Dienstag, 22. Juli 2014

Fotos von den MuMs - wird doch mal wieder Zeit, oder? :)

Hier sind die Helden mal wieder. Die Fotos wurden mit meinem neuen Handy aufgenommen und regelmäßig mit Instagram-Filter bearbeitet.

 (ohne Bearbeitung
 (ohne Bearbeitung)

(Merlin on top of Marlowe on top of me)

 
(vergangenen Samstag auf dem Balkon, Marlowe in Flirtlaune)





Sonntag, 20. Juli 2014

"Der Mieter" von Roland Topor (audio)

Okay, das war seltsam, manchmal eklig.
Und surreal.

Aber von Anfang an.

"Der Mieter" von Roland Topor erzählt von dem Angestellten Trelkovsky, der in Paris eine Wohnung sucht. Offenbar ist das in Paris in der Zeit, in welcher der Roman spielt, ein echtes Problem und Drama. Von einem Bekannten erfährt er dann, dass gerade ein kleine Wohnung  freigeworden ist. Die Mieterin habe nämlich einen Selbstmordversuch unternommen und liege mit schweren Verletzungen im Krankenhaus. Es ist unwahrscheinlich, dass sie je in die Wohnung zurückkehren wir.  Trelkovsky begibt sich in das Haus zum dort lebenden Vermieter und nach einigem Hin und Her erhält er die Wohnung. Trelkovsky besucht Simone auch noch einmal im Krankenhaus, bevor diese verstirbt, kann aber mit ihr kein Wort wechseln. Sein Glück, eine Wohnung gefunden zu haben, wird jedoch alsbald getrübt. Die Nachbarn beschweren sich über die Lautstärke der Einweihungsfeier, das Möbelrücken etc. Mehr und mehr fühlt sich Trelkovsky von den Nachbarn überwacht, schikaniert, bedroht, obwohl er sich kaum noch in der Wohnung bewegt. Hinzu kommt Trelkovskys Interesse für die verstorbene Simone. Oder wurde auch letzteres nur von den Nachbarn induziert?

Es ist nur Jens Wawrzeck zu verdanken, dass ich das Hörbuch beendet habe. Denn gerade den Anfang der Geschichte mit den Schleimereien Trelkovskys fand ich nicht so interessant oder faszinierend. Mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit hätte ich die Geschichte früh ad acta gelegt, wenn, ja wenn nicht  Jens Wawrzeck mit seiner charakteristischen Stimme gelesen hätte. Es war noch nicht einmal so, dass er am Anfang exzessiv betont gelesen oder "agiert" hätte (das steigerte sich besonders zum Ende hin und das - dank des Sprechers - machte das Geschehen sehr präsent). Nach meinem Empfinden liest er Passagen fast nüchtern, distanziert, als würde Trelkovsky sich von außen betrachten und analysieren.

Jedenfalls blieb ich am Ball  und erlebte, wie Trelkovsky versuchte, in dem Mietshaus "Fuß" zu fassen und "dazu" zu gehören. Ich verfolgte einerseits, wie die verstorbene Simone Faszination auf ihn ausübte - im Cafe oder seine Freude, wenn er entdeckte, dass ihr Geschmack übereinstimmte. Und ich erfuhr andererseits von seinen Problemen mit den Nachbarn. Ist es das, wir heute Mobbing nennen? Entwickelt Trelkovsky paranoide Züge? Falls ja, weshalb? Was ist mit den Nachbarn, was ist mit Trelkovsky? Ihr mehr wissen wollt, dann greift zum Buch oder der Hörbuchumsetzung.  Ich will an dieser Stelle nicht detaillierter auf die Geschehnisse eingehen, weil sie in ihrer Komplexität zu Spoilern führen würden.

Ich denke, es ist eine Geschichte, die - falls man sie beendet - auf jeden Fall etwas im Leser/Hörer provoziert. Unbeeindruckt geht wohl niemand von der Geschichte fort. Sie wurde übrigens kurz nach Erscheinen von Roman Polanski (mit sich in der Hauptrolle) verfilmt. Den Film kenne ich allerdings nicht und kann jetzt nicht sage, wie werkgetreu er ist.



Samstag, 19. Juli 2014

Zugänge und Gelesenes/Gehörtes

Ungefähr Monatsmitte? Okay, dann zeige ich Euch heute die bisherigen Julizugänge. Sie sind irgendwie ... nun, schaut selbst:



Meine Hercule-Poirot-Phase ist offensichtlich noch nicht vorbei. :) Gelesen habe ich von den Zugängen übrigens sämtliche auf dem zweiten Bild abgelichteten Bände.

