Freitag, 29. Januar 2010

Ferngesehen - Angel - Ein Leben wie im Traum


Der Film war noch keine 10 Minuten alt und ich hätte dem Blaag - Miss Angel Deverell - bereits die Leviten mehr als gelesen, es vermutlich an den Haaren nach unten gezerrt und in die Küche gesperrt, damit sie auf dem Boden der Realität ankommt. Offenbar ist sie der Meinung, daß sie für ihre Tee und ihr Essen, die Schule und die Unterkunft keinerlei Gegenleistung, nicht einmal Respekt gegenüber ihrer Mutter zu erbringen hat. Der Hauptcharakter NERVT mich total. So eine überpannte launisch Person ..

Wie sie Norley, ihren Heimatort beschreibt, und daß dort nur gemeine und böse Menschen leben? Offensichtlich Selbstprojektion, denn ich empfinde young Miss Deverell als dumm und gemein , da kann sie noch so talentiert oder kreativ sein. Erschreckenderweise wird sie aber weiter gehätschelt, u.a. durch den Verleger.

Sie liebt sie ihre Mutter auf ihre Art... Aber sobald ihre Mutter tot ist, erfindet sie die Geschichte ihrer Mutter und von sich selbst neu. Reizend! Und gestaltet kurz darauf einen Auftritt... unglaublich... Ich versuche noch den Schmalz loszuwerden, der mir in den Ohren und vor den Augen klebt durch die Angel/Esme-Szenen (Heiratsantrag/Atelier).

Nein, nein nein ... Die Kutschenfahrt vor dem Londoner eingespielten Hintergrund ist ja grauenvoll, gleiches gilt für Venedig, Griechenland und den anderen Hochzeitsreiseorten ... Es ist so offensichtlich falsch! Andere Szenen in London oder Umgebung wurden auch ohne eingespielten Hintergrund umgesetzt, DAS hätte man sich wirklich sparen oder besser machen können. Und ARGH: In einer Theateraufführung im Film bekomme eine Kostprobe des schriftstellerischen Könnens ( Silbertränen...) Geht bei mir auch nicht... Kritik nimmt sie natürlich überhaupt nicht an, selbst nicht bei Umständen, die sie noch nicht erlebt hat...

Außerdem scheint sie mir ein manipulatives Miststück zu sein (Nora).

Neben der kitschigen Liebesgeschichte gibt es natürlich Drama: 
Grausam gegenüber Untergebenen als der Krieg beginnt, aber sobald sich ihr Mann - auch noch für sich allein! so was! - entscheidet, sich zu verpflichten, tickt sie aus. Sie wirft ihn mehr oder weniger heraus, verdrängt alles was mit dem Krieg zu tun hat: Als sie gefragt wird, ob auf ihrem Anwesen ein Lazarett errichtet werden könnte, verneint sie mit der Begründung, sie wolle ihr Anwesen keinen Kriegstreibern und Verbrechern überlassen?!.

Der traumatisierte und verstümmelte Kriegsrückkehrer Esme versucht, sie im betrunkenen Zutand zu vergewaltigen. Angel ist so mit ihrer heilen Traumwelt beschäftigt, daß sie gar nicht merkt, wie es Esme wirklich geht. Vermutlich kann sie überhaupt nicht verstehen oder im Ansatz nachvollziehen, weshalb Esme Selbstmord begeht. ...Und natürlich erfindet sie die Geschichte - und seinen Tod (Herzanfall) neu, paßt natürlich besser in ihre Vorstellung ...

Oh, ungerecht ist die Frau- zu Esmes Schwester Nora, die sie hingebungsvoll betreut und als Sekretärin  hat und immer für sie da war: Sie hätte nur von ihrem Geld und Erfolg gelebt.  Sie erfährt, daß Esme eine Affäre hatte und ein uneheliches Kind. Sie sieht aus wie eine Hexe, als sie Angelikas Haus betritt, kein Wunder, daß sie dem Kind Angst macht.

Ehrlich, ich kann nicht glauben, daß eine solche Frau mit diesen Träumereien und dem Talent, alles zu verdrängen, überhaupt lebensfähig gewesen sein soll.Wer weiß, wenn nicht zuerst ihre Mutter und dann  Nora so überfürsorglich gewesen wären, hätte aus Angel Deverell vielleicht eine leidenschaftliche, kreative, fantasiebegabte und dennoch vernünftige Frau werden können. Beruht der Film tatsächlich auf einer realen Person und hat diese ihre Leben so gestaltet *den Kopf schüttelt*?

Fünf positive Dinge: 
- Der Hauptcharakter sorgte sich um Katzen.
- Die Schauspielerin ist wandlungsfähig - ich habe sie zuletzt als Emma bewundert und gerade als Angel Deverell verabscheut. 
- Der Film ist jetzt zu Ende.
- Es war ein Leihfilm.
- Ich muß ihn nicht noch einmal sehen :)

Kommentare:

  1. ja, er ist grauenhaft... durfte ich ja auch schon erleben. ich weiss echt nicht, was francois ozon sich dabei gedacht hat ;)
    Aber das sie auch schon mal die Emma gespielt hat und wenigstens da gut war beruhigt immens ;) - dann war echt nur die Geschichte dreckig...
    Puuh, *schüttel*, gräßliche Erinnerungen kommen wieder hoch ...

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  2. oh gott ... schüttel die bloß ganz schnell wieder ab und denk an was schönes :)

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