Mittwoch, 22. April 2015

"Der Spiegel im Spiegel" von Michael Ende

Erstaunlich, aber wahr: Neben "Die unendliche Geschichte" und "Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch" habe ich mit "Der Spiegel im Spiegel" tatsächlich erst den dritten Titel von Michael Ende gelesen bzw. gehört.

Ich weiß gar nicht mehr genau, wie ich die beiden Audiobücher "Der erste Buchstabe" und "Das gefundene Wort" entdeckt habe, mit denen die im Buch "Der Spiegel im Spiegel" von Michael Ende enthaltenen Geschichten als Hörspiele umgesetzt wurden. Auf jeden Fall empfinde ich den Kauf der beiden Audiobücher als eine sehr gute Entscheidung - und ebenso den Nachkauf des Buches. Letzteres enthält 30 Geschichten, manche kürzer als die anderen. Diese Geschichten wurden sämtlich, allerdings nicht in der im Buch gedruckten Reihenfolge, bearbeitet und aufgeteilt in zwei "Staffeln", nämlich "Der erste Buchstabe" und "Das gefundene Wort", veröffentlicht.

Noch während ich die erste Staffel hörte, entschloss ich mich, das Buch nachzukaufen. Ich war von den gehörten Geschichten fasziniert und wollte den Ursprungstext sehen und die Zeichnungen, die Michael Endes Phantasie offenbar angeregt hatten. Ich kann nicht sagen, dass die Zeichnungen auf mich eine auch nur annähernd ähnliche Wirkung gehabt hätten; ich habe die Bilder nur betrachtet, ohne "mehr" zu sehen.  Zu mir "sprechen" die Bilder nicht weiter, aber Endes Texte berühren mich auf mehreren Ebenen, die ich nur schwer in Worte fassen kann.

Es ist interessant, dass die Geschichten sowohl in ihrer Reihenfolge im Buch "funktionieren" als auch losgelöst von dieser. Als ich zum Schluss das Buch las, sah ich eine lockere Verbindung der einen Geschichte mit der nächsten; manchmal war es ein Wort, manchmal eine Assoziation (ich will damit aber nicht sagen, dass jeweils nur die aufeinanderfolgenden Texte eine Verbindung hatten; letzteres wäre falsch). Wenn ich den Traumbegriff bemühen will, würde ich fast sagen: Das Lesen des Buches hatte für mich etwas mehr von einem leicht geführten Traum, während beim Hören mehr das Sprunghafte von Träumen betont wurde. In beiden Versionen nahm ich aber unbewusst Verbindungen und Zusammenhänge wahr, auch wenn es etwas dauerte, bis sie sich für mich offenbarten - oder scheinbar offenbarten. Ich glaube nämlich, dass das, was ich wahrzunehmen vermeine, sich von den Wahrnehmungen anderer Leser/Hörer teilweise oder ganz unterscheiden wird, mal abgesehen davon, dass ich sicher noch viele Bilder und Metapher nicht oder nicht in Gänze wahrgenommen habe (was ich nicht als schlecht empfinde, im Gegenteil). In den Geschichten ist so viel Platz für den Leser, dass dieser individuelle "Entdeckungen" machen und sich inspirieren lassen kann. Hier zeigt sich ein Nachteil der Hörspielumsetzung, auch wenn ich als sehr gelungen ansehe: Aufgrund ihrer Natur (Textbearbeitung, Vertonung, Casting, Lesart etc.) liefert sie bereits eine Basis und "beeinflusst" so die Wahrnehmung der Geschichten.

Michael Ende spielt mit Worten und erschafft mit ihnen Welten. Im Grunde reflektiert und philosophiert und kreiert nicht nur er ein Universum (oder ist es ein Multiversum?), sondern auch ich als Leser/Hörer, weil ich z.B. den Feuerwehrmann in der Bahnhofskathedralengeschichte mit einem großartigen Fest einer anderen Geschichte in Verbindung setze, obwohl weder der Mann noch die Kathedrale in der letztgenannten Geschichte erwähnt werden. Und das ist nur eine Art, in der ich involviert bin.