Auch mit  "(Mis)understandig Photography" habe ich mich schon beschäftigt. Letzteres war ein Katalog zu einer noch bis August 2014 laufenden Ausstellung über die Geschichte der Fotografie des Folkwang Museums. Er ist auch grundsätzlich interessant: Künstler die zur Ausstellung beitrugen (bzw. beitragen, sie läuft noch bis August 2014) kommen textlich zu Wort, ihre Arbeiten werden gezeigt. Leider sind die von mir erhofften Themen in dieser Form jedoch nicht dabei, sondern es geht um, hm, thematischen Beschäftigung mit der Geschichte der Fotografie: Arbeiten mit ursprünglichen Materialien und Papier, eigene Neuinterpretation/Nachgestaltung klassischer Fotografien, analoges Arbeiten, Nachspüren der Laienfotografie etc. Die Interessen, Ansätze und Interpretationen sind dabei so verschieden wie die Künstler. Nach der Inhaltsangabe hatte ich aber etwas anderes erwartet, nämlich einen Blick verschiedener Fotografen auf die Wahrnehmung der Fotografie als Kunst bzw. der Ergebnisse der Fotografie durch den Betrachter: Wie nimmt der Betrachter das Werk da im Verhältnis zur beabsichtigten Aussage, will (kann) der Künstler diese Perspektive überhaupt einnehmen, "spielt" er mit Erwartungen des Betrachters? Provoziert er Missverständnisse, will er sie auflösen etc...  Diese meine Erwartung wurde allerdings nicht erfüllt. ;)

Zu den Poirot-Büchern:
"Cards on the table" hinterließ mich zwiespältig. Den Plot fand ich interessant, Mrs Oliver reizend, aber Poirot musste sich mit zu vielen anderen ermittlenden Personen den Raum teilen (für mich), die Autorin spoilert einen ihrer eigenen Romane in diesem Buch und dann sind da noch Poirots Anmerkungen zur Selbstjustiz hier und sein Verhalten in einem anderen Fall ...

"Death in the Clouds" mochte ich, einige falsche Fährten habe ich vermieden, nur um der Autorin doch wieder "auf den Leim zu gehen".

"Three Act Tragedy" brachte ein Wiedersehen mit Mr Satterthwaite, auf das ich persönlich auch hätte verzichten können - viel lieber hätte ich mehr von Poirot in diesem Roman gelesen, musste aber im Grunde bis zum dritten Akt warten. Das ist auch mein größter Kritikpunkt, die Story fand ich ganz nett.

"Lord Edgware Dies" mochte ich sehr, nicht nur wegen des Plots, sondern weil Hastings und Poirot wieder interessante Gespräche hatten, z.B. über Zeugen.

"Murder on the Orient Express" ist solch ein Klassiker. Trübt das  vielleicht meinen Blick auf den Roman? Selbst wenn - für mich ist die Plotkonstruktion toll und auch noch als relativ zeitnaher reRead im englischen Original fesselnd. Die Filmadaption mit David Suchet ist übrigens vom Ton her deutlich anders, sehr dunkel. Von dem im Roman aufblitzenden Humor ist fast gar nichts mehr zu finden. Dennoch: Die Umsetzung erforscht etwas, dass in diesem Roman zwar so nicht auftaucht, aber zumindest in einem anderen ("Cards ..." ) thematisiert wird.

"Peril at House Ends" (noch ein Juni-Zugang) habe ich auch im Juli gelesen und auch war ich sehr angetan von dem Plot und war wie wild am herumrätseln. Ich habe auch etwas vor Poirot erkannt - nur konnte ich daraus sozusagen keinen Honig ziehen, weil ich diesen Aspekt nicht mit den anderen Dingen richtig verknüpfen konnte. ;)

Und in dem Poirot-Kurzgeschichtensammelband lese ich auch peu a peu weiter. ;)

Außerdem habe ich diesen Monat auch noch "Die Unsterblichkeit der Henrietta Lacks" ausgelesen, eine Leihgabe von Hermia (vielen Dank!), eine interessante Lektüre über die seit Jahrzehnten in der medizinischen Forschung genutzten HeLa-Zellen, die der Patientin Henrietta Lacks ohne ihr Wissen entnommen und verwertet wurden. Das Buch beschäftigt sich mit dem Leben Henriettas, dem ihrer Kinder und den HeLa-Zellen.

