Dienstag, 27. Oktober 2009

"Der Kirschblütenmord" von Laura Joh Rowland

Den Roman habe ich von meiner Freundin Sayuri geschenkt bekommen. Ich meine, es ist zwei Jahre her, aber ich erinnere mich nicht wirklich an den Zeitpunkt des Erhaltes. Zeit fließt, nicht wahr? Der Roman war also auch schon länger in meinem TuB. Auf Empfehlung von Winterkatze habe ich diesen Roman nun vorgezogen.

Ich habe die Bastei-Lübbe-TB Ausgabe aus dem 2002 in der Übersetzung aus dem Amerikanischen von Wolfgang Neuhaus gelesen.

Der Originaltitel lautet übrigens "Shinjü". Wie man im Verlauf des Romans erfährt ist Shinjü der gemeinsame Selbstmord eines Paares. Er wurde hauptsächlich durch Liebeskummer motiviert, weil z.B. die elterlichen Familien aufgrund sozialer Barrieren eine Heirat verboten. Wie man nun von "Shinjü" auf "Der Kirschblütenmord" kommt und weshalb überhaupt, entzieht sich meinem Verständnis. Aber das nur am Rande.

Der erste Satz lautet:


"Der Reiter zügelte seine Stute auf einem schmalen Pfad, der zum Fluß Sumida führte, und lauschte in die Nacht."

Der Kriminalroman spielt in der "Genroku-Periode Jahr 1, 12. Monat" in Edo. Man kann auch sagen, die Geschichte spielt im Januar 1689 in Tokio :) Der Leser erlebt im Prolog, wie sich der namenslose Reiter über den Fluß hinweg nach Edo begibt und dort in der Nähe der Holzlager von Fukagawa die zusammengebundenen Leichen eines Mannes (der sich als armer Künstler herausstellt) und einer jungen Frau aus gutem Hause im Fluß so hinterläßt, daß es wie "Shinjü" ausschaut. Der Yoriki Sano Ichiro wird mit der "Untersuchung" des Shinyü betraut. Und damit beginnen seine Probleme:

Denn dieser Yoriki will nicht nur einfach wie die anderen Yoriki Verwaltungsarbeit leisten. Sein Ehr- und Gerechtigkeitsgefühl bringt ihn nicht nur dazu, selbst zu ermitteln. Er kann auch mit den Ermittlungen nicht aufhören angesichts der Ungereimtheiten des Falles und des seltsamen Verhaltens der Familie der jungen Frau.

Nachlese
Ich befinde mich in leichten Schwierigkeiten. Den Schreibstil empfand ich als gut lesbar, ich fand mich erzähltechnisch auch gut in die Story hinein. Da der Roman 1689 in Edo spielt, mußte die Autorin zwangsläufig dem Leser "nebenbei" Begriffe erläutern.

Eine weitere Konsequenz dieses Romansettings ist natürlich, daß die Personen entsprechend ihrer Kultur handeln (müssen) und hier auch ihre Motive zu finden sind. Es gestaltete sich für mich schwieriger als ich es erwartet habe, in diesen japanische Epoche einzutauchen. Zwar fand ich Sano, die Gräfin Niu und ihren Sohn sowie Midori und Sanos Vorgesetzten Magistrat Ogyu, selbst die Kurtisane Wisterie interessant gezeichnet, aber richtig lebendig wurden für mich nur Sano und Gräfin Niu; beide Charaktere sind komplex. Aber selbst bei diesen beiden konnte ich die Motivationen manchmal nicht nachvollziehen. Sano, dem von mehreren Seiten Intelligenz bescheinigt wird, handelt manchmal so etwas von unüberlegt und fehlgeleitet, daß die Notwendigkeit eines Plot-Twist's vermute. Auch Wisteries Auftreten gegenüber Sano konnte ich nicht nachvollziehen.

Andererseits habe ich mehr über Samurais und Ronins erfahren (besonders wegen des Zusammenhanges mit Gönnern bzw. Dienstherren), die Kastengesellschaft im alten Edo und auch über das "Puppenfest" sowie die Architektur - Ja! Letzteres werde ich alsbald wieder vergessen haben :)  Neben dem rituellen Selbstmord des Samurai (seppuku) gibt es den titelgebenden shinjü und auch den rituellen Selbstmord der Frau (jigai), wer weiß vielleicht gibt es noch mehr Arten.

Laut Angabe unter dem deutschen Titel handelt es sich bei "Der Kirschblütenmond" um Sano Ichiros ersten Fall. Möglicherweise ist es auch der erste Roman, den L.J.R. - mit Setting im alten Edo - geschrieben hat. Ich habe dies nicht weiter recherchiert.

Obwohl ich den Roman also durchaus interessant fand, ist es eher unwahrscheinlich, daß ich einen weiteren von Sanos Fällen verfolge.

Kommentare:

  1. Liebe Natira,
    so wie ich mich erinnere, hatte ich Dir das Buch nicht als "Neu-Buch" geschenkt sondern auch eher nach dem Motto: "Vielleicht gefällt es ja Dir" ;)
    Mir ging es beim Lesen ganz genauso wie Dir und obwohl ich ja alles Japanische meistens sehr faszinierend finde, habe auch ich davon abgesehen, weitere Bücher aus der Reihe zu lesen.
    Blöd, dass unser Treffen nun noch warten muss - aber ich bin im Moment ohnehin recht ausgebucht - das nächste (post-Geburtstags-Treffen) wird zweifellos entspannter als eines in dieser oder der nächsten Woche werden könnte.
    Liebste Grüße!

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  2. Ich hatte keine Probleme mit dem historischen Japan - vielleicht hat mich deshalb der Krimi mehr begeistert als dich. So sind die Folgebände auch gleich auf meinem Wunschzettel gelandet ... ;)

    Schade, dass du nicht so viel Spaß damit hattest wie ich. Aber immerhin hast du deine TuB wieder ein kleines bisschen verkleinert. ;)

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  3. Ja, ja, ein Buch weg , drei Bücher hinauf oder so :)

    Die Nachlese zu schreiben war schwierig für mich, ich konnte sozusagen "den Finger nicht auf den Punkt" legen. Vielleicht wäre es mir vom Verständnis her leichter gefallen, wenn ich schon mehr über diese japanische Periode und ihre Kultur wüßte ... Das Gefühl ist irgendwie 50:50: einerseits interessant, andererseits nicht fesselnd "genug". Verstehst Du, was ich meine, seufz?

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  4. Ja, ich verstehe, was du meinst. So geht es mir oft bei chinesischen Autoren, da fehlt mir auch oft das Verständnis für die fremde Kultur, um richtig in die Geschichte eintauchen zu können. Japan habe ich mich anfangs auch in erster Linie über Manga und Filme genähert, das hat es leichter gemacht.

    Moment mal! Drei neue Bücher auf dem TuB? Konkrete Neuzugänge oder ein allgemeines "Klagen" über das stete Anwachsen? ;)

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