Montag, 24. August 2009

Doktor Stratmann "Kunstfehler"

Das Wetter hatte sich ja super gehalten. Es war sonnig und am Abend noch lange warm. Als wir die Freilichtbühne um ca. 22.35 Uhr verließen, waren es noch immer gut 20° C. Da wir ja bald den September begrüßen dürfen und es morgens auf dem Roller schon mal empfindlich kalt ist, empfand ich das Wetter natürlich als ein Geschenk. Sicher war ich dabei nicht allein.

Bevor es auf die Bühne zu Doktor Stratmann ging, sind meine Kollegin U. und ich aber erst einmal im Tecklenburger Fabula essen gegangen:



Wir blieben natürlich im Biergarten. Wunderschöner Ausblick, nicht wahr?



Vorweg die typischen Fabula-Knöllchen, jedoch mit Tzatziki, nichtAioli, die U. und ich uns teilten.



Danach gab es für mich einen mexikanischen Tortilla, gefüllt mit Spinat, Zwiebel und Hirtenkäse, Salat und zweierlei Dip (Salsa und Guacamole). U. entschied sich für Schweinesteak an Gorgonzolasauce, Bandnudel und Salat.



Ich war mit meinem Gericht sehr zufrieden, meiner Kollegin war das Schweinesteak etwas zu trocken. Tja, Kismet.

Nach einem kleinen Verdauungspaziergang erwartete uns dann folgender Anblick (während der Aufführung darf nicht fotografiert werden). Die Fotos sind erneut mit meinem Handy geschossen und so ist auch die Qualität, bitte nicht heranzoomen ;-) . Aber es soll hier ja nur ein Eindruck vermittelt werden.



Von dem Musical "Evita" finden in diesem Jahr keine Aufführungen mehr in Tecklenburg statt. "Aida" wird noch bis 06.09.2009 aufgeführt. Die Kulissenbilder von Aida standen auch bei der heutigen Kabarett-Aufführung, was mich aber nicht weiter störte.



Und so leer wie auf diesem Foto blieb es nicht. Ich hatte den Eindruck, daß die Vorstellung fast vollständig ausverkauft war, trotz Montagsvorstellung nach Ferienende.

Dr. Stratmann's alter Ego Jupp Kwiatkowski, seines Zeichens kein Doktor sondern "Facility-Manager", begrüßte das Publikum der Freilichtbühne Tecklenburg als Erstsemester der Medizin in einem Hörsaal. Sprache: Ruhrpott mit dem Hinweis: Ja, er könne Genitiv und Dativ - nach dem Zufallsprinzip.

Angesichts der Gesundheitspolitik sei es heute so, daß zwischen Doktor und Patient eine Art Zwischenstation geschaltet werden müsse. Der Grund sei ganz einfach: Ein Patient habe ja nicht das medizinische Lehrbuch gelesen und sei deshalb nicht in der Lage, dem Arzt sein Problem korrekt zu schildern. Andererseis hat der Arzt ja nicht selbst jede Krankheit gehabt und könne daher mit den Schilderungen des Patienten nicht unbedingt etwas anfangen und natürlich auch nicht dessen subjektives Empfinden nachvollziehen. Nachdem dies geklärt war wurde in der ersten Programmhälfte erzählt, vorgelebt und erläutert, welche Probleme es im Gesundheitssystem gäbe, in seiner Kleingartenanlage und bei ihm als Top-Vorführpatient. Normale Patienten könne man ja nicht mehr in den Hörsaal bekommen, da die neue SCHIEB-Karte ja alles speichere incl. ganz verborgener und ganz aktuer Erkrankungen (... gut, daß Sie heute gekommen sind (und in Gedanken: morgen wär die Krankeheit vorbei)..., ist ganz akut). Auch sei die Rücksicht auf Intimsphäre im Rahmen medizinischer Untersuchungen auch nicht immer hilfreich: So geschehen, als einem Patienten die Unterhose angelassen wurde, was dazu geführt habe, daß "die Röhre" fast explodiert wäre angsichts des dadurch verborgen gebliebenen Extrempiercings. Es war durchaus erheiternd, obwohl so manche Pointe an mir vorbeirauschte. Sei es, weil es sich um Fußball drehte (insofern geht alles an mir vorbei) oder weil ich manches schlicht nicht so witzig fand. Meine Kollegin amüsierte sich insgesamt köstlich.

Nach der 20minütigen Pause ging es mit einem Querschnitt durch die deutsche Fernsehlandschaft weiter: War es zu Beginn wie ein Zappen von einem Kanal zum anderen, wobei man nur den Ton hört, vermischte sich zum Ende des ca. 10minütigen Vortrages das komplette "Programm", so daß der Staatsanwalt mit dem Verteidiger schlief, Richter Holt einen Vaterschaftstest bei Olli Geißen anregte und Biolek erklärte, daß sich das Schwein am längsten halte, wenn es lebendig sei. Im weiterne Verlauf ging es dann kurz um die Unterscheidung zwischen Comedy und Kabarett, dem Dialog mit dem Publikum, es gab Selbstironie und Koketterie. Ein Schwenk erneut in die Kleingartenanlage und das künstlerische Talent "Jupps". Auch hier Schmunzelfaktor.

Fast auf der Holzbank zusammengebrochen vor Lachen bin nicht nur ich, sondern das gesamte Publikum, als es in der Zugabe um Jupps Frau Inge ging und ihren - sowie seinen - Besuch beim Frauenarzt. Die Szenerie wurde so hervorragend von Dr. Stratmann umgesetzt: die morgendliche Toilette, Juckreiz, der Frauenarztbesuch, die Hysterie Inges, die Forderung, daß beide zum Frauenarzt gingen und auch ihm ein Abstrich genommen werden sollte, seine Panikattakte bei Ansicht "des Stuhls" und letztlich seine Flucht aus der Praxis. Ich hatte den Schrebergarten-Jupp mit seiner Inge aus Bottrop so richtig vor meinem geistigen Auge, echt witzig. Für Interessierte: Hier ist die Homepage des Künstlers: Doktor Stratmann – Heiteres Medizinisches Kabarett

Alles in allem war es ein schöner Abend, den ich mit meiner Kollegin in Tecklenburg verbracht habe. Und obwohl ich das Programm unterhaltsam fand, ist der Kaberettist Dr. Stratmann nicht meine Welt. Sollte ich in Übertragungen seines Theaters im WDR reinzappen, würde ich vermutlich weiterschauen. Aber er hat mich nicht so weit beeindruckt, daß ich noch einmal extra zu einer Vorstellung gehen würde.

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