Dann war da noch das Buch "The Art of Recording Audio Books" by Barbara Rosenblat, für mich ein interessanter kurzer Blick hinter die Kulissen der Hörbuchproduktion (Nachlese: klick).

Und ich habe "Der Mieter" von Roland Topor, gelesen von Jens Wawrzeckgehört, eine Leihgabe von Ariana (vielen Dank). Ich will dazu eigentlich noch einen Nachklang schreiben, mal schauen, ob ich das schaffe. ;) Und hier ist der Nach-Klang (klick).

Außerdem im Juli beendet habe ich "Emma im Knopfland" von Ulrike Rylance, gelesen von Fritzi Haberlandt, und ich habe mich ganz wunderbar von diesem Kinderbuch unterhalten gefühlt, in dem Emma in dem Knopfzimmer ihrer Verwandten urplötzlich ins Knopfland transportiert wird und dort mithilfe von ein paar Knöpfen und Nichtknöpfen versucht, wieder "groß" zu werden und in ihre Welt zurückzukommen. Fritzi Haberlandt liest die Charaktere ganz bezaubernd.


Ach ja, Gesellschaft hatte ich beim Lesen übrigens auch regelmäßig. :)



Samstag, 12. Juli 2014

"Audiobook Narrator: The Art of Recording Audio Books" by Barbara Rosenblat

Merkwürdig, wie man manchmal zu seiner Lektüre kommt: In meinem Feedreader bin ich letztens in einem Beitrag über die Serie "orange is the new black" (die ich nicht kenne) über den Namen einer der dortigen Schauspielerinnen gestolpert: Barbara Rosenblat. Frau Rosenblat ist mir als Sprecherin von Hörbüchern ein Begriff, insbesondere habe ich ihr mit Begeisterung als Sprecherin der "Amelia-Peabody-Reihe" im engl. Original gelauscht.

Aufgrund des Beitrages und des Besuchs ihrer Webseite  (klick) fand ich heraus, dass sie ein ebook "Audiobook Narrator: The Art of Recording Audio Books" verfasst hat.

Mein Interesse war geweckt, auch wenn ich keine Karriere als Hörbuchsprecherin anstrebe. Der Preis des ebooks mit geschätzt 78 Seiten war mir allerdings zu hoch (aktuell 7,40 EUR). Allerdings hatte ich die Möglichkeit, das ebook auszuleihen - und so bin ich im Verlauf der letzten Woche  Hercule etwas untreu geworden und habe immer wieder in Barbara Rosenblats Ratgeber gelesen.

Auf dieser goodreads-Seite (klick, und dort unter "more") findet Ihr eine Auswahl aus den 39 Fragen, auf die Barbara Rosenblat im ebook eingeht. Die Fragen -und auch ein paar der Antworten - erinnerten mich etwas an die Kategorie "FAQ" auf manchen Webseiten. Nun, die Autorin führt im Vorwort auch aus, dass es Fragen sind, die ihr während eines 2,5 Stunden Seminars gestellt wurden - wer detaillierte Anweisungen zur Hörbuchproduktion oder Studio-Equipment erhalten möchte, der möge dieses Buch nicht kaufen (man sich eine ebook-Leseprobe schicken lassen kann, dürfte der potentielle Käufer wohl entsprechend gewarnt sein).

Dafür, dass das ebook kurz und die Antworten (zwangsläufig) regelmäßig überschaubar waren, fand ich eine erstaunliche Fülle an Informationen und die Lektüre interessant:

Ich habe mich nie mit der Frage beschäftigt, wie man ein professioneller Hörbuchsprecher wird oder ob meine Vorlese-Fähigkeiten mich in irgendeiner Weise hierfür qualifizieren würden (ich denke nicht). Meine Perspektive war bislang "kundengeprägt":  Mag ich dem Hörbuchsprecher, Stimme, seiner Interpretation, seiner Atmung (für mich in der Tat wesentlich: Hörproben, in denen ich den Sprecher bei normaler Lesung deutlich atmen höre, packe ich wieder weg, so z.B. Otto Sanders Lesung von "Der Hundertjährige, der durch ein Fenster ..." )? Ich habe in letzter Zeit mehrfach festgestellt, dass ich bei Hörbüchern ungeduldiger bin als bei Büchern. Während ich letzteren noch Zeit und ggf. eine neuerliche Chance gebe, breche ich Hörbücher ab, wenn mir der Sprecher nicht zusagt. So geschehen mit Gerd Anthoff  bei "Tod auf dem Nil" (ich glaube, es waren keine 10 Minuten) oder bei Peter Simonischek mit "Alexis Sorbas" (im zweien Track, glaube ich).