Ich weiß nicht recht, wie ich mehr zu den Texten sagen kann, ohne einem Hörer/Leser die Chance zu nehmen, sie - soweit in der Hörspielfassung möglich ;) - unbefangen kennenzulernen und Endes Traumwelt selbst zu erleben. Wer neugierig ist, findet in der Wikipedia zum Buch "Der Spiegel im Spiegel" durchaus  Einträge zu einigen Geschichten, allerdings wird manchmal schon eine Interpretation angeboten. Ich will noch so viel sagen:

Viele Geschichten sind surreal, dunkel, beunruhigend, ob es nun um einen Richter geht oder um den Weg des Bräutigams zu seiner Braut. Sie sind fantasievoll, traumhaft und magisch - ob es um unerwartete Musik geht oder eine auf eine Tafel gezeichnete Bühne oder um ein Kind, welches sich in einem unbewohnten Land unter schwarzem Himmel aufhält. Manchmal wird eine Geschichte in anderer Form aufgegriffen, dann wieder das Thema - oder eine Reflexion desselben.

Was die Audioumsetzung angeht, so zeichnet sich diese durch namhafte Darsteller und Erzähler aus, zu denen u.a. Mario Adorf, Andreas Fröhlich, Jens Wawrczeck, Oliver Rohrbeck, Joachim Kerzel, Annelie Krügel, Gunter Gabriel, Nicole Heesters, Carlo v. Tiedemann, etc. gehören. Was mich an der Audioumsetzung faszinierte, war die Kreativität, mit der die - teilweise übrigens abgeänderten - Texte präsentiert wurden. Es gab Mehrstimmigkeit, es gab Gesang, der Ton und insbesondere die Musik bildeten einen sehr stimmigen Hintergrund für die engagierten Sprecher. Zwar gefiel mir nicht jeder Sprecher an jeder Stelle (z.B. war mir der Seiltänzer bei seinem Zusammentreffen mit dem Seemann etwas sehr überdreht, obwohl ich den Sprecher schätze), aber das ist eine rein subjektive Wahrnehmung. An dem großartigen Gesamteindruck, sowohl zum Text als auch zur Audioumsetzung, ändert das nichts.

Donnerstag, 2. April 2015

März 2015 - Zugänge zum SuB und Winterkatzes SuB-trahiert

1) Zugänge
Ich starte mal gleich mit den Print- bzw. Audio-CD-Zugängen im Monat März:


"Ein Mann namens Ove" lag schon länger auf meinem Merkzettel. Als dieses Audio-Book ebenso wie "Schafkopf" von Andreas Föhr (ein weiterer Wallner-Kreuthner-Krimi) bei Amazon im Hörbuchangebot waren, habe ich direkt zugegriffen.

Mit Michael Endes "Der Spiegel im Spiegel" habe ich auch schon länger geliebäugelt und mir die zwei Audio-Umsetzungen mit hochkarätiger Besetzung (u.a. Andreas Fröhlich, Carlo von Tiedemann, Mario Adorf, Jens Wawrczeck, Oliver Rohrbeck, Gunter Gabriel, Nicole Heesters, Heinz Hönig und Gudrun Landgrebe etc.) von meinem Wunschzettel gegönnt.  Die erste Staffel habe ich auch bereits gehört und mir dann vor ein paar Tagen die Taschenbuchausgabe der Kurzgeschichtensammlung hinzugekauft. Ich möchte in der Lage sein, die Texte auch zu lesen und zu schauen, was verändert wurde (bislang sind mir textliche Änderungen nicht aufgefallen, allerdings hatte ich bei Durchsicht des Buches auch einen Teil der Geschichten einige Tage zuvor gehört und einen anderen Teil noch gar nicht (zweite Staffel)). 

Stephen Kings "Wind" gab es günstig im Remittenden-Laden; ich kenne das Buch bereits und war beim ersten Lesen etwas enttäuscht, vermutlich weil ich einfach andere Erwartungen an diesen - nachgeschobenen - Teil aus dem Dunklen-Turm-Zyklus hatte. Wenn ich letzteren noch und dann in entsprechender Reihenfolge lese, passt der Band vielleicht für mich besser hinein. Blöderweise hat Heyne diesen Band als Taschenbuch bislang nur in Schwarz herausgebracht, alle anderen Teile dieser Reihe habe ich silbrig-schimmernd. Nun ja. 

"Couchsurfing im Iran" von Stephan Orth lag ebenso wie "The devil in the detail" von Peter Littge in meinem Weg im örtlichen Buchladen, als ich Endes Printbuch "Der Spiegel im Spiegel" dort abholte. Sie taten mir so leid, dass ich sie mitnahm. Mit "The devil in the detail" habe ich bereits angefangen, muss aber sagen, dass mich dieses Titel nicht so mitreißt, wie ich es mir erhofft hatte; Humor ist immer eine heikle Geschichte und die sprachliche Dualität von deutsch und englisch im laufenden Fließtext finde ich persönlich etwas irritierend. 

