Donnerstag, 28. Januar 2010

"Hamlet" Verfilmung mit David Tennant und Patrick Stewart

Ich habe ja derzeit Zwangspause. Und da vor kurzem meine amazon.co.uk-Lieferung ankam, habe ich mir heute die mitgelieferte Hamlet-Verfilmung herausgenommen (Emma habe ich ja schon geschaut). Auch hier gilt: englisches Original mit nur englischen Untertiteln. Bei Shakespearschen Versen ist das nicht einfach für mich, das habe ich ja bereits zu "Ein Sommernachtstraum" erwähnt, also habe ich mir meine Reclam-Ausgabe von Hamlet dazugenommen ;) Hier ist übrigens das Cover:

Bei dieser Verfilmung der Royal Shakespeare Company-Produktion (in dieser Besetzung wurde das Stück von der Bühne für den Bildschirm adaptiert) wird Hamlet von David Tennant dargestellt. Ich kenne diesen Schauspieler hauptsächlich als eine Inkarnation der britischen Ikone "Dr. Who" kenne (ansonsten fällt mir nur noch "Harry Potter und der Feuerkelch" ein). Ich war neugierig, ob ich diesem Schauspieler, der einen sehr lebendigen, manchmal nervösen und kribbeligen, durchaus aber auch sehr dunklen Dr. Who darstellt, diesen Charakter abnehmen würde. Daneben ist an dieser Stelle natürlich Patrick Stewart zu erwähnen, der in dieser Verfilmung nicht nur Claudius darstellt, sondern auch den Geist von Hamlets Vater darstellt. Letzteres macht durchaus Sinn, schließlich sind die beiden ja verwandt.

Die Adaption ist - abgesehen von der Sprache - modern:
eine die Paranoia unterstützende Überwachungskamera, Anzüge, Ballkleid, Hosen für Ophelia, Kondome für Laertes und aus Cornelius wurde Cornelia.Der finale Fechtkampf ist eher als Wettkampf angelegt, denn als Duell und so freut sich Hamlet über jeden zählbaren Treffer auf der Fechtkleidung ... bis Laertes ihn hinterrücks am Hals verletzt.

Bereits in der ersten Monologszene David Tennants (Hamlet hadert kurz bevor Horatio erscheint und ihm von der Geisterscheinung berichtet) wußte ich: DAS wird außerordentlich. Keine unterdrückte Wut und Abscheu, keine Melancholie, sondern Trauer, Ärger, Wut, Frustration und Sarkasmus. Als David Tennant in die Kamera schaut und sagt: "But break my heart, for I must hold my tongue" im Zusammenhang mt seiner Mimik und der schnellen Bewegung, um die Tränen fortzuwischen, als Horatio etc. auftreten, schluckte ich und blinzelte verräterisch. Und die Szene zwischen Hamlet und seiner Mutter in der Polonius stirbt: So eine verbale und körperliche Gewalt, die beiden sind ganz ausgelaugt nach diesem Streit. Der Kunstgriff, Hamlet - und nur diesen - sich zwischendurch immer wieder direkt an die Kamera - den Zuschauer - wenden zu lassen, teilweise wie ein Videotagebuch, bewirkt eine intensive Bindung zu dieser Figur. Jedenfalls habe ich es so empfunden. Und obwohl mir manche Geste, manche Tonlage aus Tennants Dr. Who-Schauspiel vertraut ist, war Tennant für mich immer Hamlet, fand keine Überlagerung mit der Figur des Dr. Who statt.

Die Lebendigkeit wurde auch durch die anderen Charaktere vermittelt: z.B. das Zusammenspiel von Laertes und Ophelias oder die im Chor von Ophelia und Laertes mitgesprochenen letzten Ermahnungen des Vaters (die immer wiederkehrende Litanei ;) ) Die Abschweifungungen und teilweise Geplapper der Polonius führen auch schon mal zum Augenverdrehen und Ungeduld des Königspaars: So - und zum Ende hin mit dem Totengräber -  gibt es auch Komik in diesem Stück.

Patrick Stewart ist in seinen beiden Inkarnationen überzeugend: Selbst in den kurzen Szenen als Hamlets Vater bringt er Trauer und Zorn und den Horror des familiären Verrats plastisch dem Zuschauer nahe.  Als Claudius verwechselt er ab und an Namen und Personen - subtil aber spürbar noch das Einfinden in königliche Pflichten. Daneben blitzt die vor der Öffentlichkeit zurückgehaltene Energie hervor, die erkennen läßt, wie Claudius zum König wurde und welche "Pläne" er für Hamlet hat (sah ich ein beginnendes gemeines erwartungsvolles Lächeln auf seinem Gesicht, als Laertes und Hamlet sich an Ophelias Grab fast prügeln). Trotzdem ist auch sein Claudius nicht ohne Mitgefühl (Ophelia, Gertrude).

Ophelias Trauer um ihren Vater, ihr Wahnsinn ... ungewohnt im Gesang.  Verstärkt wird das Mitgefühl in dem stillen und entsetzen Betrachten Ophelias Klage durch Gertrud, Claudius und Laertes. Nur... die Beziehung zwischen Ophelia und Hamlet scheint kein Schwerpunkt dieser Adaption zu sein. Die Reaktion Hamlets auf Ophelias Beerdigung ist stark, aber wo ist die Basis hierfür in dieser Verfilmung. Die zu Beginn bestehende Innigkeit zwischen Gertrud und Claudius war erheblich deutlicher - ebenso wie deren Abkühlung und letztlich Gertrudes Erkenntnis, daß Claudius auch Hamlet vergiften will...

Die Ausstattung des Sets ist nicht so üppig, auch die Kostüme nicht, wie in Kenneth Brannagh's "Hamlet". Das "Theaterfeeling" ist, wie ich finde, über die gesamte Adaption spürbar und soll es wohl auch sein. Diese Hamlet.Adaption ist mit der Kenneth Brannagh's nicht vergleichbar... Sie ist eigenständig, kraftvoll und sie gefiel mir auch....

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