Sonntag, 30. August 2009

american gods

Irgendwie habe ich das Gefühl, daß mir in dem Roman viele Dinge während des Lesens entglitten sind. Als sollte ich das Buch jetzt noch einmal beginnen.  Zwar sehe ich jetzt das gesamte Bild, sehe die versteckten Indianer - um Neil Gaiman zu zitieren -, jedoch sind die Details verschwommen. Wie bei einem Vexierbild, in welchem man zuerst die Einzelheiten sieht und erst später die versteckte Gestalt. Dieses Gefühl habe ich jetzt nach Beenden des Romans "american gods". Es ist auch nicht so, daß ich etwa Zeilen oder gar Seiten überflogen hätte, vielmehr liegt es für mich wirklich an der Detailfülle, an den  verschiedener Themenkreise in diesem Roman:

Es wird Shadows Geschichte erzählt, beginnend mit seiner vorzeitigem Entlassung aus dem Gefängnis wegen des Todes seiner Ehefrau. Es gibt Rückblenden in seine Vergangenheit und diejenige seiner Eltern. Sein Fahrten durch Amerika allein bzw. mit Mr. Wednesday (=Odin) sind Hauptbestandteil des Buches zusammen mit seinen Begegnungen mit diversen alten und neuen Göttern.Es wird Wednesdays Geschichte erzählt und die weiterer alter Götter, wie sie nach Amerika kamen.Es wird die Geschichte der neuen Götter erzählt, die in Amerika "geboren" wurden durch den Glauben der Menschen an die Macht des Geldes, der Technik usw. Dann gibt es noch Geschichten der ursprünglichen Götter Amerikas, des Landes, wie den Büffelmann oder die Kondorfrau. Und natürlich wird der Kampfes zwischen den eingewanderten und den neugeborenen Göttern erzählt und inwieweit dies die Götter Amerikas überhaupt interessiert. Es gibt Entwicklung, Leben, Tod und Wiedergebort, es werden kryptische Träume und Visionen geschildert. Gaiman läßt Zwischenspiele stattfinden, die in anderen Gegenden Amerikas Erlebnisse der Götter oder Menschen beschreiben oder springt in die Zeit der Besiedelung Amerikas vor Christus, vor Kolumbus, nach Kolumbus und beschreibt die Ankunft einiger Menschen und ihrer Kultur sowie Götter.

Was ich in Gaimans Sandman-Comics mag, nämlich seine Fabulierkunst und auch das Springen von Geschichte zu Geschichte, empfinde ich in diesem Roman eher als hinderlich. Der Roman hat eine Struktur, aber für mich als Erstleserin war diese Struktur nicht klar genug. Ich habe so manches mal eine Passage im Roman gelesen und mich gefragt, wo der Anfang dieser speziellen Geschiche war und wie der Autor hierhingekommen ist. Also habe ich im Buch wieder zurückgeblättert, gesucht und die Stelle auch gefunden. Wenn mir das ein- oder zweimal passiert: Nun ja, vielleicht war ich nicht so konzentriert, wie ich dachte. Passiert mir das bei einem 618-Seiten-Roman aber mehr als 4mal, beginne ich mich zu fragen: Liegt es an mir oder am Buch. Ich möchte nätürlich nicht gerade denken, daß es an mir liegt :), ist es doch viel angenehmer, dem Autor den Schwarzen Peter zuzuschieben, das weiß ich wohl. Letztich muß dies ja auch jeder Leser selbst "erlesen".

Von Vorteil ist die Informationsfülle schon: Beim nächsten Lesen des Romans kann ich vermutlich mehr Details bzw. mehr Zusammenhänge erkennen, die Nebenfiguren sind vertrauter, Verknüpfungen fallen leichter. Ich werde NICHT den Roman jetzt umgehend noch einmal beginnen. Das wäre dann doch zuviel des Guten für mich. Aber der Roman wird wieder in meiner Leseliste auftauchen ...

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