"Afrika - Kunst und Architektur" von Ivan Bargna ist beim Stöbern durch das Amazon-Angebot bei mir gelandet; es ist bereits gelesen und es gibt auch sogar schon eine Nachlese.

Nicht abgebildet sind die ebook-Zugänge. Das englische Buch "Cruising Panama's Canal" von Sally und Al Lockwood gab es mal für lau und da habe ich zugegriffen. "Schweigende Schuld" von Elke Bergsma (ich mochte ihren Krimi "Tödliche Saat" ganz gern) und "Noch schöner Sterben" von Matthias Mattig gab es zu den Leipziger Buchmesse-Tagen günstiger und auch hier habe ich einfach mal zugegriffen. :) 

2) Winterkatzes SuB-trahiert




Ich habe aus dem Alt-SuB "Florence von Arabien" von Christopher Buckley gezogen. Ich habe zwar nur kurz hineingelesen und weggelegt, aber es ging wieder zurück auf den SuB. Momentan habe ich auf das Buch keine Lust, aber grundsätzlich bin ich weiterhin interessiert. Mehr vom Alt-SuB habe ich dieses Mal nicht angelesen oder sogar gelesen; ich habe einen TV-Serien-Monat mit der letzten Eureka-Staffel und Staffel 3 u. 4 von Warehouse13, der ersten Staffel Babylon5 gehabt. ;)

Vom mittelalten SuB kam "Third Girl" by Agatha Christie (ich hebe mir die letzten ungelesenen Poirot-Romane etwas auf), in welchem auch Mrs Oliver wieder dabei war. Poirot war dieses Mal lange auf der Suche nach einem Muster und ich hatte das Gefühl, dass nicht nur seine Gedanken sich im Kreis drehten, sondern auch ein paar Handlungselemente sich wiederholten. 

"Was mit dem weißen Wilden geschah" von Francois Garde ist Ende des vergangenen Jahres bei mir eingezogen und die Geschichte klang auch interessant. Ein 18jähriger Matrose wird an der Küste Australiens zurückgelassen, von einer Gruppe Ureinwohner aufgenommen und nach 17 Jahren wiedergefunden - er war voll in die Gruppe integriert, sprach nur noch die Sprache der Ureinwohner und folgte ihren Sitten und Gebräuchen - und in die Zivilisation zurückgebracht. Das Buch ließ mich aber leider unbefriedigt zurück, obwohl der Erzählstil Gardes gut ist. Dies hat meiner Ansicht nach wesentlich mit einer Vermengung von Fakten mit Fiktion zu tun, die zu, hm, unglücklichen Ergebnissen für mich führte (z.B. sind die Auswirkungen auf den realen 14jährigen Narcisse prägnanter gewesen als auf einen 18jährigen, der im 18. Jahrhundert schon ein paar Jahre im rauhen Arbeitsleben gestanden haben dürfte; auch gibt es für mich Diskrepanzen im logischen Aufbau des Buches).  Eine ausführlichere Nachlese habe ich - wegen der Spoilergefahr teilweise versteckt - bei goodreads eingestellt. 

Auch die Hörspielversion von "The crooked House" by Agatha Christie stammt noch aus dem letzten Jahr. Die Auflösung des Krimiplots sah ich so nicht kommen, Cast (sehr gut zu verstehen) und Umsetzung fand ich sehr gelungen, gerade auch wegen der musikalischen Einspielungen. 

Dann habe ich die digitale Hörbuchversion von "Aquarius" von Thomas Finn  - endlich - im März beendet. Dass es so lange mit dem Hören gedauert hat, lag nicht am Sprecher Oliver Rohrbeck. Ich hatte generell wenig Lust  zum Hören und obwohl die Story ganz interessant war mit den eigentlich unmöglichen Todesfällen (Ertrinken in der Telefonzelle z.B.), brachte sie mich nicht dazu, stetig weiter zu hören. Ich hatte keinerlei Probleme, das Hörbuch mal vierzehn Tage links liegen zu lassen. 

