Sonntag, 23. August 2009

Michael J. Fox

Ich habe mir gerade "The Frighteners" (gebraucht) zugelegt, die 4DVD-Version mit Kino- und Directors-Cut und diversem Bonusmaterial. Bislang habe ich den Film nur im TV gesehen und fand ihn immer schon sowohl witzig, als auch traurig incl. Horror- und Krimielementen. Dieser Tage werde ich ihn mir mal wieder - nun im Original - anschauen.

In seinem autobiographischem Buch "Comeback - Parkinson wird nicht siegen" wird diese Fimproduktion (leider) nur in einem Nebensatz erwähnt. In das Buch mußte ich mich erst kurz "einlesen" angesichts der zeitlichen Strukturierung durch MJF. So beginnt seine Biographie mit dem "Erhalt der Botschaft", die im Zittern des kleinen Fingers besteht, im Jahre 1990. MJF geht dann auf eine Reise vor und zurück:

Die Schilderungen seiner Kindheit, Jugend bis zum Umzug nach LA wechseln sich ab mit den Geschehnissen ab dem "Erhalt der Botschaft" in 1990; einer Botschaft, die er zwar erhielt, jedoch nicht entschlüsseln konnte bzw. nicht wollte: Young-Oneset-Parkinson. Er schildert seinen Weg durch die klassischen Reaktionsmuster nach Elisabeth Kübler-Ross bei Diagnose von Schwererkrankungen: Leugnung/Isolation - Zorn - Verhandeln mit dem Schicksal - Depression und Akzeptanz. MJF erzählt, aus welchen Gründen er nicht über die Krankheit sprach, auch nicht mit seiner Frau, und wieviel Zeit und Methoden es brauchte bis zur Akzeptanz. Natürlich hatte die Krankheit Auswirkungen auf seine Arbeit und seine charakterliche Entwicklung. Aber MJF hat auch anders bedingte Moment der Klarheit, z.B. als er wegen einer Grundstückssache verklagt wird und an den Gerichtsverhandlungen teilnimmt: Hat er sein Leben unter Kontroll? Mit oder ohne Parkinson?

Chaos City: Eine TV-Show geschaffen aufgrund der Besonderheiten seiner Krankheit (in New York in der Nähe seiner Familie, Proben und Aufnahmen gut mit Medikamenteneinnahme zu timen, den Verantwortlichen ist sein Zustand von Anfang an bekannt)

Öffentliche Bekanntmachung seiner Erkankung: Medien, Erkrankte, Forschungsinstitute und Stiftungen. An einer Stelle heißt es ehrlich im Buch (Übersetzung: Bernd Rullkötter):

"Ohne es zu wollen, hatte ich eine nationale Auseinandersetzung mit der Parkinson-Krankheit ausgelöst ... Damals war ich noch nicht bereit, den Fernsehapparat einzuschalten, doch naiverweise glaubte ich, meine eingegangenen Emails gefahrlos prüfen zu können. Ein Irrtum, denn sobald die AOL-Homepage auf dem Monitor erschien, sah ich mein Bild mit Schlagzeile. Fast hätte ich erwartet, daß mich ein elektronisches Zwitschern mit den Worten 'Willkommen! Sie haben Parkinson!' begrüßen würde."

Ich konnte mich nicht zurückhalten und lachte beim Lesen laut los. Die "Sie haben Post"-Stimme von AOL ist immer noch recht lebendig in meiner Erinnerung. Und wie MJF an anderer Stelle auch darlegt zu Chaos-City auch darlegt: Er will das Publikum immer noch zum Lachen bringen; er ist Komiker. +Parkinson, aber zuerst: Komiker.

Aber seine Prioritäten verschieben sich: Die Krankheit greift auch rechtsseitig nach ihm und durch den Berufsstreß wird sie forciert. Die Zeit für die Familie wird wichtiger als der Beruf.

Sein Engagement für die Parkinson-Forschung bleibt natürlich nicht unerwähnt. Das Buch schildert noch seinen "Auftritt" 2000 vor einen Untersuchungsausschuß des US-Senats in Washington zur Frage der Haushaltsmittel für embryonale Stammzellenforschung, es endet jedoch 1995 mit der Schilderung eines Traums. Dieser Traum hat nicht Parkinson zum Inhalt, sondern einen Walnußbaum, gewachsen aus einer ungeschälten Walnuß, die der kleine Michael J. Fox vergraben hat und deren Keimling für ihn ein Zeichen für seine Großmutter Nana war. Nana, die immer an ihn geglaubt hat und ihn nie Mike, sondern Michael nannte.

Es ist kein Hinter-den-Kulissen-Bericht zu Filmen, an denen er gearbeitet hat, auch wenn sie erwähnt werden. MJF listet keine Hollywood-Größen auf und verbreitet Klatsch und Tratsch, auch wenn bekannte Namen vorkommen. Er schildert Kindheit und Jugend und Karierre, aber die eigentliche Story betrifft den Zeitraum 1990 bis 2000. Und er läßt Komik und Ironie durchscheinen ebenso wie Tragik, veschweigt weder die schönen Tage, noch sein Alkoholproblem. Und natürlich schildert er sein "Comeback", nicht bezogen auf Film oder TV, sondern seine Rückkehr ins Leben, zu seiner Familie, zu den wirklichen Werten.

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