An einer Stelle erklärt die Autorin in ihrem Buch, dass Hörer manchmal keine 15 Minuten warten, um sich auf eine fremde (Hörbuch-)Stimme einzulassen.  ist natürlich keine in Stein gemeißelte Regel, aber wie schon erwähnt: Ich bin deutlich ungeduldiger bei Hörbüchern und will mich nicht stundenlang mit einem Sprecher herumquälen, wenn ich die Zeit angenehmer verbringen und mir das Hörbuch vielleicht sogar auch mit einem  Künstler suchen kann.

Es wird erkennbar, wie sehr es Barbara Rosenblat motiviert, dass sie den Hörer mit ihrer Stimme auf eine Reise mitnehmen kann, wie aufregend sie es findet,  mit dieser Kunst regelrecht zu verführen. Das muss auch etwas sein, was einen Hörbuchsprecher antreibt. Denn nach dem, was ich dem Buch entnehmen, es ist ein anstrengender Job, die Vorbereitung, das "Schauspielern" (nicht nur sprechen), nuanciert zu lesen, ein Tempo zu finden (bei Kinderhörbücher, die zusammen mit Printversionen erscheinen, ist es z.B. wichtig, dem Kind und ggf. einem Elternteil Zeit für Bilder etc. zu lassen). Die Bezahlung liegt zwischen "nothing and a lot of money". Die Bezahlung ist natürlich davon abhängig, wie gut (und bekannt) man ist, aber auch vom Studio, ob man Mitglied einer Gewerkschaft ist - oder ob z.B. der Autor einen bestimmten Sprecher ausdrücklich wünscht etc. Für Anfänger dürfte es zwangsläufig schwierig sein. z.B. weil sie noch keine Studioerfahrung haben. Hier verweist Frau Rosenblat auf das Programm "talking books for the blind", wo man vielleicht nicht bezahlt ist, aber Erfahrungen im Studio sammeln kann. Barbara Rosenblat geht im ebook auch auf  technische Aspekte ein - Heimstudio/Verlagsstudio, Raumklang etc. -, darauf, dass man sein eigenes "Werkzeug", seine Stärken kennen sollte. Sie gibt Tipps zum Erstellen von Demobändern und wo man Informationen über den Hörbuchmarkt und Studios etc. herbekommt. Interessant fand ich auch die Verweise auf  Audio-Datenbanken im Internet (z.B. für die Dialektrecherche).

Beim Lesen dieses kleinen Buches wurde für mich ganz deutlich, dass Barbara Rosenblat ihre Arbeit als Hörbuchsprecherin spannend  findet und mag. Das überrascht mich allerdings nicht: Ich denke nicht, dass man Hörbücher so sprechen/einlesen kann, wie sie es tut, wenn man nicht mit Freunde dabei ist.

Ein guter Hörbuchsprecher - ach, der englische Begriff  "voice artist" ist meiner Ansicht nach so viel passender! - hebt das Buch auf eine andere höhere Ebene. Ein Hörer, der das Buch bereits kennt, entdeckt vielleicht eines ganz Neues im Text oder seine Phantasie wird auf eine andere Weise angeregt, ein Charakter erscheint deutlicher oder man sieht Handlungsbögen in intensiverem Licht. Das finde ich als Hörerin natürlich großartig und ich  bin jedes Mal glücklich, wenn ich für mich einen solchen "voice artist" finde. Barbara Rosenblat gehört für mich dazu, Stepen Fry, David Nathan, Andreas Fröhlich, Oliver Rohrbeck um nur einige zu nennen. Deswegen an dieser Stelle einfach mal ein großes Danke an die Hörbuchsprecher und -sprecherinnen, die voice artists, dieser Welt und die unterstützenden Techniker, Regisseure und Produzenten - denn auch deren Rolle ist, z.B. wegen der Aufnahme von "Ton-Lesezeichen" für den Sprecher, nicht zu unterschätzen. ;)