Sehr junge Zugänge zum SuB, die ich im März gelesen habe, waren 
- "Mit Miss Marple aufs Land" von Luise Berg-Ehlers hat mir persönlich viel Freude bereitet trotz der ein oder zwei Spoiler in Bezug auf besprochene Krimis, die Nachlese gibt es hier (klick)
Weit gekommen bin ich nicht, ich habe nur kurz hineingelesen
- "Sherlock: Chronicles" by Steve Tribe hat mir einen ganzen Schwung an Fotos und Informationen zu Staffel 1 bis 3 der Sherlock-Serie geliefert. Mir gefiel es und ich habe Lust, alle Folgen noch einmal zu schauen. Hm, heute ist Gründonnerstag - bald ist Weihnachten (besonders, wenn ich aus dem Fenster schaue: Es schneit und schneit), dann soll es ein Special geben. Ich bin gespannt. 
- "Der Spiegel im Spiegel - der erste Buchstabe" von Michael Ende als Audio-Umsetzung (1. Staffel) - ich fand es sehr atmosphärisch, die Darsteller und auch Sound/Audio/Regie im Übrigen gefiel mir sehr und die Geschichten sind ... faszinierend.  
- "Afrika: Kunst und Architektur" von Ivan Bargna, die Nachlese ist, wie oben schon gesagt, hier (klick)
- Das ebook "Die Traumnäherin" von E.A. Birk ist auch erst im Februar dieses Jahres eingezogen, beendet habe ich es im März. Wie schon bei anderer Gelegenheit geschrieben, fand ich es flüssig geschrieben, aber die Protagonisten kamen mir nicht nah. Ich sage es mal so: Es war ganz nett zu lesen, aber ich muss und werde zu Anna und ihrer Familie nicht zurückkehren. Noch eins: Ich habe keine Ahnung, wieso das Buch Traumnäherin heißt. Näherin ist schon klar, Träume spielen auch eine Rolle, aber verbunden zur Traumnäherin? Nein, keine Ahnung.  

Bei der (ALT-)SuB-trahiert Sparte hätte ich etwas mehr gucken und sortieren können, aber egal. Alle im März 2015 gelesenen bzw. gehörten Titel findet Ihr im Übrigen in meiner Leseliste 2015.

Sonntag, 29. März 2015

"Das kleine Buch der botanischen Wunder" von Ewald Weber

Letztes Wochenende habe ich meine Freundin Sayuri besucht und wir zwei sind landeten unweigerlich auch im Buchladen. Dort sah ich "Was Pflanzen wissen" von Daniel Chamowitz, welches allerdings sowohl das letzte im dortigen Bestand als auch angeschlagen war. Ich kaufte es daher erst einmal nicht, habe ich es mir aber gemerkt. Wieder daheim schlug ich erst einmal bei skoobe nach. Dort fand ich das fragliche Buch zwar nicht, aber dafür "Das kleine Buch der botanischen Wunder" von Ewald Weber.

Ich kann nicht sagen, dass mich Botanik bislang großartig interessierte. Das  Herumwuseln im elterlichen Nutzgarten beschränkte sich regelmäßig auf Abernten (Möhren, junge Zuckererbsen, rote Johannisbeeren und auch Erdbeeren, jawohl), bei der Pflege traf man mich dagegen weniger (Tendenz gegen Null) an. Später im Schulgartenunterricht an der Allgemeinbildenden Oberschule der damaligen DDR war ich auch mit einer Begeisterung bei Wind, Regen und Kälte dabei (irgendwie schien das Wetter beim Schulgartenunterricht immer das schlechteste zu sein), die vermutlich der eines Faultiers nahekam. Und auch heute genieße ich zwar den Anblick von Pflanzen, ich bewundere auch Menschen, die sie zum Leben bringen oder am Leben erhalten, aber ich selbst: Ein Kaktus verdurstete bei mir, meine Elefantenbäumchen sind eingegangen, Balkonpflanzen vergesse ich und meine Küchenkräuter überleben vielleicht zwei Wochen, wenn überhaupt. Was wächst ist Katzenminze und etwas kümmerlicher Rasen in der Balkonumrandung. Das reicht für die MuMs und als Erfolgserlebnis auch für mich. ;) Vor diesem Hintergrund fand ich es selbst überraschend, dass ich ein Buch über Botanik in die Hand nahm (im Buchladen) und später ein anderes dann auslieh. ;) Mein Interesse war aber geweckt worden.

