Mittwoch, 19. August 2009

Nachlese "In meinem Himmel"

Ich habe "In meinem Himmel" von Alice Sebold ausgelesen. Am 14.08.09 hatte ich ja die Inhaltsangabe gem. Goldmann bereits skizziert. Die Erzählerin Susie wird mit 14 Jahren vergewaltigt und ermordet. In dem Roman läßt A.S. ihre Hauptperson nicht nur schildern, was ihr wiederfuhr und was sie dabei fühlte, sondern auch, wie Susie "ihrem Himmel" gestaltet, was sie dort erfährt. Ich scheue mich, in diesem Zusammenhang von "erleben" zu sprechen. Würde die Wahl dieses Wortes nicht bedeuten, daß Susie lebendig ist?

Susie ist gestorben, ihre Seele ist nicht mehr auf der körperlichen Welt. Dort kann sie nichts mehr leben, nichts mehr er- oder durchleben. Aber wie soll man das bezeichnen, was Susie in ihrem Himmel tut? Sie gestaltet ihn, denn jeder hat seinen eigenen Himmel. Sie beobachtet ihre Eltern, ihre Schwester, ihren Bruder, ihre Großmutter, ihren Mörder und noch mehr; Susie weiß, was sie fühlen. Aber eingreifen kann sie nicht. Sie ist machtlos, wenn ihr Vater mit ihrem Mörder Kontakt hat, wenn Ray - ihre erste Liebe - des Mordes an ihr verdächtigt wird. Sie fühlt mit Ruth, dem Mädchen, daß sie beim Verlassen ihres Körpers gestreift hat, wie Ruth sich verändert. Sie sieht mit an, wie sich ihre Familie mit der Zeit entwickelt und wohin.

Alice Sebold läßt Susie über ihr vergangenes Leben, aber auch dasjenige ihrer Familie und Freunde philosophieren. Und natürlich trauert Susie ihrem Leben hinterher, den verpaßten Gelegenheiten.

Geht man von der Prämisse aus, daß der Verstorbene nach seinem Tod in seinen Himmel aufsteigt, wie A.S. es schildert, stellen sich die Fragen: Trauert nicht auch er wegen seines Verlustes? Muß nicht auch er Abschied nehmen? Kann er sich vom "Leben" das zweite Mal freiwillig losreißen, indem er seine Bindungen an die Lebenden auflöst? Und muß er das überhaupt?

A. S. ist es gelungen, mich mit Susies Geschichte, der Geschichte ihrer Familie und Freunde und der Frage, was mit ihrem Mörder passiert, zu fesseln. Ich habe den Roman sehr zügig und ohne "Nebenlektüre" durchgelesen.

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