Samstag, 9. Januar 2010

"Die Universalgeschichte der Zahlen" von Georges Ifrah

Auch dieses Sach-Buch war eine Katalogbestellung., Wie schon an anderer Stelle erwähnt, sind diese Bücher immer für eine Überraschung gut :)

Das Buch befindet sich schon etwas länger in meinem TuB, schätzungsweise vielleicht ein Jahr. Ich habe es im Rahmen von Mellis Sub-Wettbewerb I/2010, gelesen. Bekanntlich hatte ich mir ja die Kategorie "Ein Wort" (5 Bücher, die jeweils ein und dasselbe Wort im Titel haben) ausgesucht und das Wort war "GESCHICHTE".

Nun, worum geht es also in dem Sachbuch "Die Universalgeschichte der Zahlen"?
Diese Frage ist relativ leicht zu beantworten. Der Autor zeigt mit seinem Sachbuch auf, wie die Entwicklung vom Zahlenbewußtsein der Menschen über Zahlen- und Rechensysteme, graphische Umsetzung bis zur heutigen Zahlenschrift verläuft. Der Autor Georges Ifrah ist nach eigener Aussage ein marokkanischer mathematikbegeisterter Jude, der offenbar in Paris lebt und dort sowie in der Schweiz als Methematiklehrer und -professor arbeitet.

***Nachlese
Die mir vorliegende Taschenbuch-Ausgabe des Sachbuches (es dürfte sich um das D4-Format handeln) aus dem Verlag Zweitausendeins kommt mit insgesamt 600 Seiten daher, allerdings ab S. 545 eine Zeittafel aufgeführt ist und sodann das Inhaltsverzeichnis folgt. Das Sachbuch enthält den erläuternden bzw. herleitenden Text des Autors Georges Ifrah sowie zahlreiche Schaubilder, Tafeln und Abbildungen.

Vorweg muß ich sagen, daß ich das Sachbuch nicht im eigentlichen Sinne "gelesen" habe. Durch die Kombination von Text, Beispielen und Schautafeln etc. hatte meine Beschäftigung mit dem Buch eher den Anschein von "durcharbeiten" ;)

Positiv ist zu erwähnen,. daß der Autor mit lebenden Beispielen arbeitet. So läßt er die Entwicklung z.B. der graphischen Darstellung von Zahlen vor dem Auge des Lesers entstehen, indem er einen Hirten die Herde zählen und erfassen läßt (Kerbholz). Ein anderes Mal lenkt er den Blick auf einen Beamten, um die frühere Buchhaltung und ihre Entwicklung zu verdeutlichen:


1) Kugeln oder Steine der bestimmten Anzahl Tiere werden in einer Lehmkugel verschlossen, diese trägt ein äußeres Siegel. Bei Fragen wird diese "Bulle" zerschlagen und die innenliegenden Steine gezählt
2) wie gerade, nur daß außen an der Kugel mit einem Schilfrohr o.ä. vermerkt wird, wieviele Dinge verschlossen sind. Vorteil: Die Bulle muß nicht mehr zerschlagen werden
3) Es wird nichts mehr in einer Bulle verschlossen, sondern nur noch "außen" die Anzahl vermerkt, aus einer Kugel wird wegen besserer Beschreibbarkeit ein flacher Lehmziegel ...

Ich habe einige neue Dinge erfahren. Der Autor "klebt" auch nicht nur an der Zahlengeschichte, sondern erläutert kurz das historische Umfeld, die verschiedenen Volksgruppen und ihre Errungenschaften von den Mayas über Abend- und Morgenland bis nach China. Die Schaubilder waren dabei manchmal hilfreich, manchmal nicht. Letzteres hat vermutlich eher mit mir, als mit dem Autor und seiner Schaubildauswahl zu tun: Ich hatte schlicht manchmal keine Lust, mich durch seitenlange ähnlich ausschauende Keilschriftzeichen o.ä. "zu arbeiten".

