Sonntag, 16. August 2009

Philosophische Exkursion

Irgendwo auf den Seiten der Biographie von Nietzesches Denken kann man lesen, daß Nietzsche in seinen Schriften nicht den direkten Weg ging. Seine Grundgedanken waren durchaus in Nebensätzen "versteckt". Der Autor Rüdiger Safranski drückt es so aus, daß man sich durch ein Labyrinth lesen muß, manchmal auf Irrwege geriet, Nietzsches Ansicht und seine Argumente fand - oder auch nicht. Was Nietzsche, so deutet Safranski es an, nicht so sehr störte, wie man annahm. Es war ihm wichtig, daß man "das Denken" vornahm bzw. wiederfand, man mußte nicht zwangsläufig seine Ansichten teilen. Unter dieser Voraussetzung war für mich Safranskis Buch ein erfolgreicher Vermittler. Wie bereits in einem früheren Blog gesagt, ist dies kein Buch, daß man "einfach so" liest:

Neben mir liegt das Buch und ein - volles - Schulheft mit meinen Notizen, teilweise Zitate von Safranski, teilweise Zitate von Nietzsche, teilweise Anmerkungen undQuerverweise von mir. Ein Notizheft zu einem Buch, ein wenig wie ein Exzerpt für die Schule :)

Nietzsches Persönlichkeit und seine Anschauungen sind komplex, muß eigentlich nicht gesagt werden, oder? Seine Art der Selbstschöpfung und Selbstgestaltung (Bildung einer zweiten Natur) , aber auch seine Vergeßlichkeit (er hatte seine früheren Werke regelmäßig nicht bei sich und mußte sich auf sein Gedächtnis verlassen) führten dazu, daß seine Schriften und Werke viele Wiederholungen enthalten, aber auch gegensätzliche Standpunkte und Argumente. Erforschte er die Welt aus der Perspektive der Leidenschaft zur Wahrheit, zur Schöpfung, der Ekstase, verwies er die nüchterne kontrollierende Wissenschaft auf einen niederen Platz. Dann wieder fühlte er, daß unkontrollierte Leidenschaft doch unter Beobachtung gestellt werden müsse etc. Diese Art der Darlegung und Verbreitung seiner Überlegungen und Erkenntnisse führte meiner Ansicht auch dazu, daß noch heute die Ansichten zu Nietzsche auseinanderklaffen und soviele Interpreationen möglich sind. Nietzsches hat was er bejahte irgendwann auch wieder verneint, heißt es - verkürzt - an einer Stelle bei Wikipedia. Was in diesem Blog folgt, will ich auch unter diese Prämisse stellen:

Es handelt sich um meinen Abriß des Buches mit ganz verkürzter Ableitung. Ich habe keine Ahnung, was Safranski und Nietzsche von den nachfolgenden Zeilen halten würden :)

Nietzsche überdachte die Funktion der Moral. Er untersuchte das Denken und die Wahrnehmung, die Bildung des Bewußt-Seins. Unter dem Einfluß des Darwinismus entwickelte er seinen Typus des Über-Menschen. Auch andere Philosophen, selbst Darwin, sahen die Weiterentwicklung des Menschen zur höheren Stufe "Über-Mensch" als Möglichkeit, das Konzept war also zeitgemäß. Wie ich es verstehe war Nietzsches "Wille zur Macht" der Wille zur Gestaltung, zur Schöpfung, den Nietzsche im Menschen suchte, er war für ihn ein Konglomerat verschiedener Formen des Willens: zur Kunst, zur Wahrheit, zur Erkenntnis, zur Umwandlung. Diese Willensformen sollen in uns in einem beständigen Werden, in einem beständigen Kampf sein und um die (Vor-)Macht kämpfen.

Seine Ansichten inspirierten Künstler wie Thomas Mann, Gustav Mahler, Richard Strauß. Es entwickelte sich die "Lebensphilosophie" aus Nietzsches Grundgedanken, daß Leben sich selbst gestalten muß und das Bewußtsein - positiv oder negativ - hierin wirkt. "Leben" wurde ein Losungswort der Jugend, ein Gefühl und eine Bewußtsein für Vitalität, Aufbruch und Werden statt Verharren, Finden neuer und nicht nur Entdeckung alter Werte. Architektur, Kunst (Expressionismus, Jugendstil) wurden inspiriert von dieser Lebensphilosophie.

Ironischweise bekam Nietzsche, der natürlich seine Lehren verkündet und beachtet sehen wollte, nicht einmal den Beginn hiervon mit. Erst nach seinem geistigen Zusammenbruch wurden seine Schriften populär: Der Philosoph, der das Ungeheure schaute und darüber den Verstand verlor.

Tragisch. Meine Meinung: Nietzsche war jetzt in der von ihm postulierten dionysischen Wirklichkeit, im Ungeheuren, angekommen. Ob nun physiologisch oder psychologisch bedingt, er war kein Über-Mensch in seinem eigenen Sinne. Letzter hätte aufgrund der physiologischen Entwicklung nicht erkranken können (genetische Züchtung) bzw. wäre psychologisch in der Lage gewesen, das Ungeheure zu sehen und sich diese Erfahrung unbeschadet einzuverleiben...

Seiner Leidenschaft für Musik ist er wohl bis zu seinem geistigen Ende treu geblieben, denn er tanzte kurz vor seinem Zusammenbruch. Und Musik war für ihn Leidenschaft und die universelle Kommunikationsform. Sie bedurfte keiner Sprache, sie wurde gefühlt. Für ihn wird die Musik wohl eine Art Schwingung in der absoluten dyonisischen Wirklichkeit (das umfassende Sein) gewesen sein. Sie diente einerseits als Mittler, um in die absolute Wirklichkeit durch Ekstase zu gelangen, in der absoluten Wirklichkeit zu schwingen und den Menschen aus ihr unbeschadet zurück in unsere normale Welt zu geleiten. Vielleicht hat Rüdiger Safranski deshalb das Buch mit dem Satz begonnen "Die wahre Welt ist Musik"

Ich habe Nietzsche nicht vollständig begriffen, dazu hätte ich mich nicht einfach so in diese Thematik "werfen" dürfen. Das Buch war theoretischer, als ich erhofft hatte, und an einigen Stellen ohne Nebenlektüre nicht verständlich. Manches Mal auch mit Nebenlektüre nicht, jedoch hatte ich auch keine Lust, dann tiefer einzusteigen und mir Literatur über Paul Reé, Phänomologie, Heidegger, Jasper, Bertram, Foucault usw zu besorgen. Aber meine Intention war auch nicht, Nietzsches Philosophie zu verinnerlichen und vollständig zu begreifen (hm Bequemlichkeit). Ich wollte etwas über Nietzsche erfahren und meine Methode war das Lesen von Rüdiger Safranskis "Nietzsche, eine Biographie seines Denkens". Und die Anfertigung eines Exzerpts mit eigenen Anmerkungen :) , das ich beim Buch belassen werden.

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