Und Ewald Weber hat es mit seinem Buch und seinem Stil aufrechterhalten können. Es geht in den Großkapiteln um Artenreichtum, Wachstum, Vermehrung, dem Zusammenleben der Pflanzen und um den Pflanzenschutz. Bereits in der Einleitung beginnt Weber damit, Pflanze und Tier gegenüber zu stellen, ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede darzustellen. So wachsen sowohl Pflanze als auch Tier, aber: Während das Tier einem bestimmten Bauplan folgt und nicht mehr wächst, wenn es ausgewachsen ist, wachsen Pflanzen durch wiederholenden "Anbau" ihrer Module. Beim Pfeffer, habe ich gelernt, ist ein Modul ein Stück Stängel mit Blatt, welches immer wieder wiederholt wird.  Sind alle Bedingungen erfüllt, kann die Pflanze zwar nicht unendlich wachsen, aber doch ganz schön lange. Man denke nur an die jahrhundertealten Bäume und Tiere. Genau.

Das war nur ein Aspekt, der mir in dieser Art noch nicht wirklich bewusst geworden war. Ein anderer betraf die Fortpflanzung und Vermehrung von Pflanzen: Ich hatte bislang nicht darüber nachgedacht, dass natürlich auch hier die Fortpflanzung und Vermehrung ein störanfälliger Vorgang ist und die Pflanze dafür Sorge tragen muss, ihren Fortbestand zu sichern. Hierauf kommt der Autor immer wieder, auch kapitelübergreifend, mit verschiedenen Beispielen zurück, sei es das im Zusammenhang mit Wüstenpflanzen, sei es im Regenwald (z.B. im Zusammenhang mit parasitären Pflanzen), der ungeschlechtlichen Fortpflanzung und dem Alter von Pflanzenklonen oder sei es im Zusammenhang mit Bambus, der nur alle Jubeljahre - dann aber gleich als gesamter Bambuswald - blüht. Bei dieser Gelegenheit erfuhr ich übrigens nicht nur, dass solch eine Bambusblüte auch als Omen für eine Hungersnot steht, sondern auch warum.  Aber auch in den anderen Kapiteln gab es für mich viel Interessantes zu lesen - sei es über Kommunikation zwischen Pflanzen (auch als Schutz vor Pflanzenfressern), die Verwendung von Bambus oder das Engagement von Musikern und Bogenbauern im Artenschutz.

Was mir an "Das kleine Buch der botanischen Wunder" wirklich sehr gefiel, war seine Zugänglichkeit für mich als, nun ja, zwar interessierten aber jederzeit abzuspringen bereiten Leser. Ewald Weber hat für mich eine gewisse Leichtigkeit in seine botanischen Erläuterungen gebracht, die mich weiterlesen ließ. Ich meine damit nicht nur den populärwissenschaftlichen Stil, der sowohl mit Humor als auch notwendigem Ernst durchsetzt ist, sondern auch, dass in den Beispielen nicht nur exotische Pflanzen wie die Venusfliegenfalle, die Banyan Feige oder der Mammutbaum vorkommen, sondern auch Gräser, Moospflanzen, der Löwenzahn oder ein daheim mit einer weißblühenden Tulpe durchführbares Experiment zur Transpiration in Pflanzen.

Zugestanden: Auch nach der Lektüre werde ich nicht anfangen, Pflanzen zu züchten und meine Wohnung und/oder den Balkon mit ihnen zuzustellen. Aber mein Blick auf Pflanzen hat sich doch verändert und geschärft. Und das ist mehr als der Biologie- und Schulgartenunterricht vor mehr als 30 Jahren bei mir erreicht hat. ;)

ps
Es sind ein paar Bleistift-Illustrationen enthalten. Wenn man, so wie ich, das Buch als ebook auf einem Tablet mit Internetzugang liest, kann man natürlich prima auch in Farbe (auf einem ebook-reader derzeit wohl nur in schwarz-weiß) Informationen direkt nachschlagen, sonst hat man als neugieriger Nichtkenner der Pflanzen etwas mehr zu tun. Farbillustrationen oder Fotoabbildungen waren, jedenfalls im ebook, nicht vorhanden.

