Sonntag, 20. Dezember 2009

"Die Hunt-Chroniken - Der Schattenseher" von Joseph Nassise

Bereits seit ca. Ende November 2009 war ich immer wieder kurz davor, daß Buch zu ordern. Es war auf der Seite des Pan-Verlags vorgestellt worden, auf der ich herumstöberte. Ebenso übrigens wie "Das Königreich der Kälte". Beide Romane habe ich nun endlich in diesem Monat gekauft :)


Worum geht es? 
Jeremiah Hunt hat keine Augen, dort ist Narbegewebe.Er ist blind. Trotzdem wird er von der Polizei, insbesondere Detektiv Stanton, bei Ermittlungen hinzogezogen, so auch in einer aktuellen Mordserie. Stanton hält ihn für einen Hellseher. Und Hunt klärt Stanton auch nicht darüber auf, daß er aufgrund eines magischen Rituals die "ganze Wahrheit", die sichtbare und "verborgene" Welt, sieht: Menschen,  magische Geschöpfe, Tote. Unter bestimmten Umständen sieht und erfühlt er Auren oder die letzten Momente eines Verstorbenen. Hunt wollte unbedingt auch das "Verborgene" sehen: Seine Tochter verschwand vor 5 Jahren (sie ist sozusagen "verborgen"). Hunt hat die Suche nach ihr bislang nicht aufgegeben und finanziert sie durch diverse Jobs, ob Geistervertreibung oder polizeilicher Beistand. Die aktuelle Mordserie ist jedenfalls besonders: Woran starben die Opfer, was bedeutet die altertümliche Schrift und was hat es mit diesen kleinen silbernen Figuren auf sich, die Hunt so vertraut sind. Hunt, der Einzelgänger, braucht selbst Hilfe und wendet sich an den Besitzer seiner Stammkneipe,Dmitri, der ihn an die Hexe Denise Clearwater verweist ...
Der erste Satz:

"Ich habe mein Augenlicht gegeben, um die Wahrheit sehen zu können."

**** Nachlese
Es handelt sich um ein knapp 350 Seiten umfassendes Taschenbuch des Pan-Verlages in der Übersetzung von Heike Holtsch. Auch hier gilt: Ich kenne das Original nicht, der Text liest sich aber flüssig. Es gibt keine "Brüche" in Wortwahl und Syntax. Der Einband ist übrigens, wie ich finde, schön gestaltet und auch die "Prägung" auf dem Buchdeckel gefällt mir gut.  Der Autor Joseph Nassise ist Jahrgang 1968 und lebt in Phoenix. Bei diesem Buch handelt es sich NICHT um seinen Erstling, vielmehr hat er auch in Deutschland bereits die "Chroniken der Templer" in drei Teilen veröffentlicht, die ich allerdings nicht kenne. Aber zu den Hunt-Chroniken:

Die Erzählperspektive und die Zeitebenen wechseln im Roman:
Zum einen erzählt Jeremiah Hunt, und zwar aus der Ich-Perspektive. Hier findet auch der Wechsel in den Zeitebenen statt. Hunt erzählt von "damals", als seine Tochter Elisabeth verschwand und wie er zu dem Mann wurde, den der Leser zu Beginn des Romans kennenlernt. Zudem berichtet er über die aktuellen Geschehnisse. Ein paar wenige Kapitel werden aus Drittperspektive geschildert. In ihnen geht es um Denise Clearwater und ihre Visionen bzw. Aktivitäten. Da sich der Autor bei Hunt für die Ich-Perspektive entschieden hat, macht dieser Wechsel natürlich Sinn. Schließlich kann Hunt nicht wissen, was Denise erlebt. Mich stört der Wechsel nicht.  Natürlich wäre er vermeidbar gewesen, aber dies ist ja schließlich Autorenentscheidung :)

