Montag, 21. September 2009

Das verlorene Labyrinth

Das genial schöne Wochenende habe ich genutzt und viel auf meinem Balkon gelesen - nachdem ich meine Shoppingtour in I. beendet hatte :) Heute in meiner Mittagspause habe ich mich erneut auf den Balkon in die Sonne begeben und "Das verlorene Labyrinth" von Kate Mosse in der Weltbild-Taschenbuch-Ausgabe (Informationen zum/zur Übersetzer/in habe ich nicht gefunden) zu Ende gelesen. Der erste Satz des Prologs:


"Ein dünner Blutfaden läuft die blaue Innenseite ihres Arms wie ein roter Saum auf einem weißen Ärm herunter."

Dr. Alice Tanner hat eigentlich nichts mit Archäologie zu tun. Sie ist "nur" ehrenamtliche Helferin auf der Ausgrabungsstelle in den Pyrenäen und dort aufgrund der Einladung einer Freundin. Der letzte Tag der Arbeiten, ihr Partner taucht nicht auf, also arbeitet sie oben auf dem Berg allein. Ein Glitzern weckt ihre Aufmerksamkeit: eine Fibel unter einem Felsstein, letzterer verdeckt den Eingang zu einer Höhle. Natürlich kann sie sich nicht zurückhalten und statt bei der Leitung Bescheid zu geben, geht sie allein hinein. Sie findet zwei Skelette, eine auf die Wand gemaltes Labyrinth, einen Altar und einen Ring, der ihr entgleitet. Denn sie stürzt unglücklich, als sie weitere Schritte in der Höhle hört und sich erschrickt. Später wird sie von der Polizei verhört und einem mysteriösen Anwalt verhört, vorgeblich weil man einen Mord vermutet, obwohl klar erkennbar ist, daß die Skelette alt sind. Seltsamerweise ist sowohl die Fibel, als auch der Ring fort und Alice's Freundin extrem sauer. Und dann sind da noch Alice's wiederkehrende Träume: Diese stellen das Leben im 12. Jahrhundert dar, eine junge Frau, Alais,kommt darin vor. Es geht um drei geheimnisvolle Bücher, um den Gral und seine Hüter, den Kreuzzug gegen die Katharer im Languedoc. Seltsame "Zufälle" in Alice's Umfeld passieren: Ein junger Polizist gibt ihr eine Telefonnummer und wird kurze Zeit darauf Opfer eines Verkehrsunfalles. Ihre Freundin verschwindet und niemand weiß, wo sie ist. Wer ist der Anwalt? Wer verfolgt Alice und bricht sogar in ihr Hotelzimmer ein. Was hat es mit dem Labyrinth auf sich und warum wußte offenbar selbst Alice's bereits verstorbener Vater nichts von seiner Halbschwester, die Alice alles vermacht hat. Und sind die Träume wirklich nur Träume?

Fragen über Fragen, die auch beantwortet werden. Der Roman war informativ und gerade auf den letzten 200 Seiten noch einmal spannend und fesselnd geschrieben. Uneingeschränkt glücklich bin ich mit dem Buch dennoch nicht geworden. Der Hauptgrund hierfür liegt in der Struktur des Buches,die ich als nicht so gelungen empfunden habe. K.M. beginnt mit der Ausgrabung in der Gegenwart. Die Geschichte bleibt in der Gegenwart, springt jedoch zu einem anderen Ort und einem anderen Geschehen (ein Ritual wird ausgeübt).  Die Beschreibung hier im Prolog - und später im Epilog - ist veschieden zu dem Buch im übrigen, denn sie erfolgt in der Gegenwart aus der Perspektive eines Dritten: "Alice ist nicht religiös. Sie glaubt nicht an Himmel oder Hölle, nicht an Gott oder Teufel ..." Später wird die Geschichte zwar weiterhin aus der Perspektive eines Dritten erzählt, jedoch in der Vergangenheitsform: "Authié zeigte nach oben, wo noch immer das Absperrband im Wind flatterte."

Alice jedenfalls verliert das Bewußtsein. Es geht es ins Jahr 1209 und Alais Geschichte wird erzählt. Im Rahmen dieser Geschichte wird Alais überfallen und verliert das Bewußtsein ... und es geht ins Jahr 2005 zu Alice.6 Kapitel und schon sind wir wieder im Jahr 1209. So geht es hin und her. Neben den zeitlichen Orientierung, die dem Leser durch die vorangestellten Zeiten im Kapitel durchaus erleichtert wird, führt die Autorin diverse Personen der Gegenwart und Vergangenheit ein. Das Problem dabei ist, daß der Leser nicht nur ständig zwischen den Zeiten springt, sondern in der jeweiligen Zeitzone auch noch die agierenden Personen "ordnen" muß, wobei zudem die Ereignisse scheinbar unzusammenhängend stattfinden. Hinzu kommen sehr viele historische Informationen - naturgemäß besonders in Alais' Zeit -. Außerdem läßt die Autorin zur Charakterisierung die einzelnen Personen auch verschiedene Begriffe verwenden: Filha (Tochter), "Ligote-La". Auch ein und derselbe Ort wird zur Charakterisierung von Nord- und Süd- Bewohnern verschieden benannt. Zwar erläutert die Autorin im Anhang den Grund hierfür und es gibt auch ein Glossar zu den benutzten Worten bzw. Phrasen. Alles in allem fand ich diesen Aufbau und die Art der Charakteristika jedoch leicht verwirrend. Das war wohl auch der Grund, weshalb ich bei diesem Buch recht lange brauchte, bis ich "im Geschehen" war.

Möglicherweise fielen mir die vorstehenden Punkte auch nur deshalb so gravierend auf, weil ich kurz vorher "Das gläserne Tor" von Sabine Wassermann gelesen hatte. Zwangsläufig brauchte sich diese Autorin nicht so zwanghaft an das frühere tatsächliche Geschehen orientieren, da die Geschichte dieses Romans ja hauptsächlich in Anschars Welt stattfindet. Aber mir persönlich hätte es auch im verlorenen Labyrinth "besser" gefallen, wenn ich in einem Teil Alais' Geschichte gelesen hätte und in einem weiteren Teil dann Alice's und im dritten Teil dann die Auflösung unter Einbezug von Alais und Alice's Geschichte.

Nun, ich bin neugierig, wie sich "Die achte Karte" von Kate Mosse demnächst lesen wird. Vielleicht komme ich dann eher in den Schreib- und Strukturstil von K.M. hinein, vielleicht ist es auch anders aufgebaut. Ich lasse mich überraschen.

Eine "Nebensache" noch, die durchaus auch im Forum bei Bücher Blogs angesprochen wird:
Das Cover meiner Weltbild-Taschenbuch-Ausgabe zeigt einen Ring, offensichtlich aus einem glänzenden Metall. Oben ist ein rundes Labyrinth eingearbeitet. Ob der Covergestalter wohl etwas im Buch über einen Steinring mit einem an der Unterseite eingearbeiteten Labyrinth gelesen hat? Der Text auf der Buchrückseite spricht im übrigen davon, daß Alice auf die Höhle stößt und dann: 800 Jahre zuvor erhielt Alais am selben Ort ein Buch... Ah ja, am selben Ort. Sicher doch...Wer die Kurzangabe wohl geschrieben hat?

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