Sonntag, 22. März 2015

"Afrika - Kunst und Architektur" von Ivan Bargna

Letztes Jahr habe ich während Winterkatzes Sachbuch-Challenge "Die Geschichte der Kunst" von E.H. Gombrich gelesen. Ich fand das Buch großartig, allerdings konzentrierte es sich doch stark auf Europa. Als ich daher letztens bei Amazon auf "Afrika - Kunst und Architektur" von Ivan Bargna gestolpert bin, habe ich einfach mal zugegriffen, stand doch im Begleittext, dass der vorliegende Band aus der Reihe Imhof-Weltgeschichte der Kunst einen Überblick über die afrikanische Kunst bieten soll.

Wie ich bei Lektüre des Buches gelernt habe, sollte statt afrikanische Kunst vielleicht eher von afrikanischen Künsten oder von Kunst in Afrika gesprochen werden vor dem Hintergrund, dass mit ihr das Schaffen unterschiedlicher afrikanischer Völkergruppen gemeint ist. Ich kann diesen Blick durchaus nachvollziehen, entsprechendes gilt aber natürlich auch für andere Kontinente oder Gegenden, deren Schaffen "zusammengefasst" wird, sei es skandinavisches Design oder südamerikanische Kunst. Vielleicht vereinfache ich zu sehr, aber als wesentlich sehe ich eher an, dass man sich dieser Umstände bewusst ist. Und hinsichtlich der Kunst in Afrika passiert das vorliegend.

"Afrika - Kunst und Architektur" von Ivan Bargna ist mit 72 Seiten recht schmal, enthält aber vielfältige Informationen in Form von erläuterndem Fließtext und farbiger detailreicher Fotografien diverser Objekte wie Masken, Statuen, Köpfe aber auch von Stoffe und Karten.

Wie angedeutet, geht der Autor dabei u.a. auf die Verschiedenartigkeit des Schaffens einzelner Völkergruppen Afrikas ein und auch darauf, dass die Objekte fremdartig für die Augen anderer Kulturkreise wirken - und mit welche "Vorurteilen" man in diesem Zusammenhang schaut und wertet kann. Anhand etlicher abgebildeter Beispiele erläutert der Autor dann das Kunstschaffen genauer, wobei nach meinem Gefühl das Augenmerk auf der Bildhauerei (incl. Masken) liegt. Dabei habe ich u.a. erfahren, dass Malerei in Afrika keine eigene Kunstgattung darstellt, sie ist nicht verzierend, sondern integrativer Bestandteil von (Kunst-)Objekten. Ich habe einen Einblick erhalten, was die Farben - ob aufgemalt oder mittels Stoff  - und aufgebrachte Muster oder die verlängerten Formen von Masken (Hörner können z.B. für das Wachstum der steil aufstrebenden Hirse stehen) bedeuten können und war fasziniert von der Bandbreite ihrer Herstellung (Materialien). Ebenso wie später im
Architektur-Kapitel bekam ich Hintergründe präsentiert, z.B. wie sich die Lebensauffassungen im Schaffen oder auch im Aufbau des Dorfes oder der Hütte wiederfinden.

Die Einblicke sind angesichts des Umfanges des Buches zwangsweise kursorischer Art, aber das Buch liefert das, was es laut Klappentext verspricht. Einen Überblick über die Künste in Afrika. Auch wenn ich manchmal im Text hängenblieb und mir dann auch das im Buch befindliche Glossar nicht weiterhalf
- so spricht der Autor an einer Stelle von der Kunst in der afrikanischen Gesellschaft (ich lese zusätzlich: auf dem gesamten Kontinent) führt dazu aus, "weil im Afrika der Sahelzone von alters her keine Schrift existierte..." (S. 24 dieser Ausgabe). Ich habe mich zunächst gefragt, wo die Sahelzone liegt (und im Internet recherchiert) und danach, weshalb der Autor sich "nur" auf diese Zone des Kontinents bezieht. Es kann ja durchaus sein, dass die wesentliche Entwicklung in dieser Zone stattfand,  aber hierzu erfahre ich in dem vorliegenden Buch nichts. Es hätte mir gefallen, etwas in der Art zu lesen: Für den Zweck dieses Buches sei darauf hingewiesen, dass es in der Sahelzone .... ; weiterführen Literatur findet sich ... (in dem Buch findet sich übrigens kein Hinweis auf weiterführende Literatur, allerdings der Autor selbst offenbar eine Koryphäe) -,
war das Buch für mich als Laien - betreffend Kunst im Allgemeinen und betreffend Kunst in Afrika im Besonderen - doch das, was ich haben wollte, eine Einführung und Übersicht zum afrikanischen Kunstschaffen.