Mittwoch, 16. Dezember 2009

"Der gestohlene Abend" von Wolfram Fleischhauer


Dieses Buch war mein Wichtelgeschenk von StefanieEmmy. Es ist der aktuellste von Wolfram Fleischhauers Romanen. Sein vorletzter Roman "Schule der Lügen" steht noch in meinem TuB. Die anderen Romane von ihm "Die Purpurlinie", "3 Minuten mit der Ewigkeit", "Die Frau mit den Regenhänden" und "Das Buch, in dem die Welt verschwand" habe ich. bereits gelesen und jeden einzelnen von ihnen genossen. Der Autor, Jahrgang 1961, nahm mich jedes Mal auf eine Reise in die Kultur mit, verbunden mit einem Rätsel, einer Kriminalgeschichte. Ich besuchte Deutschland 1780, Paris1867, Berlin und Argentinien, Frankreich um 1600. Den Jugendroman für die Phantasien-Reihe ("Verschwörung der Engel") kenne ich allerdings nicht.

Worum geht es in diesem Roman?
Matthias (Matthew) Theiss, deutscher Student der Literaturwissenschaft, ist es möglich, von 1987 bis 1988 an der - fiktiven - Universität Hillcrest zu studieren. Er interessiert sich insbesondere für das Institut für neue ästhetische Theorie = INAT, in dem insbesondere die neue Denkschule von Jacques De Vander gelehrt wird. Die Professorin Candall-Carruthers und ihr Doktorand David sind schillerndeMitarbeiter des INAT.Matthias verliebt sich in Davids Freundin Janine und tatsächlich beendet diese auch ihr Verhältnis mit David, der sich seit einer Europareise verändert hat und auch seine Mentorin wissenschaftlich angreift. David spricht nur noch mit Matthias. Kurze Zeit darauf kommt es zu einem Brand im De Vander Archiv der Universität und David stirbt. War es Selbstmord, Mord, Vorsatz, Unfall? Was bewirkte Davids Veränderung? Matthias beginnt nicht nur literaturwissenschaftliche Fragen zu stellen...

Der erste Satz:



"Mein Rezept gegen Stress lautete jahrelang: Schwimmen.


3,5* Nachlese
Manche Rezensionen sind leicht zu schreiben, manche nicht. Wie diese. Der Roman wird aus der Ich-Perspektive von Matthias erzählt was spannend ist:

Nach eigener Auskunft des Autors  ist dieser Roman autobiographisch. Fleischhauer wuchs in Karlsruhe auf und machte 1982 Abitur am Fichte-Gymnasium. Er studierte Literaturwissenschaften in Deutschland (Berlin), Frankreich, den USA und Spanien. Für seine Tätigkeit als Konferenzdolmetscher pendelt er zwischen Brüssel und Berlin, wo er mit seiner Frau und seinen beiden Kindern lebt (Quelle: Wikipedia). In einem Interview (Quelle: www.wolfram-fleischhauer.de) erklärt Wolfram Fleischhauer:  "Der "außergewöhnliche Vorfall", von dem der Roman erzählt, hat mit dazu geführt, daß ich die Universitätslaufbahn nach dem Magister nicht weiter verfolgt habe. Statt dessen habe ich den Mut gefaßt, endlich das zu tun, was ich schon immer wollte: Romane zu schreiben. Der akademische Betrieb kam mir nach diesem Erlebnis plötzlich sehr fragwürdig vor. Teilweise war das natürlich meine eigene Schuld. Ich war jung und naiv. Dieses Schlüsselerlebnis versuche ich zu rekonstruieren. Aber natürlich wird das ganze ein Roman und keine Lebensbeichte. Es nicht alles so passiert, wie ich es erzähle."

In die Geschichte wurde ich ohne Umschweife hineingezogen ... und kam ins Stolpern, als mich Wolfram Fleischhauer in die Welt der Literaturwissenschaft und ihrer Theorien hineinführte. Ich kann mir vorstellen, daß es für einen Literaturwissenschaftlicher schwierig ist, über "sein" Thema zu schreiben, interessant, fachlich fundiert und auch für Laien verständlich. Und irgendwie ist der Roman auch Selbsttherapie und Aufarbeitung... Matthias als alter ego von Wolfram Fleischhauer?!

W.F. Romane waren für mich sämtlich informativ, spannend, mehrschichtig. Und auch in diesem Roman sind mehrere Themen ineinander verworben:

Studium und Lebensart, Literaturwissenschaft & das Schreiben, Liebe & Verrat, Philosophie,  Krimi und die Frage, wie man mit Schuld umgeht.

Leider wurden nicht alle Charaktere für mich richtig lebendig. Matthias - keine Frage. Aber Janine, David, seine Mentorin? Diese drei Charaktere riefen alle bei mir emotionale Reaktionen hervor. Trotzdem blieb Davids Verhalten rätselhaft für mich. Janinas Benehmen rief zwar Ärger in mir hervor und  Unverständnis, ihr Verharren wird mir aber nicht plausibel. Daß ich Verhaltens- und Erklärungsweisen mancher Professoren im Verlauf des Romans nicht nachvollziehen kann, das kann ich dem Autor noch nicht einmal vorwerfen. Denn dieses auch in der Realität vorkommende Verhalten und Argumentieren kann ich ebenfalls nicht nachvollziehen; insofern ist mir gegenüber eigentlich jeder in Erklärungsnot.

Obwohl mich der Roman fesselte und mich - wie jeder Fleischhauer Roman - zum Nachdenken brachte, ich nicht ganz "glücklich" bin nach Beenden der Lektüre. Ich führe das einerseits auf die für mich etwas schwierig zugängliche Literaturtheorien zurück und die Restfragen bei den Charakteren. Falls diesen fiktiven Charakteren reale Menschen zugrundelagen, werden diese ihre Motive möglicherweise nicht erläutert haben. Aber es handelt sich hier ja um einen Roman: Die Handlungen des fiktiven Davids z.B. hätte ich gerne näher erläutert bekommen und bei den anderen Figuren zumindst den Versuch ein Erklärung  Daher komme ich bei diesem Roman auf 3,5 Sterne.

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