Bei dem Roman soll es sich um einen "magischen Thriller" handeln. Hm. Im Vergleich des Spannungsbogens z.B. mit "Cupido" verliert "Der Schattenseher" . Aber auch J.N. baut Spannung auf, ohne Frage:Ich wollte wissen, was damals passiert ist. Wie wurde Hunt zum "Schattenseher". Wie wurde Hunt zu diesem eigenbrötlerischen Menschen, der zu Beginn des Romans weder nach links, noch nach rechts schaut, dem Schuld und Unschuld nach eigener Aussage nicht interessieren? Was passierte mit Elisabeth und gibt es eine Auflösung in diesem Roman? Wer sind Whisper und Scream und welche Rolle spielen sie in diesem Puzzle? Wer ist der Mörder und gibt es eine Beziehung zu Hunt?Was passiert mit Denise Clearwater und was geschah auf Long Island? Viele Fragen werden in diesem Roman beantwortet, andere nur teilweise: Ich hoffe auf Antworten in den folgenden Teilen - die ich kaufen und lesen werde -, besonders zu Hunts emotionaler und charakterlicher Entwicklung.

Übrigens. Ich mag Referenzen zur aktuellen Popkultur, ob es nun Gegenwartsromane sind (zuletzt in "Bunte Fische" z.B. Dementoren), oder Mystery/Fantasy wie hier (Entführung Kampusch). Ein anderer Bezug zur Realität gefällig? Unwillkürlich mußte ich bei der Beschreibung des Bostoner Rathauses im Roman an den 70er-Jahre-Betonbau der Kreisverwaltung - mit Kfz-Zulassungsstelle - in Tecklenburg,NRW, denken.

Ich würde den Roman vom Bauchgefühl her bei ****Johannes Cabal einordnen. Aber der Roman wurde als magischer "Thriller" beschrieben und beworben, was er für mich nicht ist. Ich ordne den Roman eher dem Mystery-Genre zu. Deswegen wollte ich eigentlich einen halben Stern abziehen.

Dann habe ich mir aber einmal die Mühe gemacht, und "Thriller" bei der deutschen Wikipedia nachgeschlagen ("Thriller"). Ich würde sagen, nach der dortigen Definition erfüllt dieser Roman die Bedingungen für einen Thriller. Dort ist aber auch aufgeführt, daß sich "Thriller" im deutschen mit "Mystery" und "Krimi" überschneidet. Noch komplizierter wird es dadurch, daß "Mystery" im englischen einen ganz normaler Kriminalroman ist. Also, obwohl dieser Roman nach meinem Empfinden kein Thriller ist, wurde er aus Autorensicht - und somit auch Verlagssicht - "korrekt" eingeordnet. Denn ein normaler "Kriminalroman" aus englisicher Sicht ist "Der Schattenseher" nicht. Daher kann ich den halben Stern auch nicht abziehen, nicht wahr? 4 Sterne

Kommentare:

  1. Der Roman steht auf meinem Wunschzettel ;o) Es erging mir wie dir, dass ich die Leseprobe beim PAN Verlag entdeckt und gelesen habe und dann nicht mehr davon loskam. Ich fand den Schreibstil sehr sauber, klar, aufgeräumt, was das Lesen erleichtert und die Geschichte einfach spannend. Ich bin gespannt, wie der Roman sein wird und freue mich schon sehr darauf.

    Was die Einordnung in das "falsche" Genre angeht:

    Ich lese momentan den Roman "Grab aus Stein" von Jenni Mills (ihr Debüt), der mich absolut begeistert aufgrund des tollen aufgeräumten Schreibstils mit poetischen Metaphern, die hier und da eingestreut werden und der faszinierenden Geschichte.
    Aber auch hier:
    Das Cover (Steinoberfläche mit Blut) wie der Titel versprechen einen blutigen Thriller oder zumindest etwas super spannendes. Das ist das Buch bisher eher nicht (ich bin bei der Hälfte), kann es zwar noch werden, aber es stört mich absolut nicht, weil es auch so interessant genug ist, um die Seiten zu verschlingen. Doch manchmal beschleicht mich das Gefühl, dass Bücher mit Gewalt in eine Schublade gequetscht werden, damit man sie verkaufen kann. Das führt dann, wie in diesem Fall, zu enttäuschenden Rezensionen bei Amazon, weil die Leute etwas anderes erwartet haben.

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  2. Ich denke auch, daß Verlage - möglicherweise auch Agenten - "verkaufsfördernd" Romane in ein Genre großzügig eingeordnen. Das kann natürlich auch mal versehentlich passieren: Manchmal weckt auch ein mit Sorgfalt ausgewähltes Cover falsche Erwartungen und schon geht der potentielle Leser vorbei ...

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