Georges Ifrah hat meiner Meinung nach alles versucht, um die Materie nicht zu trocken geraten zu lassen. Er hat ein Faible für die Mathematik und unglaublich viel Zeit und Engagement in diese Forschung investiert, was meiner Ansicht nach auch spürbar wird. Trotzdem haben mich letztlich die umfangreichen Herleitungen (- es gab auch zusammenfassende Wiederholungen) und Schaubilder ermüdet. Vermutlich bedarf es eines ähnlich an Zahlen und Ziffern interessierten Geistes, um die Arbeit von Georges Ifrah wirklich zu würdigen.

3 Sterne, die ich konkreter auch nicht begründen kann. Ermüdende Lektüre? Ja. Aber die Lektüre brachte für mich auch Interessante Entdeckungen.


Achtung: Spoiler
Ja auch hier :). Möglicherweise möchtet Ihr ja selbst die Zahlengeschichte entdecken.



Das Zählen anhand von Fingern, Zehen, aber auch Fingerknöcheln, Handgelenk, Arm, Hals etc. führte z.B. zu einer faszinierenden Form des Feilschens auf dem morgenländischen Basaren: Verdeckt von einem Tuch, also unsichtbar für andere Marktbesucher, feilschten Händler und Käufer um den Preis, indem sie sich gegenseitig an den Fingern bzw. der Hand berührten.

Daß die uns heute bekannten "arabischen" Ziffern (also die graphische Entsprechung der Zahl) eigentlich indische Ziffern sind (Indien und seine kulturellen Errungenschaften wurden von der arabischen Welt vereinnahmt, spätere Veröffentlichungen arabischer Gelehrter beruhten auf diesen indischen Erkenntnissen incl. eines Platzhalters für "leere Stelle", also "Null") war mir neu, ebenso, die Bedeutung des Wortes Ziffer:

Ich dachte immer, es wäre ein Oberbegriff für geschriebene Zahlen. Ist es HEUTE auch. Der Begriff Ziffer leitet sich aber aus dem arabischen Wort "Sifr"  (oder auch Sifra, Cifra, Cyfra, Tzyphra, Cifre, etc.) ab. Und das arabische Wort "Sifr" bedeutet "leer" und diente als Bezeichnung einer Leerstelle in der Mathematik: der Null. Früher wurde auch in Frankreich ein wertloser Mensch im Mundgebrauch als "cifre en angorisme" bezeichnet ("eine Null im Positionssystem") .

Kommentare:

  1. Ich glaube keine zehn Pferde hätten mich zu diesem Buch gebracht. Also zumindest nicht dazu, es auch wirklich zu lesen! Ich kaufe so etwas zwar (also nicht ganz so schlimm) auch manchmal, aber ich schleiche dann immer geschickt daran vorbei, wenn es darum geht, ein neues Buch auszusuchen ;)

    Also von meiner Seite begeisterten Respekt, dass Du es gelesen hast - ich bewundere Dich gerade sehr... hätte ich nur auch so einen Sinn für Zahlen - den könnte ich gerade gut gebrauchen :)

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  2. Nun rate mal, weshalb es schon so lange bei mir im TuB stand :D

    Sayuri, ich bewundere immer Deine Disziplin (Hut ab)!

    Liebe Grüße
    Natira
    *schickt ihren gesamten Zahlensinn durch den Äther zu Sayuri*

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  3. Das hört sich interessant an, aber auch nach einem Buch, das man kauft und nie liest. ;) Gratuliere, dass du es dir so intensiv angeguckt und wieder etwas TuB-Abbau betrieben hast! :)

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  4. Sayuri und Du erfaßt das ganz richtig mit Kauf und Lesen :)

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  5. Ich finde es aber auch immer schade, wenn ich so einen Kauf ungelesen in meinem Regal entdecke - von daher habe ich solche Käufe ziemlich eingestellt. Auch schade, denn so zügelt man doch seine eigene Neugier ... >hm<

    Aber du hast ja noch ein Sachbuch auf deiner Liste, wenn ich mich richtig erinnere. Das hörte sich auf jeden Fall sehr interessant an! :)

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  6. Und ich hoffe, daß es auf Dauer auch nicht so ermüdend ist :) Aber zunächst ist erst noch einmal ein Roman an der Reihe...

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