Sonntag, 31. Januar 2010

"Das Haus - Familiengeschichte vom Ende des vorigen Jahrhunderts" von Lou Andreas-Salomé

Um ehrlich zu sein, ich habe keine Ahnung, wie ich zu dieser Taschenbuchausgabe aus dem Ullstein Verlag, erschienen 1987, gekommen bin. Das Buch befindet sich schon ewig in meinem TuB, mindestens 4 Jahren, vermutlich aber bereits 7 - 10. Dieses Verdrängen hat seinen Grund, dazu später mehr.

Das Buch habe ich jetzt wieder zu Hand genommen, weil ich es im Rahmen von Mellis Sub-Wettbewerb I/2010 lesen wollte. Thema meiner Kategorie ist ja bekanntlich "Ein Wort" (5 Bücher, die jeweils ein und dasselbe Wort im Titel haben), in meinem Fall "GESCHICHTE".

Worum geht es also in dem Roman "Das Haus - Familiengeschichte vom Ende des vorigen Jahrhunderts"?

Die Eheleute Anneliese und Frank Brandhardt bewohnen das Obergeschoß, die Hauskräfte Eheleute Lüdicke das Untergeschoß des an einer Berglehne gelegenen Hauses. Warten zu Beginn des Romans die Brandhardts - sie ist Hausfrau, er Gynäkologe - noch auf die Heimkehr ihrer Kinder Gitta und Balduin, wird im Verlauf des Romans über einen Zeitraum von ca. 1  - 1 1/2 Jahren - das Zusammenleben der Familie geschildert. Gitta hat gerade ihr Examen gemacht und kommt wieder nach Hause, und ist verliebt sich in den jüdischen Neurologen Markus, obwohl sie ihn kaum ein paar Mal gesehen hat. Im Gegensatz zur musikalisch talentierten Mutter ist sie zwar phantasiebegabt, kann diese Phantasie aber offenbar nicht in Worte oder Bilder oder Musik fassen: Ich habe den Eindruck, sie soll zwar als Inspirationsquelle dargestellt werden, jedoch selbst nur durch Kopie ein Stück des Kreativen Gestaltens erfassen können. Balduin kommt von der Schulanstalt zurück und will/soll das Studium der Literatur und der Geschichte beginnen. Eigentlich will Balduin studieren, sondern lieber direkt erleben. Balduin ist sensibel, empfindlich, kränklich, offensichtlich lyrisch und kreatisch begabt und dichtet. Er idealisiert Begegnungen mit den Eltern und Ereignisse und ist sich bewußt, daß die Realität hiermit nicht übereinstimmt, ich muß an bipolare Störung denken.  Und so sehen sich die Eltern mit den Wünschen und Hoffnungen ihrer Kinder konfrontiert, die ihren eigenen Vorstellung - ein Jude!, Studiumsverweigerung! - zuwiederlaufen...
Der erste Satz:

"Das Haus lag an der Berglehne und überblickte die Stadt im Tal und langgestreckte Höhen jenseits davon."

Nachlese
Ich bekenne mich schuldig, dieses Buch nur quergelesen zu haben. Der erste Satz, der erste Absatz weckten in sprachlicher Hinsicht hoffnungsvolle Erwartungen in mir, die leider gnadenlos niedergemacht wurden. Daß es sich bei dem niedergeschriebenen Text um die im ausgehenden 19. Jahrhundert gebräuchliche Syntax handelt, will ich einfach nicht glauben. Ich empfand die Sprache als gestelzt, bemüht und konstruiert. Möglicherweise war das ja auch genau der Wille der Autorin und die von ihr gewählte Ausdrucksform. Falls ja, ist diese künstlerische sprachliche Gestaltung an mir vorbeigerauscht - ich war wirklich nur in der Lage, die Sätze quer zu lesen - und verschwendet. Andere Leser mögen in dieser Sprache schwelgen und sie genießen, ich konnte es nicht. Wer neugierig geworden ist: Bei Gutenberg-DE wurde dieser Roman - da die Rechte erloschen sind - online gestellt. Hier ist der Link zum Romantext "Das Haus" von Lou Andreas-Salomé.

Positiv möchte ich allerdings das Nachwort von Frau Sabine Streiter erwähnen. Dort gibt es biographische Informationen über die Autorin und auch über diesen Roman. Weiterhin ordnet Frau Streiter kurz und übersichtlich den nicht vollständig fiktiven Romangestalten reale Vertraute der Autorin zu: Balduin ist von Rilke inspiriert, Gitta trägt Charakterzüge der Autorin, das Haus ist das Haus der Autorin in Göttingen etc. Auch mehr zum Frauenbild und dem Motiv der Autorin, diesen Roman zu schreiben, erfährt man - naturgemäß kurz gefaßt - in diesem Nachwort.

Hm, Bewertung?! Mit dem Roman konnte ich nichts anfangen, ICH fand ihn nicht anregend, sondern ermüdend, langweilig und hoffte nur, daß ich bald die 237 Seiten hinter mir habe. Das Nachwort gehört nicht zum Roman, sondern zur Taschenbuchausgabe... 

Eine Anmerkung habe ich noch:
Vor gut einem Dreivierteljahr las ich "Nietzsche, eine Biographie seines Denkens" von Rüdiger Safranski. Dort wird Lou Andreas-Salomé bereits erwähnt, die von Nietzsche verehrt wurde; ich habe am Anfang nur nicht geschaltet...

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