Dienstag, 24. November 2009

"Der Leinwand-Philosoph" von Mark Rowlands

In einem Katalog hatte ich etwas über dieses Buch gelesen. Danach sollte der Autor - der Philosoph Mark Rowlands - philosophische Themen anhand einzelner Scince-Fiction Filme erläutern - und das auch noch unterhaltsam. Als habe ich es vor kurzem bestellt und - inzwischen - auch gelesen.

Es handelt sich um eine gebundene Ausgabe von Rogner & Bernhard, Übersetzung von Yamin von Rauch, kräftiges griffiges Papier, Leseband und - erfreulicherweise -ein Glossar zu den im Buch erwähnten philosophischen Grundthesen und Philosophen.

Der Autor stellt in jedem Kapitel einen Sci-Fi-Film vor und redet über die in diesem Film von ihm gesehenen philosophischen Grundfragen. Er betreibt "Sci-Phi". Konkreter:

1) Frankenstein (Kenneth Brannagh-Verfilmung) - Philosophie und der Sinn des Lebens
2) Matrix - Können wir uns überhaupt über irgendetwas sicher sein?
3) Terminator I & II - Das Körper-Geist-Problem
4) Total Recall & The 6th Day - Das Problem mit der personalen Identätit
5) Minorty Report - Das Problem des freien Willens
6) Hollow Man  - Warum moralisch sein?
7) Independence Day & Alien - Die Reichweite von Moral
8) Star Wars - Gut und Böse
9) Blade Runner - Tod und Sinn des Lebens

***** Nach-Lese

Natürlich sind philosophische Bücher nicht im Vorbeigehen zu lesen. Aber es gibt Bücher, in welchen bestimmte Thesen und Fragen klarer - bzw. unterhaltsamer - dargestellt und erläutert werden als in anderen. Letzteres trifft in diesem Buch - zumindest für mich - zu. Ich fand den "Leinwandphilosophen" unterhaltsam und habe an einigen Stellen nicht nur geschmunzelt, sondern losgelacht. Da sich diese Passagen fast ausschließlich aus dem Kontext ergeben, sind Zitate schwierig. Naturgemäß gibt es trockenere Passagen und Gedankenexperimente. Der Grundton variiert auch hier von ernst (Vergleich der moralischen Handlungen des Alien in "Alien" und des Menschen gegenüber Tieren) bis humorvoll (Ist die personelle Identität weiterhin gegeben, wenn sich der Seriengeschmack von Buffy zu Heartbeat ändert? Auch: die Abschweifungen des Autors zu Verhoeven bzw. Starship Troopers), unterhält aber auf die eine oder andere Weise. Der Autor weiß um seine Sci-Fi-Leidenschaft und auch den seltsam anmutenden Weg, Philosophie hierüber zu transportieren. Im Vorwort heißt es:

"Dieses Buch enthält Material, das manche Leser vielleicht als anstößig empfinden werden. Oder zumindest hoffe ich das. Und das betrifft nur den philosophischen Teil. Einige werden vielleicht denken, dass es streng genommen kein wirklich seriöses buch ist. Und sie haben recht. Aber machen Sie nicht den Fehler ...anzunehmen, dass das, was gut für einen ist,immer ... auch todernst sein muss.... warum geht es dann um Filme, die die meisten Filmkritiker als schlecht bezeichnen würden? Das liegt natürlich teilweise an meinen eigenen Vorlieben ...Mein spezieller Filmgeschmack geht hauptsächlich in die Richtung, die gewisse Leute als geistig anspruchslos bezeichnen würden. Also geht es in diesem Buch nicht über Arthouse-Filme oder Sachen mit Untertiteln. Ich könnte über solchen Kram schreiben ... aber es würde mich zu Tode langweilen..."

Mir scheint - die Originaltexte kenne ich ja nicht -, daß auch die Übersetzung sehr gelungen ist und den Grundton von Mark Rowland gut überträgt.

Mit gut 310 Seiten ist "Der Leinwandphilosoph" natürlich kein philosophisches Lehrbuch. Es sind Streifzüge durch philosophische Grundthemen, die - wie ich finde - auch Lust machen, darüber und über seine Umwelt nachzudenken, sich weiter mit ihnen oder der Philosophie zu beschäftigen. Aus meiner Sicht: Empfehlenswert.

ps
@Mark Rowlands: Danke für die wunderbare Definition von Nietzsches Übermenschen im StarWars-Kapitel :)

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