Sonntag, 10. Januar 2010

"Das Buch der verlorenen Dinge" von John Connolly

Das Buch wurde mir vom List Taschenbuchverlag (Gruppe Ullstein Buchverlage) als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Viele Dank an den Verlag.

Worum geht es?
Monatelang hat der 12jährige David seiner kranken Mutter aus Geschichten vorgelesen und sie, ebenso wie sein Vater, umsorgt. Als sie stirbt, sucht David Trost in seinen Büchern. Sein Vater lernt nach einiger Zeit eine neue Frau, Rose, kennen und lieben. Zu diesem Zeitpunkt beginnen Davids Anfälle, in denen er zwar im Hier und Jetzt bewußtlos ist, trotzdem aber Stimmen hört und Gestalten sieht. Insbesondere taucht der "krumme Mann" auf. Als sein Vater und Rose heiraten,sein Halbbruder George zur Welt kommt und sie von London aufs Land ziehen, lassen die Anfälle nach. Hier beginnt David aber, Wachträume zu haben (wirklich?).  Er hört ab und an eine Stimme, die der seiner Mutter ähnelt und ihn ruft. Er sieht den krummen Mann auf dem Anwesen und wie er im Senkgarten des Hauses spurlos verschwindet.

David will seinem Vater nicht weh tun, aber er vermißt seine Mutter, er mag Rose nicht und möchte auch keine Beziehung zu ihr aufbauen. Selten kommen Rose und er miteinander aus. Nach einem besonders heftigen Streit erhält er von seinem Vater Lese- und Ausgehverbot. Als David in dieser Nacht durch einen sich in seinem Zimmer öffnenden Spalt erneut seine Mutter hört, geht er zu dem Senkgarten und durch einen Steinmauerspalt ...

David betritt eine Welt der Geschichten und macht sich auf die Suche nach seiner Mutter, aber auch nach einem Heimweg, Denn der krumme Mann hat, wenn man so will, die Brotkrumen aufgepickt, die nach Hause führen. Möglicherweise kann der alte König helfen. Er soll ein "Buch der verlorenen Dinge" haben mit magischen Kräften ... Findet David seine Mutter? Wird er bzw. werden sie nach Hause kommen? Was ist dann mit der neuen Familie? Und was will der krumme Mann wirklich?

Der erste Satz:

"Es war einmal - denn so sollten alle Geschichten beginnen - ein Junge, der seine Mutter verlor."


4,5 * Nachlese
Mir lag, wie eingangs erwähnt, die im Januar 2010 erschienene List Taschenbuchausgabe dieses Romans vor in der Übersetzung von Claudia Feldmann (Brüche in Syntax oder Stil fielen mir nicht auf). Diese Ausgabe umfaßt 329 Seiten und das Cover ist, wie ich finde, wunderschön gestaltet. Die Goldfarbe der Ranken findet sich übrigens auf den ersten und letzten Seiten des TB wieder und die Ranke zu Beginn eines jeden der 33 Kapitel.

Gelesen habe ich den Roman gestern im Rahmen des ersten Leseabends in Mellis Bücherforum, Thema: "Fantastische Welten". Und so bin ich mit David durch die Welt der Geschichten gewandert:

Der Roman beginnt märchenhaft. "Es war einmal"... Inhalt und Sprache, Rhythmus können hier von einem jugendlichen Leser von ca. 13/14 Jahren gut erfaßt werden. Z.B: "David wußte nicht so genau, womit sein Vater jetzt sein Geld verdiente. Er wusste, dass sein Papa gut in Mathematik war und dass er bis vor kurzem Lehrer an einer großen Universität gewesen war....Wenn David seinen Vater fragte, was er bei der Arbeit machte, sagte er nur, dass er Zahlen für die Regierung überprüfte..."

Der weitere Fortgang des Romans zeigt meiner Meinung aber, daß dieses Buch - wenn überhaupt - erst für Leser ab 16 oder älter geeignet ist. Der Grundton des Romans wird dunkler, spätestens ab Davids Eintritt in den Dunkeln Wald der anderen Welt, der  nicht umsonst diesen Namen trägt. David werden Geschichten erzählt , die ihm - und mir - vertraut, aber doch sehr anders sind. Wut, Angst, Sexualität usw. werden ihn ihnen transportiert, in anderen Hilfsbereitschaft, Ehrenhaftigkeit, Liebe und Mut...

Davids Suche in dieser Welt findet in vielerlei Hinsicht statt: real, emotional, charakterlich. Er wird auf die Probe gestellt, hat Versucher aber auch Begleiter. Es ist eine Parabel und märchenhafter Abenteuerroman.

Als  J. Connolly Davids Empfindungen nach dem Tod seiner Mutter schilderte in einer Sprache, die auch für jüngere Ohren und Herzen greifbar ist, war ich berührt. Davids Einstellungen zu seinem Vater, Rose und Georgie, seine Ängste bleiben über den gesamten Roman hinweg für mich nachvollziehbar. Kein anderes Buch, keine andere Geschichte lenkten  mich von Davids Suche ab oder davon, den vom Autor ausgelegten Brotkrumen (Wer sind Davids Begleiter eigentlich?) zu folgen.

Ich habe nur aus einem Grund einen halben Stern abgezogen: Für mich entpuppte sich das Buch als "Wolf im Schafpelz". Nach der Inhaltsangabe hatte ich ein Jugendbuch für 13-14jährige erwartet, irgendwo angesiedelt zwischen Rick Riordans Percy Jackson und Joanne Rowlings Harry Potter (bis Band 3). Das ist der Roman trotz aller Märchenhaftigkeit, gerade zu Beginn des Romans, nicht.

Über die Autorenseite habe ich folgende Artwork für eine offenbar zukünftig erscheinende Special Edition dieses Romans gefunden. Ich finde die Bilder sehr stimmig, aber gaaanz vorsichtigerweise gibt es eine

Spoilerwarnung.

Manche der Zeichnungen offenbaren etwas (ganz wenig) vom Plot. Hier sind sie:








Kommentare:

  1. Das ging ja flott - wozu eine Lesenacht so alles gut ist ;)
    Hört sich super an - werde ich also auch dringend lesen müssen :)
    Lg und schönen Sonntag!

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  2. Ich habe das Buch schon im letzten Jahr gelesen, da ich es bei einem gewinnspiel vom Verlag gewonnen hatte. Mir hat es sehr gut gefallen, obwohl ich mich nicht gern grusele oder Düsteres lese. Aber durch die Emotionalität und weil die Märchen vor Walt Disney eben so waren, las ich es sehr gerne.

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