Samstag, 2. Januar 2010

"Die Wüstenapotheke" von Daniel Oliver Bachmann


Dieses Sachbuch war eine Katalogbestellung und daher abenteuerlich :) Und das Abenteuer habe ich gut überstanden. Der Schutzumschlag gibt kaum persönliche Informatioenen über den Autor selbst preis, leider auch nicht seine Homepage. Aber gelobt sei google: Der Autor Daniel Oliver Bachmann ist Jahrgang 1965 und stammt aus Schramberg, Schwarzwald. Er lebt mit seiner Ehefrau heute offenbar in Stuttgart, wie ich den Stadtnachrichten der Stadt Schramberg entnommen habe. Weitergehende Informationen über den Autor gibt es auch  hier: Portrait von Daniel Oliver Bachmann


Worum geht es:
Durch seine 8000 km lange Reise durch Namibia und Südafrika versucht der Autor zu erfahren, ob und welche Heilpflanzen die "Wiege der Menschheit" birgt. Gerade in den lebensfeindlichen Wüsten Kalahari und Karoo müssen die dortige Pflanzen eine unglaubliche Anpassungsfähigkeit und Lebenskraft haben. Dort sind Heilpflanzen zu finden, die seit Generationen von den traditionellen Heilern der Buschmänner genutzt werden. Dabei begegnet Daniel Oliver Bachmann nicht nur traditionellen Heilern, sondern auch Wissenschaftlern, sogar Handwerksgesellen (!) und natürlich den Bewohnern Namibias und Südafrikas. 

Der erste Satz:

 "Es ist schwer zu sagen, wann eine Reise beginnt: 
Bei der ersten Idee, die so plötzlich erscheint wie eine Sternschnuppe am Nachthimmel?"


*****Nachlese
Ehrlich gesagt, ich weiß gar nicht so recht, wie ich meine Eindrücke in Worte fassen soll. Also beginne ich mal klassisch: Ich habe die gebundene Ausgabe gelesen. Den Umschlag finde ich stimmig gestaltet, schade nur, daß so wenig Informationen über den Autor enthalten sind. Es findet sich eine Übersichtskarte vor Beginn des 239 Seiten umfassenden Berichtes, in der Mitte befinden sich Seiten mit 15 Hochglanzfotos. 

Daniel Oliver Bachmann hat ein sehr gutes Händchen, Informationen zu transportieren: Er plaudert, alltagsgemäß, locker, witzig, vermischt Sachinformationen mit (aktuellem) Erlebnisbericht und Erinnerungen. Ich habe nicht nur etwas über Teufelskralle oder Sutherlandia erfahren, sondern auch - natürlich nur kursorisch - etwas über Namibia und das älteste Nomadenvolk der Welt: Die Khoi San, seit 30.000 Jahren auf Wanderschaft und nun zur Seßhaftigkeit gezwungen. D.O.B. trifft Menschen, die sich mit den  afrikanischen Heilpflanzen und deren Einsatz z.B. in den Industrienationen, beschäftigen.Das Engagement und die Faszination des Autors sind aus den Zeilen genauso herauszulesen wie z.B. dasjenige des 90jährigen Eberhardt von Koenen oder Johan van Bomels. An überraschend vielen Stellen mußte ich schmunzeln, manchmal laut herauslachen ... Und manches Mal blieb mir das Lachen ein paar Zeilen weiter im Hals stecken;der Autor macht kein Hehl aus seinen Ansichten ob es nun die Heilpflanzen, die Politik oder den Jagdtourismus betrifft.

Für mich insgesamt ein wunderbares Sachbuch - incl. running gag -. Interessant, informativ und erfrischend erzählt: 5 Sterne
 
Und damit Ihr einen kleinen Einblick in den Schreibstil bekommt, zum Schluß zwei Appetithäppchen:

Es geht darum, daß Medikamente häufig so bitter sind (wie Ihr sehen werdet, verzeihe ich diesem Autor sogar Bandwurmsätze).

"Meine Mutter sagte immer: Bös muss Bös vertreiben, und damit waren ihre gefürchteten Erkältungssäfte gemeint, die deshalb mein Geröchel stoppten, weil ich mich nach dem ersten Schluck nicht mehr getraute, zu husten."


Die Khoi San zeigten dem Autor - zu Fuß - wild wachsende Teufelskralle. Sie liefen die 20 km vorweg und rauchten, während er zu ihnen aufschloß:


"Am Ende warfen wir die Beute in einen Sack und machten uns auf den Rückweg...Während wir zurückrannten, kam mir ein Gedanke:  Sollte jemals einer der Khoi San bei Olympischen Spielen teilnehmen, müssen sich selbst die Kenianer warm anziehen. Und wahrscheinlich wird der Buschmann beim Marathonlauf bei Kilometer 10, dann bei 20 bei 30 und noch einmal kurz vor dem Ziel sich eine anstecken - standesgemäß in der Geschosshülse - und gemütlich drauflospaffen, während den anderen das Doping aus den Ohren quillt."

Kommentare:

  1. Oh, das Buch hört sich ja richtig gut an. Heilpflanzen finde ich grundsätzlich interessant und dann auch noch viel über Afrika und - deiner Meinung nach - gut geschrieben. >seufz< Da muss mir meine Bibliothek wohl wieder etwas vormerken ... ;)

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  2. Ich hoffe, daß kein falscher Eindruck entstanden ist: Es ist kein homöopathisches Buch oder eine Auflistung von Heilpflanzen. Eher könnte man es als Reisebericht sehen mit näheren Informationen zu z.B. Kultivierung von Teufelskralle etc... Ich fand es interessant und habe die knapp 240 Seiten heute "runtergerissen" :)

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  3. Keine Angst, das habe ich schon richtig verstanden. Aber ich lese so ein Reisebuch lieber, wenn sich jemand mit Pflanzen auseinandersetzt, statt auf einen "Selbstfindungstripp" oder ähnliches zu gehen. ;) Und da das Buch in der örtlichen Bibliothek gelistet ist, gehe ich ja absolut kein Risiko ein, wenn ich es mir vormerken lasse. :)

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  4. Das ist ja cool ... In unserer Kleinstadtbücherei brauche ich nach so einem Buch nicht zu fragen ;)

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  5. Ich bin auch immer ganz überrascht, was hier alles so vorhanden ist. Dafür gibt es so einige Bestseller, die ich nicht bekommen kann. Richtig gut sortiert finde ich die Bibliothek nicht, aber dafür interessant ... >g<

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