Montag, 16. November 2009

"Schlaf" von H. Murakami

Das Buch ist - wie "In die Wildnis" - eine Leihgabe meiner Freudin Sayuri. Wenn ich mich richtig erinnere, bekam Sayuri es am 07.10.2009. Wir standen im Thalia und die wunderschöne Ausgabe dieser Kurzgeschichte fiel uns ins Auge. Wie ich im November 2009 festgestellt habe, hat Frau Heidenreich am 08.10.2009 dieser Ausgabe eine Sendung gewidmet.Sayuri, wir waren schneller :)

Und die Ausgabe von Dumont ist wirklich traumhaft schön. Der Einband hat das in Silber/weiß geprägte Cover, auch die Innengestaltung ist wunderschön: dickes glänzendes Papier, wunderbare Zeichnungen in Grau/Silber/Blau von Kat Menschik, Lesebändchen. In der Sendung LitColony-Schlaf werden u.a. auch ein paar Zeichnungen gezeigt. Da Frau Heidenreich aber auch den Inhalt der Erzählung im Grunde vorwegnimmt, gibt es insofern eine SPOILER-Warnung zur SENDUNG!

Worum es geht
Die Protagonistin - Ehefrau, Mutter eines Kindes - erzählt davon, daß sie schlaflos lebt. Der erste Satz:


"Es ist der siebzehnte Tag ohne Schlaf"

Die Erzählung beginnt also am 17. Tag - und endet auch an diesem. Die Erzählerin berichtet zwar auch über ein zeitlich begrenztes Schlafproblem, welches sie früher erlebte mit den entsprechenden Nebenwirkungen (Mattigkeit etc.), doch dies ist anders: Aus einem Traum erwachend sieht sie einen dunkel gekleideten Mann am Fuße ihres Betters der ihr Wasser über die Füße gießt. Als sie das Licht anmacht: kein Mann, keine nassen Füße, aber Wachsein. Und sie erfährt und erlebt dieses Wachsein ab diesem Tag. Was tut man mit der Nachtzeit, wenn der Mann wie ein Stein schläft und auch der Sohn. Wenn man Zeit hat zum Nachdenken über sich, seine Wünsche, sein Leben wie es hätte sein sollen und wie es ist. Wenn die Automatismen des täglichen Lebens zwangsläufig wegfallen? Ist das Sehen des dunkel gekleideten Mannes eine Vision oder nur ein weiterer Traum? Ist die Erzählerin wirklich wach, träumt sie oder erfährt sie etwas ganz anderes?

*****Nachlese:
Die Erzählung ist kurz; in der wunderbaren Ausgabe von Dumont umfaßt die Erzählung incl. etlicher Zeichnungen nur 73 Seiten. Zwangsläufig läßt Murakami - wie so häufig - Raum für die eigenen Vorstellungen und Interpretationen. Auch hier wird Surrealismus mit Realismus vermischt, hat die Sprache den Murakami eigenen Klang. Ich habe die Erzählung ein einem Zug durchgelesen und dann eine Nacht darüber geschlafen :)

So manches, was Murakami seine Protagonistin  beschreiben läßt, ist mir - wie sicher auch anderen, die gelegentlich oder häufiger Schlafprobleme haben - vertraut. Und ich meine nicht nur die zu Anfang der Novelle beschriebenen Nebenwirkungen "normaler" Schlafprobleme. Sondern auch das Sitzen und Neubetrachten der engeren Umwelt im "Wachzustand": Aufstehen, ein Buch greifen, Abschweifen, Nachdenken, Umschauen, Fragen, Ablenken oder Spaziergänge unternehmen und trotzdem den Alltag er- und überleben ..

Diese "kleine" Geschichte Murakamis geht mir nah.

Kommentare:

  1. Vielen Dank für die schöne Rezi und mal wieder ist ein Buch auf meiner Wunschliste gelandet.

    Liebe Grüße!

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  2. Hallo Wörterkatze!
    Die Geschichte gibt es auch in einem Kurzgeschichtenband von Murakami, wenn Du das nicht sowieso schon weißt :) Aber die Dumont-Ausgabe ist wirklich wunderschön ...

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