hierauf im Detail einzugehen, würde an dieser Stelle wirklich den Rahmen sprengen. Ich mache es mir daher hier einfach. Verbunden mit einer Spoilerwarnung (dort gibt es u.a. eine ausführliche Inhaltsangabe) verweise ich auf die deutsche Wiki zu "Stolz und Vorurteil" (Quelle: Seite „Stolz und Vorurteil“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 30. Januar 2010, 01:05 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Stolz_und_Vorurteil&oldid=69986009 (Abgerufen: 9. Februar 2010, 10:33 UTC) ) oder auch die deutsche Wiki-Seite zu Jane Austen mit weiterführenden Links.


Was mir noch durch den Kopf ging:
Es ist eine weiter allgemein anerkannte Wahrheit, daß auch die übrigen Jane-Austen-Romane unterhaltsam, interssant, humorvoll (in jedem ihrer Werke blitzt Austens Talent zur Überzeichnung durch) und durch diese Mischung wohl so zeitlos sind. So sehr ich "Stolz und Vorurteil" auch liebe, bin ich mir nicht sicher, ob er für Neulinge den richtige Einstieg in die Welt von Jane Austen darstellt. Einerseits eröffnet er in wunderbarer Weise den Blick in ihre Welt, ihre Sprache und schafft es gerade wegen seiner ironischen Ader und der Geschichte an sich zu fesseln. Wer nun aber erwartet, die weiteren Romane in gleichen Stil vorzufinden,wird vielleicht enttäuscht. "Emma" ist ähnlich lebendig geschrieben, doch "Verstand und Gefühl", "Mansfield Park" und "Anne Elliot" sind von einem anderen Erzählfluß geprägt. Er ist tiefer, intensiver, wenngleich auch in den letztgenannten Romanen der Humor nicht zu kurz kommt, wie vorstehend erwähnt. "Northanger Abbey" hat für mich eine Sonderstellung: Frech, ironisch und voller Übermut fabuliert hier Jane Austen und nimmt die damals beliebten Schauerromane aufs Korn. Und selbst hier schafft es Austen, Versorgungsfragen junger Frauen in ihrer Zeit anzusprechen.

Ich verliere mich immer wieder gern in Jane-Austens-Romanen. Was "Stolz und Vorurteil" angeht, möchte ich noch eine klitzekleine Lanze für die so manches Mal nur als boshaft hingestellte Miß Bingley brechen: Hat sie nicht Elizabeth sehr früh gewarnt, vorschnelle Urteile zu fällen? Offenbar wollte Miß Bingley Elizabeth nicht in dieses spezielle Messer laufen lassen. Ob Elizabeth dies wohl irgendwann Miß Bingley zuerkannt hat ;) ?

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